Ein zartes Ziehen, schmerzvoll und süß. Ein brennendes Verlangen von ungeahnter Vehemenz. Voller Hoffnung - und doch unstillbar? Wer kennt sie nicht, die Kraft der Sehnsucht ... nach der Ferne oder dem Nach-Hause-Kommen, nach dem Meer oder den Bergen, nach Freiheit und Erlösung. Nach der Gegenwart eines Menschen, nach vollkommener Liebe und Verschmelzung. "Das Dunkelste und damit Tiefste der menschlichen Natur ist die Sehnsucht", schrieb Schelling. Monika Helfer, Franz Hohler, Root Leeb, Michael Köhlmeier, NataSa Dragni? und Rafik Schami gehen ihr nach, erkunden das Geheimnis ihrer Macht, die Formen ihres Ausdrucks, ihre Wirkung, ihr Ziel. Sie erzählen Geschichten von Menschen, die sich ihr hingeben, gegen sie ankämpfen, ihr erliegen, die Verwurzelung in Realität und Gegenwart verlieren oder das Glück der Erfüllung erleben: in Kurzgeschichten von sprachlicher Sensibilität, Poesie und großer literarischer Kunst.
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YukBook
aus München
5/5
25.03.2018
Buch (Gebundene Ausgabe)
Stimmt es, dass wir uns immer…
Stimmt es, dass wir uns immer das wünschen, was wir gerade nicht haben? Bestimmt die Sehnsucht unser Leben? Sechs Autorinnen und Autoren sind in diesem Band dieser Frage nachgegangen und haben sich zu mehreren Kurzgeschichten inspirieren lassen. Sie sind mal heiter, mal dramatisch, mal mystisch und düster. Dabei zeigt sich, in welch unterschiedlicher Art und Intensität die Sehnsucht uns befällt. Das Verlangen nach einem Menschen hat sicher jeder schon erlebt. Doch was macht man, wenn es so destruktive Ausmaße annimmt wie in der Erzählung "Wie ultramarin" von Root Leeb? Ein Augenarzt verzehrt sich förmlich nach einer Patientin, die er nur flüchtig kennt. Für ihn ist die Anziehungskraft unerklärlich und dennoch bringt sie seinen Alltag völlig durcheinander. Die anfangs bittersüße Sehnsucht zwischen zwei Liebenden kann sich mit der Zeit auch in etwas Grausames und Boshaftes verwandeln, wie eine weitere Geschichte der Autorin zeigt. Ihr Vergleich mit zwei Marionetten, die von einer fremden Kraft mal zueinander angezogen, dann wieder voneinander abgestoßen werden, fand ich sehr treffend. Die Sehnsucht wird in den Geschichten auf ganz unterschiedliche Weise ausgelöst – mal durch ein vorgetragenes Gedicht der Tochter, mal durch den plötzlichen Tod der Mutter. Die Figuren führen uns vor Augen, dass wir uns entweder vergangene Zeiten herbeisehnen und verpassten Chancen nachtrauern oder uns an eine fixe Idee klammern und den Plan kompromisslos durchziehen. Doch welchen Preis zahlt man, um seine Sehnsucht zu befriedigen? Der Direktor einer Krankenkasse nimmt höchste körperliche Strapazen in Kauf, wenn das Spitzchen ruft. Er hat sich den Aufstieg des Walliser Weißhorns nun mal in den Kopf gesetzt, da führt kein Weg dran vorbei. Ganz zu schweigen von den seelischen Nöten, an denen so manche Figur zugrunde geht. Autor und Herausgeber Rafik Schami hat in diesem Büchlein lauter literarische Perlen versammelt, die die Sehnsucht wecken nach mehr.
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