»Eine Reise ins Herz der Finsternis. Schon lange hat mich kein Buch mehr so berührt.«
- Christine2000, LovelyBooks-Rezensentin
Gregor Bach empfindet nur Verachtung für jene, die es im Leben nicht geschafft haben. Als er in seiner Wohnung eine verwahrloste Frau antrifft, die sich das Vertrauen der Kinder erschlichen hat, reagiert er gewalttätig und löst damit eine Kettenreaktion aus, der er nichts entgegenzusetzen hat: unaufhaltsam frisst sich von diesem Tag an ein zerstörerisches Feuer in seine Beziehungen und seine materielle Existenz. Zuletzt findet sich Gregor in den Kellergewölben der Wohlstandsgesellschaft wieder, wo er in ein Geflecht von undurchsichtigen Beziehungen und persönlichen Geheimnissen verwickelt wird. Er trifft eine radikale Entscheidung, um der Situation zu entkommen ...
»Die Schulter des Riesen« ist ein spannender Roman aus dem Deutschland der Gegenwart, der mit einem schonungslosen Gesellschaftsporträt beginnt, um schließlich mit ungewöhnlichen Einsichten in die menschliche Natur und das Wesen des Glücks zu überraschen.
Kundinnen und Kunden meinen
4.9/5.0
otegami
aus Lichtenfels
5/5
26.09.2018
Buch (Gebundene Ausgabe)
Sozialer Abwärtsstrudel – erschütternd und aufwühlend, jedoch brillant beschrieben!
Wir kennen es alle: 'wenn's läuft, dann läuft's! Wenn nicht, kommen alle Widrigkeiten des Lebens zusammen – man hat das Gefühl, die ganze Welt hätte sich gegen einen verschworen.
Im 'Die Schulter des Riesen' erlebt letzteres der Protagonist Gregor. Erschüttert und aufgewühlt können wir seine soziale Abwärtsspirale, nein...... es ist mehr ein Abwärtsstrudel, verfolgen.
Begeistert hat mich die Sprache: kraftvoll und sehr bildhaft! (Beispiel: 'Aber es war nicht die kraftvolle Wut von früher, gebündelt und nützlich wie die rauschende Flamme aus einem Gasbrenner; eher glich sie einem gereizten Wespenschwarm, der sich gegen alles richtete, nicht zuletzt gegen Gregor selbst.') Die Charaktere sind hervorragend herausgearbeitet und die Szenen spielen sich lebhaft vor den eigenen Augen ab. Dazu kommt die Vielschichtigkeit der Themen: ob (Bau)Kunst, oder griechische Mythologie, Vogelkunde.............und vieles mehr.
'Die Schulter des Riesen' hat mich von der ersten Seite an gefesselt, mich oft ins Grübeln gebracht und und brillant unterhalten! Gerne gebe ich hier fünf Sterne und wünsche diesem Buch noch viele Leser!
Bewertung
aus Stuttgart
5/5
26.09.2018
Buch (Gebundene Ausgabe)
Leseästhetik vom Feinsten
Das Cover, eine wunderschöne alte Grafik eines Sternbildes, der Titel geheimnisvoll, dann der Klappentext sehr vielversprechend...
Meine Erwartungen wurden dennoch weit übertroffen!
Gregor, die tragende Figur des Romans, ist ein Liebhaber der schönen Dinge, ein Ästhet und Kunstkenner der seine Umwelt wie ein sich stets wandelndes Kunstwerk empfindet: "Die Wände des Flurs rahmten ihre Gestalt ein, und mit ihrer gelblich grauen Haut und den großen dunklen Feldern unter den Augen glich sie einer von Rosso Fiorentinos abartigen Madonnen.", "Selbst Egon Schiele hätte ihn nicht hässlicher malen können.", "Rührte sich nicht mehr, und wurde für Sekunden zum Teil einer grausigen, fotorealistischen Kunstinstallation."
Sein Hang zur Unbeherrschtheit ist der Auslöser für eine tragische Kettenreaktion die Gregor unaufhaltsam und unerbittlich buchstäblich an den Abgrund führt.
In beklemmender Intensität schildert der begnadete Autor Raffael Rauhenberg, Gregors Desaster in all seinen Facetten und lässt den Leser
in die Abgründe menschlicher Existenz blicken.
Köstlich und metaphorisch ist Gregors Abscheu gegen die moderne Architektur die er als seelenlos, tot und steril wahrnimmt: "Jenseits dieses Schmuckkästchens wütete die Moderne, lag das Skizzenbuch der ästhetisch Desorientierten offen da. Schon auf dem Nachbargrundstück ein Dutzend schmale, schräggestellte Blocks, ein Arrangement, so originell und lebendig wie eine Kompanie geklonter Soldaten, eingefroren im Links-um.", während ihm der Jugendstil lieb ist, Lebendigkeit, Wärme und Bewegung verkörpert.
Raffael Rauhenberg hat mit seinem brillanten Werk das Paradoxon vollbracht Hässlichkeit schön darzustellen, mit Worten wahre Kunstwerke zu erschaffen, mit zärtlicher Poesie voller Melancholie den sonst in seiner Gnadenlosigkeit fast nicht zu ertragenden Inhalt in einen wunderbaren und fesselnden Lesegenuss zu verwandeln.
Schade, dass man nur fünf Sterne vergeben kann!
Bewertung
aus Leipzig
5/5
25.09.2018
Buch (Gebundene Ausgabe)
Mitreißender Schicksalsroman, aktuell, kritisch, spannend, düster und auch poetisch ...
Der Titel »Die Schulter des Riesen« hat mich aufmerksam werden lassen und das schöne Cover ebenso. Auch der Stil der Leseprobe versprach Einiges, was durchweg gehalten oder übertroffen wurde .
In den Textstellen, die Natur, Himmel, Pflanzen oder Tiere beschreiben fasziniert eine feinsinnige ästhetische, geradezu organisch schwungvolle Ausdrucksweise, die man als sprachlichen Jugendstil bezeichnen könnte. Auch sonst wird das Leserherz durch herrlich kreative Schöpfungen erquickt wie: »das Display seines Weckers stanzte beharrlich rubinrote Minuten aus dem Dunkeln«. Und mutig ereifert der Protagonist sich u. a. gegen die gefriergetrocknete Bauhaus-Formensprache, ein Raster, das Menschen u. a. in Architektur mit dem Charme von Schließfächern bunkert.
Dem gegenüber stehen thematisch menschliche Abwärtsspiralen bis hin zur Obdachlosigkeit, Apathie, schlimmer noch die völlige Verrohung Einzelner, vom Amtsschimmeln in Behörden bis zu rechtsradikalen Irren. Diese Themen sind wahrhaftig nicht angenehm, aber es ist eben wichtig, darüber nachzusinnen.
Was denken Sie, wenn Sie Obdachlose auf der Straße sehen?
Das Buch räumt nicht nur mit Vorurteilen auf, sondern zeigt, wie wichtig die Einstellung und Handlungsweisen jedes Einzelnen von uns im Alltag ist. Da gibt es herzlose Beamten- und Vermieterwillkür, kriminelle Polizisten, mobbende Arbeitgeber, misshandelnde Drogenhändler, Beleidiger … zerbrochene Kinderseelen und … kluge Reden schwingende Küchenhilfen, einen weisen Alkoholiker (in den weniger trunkenen Phasen) sowie die obdachlose Lotte, die eine Heldin ist – ein bisschen verrückt, aber heldenhaft bis zum Schluss.
Das Schicksal des teils schöngeistigen Protagonisten, Gregor Bach, zieht einen in seinen Bann, ein Sog, der zwar in einem gutbürgerlichen, satten Leben beginnt, dann aber ab einer unbeherrschten, brutalen Überreaktion nur Abgründe aufzuweisen scheint. Dabei spielt die Ambivalenz im Charakter des Protagonisten eine große Rolle – ohne zu viel verraten zu wollen.
Die Tiefe und Hässlichkeit der aufgezeigten Abgründe ist manchmal schwer auszuhalten, vor allem, weil man weiß, dass diese aus dem realen Leben gegriffen sind. Der Autor hat gründlich recherchiert und auch einige Fälle auf seiner Homepage gelistet.
Lichtblicke sind dann wieder einzelne Dialoge mit klugen Menschen und eine schöne Legende zum Orion, die Wiederentdeckung der wahren Schönheiten und Werte im Leben, trotz widrigster Umstände.
Es ist ein Buch, das man nicht so schnell wieder vergisst. Wie ich schon in der Leserunde schrieb: es sollte für Politiker, Beamte und Entscheidungsträger jeder Art zur Pflichtlektüre werden. Und wie eine andere Leserin richtig schrieb, auch für Schüler wäre es wichtig.
Vielen Dank an den Autor, Raffael Rauhenberg, der das Buch in der Leserunde zur Verfügung stellte und weiterhin noch Gutscheine dafür vergibt.
Ich gebe eine ganz klare Lese-Empfehlung.
Bewertung
aus Berlin
5/5
17.09.2018
Buch (Gebundene Ausgabe)
Sturz ins Leere
Gregor Bach, Silberschmied,34 Jahre, hatte Angst vor dem Leben, dass er hinter sich lassen wollte.Ein Sturz sollte dem ein Ende setzen, einem Leben, indem er nichts lebenswertes mehr sah.Wird er springen?
Eine einzige Unbeherrschtheit gab den Auslöser, der nichts mehr mit seinem unbeschwerten, sorglosen Leben gemein hatte. Die Obdachlose, die sich Zutritt in seine Wohnung verschaffte, von seinen Söhnen umsorgt , wurde von ihm an den Haaren aus dem Haus gezerrt. Er, der sich um seine Kinder sorgte, verachtete diesen Abschaum, der nichts auf die Reihe zu bringen schien. Doch wenig später musste er dieses Vorgehen teuer bezahlen. Die Obdachlose hatte ihn zu ihrem Dealer ernannt, und plötzlich wurde die Wohnungstür vom Sonderkommando der Drogenfahndung aufgebrochen, die Wohnung durchwühlt, er in Untersuchungshaft verbracht.Seine Söhne Robert und Alex mussten alles mit ansehen.
Durch Kaution freigelassen, muss er erfahren, dass seine Frau ihn mit seinen Söhnen verlassen hatte. Bald verlor er seine Arbeit, Rechnungen türmten sich, Reserven verbraucht, er verlor seine Wohnung. Er verfiel in die Obdachlosigkeit. Seine Träume bestanden nun aus der Sehnsucht nach einer Wohnung mit einer Tür zum Abschließen, einem warmem Bett und seiner Familie.Und jetzt durchlebte er das Leben derjeniger, die er doch einst so verachtete.
"Sein altes Leben... Damals hatte er für seinen Wohlstand gearbeitet, nun arbeitete er an seiner Armut." (S.139)
Es ist schon verstörend, wie schnell ein Mensch in eine ausweglose Situation, teilweise unverschuldet, gelangen kann. Wie das Labyrinth der behördlichen Unbegreiflichkeiten, ein Entkommen unmöglich machen. Sicher hat Gregor in manchen Momenten falsch gehandelt, aber wie sollte man ihm einen Vorwurf machen, in dieser surrealen Welt.
Der Leser begibt sich mit ihm auf den Weg nach einem warmen Schlafplatz, landet in der Gruft, die ihren Namen zurecht trägt. Bettelt um einige Münzen, um sich sein Schließfach und einen Bissen leisten zu können. Sieht die verachtenden Blicke, die Scham, wie er sich vor den eigenen Kindern verbirgt.
Aber dennoch verlor Gregor nicht seinen Blick für das Böse, den Dealern, die den Verfall von Menschen in Kauf nahmen, die Perversen, die sich an Jugendlichen, Kindern vergingen.
So sieht er ein Ziel, dem jungen Ricky beizustehen, ihm einen Ausweg zu zeigen.
Die Geschichte spielt in einer fiktiven Stadt in Deutschland, wird als eine Geschichte der Gegenwart geschildert.Und diese Gegenwart lauert bereits vor unseren Türen, ist in unseren Städten präsent. Mich hat diese Geschichte sehr erschüttert, ein Spiegelbild unserer Gesellschaft, in der die Kluften mehr und mehr auseinander driften.
Raffael Rauhenberg baut seine Gesellschaftskritik geschickt in die Handlung ein. Seine Wortwahl präzise, mit einer Genauigkeit, die Bilder entstehen läßt, die man eigentlich nicht sehen mag, Gerüche denen man entfliehen möchte. Menschen formt, die selbst in ihrer abgrundtiefen Verachtung, dennoch ein wichtiger Teil der Handlung werden. Selbst in dieser Trostlosigkeit etwas wie Sorge, Freundschaft erblühen läßt. Er fordert den Leser auf sich mit der Geschichte auseinanderzusetzen, hinzusehen, was da so schief läuft. Eine Hand, die sich uns entgegenstreckt, oftmals keine andere Wahl hat, geschweige bekommt.
Die Aroganz derer, die sich im Schoße des Wohlstands befinden, sich dessen ganzen Ausmasses des Elends nicht bewusst sind, ihre Verachtung nach außen tragen.
Ich kann dieses Buch nur jedem Leser empfehlen, sich dem Umstand seines eigenen Lebens bewusst zu sein. In einer Welt, in der Konsum immer mehr im Vordergrund zu stehen scheint, Altersarmut droht, Mieten unerschwinglich werden, man sich nie um seiner Sicherheit sicher sein kann, seine Werte zu überdenken, Menschlichkeit zu bewahren, auch denen gegenüber, die schon ganz unten angekommen zu scheinen.
Es ist nur ein Buch, ein Buch mit einer Geschichte, aber die dennoch weiß den Leser zu erreichen, ihn nie in solch eine Situation gelangen läßt. Im wahren Leben ein Netzt gespannt wird, dass uns davor bewahren möge.
Cassandra
aus Berlin
5/5
23.07.2018
Buch (Gebundene Ausgabe)
ein Buch wie ein Vorschlaghammer
Eine Reise ins Herz der Finsternis
Schon lange hat mich kein Buch mehr so berührt. Gregor Bach zu begleiten auf seinem Weg vom ganz normalen, moralisch trittsicheren Familienvater, leicht arrogant, selbstsicher und einigermaßen glücklich, zum verzagten, verzweifelten Elendsmenschen, der Obdach- und hoffnungslos durch die Stadt driftet, das ist richtig hart. Mit jedem weiteren Schicksalsschlag wird Gregor mutloser und angreifbarer. Er kann einfach nicht mehr heraus aus dem Teufelskreis von Obdachlosigkeit und Armut. Die ganze Wucht des Abgestempelt-Seins als Versager beschreibt Raffael Rauhenberg so erbarmungslos sicher, dass es völlig logisch erscheint, dass Gregor und seine Leidensgenossen es nicht mehr schaffen können, den Kopf zu heben aus dem Morast des Elends. Und es fühlt sich an, als könne es mich genauso treffen. Der Kontrast zwischen sicher, geborgen und optimistisch zu abgewatscht, verloren und chancenlos hat eine verdammt dünne Grenze bekommen. Gibt es überhaupt eine? Wir sind alle Menschen mit dem Bedürfnis nach Liebe, Essen, Trinken, Wärme und Sicherheit. Wir wollen dazugehören. Auch Gregor gehört dazu, allerdings lebt er nun in einer Art Paralleluniversum, in dem jeder Tag existenzielle Bedrohung, Niederlagen und Demütigung beinhaltet. Aber selbst hier gibt es so etwas wie Freundschaft, Solidarität und Integrität. Und letztendlich macht das den Unterschied. Ich sehe sie jeden Tag, die Menschen, die herausgefallen sind aus dem System und ich werde sie von nun an mit mehr Verständnis und Mitgefühl betrachten, denn sie könnten „ich“ sein. Wie ging noch mal der Spruch? „ If you never walked in my shoes, dont you judge me.“ Ein richtig tolles Buch. Nicht nur inhaltlich sondern auch sprachlich. Ich wünsche ihm viele Leser und einen Platz auf den Bestsellerlisten, den hat es verdient.
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