Eine berührende und authentische Familiensaga über ein bislang wenig bekanntes Kapitel der Geschichte.
1930 wütet das Sowjetregime mit Enteignungen und Verhaftungen in den ehemals wohlhabenden deutschen Dörfern der Krim. Jeder, der noch Land oder Einfluss hat, schwebt in Gefahr.
Wilhelm Scholz weigert sich, seinen letzten Grundbesitz an den Staat zu überschreiben. Mitten in der Nacht zerren bewaffnete Männer ihn, seine Frau Anna und ihre kleinen Kinder aus dem Haus. Die Familie wird in die eisige Wildnis des Hohen Nordens gebracht und Baumfällarbeiten zugeteilt. Inmitten von Hunger, Krankheit und klirrender Kälte kämpfen Anna und Wilhelm ums Überleben und um einen Platz in der neuen Weltordnung.
Samuel Pfeiffer entgeht einem ähnlichen Schicksal nur durch eine rechtzeitige Flucht. In einer Nacht- und Nebelaktion verlässt er mit seiner Familie das Dorf und lässt alles zurück. Doch die Verschnaufpause währt nicht lang. Als deutscher Lehrer wird er immer wieder verfolgt und denunziert. Eine Odyssee von der Krim bis nach Baku beginnt ...
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Schicksal von Russlanddeutschen – unter die Haut gehend
Bewertung aus Oranienburg am 04.04.2019
Bewertungsnummer: 1200029
Bewertet: Buch (Gebundene Ausgabe)
Die 30er Jahre in der Sowjetunion: auf der Halbinsel Krim leben viele Deutsche. Sie sind der Regierung ein Dorn im Auge und Stück für Stück werden die Repressalien, die sie erleiden müssen immer schlimmer…
Mit diesem Buch ist Ellen Zeiss ein wunderbarer Roman über das Schicksal zweier deutscher Familien (Familie Scholz und Familie Pfeiffer), die eigentlich in Russland ihre Heimat gefunden hatten, gelungen. Sie zeigt auf, wie schlecht diese Menschen von der Regierung und deren Behörden behandelt wurden. Daher finde ich den Titel des Buchs äußerst passend. Keinem kann man trauen, jedes Wort muss wohl überlegt sein. Demütigungen sind an der Tagesordnung. Selbst Traditionen, wie z.B. das Weihnachtsfest, sind verboten.
Dabei habe ich insbesondere Anna Scholz immer wieder bewundert. Nie hat sie den Mut verloren, wenn es wieder einmal hieß: ihr müsst euer Heim verlassen, werdet deportiert oder müsst fliehen – mit nur zwei Koffern. Auch als ihr Mann abgeholt wird, gibt sie sich nicht der Verzweiflung hin, sondern stellt sich ihren neuen Aufgaben. In meinen Augen ist sie eine sehr starke Frau, die auch wenn es für sie selbst Einschränkung bedeutet, dass tut, was getan werden muss. Wie hier in der Geschichte, als sie trotz eigener 2 Kinder auch noch die verwaiste Rita bei sich aufnimmt. Dabei steht für Anna immer das Wohl der anderen an erster Stelle. Es hat mich stark bewegt, wie dankbar die Familie für Kleinigkeiten war. Aber auch wie Anna trotz eigener Not immer noch versucht hat ihren Leidensgenossen uneigennützig zu helfen. Auch für kleine Verbesserungen ihrer eigenen Situation waren die Scholzes dankbar. Der Erzählstil der Autorin ist mir unter die Haut gegangen. Jetzt fiebere ich der Fortsetzung entgegen. Ich muss unbedingt wissen wie und wo begegnen sich die beiden Familien, denn sonst gäbe es ja diesen wunderbaren Roman nicht, da hier ja die Geschichte von Ellen Zeiss ihrer Familie erzählt wird. Von mir erhält dieser Roman 5 wohlverdiente Lese-Sterne und eine uneingeschränkte Leseempfehlung.
Aufgeben war keine Option
Dreamworx aus Berlin am 17.03.2019
Bewertungsnummer: 1194493
Bewertet: Buch (Gebundene Ausgabe)
1930. Als das stalinistische Regime auf der Krim Enteignungen von Deutschstämmigen vornimmt, trifft es auch die Familie Scholz. Wilhelm weigert sich vehement, seinen Grund und Boden an den Staat abzugeben. Als Folge davon werden er, Ehefrau Anna und die drei Kinder Yvo, Erich und Rita nachts von Bewaffneten aus ihrem Haus geworfen und fernab ihrer Heimat gewaltsam ins kalte Sibirien umgesiedelt, wo sie wie viele andere Vertriebene in Arbeitslagern untergebracht werden. Familie Scholz kämpft in eisiger Kälte nicht nur gegen Hunger, sondern wie viele andere auch ums Überleben. Der im Nordkaukasus lebenden deutschstämmigen Familie Pfeiffer ergeht es 1937 nach Ausbruch des Zweiten Weltkrieges ebenso wie den Scholzes, allerdings gelingt es dem Lehrer Samuel Pfeiffer und seiner Familie, bei einem nächtlichen Fluchtversuch dem Erschießungskommando zu entgehen. Doch die Verfolgung und der Hass auf die Familie begleitet sie auf ihrer Flucht quer durch die Sowjetunion…
Elvira Zeißler hat unter dem Pseudonym Ella Zeiss mit ihrem Roman „Wie Gräser im Wind“ den ersten Band ihrer zweiteiligen Serie „Tage des Sturms“ vorgelegt und erzählt darin die Geschichte ihrer Großeltern, die ursprünglich aus Kasachstan stammen. Der Schreibstil ist flüssig, fesselnd und emotional zugleich, der Leser rutscht von der ersten Seite an in eine vergangene Zeit, die von Grausamkeit, Hoffnungslosigkeit, Entbehrungen, Hunger und Krieg geprägt ist und darf dabei zwei Familien kennenlernen, die fast den gleichen Leidensweg erfahren müssen. Sehr berührend vermittelt die Autorin die damaligen Zustände, unter denen die Vertriebenen leben mussten und alles zeigt Parallelen zu den Nazis auf, die damals die Juden enteigneten, während die Russen den deutschstämmigen Siedlern ihre Identität und ihr Eigentum entrissen und sie innerhalb des Landes verschleppten, wobei nicht wenige spurlos verschwanden oder exekutiert wurden. Besonderen Respekt muss man den Menschen zollen, die dieses Märtyrium durchgestanden haben und dabei nie die Hoffnung verloren, immer nach ihren Angehörigen suchten und ihre Familien zu beschützen versuchten. Sie waren Quälereien, Hohn und Spott ausgesetzt, nirgendwo waren sie willkommen und lebten in ständiger Angst. Sehr lebhaft und mit einer bildreichen Sprache bringt die Autorin auch die schlimmsten Momente und die größte Kälte dem Leser so nah, dass man während der Lektüre konstant Gänsehaut hat.
Den Charakteren wurde auf liebevolle Art Leben eingehaucht, sie wachsen dem Leser schnell ans Herz und lassen ihn Teil der Verfolgten werden, immer mit einer kleinen Distanz, um darüber nachzudenken, wie man selbst in solchen Situationen handeln oder ob man sie überhaupt überleben würde. Dabei wächst der Respekt ins Unermessliche, wenn man sich vor Augen führt, was die Protagonisten alles am eigenen Leib erfahren haben und dass es sich um eine autobiografische Darstellung handelt. Der Mut, die Stärke und vor allem die Kraft, sich immer wieder zu mobilisieren, auch wenn die politische Situation aussichtslos erscheint, sie keine wirkliche Heimat mehr haben und sie immer wieder gegen Windmühlen oder um ihr Leben kämpfen, macht diese Menschen zu den wahren Helden der damaligen Zeit. Aufgabe war für sie nie eine Option, sie haben immer wieder mit wenigen Dingen aufs Neue versucht, ihr Leben wieder in normale Bahnen zu lenken und dabei auch anderen Gleichgesinnten noch zu Hilfe zu kommen.
„Wie Gräser im Wind“ ist ein sehr gelungener Serienauftakt, voller Emotionen, gesellschaftlicher und politischer Hintergründe und viel Stoff, den Leser zum Nachdenken anzuregen und eigene Recherche zu betreiben. Man darf auf die Fortsetzung sehr gespannt sein. Verdiente Leseempfehlung!
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