Seit gestern ist Frieden. Hanne, geboren 1931, war wie die meisten jungen Mädchen in Deutschland begeistertes Mitglied im BDM. Nach Kriegsende gilt nichts mehr, woran sie geglaubt hat. Mit den Besatzungstruppen kommt Adam, ein englischer Soldat, in ihr Dorf. Hanne merkt es als Erste: Zwischen Julia, ihrer besten Freundin, und dem jungen Engländer entsteht etwas, das noch vor Kurzem niemand für möglich gehalten hat. Über sich selbst bestimmen, den eigenen Gedanken und Empfindungen folgen, Freiheit statt Diktatur - für Hanne ist das eine ganz neue Erfahrung. Sie entdeckt ihre Neugier auf das Leben und die Liebe.
Kundinnen und Kunden meinen
5.0/5.0
Dr_ M
aus Sachsen
5/5
12.07.2018
Buch (Gebundene Ausgabe)
"Wie hat der Frieden angefangen, der uns heute zum Glück so selbstverständlich ist?"
Wäre dieses Jugendbuch 1960 erschienen, dann hätte es vielleicht in die Zeit gepasst. Aber jetzt, drei Generationen später, können sich Jugendliche kaum vorstellen, wie die Stimmung im damaligen Westdeutschland war. Vielleicht ist das ein Grund, ein solches Buch heute zu schreiben und zu veröffentlichen. Ob es auf Interesse stößt, wird man sehen. Zu vermuten ist eher das Gegenteil. Wir haben andere Probleme, als uns an die ersten Nachkriegsjahre zu erinnern. Und für die heutige Jugend scheint diese Zeit Lichtjahre entfernt. Ihr Vorstellungsvermögen reicht nicht mehr aus, um sich in diese Zeit hineinversetzen zu können. Einen Vorwurf kann man ihr daraus natürlich nicht machen, denn allenfalls die Großelterngeneration kann sich noch an die damaligen Umstände erinnern. Ohne einen emotionalen Bezug wird sich also kaum ein Jugendlicher für ein solches Buch interessieren.
Vielleicht könnte man es in Geschichtsunterricht zur Illustration der damaligen Stimmungslage nutzen. Es gibt nämlich keinen wirklichen Grund, dieses Buch in irgendeiner Weise zu kritisieren. Es ist gut geschrieben, folgt einer nachvollziehbaren, weil realistischen Handlung und erklärt die Umstände geradezu hervorragend. Zahlen und Fakten dominieren gewöhnlich die Geschichte, und man vergisst dabei, dass es auch damals ein Leben gab. In der schwierigen Zeit unmittelbar nach Kriegsende gab es für die vierzehnjährige Hanne Hoffmann die ersten Berührungen zum anderen Geschlecht, Tanzstunden, Schulunterricht und Familienprobleme. Das alles in einer Zeit der Not und der heftigen politischen Umbrüche, die im Westen Deutschlands allerdings nicht so dramatisch waren wie im Osten. Alte Strukturen und Seilschaften blieben erhalten. Auch das kann man hier lernen.
Nach knapp 200 Seiten endet das eigentliche Buch. Danach folgen eine recht lange Liste mit Erklärungen von Begriffen und eine grobe Zeittafel, aus der man die Entwicklung in Deutschland von 1933 an nachverfolgen kann. Für die Zielgruppe scheint mir das eine sehr gelungene Möglichkeit zu sein, sich in ersten Ansätzen mit dieser Zeit zu beschäftigen.
Wenn man im Osten Deutschlands gelebt hat, wird man aus dieser Zeittafel übrigens herauslesen können, dass es offenbar bis zum Ende der 1970er Jahre brauchte, ehe man das volle Ausmaß der Judenvernichtung während der 12 fürchterlichen Jahre in einer breiten Öffentlichkeit zur Kenntnis nahm. Wenn das tatsächlich so war, dann kann man sich schon erschrecken und einen erheblichen Unterschied zum Osten feststellen.
Kurz: Obwohl zu befürchten ist, dass dieses Buch auf wenig Interesse stößt, bietet es einen sehr guten Einblick in die ersten Nachkriegsjahre in Westdeutschland. Immer natürlich aus der Sicht eines zu Kriegsende vierzehnjährigen Mädchens und seiner Familie.
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