Ein philosophischer Thriller, der all unsere Gewissheiten zum Wanken bringt - vom jungen kanadischen Bestseller-Autor Iain Reid (»The Ending«).
Ein Besucher ist etwas höchst Ungewöhnliches auf der Farm von Junior und Henrietta, die sich irgendwo in der kanadischen Einsamkeit zwischen riesige Rapsfelder duckt. Und der seltsame Gast aus der Stadt bringt verstörende Nachrichten: Junior wurde für ein Forschungsprogramm ausgewählt und soll die nächste Zeit weit weg von seiner Farm verbringen … sehr weit weg. So soll sein langweiliges Leben revolutioniert, seine persönliche Entwicklung vorangetrieben werden.
Und Henrietta, seine geliebte Frau?
Keine Angst. Für sie wird gesorgt - sie wird seine Abwesenheit noch nicht einmal bemerken ...
Mit sparsamen Mitteln erzeugt Iain Reid raffinierteste Spannung und schwer fassbaren Schrecken und wirft die großen Fragen auf - nach unserem Zusammenleben, dem freien Willen und dem Menschsein selbst.
Kundinnen und Kunden meinen
4.7/5.0
3 Bewertungen
5 Sterne
4 Sterne
3 Sterne
(0)
2 Sterne
(0)
1 Sterne
(0)
Eine kafkaeske Reise ins Unterbewusstsein
Barbaras Bücherbox aus Niederbayern am 20.04.2019
Bewertungsnummer: 1204577
Bewertet: Buch (Taschenbuch)
Junior wurde auserwählt.
Als einer der ersten Menschen soll er zu Testzwecken für einige Jahre in einer Installation auf dem Mond leben. Doch seine Frau soll zuhause bleiben. Nicht unbedingt etwas, worüber man sich freuen sollte, denkt Junior. Doch Terrence, der ihn auf die Reise vorbereiten soll, sieht das ganz anders. Das ist ein großes Ereignis, Junior ist ein Glückspilz! Aber Junior will nicht fort von hier – unvorstellbar, denkt Terrence, und zudem nicht zu umgehen, sagt er.
Doch Junior bleibt skeptisch. Denn während Terrence davon überzeugt ist, ihm wundervolle Neuigkeiten zu bringen, fragt sich Junior, wie seine Frau Hen ohne ihn zurechtkommt. Und weshalb sie seit Terrence‘ erstem Besuch so distanziert ihm gegenüber ist.
Über den Inhalt sollte man nicht zu viele Worte verlieren, denn wie bereits in The Ending stellt Iain Reid dem Leser unzählige Fragen und beantwortet davon nur sehr wenige und diese sehr zögerlich. Denn wir begleiten Junior dabei, wie sein Leben – das sich doch seit seiner und Hen’s Hochzeit so wenig verändert hat – aus den Fugen gerät. Nur sehr wenig, aber doch spürbar. Denn bereits in dem Moment, in dem Terrence ihm von seiner bevorstehenden Reise (die zu Beginn noch nicht sicher ist) erzählt, spürt man regelrecht, wie Hen sich von ihrem Mann zurückzieht. Sie ist verschlossen und distanziert, während Junior nicht versteht, weshalb sie ihm ausweicht. Als sich Terrence Besuche dann häufen, häufen sich gleichsam auch die seltsamen Ereignisse.
Dieses Buch lebt von der Atmosphäre. Nur selten habe ich Bücher gelesen, in denen die Atmosphäre so dick ist, als könne man sie mit dem Messer schneiden. Alles hüllt sich in Nebel, die Spuren sind nur kurz sichtbar und man vermutet Lösungen hinter jeder Tür, nur um erneut nichts dahinter vorzufinden. Erst gegen Ende denkt man, die Fäden entwirrt zu haben, nur um erneut vor weiteren Fragen zu stehen.
Dieses Buch ist kein Psychothriller. Es ist ein fast schon klassischer Horrorroman – schaurig und unangenehm, stimmungsvoll und erdrückend – so wie er sein sollte. Daher sollten Thriller-Leser eindeutig nicht zu diesem Buch greifen. Glaubt mir, ihr würdet nur enttäuscht werden.
Horrorromane klären ihre Leser nie komplett auf. Denn wo bliebe dann der Moment am Ende, in dem das Monster noch einmal mit dem Finger zuckt, damit wir wissen, dass unsere Protagonisten ihm niemals wirklich entkommen werden?
Dieses Gefühl - dass man etwas nie komplett besiegen und die Bedrohung eliminieren kann - das macht Horror aus.
Und genau diese Empfindung hat man am Ende dieses Buchs.
Noch immer schwirren so viele Gedanken durch meinen Kopf, dass der Beginn einer neuen Lektüre undenkbar scheint.
Danke dafür, Iain Reid – du hältst meinen Verstand auf Trab und das Feuer meiner Angst entfacht.
Was ist der Mensch?
Bewertung am 08.02.2019
Bewertungsnummer: 344965
Bewertet: Buch (Taschenbuch)
Weit weg von der Stadt in den Weeiten der Rapsfelder Kanadas liegt die Farm von Junior und Henrietta. Hier kommt normalerweise niemand raus und Besuch ist etwas sehr ungewöhnliches auf der Farm. Doch plötzlich steht wirklich ein Gast vor der Tür und hat Nachrichten mitgebracht, die die Welt von Junior und Henrietta auf den Kopf stellt, denn Junior ist für ein Forschungsprogramm ausgewählt worden. Er muss fort, für lange Zeit, aber man wird sich um Henrietta kümmern...und zwar so gut, dass Sie die Abwesenheit von Junior gar nicht bemerken soll...
Iain Reid hat mich mit seinem Erstling "The Ending" wirklich massiv beeindruckt. Ich habe mich danach absolut mies gefühlt, so als wäre mein Gehirn in einen Reißwolf geraten und anschließend nur sehr notdürftig wieder zusammengesetzt worden. Eines der wenigen Bücher, die ich direkt nach dem Beenden noch einmal von vorne begonnen habe. Es war genial!
Jetzt ist sein zweites Buch auf dem Markt, trägt den Titel "Enemy", spielt in einer nicht allzu fernen Zukunft und dafür habe ich wirklich alles stehen und liegen lassen, was sonst grad auf dem Lesestapel lag oder in Bearbeitung war!
Wieder einmal schafft es der Autor eine Spannung aufzubauen, die dem Leser nicht mit der Keule über den Schädel gezogen wird, sondern die sich im Nacken festsetzt und die ganze Zeit über beim Lesen vor sich hin nagt. Die gut gesetzten Twists oder Hinweise tun dann ihr Übriges, um den Leser ans Buch zu klammern. Etwas von Iain Reid zu lesen ist fast so, als würde man einen Löwen bei der Jagd beobachten. Lange Zeit ist alles ruhig...man weiß aber genau, dass etwas passieren wird...dann wird vom Tier plötzlich das Gewicht leicht verlagert und das dazugehörige Muskelzucken lässt einen aufmerken...etwas wird passieren...aber wann? Ich fand es wieder einmal genial. Im neuen Buch kommt die Auflösung nicht ganz so krass daher wie bei "The Ending" und ist ab einem gewissen Punkt absehbar, aber sie hat dennoch zur Folge, dass man beginnt über alles nachzudenken. Und damit meine ich wirklich alles! Was ist der Mensch? Was macht ihn aus? Kennen wir andere Personen (z.B. unseren Partner) wirklich? Oder leben wir nur mit Erwartungen, die erfüllt werden müssen, um zufrieden zu sein? Was ist die Realität?
Ich gehe so weit, dass ich diesem Buch nicht zwingend das Label "Psychothriller" aufpressen möchte, obwohl es an Spannung nicht mangelt und Reid wieder einmal direkt im Hirn des Lesers herumwerkelt und gekonnt mit seiner Wahrnehmung spielt, es ist aber ebenfalls ein philosophischer Roman, der einen an allem zweifeln lässt, was man eigentlich kennt. Wer sich schon mal mit Büchern von Philip K. Dick beschäftigt hat, wird wissen was ich meine, denn hier wird einfach mal die komplette Realität in Frage gestellt.
Hier steht nicht Blut und Gewalt im Vordergrund, sondern der psychologische Tiefgang. Mit nur sehr begrenzten Stilmitteln entfaltet Reid eine Geschichte, die den Leser packt und ihm ganz langsam und schleichend die Luft zum Atmen nimmt. Großartig! Für alle, die sich beim Lesen gerne etwas fordern lassen und auch danach noch über das Gelesene nachdenken möchten, gibt's daher eine klare Leseempfehlung!
Kurze Frage zu unserer Seite
Vielen Dank für Ihr Feedback
Wir nutzen Ihr Feedback, um unsere Produktseiten zu verbessern. Bitte haben Sie Verständnis, dass wir Ihnen keine Rückmeldung geben können. Falls Sie Kontakt mit uns aufnehmen möchten, können Sie sich aber gerne an unseren Kund*innenservice wenden.