Aktuelle Anschlüsse an das Werk von Oswald Spengler Interdisziplinäre Zugänge Einsichten in den Zustand der heutigen Zivilisation
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16.05.2018
Buch (Taschenbuch)
Der Vater der Universalgeschichte
Zum 100. Jahrestag des „Untergangs des Abendlandes“ versammeln sich Forscher um dessen Rezeption in der Wissenschaft zu reflektieren. Er reiht sich ein in die Universalhistoriker Khaldun, Gibbon, Toynbee, Kennedy und Pocock. Er überwindet das Nationendenken, unterscheidet 8 Kulturen, die jeweils 1000 Jahre dauerten und durch eine Phase der Zivilisation abgelöst wurden.
Homo habilis entwickelte die Rechtshändigkeit und damit die Geschicklichkeit des Werkzeuggebrauchs. Homo erectus wurde zum Tagraubtier mit intensivem Farbensehen und einer langen Nachtschlafphase.
Seit sich der Mensch als Territorialwesen versteht, gibt es Kriege. Völker wachsen, dominieren andere und vergehen schließlich in geordneten Zeiträumen, zerfallen am Schluss in Teilpopulationen. Menschen neigen dazu, fremde Populationen zu verdrängen und fühlen sich daher von Invasionen Fremder bedroht. Die Europäer konnten Indigene Völker verdrängen, nicht aber die dicht besiedelten Gegenden Asiens.
Die evolutionäre Erkenntnistheorie (Campbell 1971) beschäftigt sich mit der Entstehung unseres Erkenntnisvermögens. Konrad Lorenz konstatierte, dass die kulturelle Evolution so schnell abläuft, dass die biologische nicht nachkommt. Unser Gehirn konstruiert die Welt dreidimensional, zielgerichtet und kausal, da der Affe lernen musste, den Ast zu erkennen, auf den er sprang. Er brauchte also ein dreidimensionales Bild des Astes, sonst wäre er abgestürzt.
Die arabische Kultur ist ein Beispiel einer Pseudomorphose, wo eine junge Kultur die antike überlagert und sich daher nicht richtig entfalten kann. Spenglers Kulturzerfall (Bevölkerungsschwund, Dekadenz, Völkergemisch) wird von der Geschichte nicht bestätigt. Beispiele einer Weltherrschaft sind das römische Reich, das auf juristischem Gleichgewicht beruht, das Mongolenreich (militärische Expansion), das Imperium mundi Karls V. (Personalunion vieler Völker) und das British Empire, das erstmals global ohne Konkurrenz ist. Alle zerbrechen am zu großen Anspruch. Spengler definiert das Streben nach Weltherrschaft über Macht, Wirtschaft, Geist und Wille.
Für Spengler sind Stadt und Schrift konstituierend für das Entstehen von Kultur. Interessant die Einstufung Japans als Mondscheinkultur, die das Sonnenlicht Chinas gegen das des Abendlandes austauschte. Die gegenwärtige Weltkultur ist eine Pseudomorphologie, die sich über die regionalen Kulturen drüberlegt, ohne sich in diesen tatsächlich verwurzeln zu können. Spenglers Einschätzung, dass Deutschland die Einigung Europas anführen müsse, hat sich in der EU bestätigt, wenn auch auf wirtschaftlichem und nicht militärischem Weg.
In den Beiträgen wird sichtbar, dass Spengler eine Reihe von morphologischen Gleichnissen zog, die die Universalhistorie auf philosophischer Grundlage entstehen ließen. Die Universalhistorie Toynbees finde ich persönlich viel klarer und rationaler, da sie keine mystischen Kategorien zur Welterklärung benötigt.
Rüdiger Opelt, Autor von „Die Kinder des Tantalus“
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