London 1894 – Während in den Salons der feinen Gesellschaft rauschende Feste gefeiert werden und spiritistische Sitzungen, Hellseher und Geisterbeschwörer der letzte Schrei sind, kommt auf dem Markt von Covent Garden ein Straßenjunge unter mysteriösen Umständen zu Tode. Was zunächst nach einem Routinefall aussieht, entpuppt sich schließlich als unheimliches Verbrechen, das Chief Inspector Swanson nicht nur an seinem gesunden Menschenverstand zweifeln lässt, sondern ihn und sein Team auch an die Grenzen ihrer Kräfte bringt
Kundinnen und Kunden meinen
4.2/5.0
tassieteufel
5/5
28.11.2018
Buch (Taschenbuch)
London 1894: in den Salons…
London 1894: in den Salons der feinen Gesellschaft haben spiritistische Sitzungen, Geisterbeschwörungen und Hellseher Hochkonjunktur. Besonders das Medium Louisa Balshaw ist in der Gesellschaft gefragt, da die junge Frau Kontakt zu den Verstorbenen aufnehmen kann. Inspektor Swanson interessiert das zunächst wenig, er ermittelt im mysteriösen Todesfall eines Straßenjungen in Covent Garden. Erst als eine Spur genau zu dem Haus führt, in dem Louisa und ihr Bruder leben und ihre Seancen abhalten, wird der Inspektor auf das Medium aufmerksam. Im inzwischen 5. Fall für den Chief Inspektor trifft der Leser auf eine Reihe bekannter Figuren. So sind neben dem Chief Inspektor auch Frederick Greenland, Oskar Wilde und Arthur Conan Doyle wieder mit dabei und unterstützen auch die Ermittlungen. Doch die heimliche Hauptfigur des Buches ist diesmal der 9 jähre Straßenjunge Billy, genannt Badger, der in dem Fall eine zentrale Rolle spielt, ist er doch der Freund des am Anfang ermordeten Meg. Badger ist pfiffig und hat viel von seinem Freund gelernt, auch wenn er für Mr. Specs, der ihm Unterkunft und Logis gewährt als Taschendieb und Informationsbeschaffer arbeiten muß, so will er doch wissen, was mit seinem Freund passiert ist und dazu beschreitet er ungewöhnlich Wege. Der Krimifall braucht ein wenig um an Fahrt aufzunehmen, dafür erfährt man recht viel über Seancen und Geisterbeschwörungen, was natürlich dem Thema geschuldet ist und der ganzen Geschichte auch einen etwas unheimlichen Touch verleiht. Das Ganze ist aber unterhaltsam und informativ verpackt, so dass hier keine Langeweile aufkommt. Das Medium Louisa Balshaw gibt dem Inspektor zunächst Rätsel auf, glaubt die junge Frau doch fest an ihre Gabe und beteuert glaubhaft, dass die Geister zu ihr sprechen würde. Ein versierter Krimileser kann hier schon ahnen, wie sich alles auflöst, aber die Geschichte bietet noch genug Wendungen und Überraschungen, insbesondere was das Mordmotiv und die Mordmethode betrifft, so dass man über die Vorhersehbarkeit einiger Entwicklungen durchaus hinwegsehen kann. Gekonnt läßt der Autor das viktorianische London auferstehen und zeichnet ein dichtes und plastisches Bild dieser Zeit, wobei nicht nur die eleganten Salons und Stadthäuser der Reichen vor den Augen des Lesers erscheinen, auch die düsteren Viertel von London wie Seven Dials oder die Situation der vielen Straßenkinder wird hier mit einem guten Schuß Sozialkritik thematisiert, so dass ein dichtes und stimmiges Bild der Zeit entsteht. Nebenbei erfährt man auch einiges über die damaligen Ermittlungsmethoden der Polizei und die beginnende Forensik. Seine Charaktere hat der Autor mit Charme und individueller Ausstrahlung ausgestatte, sie sind in ihrer Zeit verhaftet und wirken dadurch glaubwürdig und authentisch. Wie schon gesagt ist diesmal die eigentliche Hauptfigur der kleine Badger, der sich mit seiner Pfiffigkeit und seinem Mut in das Herz des Lesers schleicht, doch auch das Wiedersehen mit den anderen Charakteren macht einfach Freude. Insgesamt eine gelungene Fortsetzung der Serie um Inspektor Swanson, die ich Fans von viktorianischen Krimis uneingeschränkt empfehlen kann. FaziT: ein stimmiger viktorianischer Krimi, der gut recherchiert mit lebendigen Figuren, viel zeitgemäßem Lokalkolorit und einem spannenden Krimifall überzeugt.
PMelittaM
aus Köln
4/5
26.10.2025
Buch (Taschenbuch)
Fünfter Band einer lesenswerten Reihe
London, 1894: Ein Junge, Meg, stirbt in Gegenwart eines Freundes. Chief Inspector Donald Swanson besteht darauf, den Mord an Meg zu untersuchen, denn was ihm dessen kleiner Freund, Badger, erzählt hat, lässt ihn an einer natürlichen Todesursache zweifeln. Währenddessen überredet Oscar Wilde Frederick Greenland dazu, mit ihm auf eine Séance zu gehen.
Ich brauchte dieses Mal ein bisschen, um im Roman anzukommen, mich irritierten zunächst vor allem die Szenen rund um das Medium Louisa Balshaw, mit der der Roman auch beginnt. Doch nach und nach lief der Roman dann in den gewohnten Bahnen, es entspann sich ein Mordfall, in dem man auch miträtseln konnte, die Charaktere wurden klarer. Besonders schön natürlich auch das Auftreten schon bekannter Charaktere, neben dem Protagonisten Donald Swanson, glänzt wieder Sergeant Peter Phelps, und natürlich fehlen auch Frederick Greenland, Oscar Wilde und Arthur Conan Doyle nicht. Besonders Wilde läuft wieder zu Hochform auf, und darf wahrscheinlich deshalb auch die einzelnen Kapitel mit Zitaten einleiten. Mir gefällt wirklich sehr gut, in dieser Reihe auf einige historische Persönlichkeiten zu treffen, zu denen auch Donald Swanson gehört.
Der Autor schreibt im Vorwort, dass er sich beim Schreiben in einen neunjährigen Jungen, dessen geistiger Vater er ist, verliebt hat, und ja, Badger, genauer Billy Bob Badger, muss man einfach mögen. Für ihn kommt es hier ziemlich dicke, und man möchte ihn am liebsten in den Arm nehmen, er zeigt aber auch, wie schlau er ist, dafür hat auch sein Freund, der ein paar Jahre ältere Meg gesorgt, kein Wunder also, dass er unbedingt will, dass dessen Mörder:in gefunden wird.
Und das klappt natürlich am Ende, und zwar nachvollziehbar.
Der fünfte Band der Reihe hat mich nicht sofort packen können, dann aber doch relativ schnell. Ich mag die wiederkehrenden Charaktere sehr gern, sowie auch die historischen Bezüge. Meine Empfehlung gilt der gesamten Reihe.
Martina Suhr
aus Salem
4/5
02.10.2018
Buch (Taschenbuch)
Bei diesem Buch haben mich…
Bei diesem Buch haben mich mehrere Faktoren neugierig gemacht. Zum einen liebe ich London, zum anderen die Viktorianische Zeit, aber auch die mystische Komponente mit dem zweiten Gesicht fand ich extrem spannend. Der Schreibstil des Autors hat mir gut gefallen – detailreich, direkt und stimmungsvoll. Während dem Lesen kann man sich die Figuren und das Setting hervorragend vorstellen, ohne dass zu viele Ausschmückungen den Lesefluss behindern würden. Mir gefällt vor allem das Düstere und Geheimnisvolle, was immer irgendwie mitschwingt. Die Figuren sind authentisch beschrieben. Sie passen in die Zeit und besitzen alle irgendwelche Eigenheiten, die ihnen Charme und Charisma verleihen. Selbst Oscar Wilde und Sir Arthur Conan Doyle hatten ihren Platz in der Geschichte, was mir äußerst gut gefällt. Neben dem Unterhaltungsfaktor, der unbestritten gegeben ist, da ich die ganze Zeit mitgerätselt habe, wie die ganzen Puzzle-Teilchen zusammenpassen, mochte ich die gesellschaftskritischen Zwischentöne sehr gern. Soziale Ungerechtigkeit, fehlende Frauenrechte und Armut – nur um ein paar der Themen zu nennen, die der Story Tiefe verleihen. Um den Spannungsbogen bis zum Ende aufrecht erhalten zu können, hat der Autor immer wieder findige Wendungen eingebaut und sehr geschickt Verwirrung gestiftet. Bis zum Ende wusste ich nicht, wie all das zusammengehört und war wirklich zufrieden. Obwohl dies ein Teil einer ganzen Reihe ist, kann man ihn ohne Vorkenntnisse der anderen Bände lesen.
Ascari
4/5
20.09.2018
eBook (ePUB 3)
Séancen, Spiritismus, Straßenkinder ... und ein Mord
“Inspector Swanson und die Frau mit dem zweiten Gesicht” ist mittlerweile schon der fünfte Band aus der Reihe um den sympathischen Chief Inspector aus London, den es tatsächlich gegeben hat. In diesem Band widmet sich Robert C. Marley einem Thema, das gegen Ende des 19. Jahrhunderts bzw. zu Beginn des 20. Jahrhunderts sehr beliebt war: dem Spiritismus.
Meine Meinung:
Bereits mit dem Prolog sind wir mitten in der Geschichte drin, denn dieser wird aus der Sicht der jungen Louisa Balshaw erzählt, die offensichtlich Kontakt zu Geistern aufnehmen kann und die seit einiger Zeit sehr erfolgreich als Medium in London arbeitet.
Der Schwerpunkt dieser Geschichte liegt aber auf dem Straßenjungen Billy, der von allen nur Badger genannt wird. Als sein Freund Meg unter mysteriösen Umständen zu Tode kommt, wird Swanson zusammen mit Sergeant Phelps aktiv, denn er glaubt nicht an eine Krankheit, der der Junge erlegen ist.
Wie bereits in den früheren Geschichten mischen auch hier zwei weitere Bekannte mit, die Frederick Greenland unbedingt mit zu einer Séance nehmen wollen: Oscar Wilde und Sir Arthur Conan Doyle. Durch die Verbindungen der Figuren untereinander nimmt die Geschichte dann Fahrt auf, denn irgendwie stehen offensichtlich der tote Junge und das Balshaw-Haus in einer Verbindung miteinander …
Der Klappentext verspricht hier übrigens nicht zu viel, denn gerade der Auftakt hat wirklich etwas Unheimliches an sich … Und es bleibt in dem Zusammenhang natürlich nicht aus, dass sich auch der eher nüchterne Donald Swanson mit der Frage nach der Existenz von Geistern beschäftigen muss.
Im Vergleich zu den früheren Bänden nimmt unser ermittelnder Chief Inspector hier aber eigentlich eine Nebenrolle ein, denn die wirkliche Hauptfigur ist meines Erachtens nach Badger. Badger, der zwar noch recht jung ist, durch seinen Freund Meg aber schon einiges gelernt hat. Und obwohl er als Taschendieb arbeiten und Informationen für seinen Quartiergeber Mister Specs besorgen muss, nicht auf den Kopf gefallen ist. Von ihm möchte ich gerne mehr in zukünftigen Bänden lesen!
Der Krimi ist dieses Mal recht solide ausgefallen, wo das Motiv zu suchen ist, lag in meinen Augen eigentlich schon sehr früh auf der Hand, lediglich wer genau der Täter war, war für mich eine gewisse Überraschung. Ein klassischer Fall von Fifty-Fifty, wo ich die falschen 50% erwischt habe.
Was ich allerdings ein klein wenig schade fand, war, dass das Finale – und damit die Auflösung – verhältnismäßig rasch erzählt wurde. Da wäre schon noch etwas mehr drin gewesen. Ins Detail kann ich jetzt leider nicht gehen (Spoilergefahr), aber einige Fragen blieben für meinen Geschmack unbeantwortet, deren Antwort bzw. Bestätigung mich sehr wohl interessiert hätte …
Mein Fazit:
“Inspector Swanson und die Frau mit dem zweiten Gesicht” ist ein solider historischer Krimi, der mit der Figur des Straßenjungen Badger auch sozialkritische Töne anschlägt. Der Straßenjunge selbst hat sich einen Platz in meinem Herzen erobert, daher hoffe ich darauf, dass er auch in zukünftigen Bänden vorkommen wird.
Katrin
4/5
28.08.2018
eBook (ePUB 3)
sehr unterhaltsam
Inspector Swanson und die Frau mit dem zweiten Gesicht
Ein viktorianischer Krimi
von Robert C. Marley
Dryas Verlag
Cover:
Wundervolles Cover in Blau mit einem alten zeitgenössischen Bild unterlegt
Rezension:
"London 1894 – Während in den Salons der feinen Gesellschaft rauschende Feste gefeiert werden und spiritistische Sitzungen, Hellseher und Geisterbeschwörer der letzte Schrei sind, kommt auf dem Markt von Covent Garden ein Straßenjunge unter mysteriösen Umständen zu Tode. Was zunächst nach einem Routinefall aussieht, entpuppt sich schließlich als unheimliches Verbrechen, das Chief Inspector Swanson nicht nur an seinem gesunden Menschenverstand zweifeln lässt, sondern ihn und sein Team auch an die Grenzen ihrer Kräfte bringt …"
Mit der vorliegenden Geschichte “Inspector Swanson und die Frau mit dem zweiten Gesicht” ist die Reihe um den sympathischen Inspektor bereits bei Band 5 angekommen. Da jeder Roman einen in sich abgeschlossenen Fall enthält, kann “Die Frau mit dem zweiten Gesicht” auch für sich gelesen werden, mittlerweile ist aber fast anzuraten, die früheren Bände zu kennen, um die Anspielungen auf die früheren Abenteuer besser zu verstehen und das Aufeinandertreffen der einzelnen Figuren richtig einzuordnen. Diese Reihe gehört zur Baker Street Bibliothek, die Romane aus den Anfängen der modernen Kriminalistik enthält. Der Schreibstil von Robert C. Marley ist fließend. Erzählt wird aus verschiedenen Perspektiven, größtenteils aus Inspector Swansons Sicht. Das historische Flair kommt sehr gut zur Geltung. Spannend, unterhaltsam und hochinteressant mit britischem Humor! Die kleinen, fast nebenbei eingeflochtenen Details sind es auch, die für mich einen Teil des ganz besonderen Charmes der “Inspector Swanson”-Reihe ausmachen. Inspector Swanson an sich, ist ein Unikat für sich. Ein sympathischer, arbeitsüberlasteter Inspector, der seine Mitarbeiter gerne zu selbständigeren Personen erziehen möchte. Die Spannung ist stets greifbar, die humorvollen Einlagen lockern das ganze Geschehen. 4/5 Sterne
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