Jachja, Doktor der Psychologie, nimmt nach fünf Jahren selbstgewählter Isolation seine Arbeit in der forensischen Psychiatrie wieder auf. Sein erster Patient ist ein alter Bekannter: Scharîf ist des Mordes an seiner Frau verdächtig. Sollte er die Tat wirklich begangen haben und nicht geisteskrank sein, droht ihm der Galgen.
Was als Versuch beginnt, die offensichtliche Persönlichkeitsspaltung seines alten Freundes zu enträtseln, wird schon bald zu einem Höllentrip: Als Jachja, der Drogen jeder Art nicht abgeneigt ist, in einer ausschweifenden Nacht eine Pille mit einem sechsbeinigen Elefanten einnimmt, sieht er sich in eine andere Realität versetzt. Zusehends versinkt er in Halluzinationen, in einem Strudel aus Zaubersprüchen, geheimnisvollen Zahlen und einem Tattoo, das sich in einen Dämon verwandelt. Als sich schließlich ein weiterer Todesfall ereignet, gibt er sich selbst die Schuld.
Der packende, surrealistische Psychothriller ist nach "Vertigo" und "Diamantenstaub" der dritte Roman des ägyptischen Bestsellerautors. Er war 2014 für den International Prize for Arabic Fiction (Shortlist) nominiert, wurde im selben Jahr von Marwan Hamed verfilmt und 2015 von der Egyptian Modern Dance Theatre Company auf die Bühne gebracht.
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Ahmed Mourad präsentiert uns…
Almut Scheller-Mahmoud aus Hamburg am 04.11.2020
Bewertungsnummer: 2790563
Bewertet: Buch (Gebundene Ausgabe)
Ahmed Mourad präsentiert uns eine kafkaeske, eindringliche Geschichte, für die man einen langen Atem braucht, um sich in den Gefilden der Halluzinationen und der vWahnvorstellungen zurecht zu finden. Ein Szenario der Albträume, ein psychedelisches Labyrinth und ein mentales Konstrukt mit Teufeln und Dämonen, mit Magie und mysteriöser Zahlenmagie. Jachjar, ein 37 Jahre alter forensischer Psychiater, verlor vor Jahren bei einem Autounfall seine Frau und seine Tochter: er war schuld und überlebte und blieb deshalb fünf Jahre seiner Arbeit fern. Er versank in schweren Depressionen und Verwahrlosung, zudem ist er zuckerkrank und süchtig nach selbstgedrehten Zigaretten, nach Kaffee, nach Haschisch, Whisky und nach Sex mit Maja, einer Gelegenheitsgeliebten, einer ausgeflippten jungen Frau, mit der er das Ritual des Ab-sinthtrinkens pflegt. Jachjar wird von der Leiterin seiner Klinik nach einer letzten Abmahnung zur Arbeit gerufen und findet sich auf der Station 8 wieder, wo Menschen, über deren Schuldfähigkeit man sich uneins ist, stationiert sind. E trifft auf einen alten Kollegen, Scharif al Kurdi, der beschuldigt wird, seine Frau Basma ermor-det, sie aus dem 30. Stock eines Hochhauses gestürzt zu haben. Der Anwalt plädiert auf unschuldig, es sei Selbstmord gewesen. Als Jachjar Scharifs Foto in der Polizeiakte sieht, fällt ihm eine tätowierte Linie von der Schulter bis in die Handfläche mit um den Arm mäandernden Querlinien auf: das Muster erinnert an einen bestimmten arabischen Buchstaben und dessen Spiegelbild. Durch seine Recherchen trifft er Lubna wieder, seine große Liebe und zugleich Scharifs Schwester. Sie treffen sich regelmäßig und fühlen sich immer noch zueinander hingezogen, obwohl Lubna inzwischen verheiratet und Mutter einer kleinen Tochter ist. Nach Einnahme des „Blauen Elephanten“, einer Droge, einer Substanz ähnlich, die sich angeblich im Körper während des Sterbeprozesses bilden soll, erlebt Jachjar und der Leser mit ihm Horrorszenen. Die verschiedenen Erzählebenen verlieren sich in surrealen Dimensionen, so dass offen bleibt, ob nicht alles nur eine Einbildung des Protagonisten ist. Man fühlt sich wie ein Wünschelrutengänger in einem Gärprozess. Ahmed Mourad baut viele kleine kulturgeschichtliche Reminiszenzen in seinen Text ein (unter-füttert durch Erläuterungen). Ansonsten finde ich den Stil anbiedernd modern, so gewollt modern, mit vielen überflüssigen Anglizismen. Ganz besonders störend seltsame „Adjektiv-Sätze“ wie: „und betastete meinen Hals, der so verbeult war wie eine leere Pepsi-Dose“, „sie ließ mich warten, bis ich so gut abgehangen war wie ein Stück zähes Kamelfleisch“, „aus meinem Rachen kam ein Gestank wie aus dem Hintern eines toten Schweins“, „wie ein alters-schwacher Löwe mit Haarausfall auf der Flucht vor der Peitsche seines Dompteurs“. Wer Verwirrspiele der psychedelischen Art im Metier von Psychothrillern mag, ist mit der Lektüre gut bedient. Das Ende wird natürlich nicht verraten.
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