Genug ist genug! Beschämt, bloßgestellt, erniedrigt, ignoriert, hintergangen oder abgehängt zu werden, ist niemandem angenehm. Ob man aufgrund solcher Ereignisse den Weg zur Verbitterung einschlägt, hängt von der inneren Haltung ab. Aber hat man sich erst einmal in dieses Gefängnis der Verbitterung begeben, befindet man sich in einem Gefühlszustand, der schlimmer sein kann als Angst und Depression. Experten erkennen Verbitterung als »heiße« Emotion, als eine, die in der Folge weitere negative Ereignisse und Gefühle auslöst. Mit diesem Buch legen Michael Linden, Professor für Psychosomatische Medizin an der Charité in Berlin, und Mentalcoach Sigrid Engelbrecht diese Mechanismen bloß, helfen das negative Gefühlschaos zu sortieren und zeigen, wie man sich daraus befreien kann.
Kundinnen und Kunden meinen
4.6/5.0
Sikal
5/5
13.04.2018
Buch (Gebundene Ausgabe)
Genug ist genug!
„Verbittert ist der schwer zu Versöhnende, der lange den Zorn festhält; er verschließt die Erregung in seinem Innern und hört damit erst auf, wenn er Vergeltung geübt hat… Diese Art von Menschen ist sich selbst und den vertrautesten Freunden die schwerste Last.“ (Zitat von Aristoteles)
Das Buch ist in sechs Kapitel gegliedert, in denen anfangs die Begrifflichkeiten mit ihren dazugehörigen Nuancen genau erklärt werden, Entbitterung und der Wiedergewinn der Lebensfreude thematisiert wird, Krankheit durch Verbitterung ein Thema ist - auch das Loslassen und Vergessen, um wieder zu neuem Glück zu finden, wird beschrieben.
Wohl jedem sind Kränkung, Zurückweisung, Unfairness bereits begegnet, schmal ist der Grat zwischen Enttäuschung und Verbitterung. Hier wird von drei Hauptauslösern gesprochen: Ungerechtigkeit, Herabwürdigung, Vertrauensbruch. In mehreren Fallbeispielen werden einige solcher Vorfälle aufgezeigt, Gegebenheiten, die das Weltverständnis infrage stellen.
„Es sind weniger die Ereignisse, die den Menschen beunruhigen, als vielmehr die Vorstellungen, die er sich von diesem Ereignis macht.“ (Zitat von Epiktet)
Unterschiedliche Situationen werden unterschiedlich interpretiert – je nachdem welche Überzeugungen jemand mitbringt, worauf der Fokus gelegt wird. Der Verzicht auf Lebensqualität, der Sinn nach Rache zerstören nicht zur zwischenmenschliche Interaktionen, auch der Hass auf sich selbst kommt hier zwangsläufig (Selbstvorwürfe, Suizidgedanken, …). Sich selbst als Opfer wahrnehmen und negativen Erlebnissen mit Emotionen begegnen lassen sich nicht einfach beiseiteschieben.
Doch man erfährt hier einige Wege, wie man die Verbitterung beenden kann, wie man es schafft zu vergeben oder wie man Weisheitskompetenzen entwickelt – z.B. durch einen Perspektivenwechsel oder Distanz. Es ist ein langer Weg aus diesen negativen Emotionen herauszufinden, doch mit Motivation und dem Erkennen, was man danach für sich gewinnt, gelingt so einiges.
Das Buch der Autoren Prof. Dr. Michael Linden (Arzt für Neurologie, Psychiatrie und Psychosomatische Medizin) und Sigrid Engelbrecht M.A. (Mental- und Wellnesstrainerin sowie Expertin für Stressbewältigung) habe ich gerne gelesen. Durch die Fallbeispiele und die gut strukturierten Kapitel liest man das Buch ziemlich schnell.
„Das eigene Glück liegt in der eigenen Hand“ – ich denke, wenn man sich dessen bewusst wird, hat man schon viel gewonnen.
Leseempfehlung für diesen informativen Ratgeber.
GeheimerEichkater
aus Essen
5/5
03.04.2018
Buch (Gebundene Ausgabe)
informativ und hilfreich…
informativ und hilfreich Sigrid Engelbrecht und Michael Linden durchleuchten, wie uns Enttäuschung, Kränkung, Verlust, ungerechter Behandlung und anderen Grenzüberschreitungen, die jedem widerfahren, verbittert werden lassen und welche Wege es aus dieser Situation heraus gibt. Da wir unterschiedlich reagieren und verinnerlichen, variieren auch die eigenen Strategien oder die Notwendigkeit, sich professionelle Hilfe zu holen um sich von dem erlebten Geschehen lösen zu können und die innere Balance wieder gewinnen zu können. Die Autoren erläutern anhand verschiedener Fallbeispiele, literarischer Vorlagen, Auszügen aus Märchen oder der Bibel, lassen Philosophen zu Wort kommen und zitieren beispielsweise einen Songtext ( „Living well is the best revange“ R.E.M.) oder einen Ausspruch Kaiser Friedrich III, der auch in der Fledermaus aufgegriffen wurde („Glücklich ist, wer vergißt“...) einzelne Stufen, eigene Sicht- und Handlungsstrategien um sich zu befreien, Ängste oder Rachegefühle loszulassen. Um seine eigene Position zu erkennen, gibt es zwei Tests; viele Merksätze und Zusammenfassungen werden durch grauen Hintergrund besonders hervorgehoben. Die Vielseitigkeit in dieser Darstellung hat mir ausgesprochen gut gefallen; alle Erklärungen und die Vermittlung von Fachwissen erfolgen leicht verständlich, zum Teil recht salopp formuliert und sind sehr angenehm und zügig lesbar. Viele wunderbar formulierte Merksätze haben das Zeug, als Mantra ( z.B.: „Jeder Gedanke an“ X „ist zuviel der Ehre.“) zu helfen und andere Sätze geben gute Impulse um sein Denken umzugestalten. So haben mir insbesondere Anregungen wie „Haben wir ein Recht darauf, dass Dritte nur Anforderungen an uns stellen, die wir auch bewältigen können?“ gefallen, denn sie beschreiben eindeutig, dass jeder an seiner Toleranz anderen Äußerungen gegenüber arbeiten kann und eine Prophylaxe gegen das Gefühl von Kränkungen möglich ist. Außerdem erhält man Erklärungen und Anleitungen, wie man vergeben kann, im Sinne von einen Schlußstrich ziehen und so sich selber nicht mit Groll das Leben erschwert, wie man sich ohne Betroffenheit erinnern, seine innere Balance wiedergewinnen und sich auf gegenwärtige Chancen und Möglichkeiten konzentrieren kann, sowohl als Individuum als auch als Gesellschaft. Das Buch erklärt sehr detailliert die Mechanismen, die in die Verbitterung führen und weist den Weg, um sich aus dieser zu befreien.
S.A.W
5/5
26.02.2018
Buch (Gebundene Ausgabe)
Kränkungen loslassen
Phasen der Kränkung sind immer wieder schwierig. Man kann sie oft nur beenden, indem man den Kontakt zum verletzenden Täter abbricht oder einschränkt. Das ist legitim und hilft doch nicht immer, denn bei jedem Kontakt zum Täter, bei jeder Erinnerung an die Tat kommen einem die negativen Emotionen wieder hoch und man ärgert sich aufs Neue.
Man entwickelt Rachephantasien, möchte den anderen ganz klein oder das Unrecht wiedergutgemacht sehen. Meist klappt beides nicht so so chronifiziert die Verbitterung. Es gibt sogar eine eigene psychiatrische Verbitterungsstörung, ähnlich der PTBS.
Es gibt aber Wege loszulassen und die erklären die Autoren ganz genau. Wenn man es schafft, dem Täter zu verzeihen, hilft man sich zunächst selber, weil man seine Verbitterung loswird. Narratives Schreiben hilft, man schreibt alle Gefühle im Zusammenhang mit der Verbitterung auf, bis einem nichts mehr einfällt. Dadurch gewinnt man Distanz zur negativen Emotion. Man kann dann die Sache von anderes Aspekten anschauen, verstehen, was da eigentlich schiefgelaufen ist und was der andere gemeint oder beabsichtigt hat. Dann kann man beschließen zu verzeihen und es aktiv tun und aussprechen. Etwa so: Ich verzeihe dir, dass du mich ..(damals, deshalb) gekränkt hast. Ich schließe damit ab und gebe dir nicht mehr die Macht, mich damit zu ärgern. Es war deine Tat, die musst du verantworten. Ich beschließe, mich nicht mehr damit zu beschäftigen.
Verzeihen hat viel mit Weisheit zu tun. Man kann sich z.B. vorrechnen, dass die Verbitterung den Rest des Lebens vergiften wird und dass man ohne Verbitterung viel glücklicher leben und neu beginnen kann. Dann ist die Entscheidung meist sehr klar, dass Verzeihen viel mehr Vorteile hat.
Siehe auch: Opelt: Familienmuster
Bewertung
aus Korschenbroich
4/5
20.02.2020
Buch (Gebundene Ausgabe)
Gutes Buch
Es enthält hilfreiche Fallbeispiele und verständliche Erklärungen. Ich erkenne mich wieder und bin gespannt, ob ich das Gelesene in mein Leben integrieren kann.
Dr_ M
aus Sachsen
4/5
12.06.2018
Buch (Gebundene Ausgabe)
"Glücklich ist, wer vergisst, was doch nicht zu ändern ist"
Diese wirkliche Weisheit stammt aus der Operette "Die Fledermaus" und wird im Buch leider erst auf Seite 214 zitiert, obwohl sie den Kern des ganzen Textes ausmacht. Verbitterungen, die nicht vergehen wollen, führen sehr oft zur psychischen Zerstörung des Verbitterten, nicht selten verbunden mit dem Verlust der wirtschaftlichen Existenz. In diesem Buch findet man dafür genügend erschreckende Beispiele. Etwa wenn ein alleinverdienender Vater seine Frau, seine drei Kinder und einen großen Teil seines erarbeiteten Besitzes verliert, weil seine Frau zu ihrem Liebhaber zieht und er sie dabei auch noch unterhalten muss. Egal wie man das als Außenstehender sieht, für den Betroffenen zählt letztlich nur seine Sicht.
Inzwischen hat auch die Weltgesundheitsorganisation aus der Verbitterung bereits eine Krankheit gemacht, die PTED heißt (posttraumatische Verbitterungsstörung bzw. posttraumatic embitterment disorder). Diese Störung der menschlichen Psyche entsteht, wenn ein Betroffener durch ein einmaliges schwerwiegendes negatives Lebensereignis aus der Bahn geworfen wird, von dem er nicht mehr loskommt, weil er sich ungerecht, herabwürdigend und kränkend behandelt fühlte. Die Folgen können erheblich sein und werden im Buch beschrieben (S. 150/151). Ob eine Behandlung in jedem Fall helfen kann, ist selbstverständlich ungewiss. Nicht behandelt kann eine solche psychische Belastung jedoch gravierende Folgen nach sich ziehen. Ob dieses Buch eine psychologische Hilfe ersetzen kann, erscheint mir jedenfalls zweifelhaft, wenn es sich um einen tatsächlichen Fall einer tiefen Verbitterung handelt. Immerhin findet man im Text Tests für die Existenz von Verbitterungsstörungen.
Ungefähr die Hälfte des Buches widmen die Autoren der Beschreibung solcher Verbitterungsstörungen und zahlreichen Beispielen. Danach kommen sie zur Selbsthilfe, falls eine solche überhaupt in schwierigen Fällen möglich sein sollte. Sie zeigen verschiedene Wege auf: expressives oder narratives Schreiben, Akzeptanz und Achtsamkeit, Vergeben, Weisheit. Das mag bei minderschweren Fällen vielleicht helfen. Allerdings muss man sich dazu aufrappeln können, was wiederum allein schon deshalb schwer ist, weil zu einer Verbitterungsstörung eben auch ein Abgleiten in eine gewisse Lethargie gehört. Man muss sich also gewissermaßen selbst aus dem Sumpf ziehen. Und was "Weisheit" anbelangt, so bleibt zweifelhaft, ob man durch das Lesen der entsprechenden Textstellen in diesem Buch plötzlich weise wird. Bestenfalls erlangt man Anregungen oder Denkanstöße.
Bleibt das Thema "Vergebung". Leider stiften die Autoren hier etwas Verwirrung. Möglicherweise handelt es sich bei dieser unglücklichen Wortwahl um die Folge einer amerikanischen Begriffsbildung, die irgendwer erstmalig eingeführt hat, ohne dass er wirklich über den umgangssprachlichen Gebrauch dieses Wortes nachgedacht hatte. Bei diesem Begriff geht es nämlich nicht um eine tatsächliche Vergebung, sondern vielmehr um ein Loslassen, genau so wie es im Titel des Buches suggeriert wird. Weil der Begriff "Vergebung" in diesem Zusammenhang mehr als schief ist, brauchen die Autoren dann auch einige erklärende Klimmzüge, die völlig unnötig gewesen wären, wenn sie diesen falschen und verwirrenden Begriff nicht benutzt hätten. Sie schreiben: "Vergebung ist ein psychologischer Begriff, der ausschließlich im Inneren des Betroffenen abläuft. … Vergebung bedeutet …, dass man sich innerlich gegen Groll, Rache und Zurückschlagen entscheidet und die ganze Sache für sich ‚abschließt‘." Es geht also nicht darum den Tätern offiziell zu vergeben, was bei vielen Betroffenen zu einer erneuten Demütigung führen würde, sondern um einen Prozess, den man ausschließlich mit sich selbst und zum eigenen Schutz führt. Wie das ablaufen sollte, kann man im Buch nachlesen.
In diesem Buch gibt es dann auch noch ein Kapitel mit dem Titel "Verbitterung als gesellschaftliches Phänomen". An ihm kann man gut beobachten, was passieren kann, wenn sich Psychologen nicht mehr mit konkreten einzelnen Menschen befassen, sondern ihr Fachgebiet überdehnen indem sie ganze Gruppen von Menschen betrachten. Dass dabei Zusammenhänge ins Spiel kommen, die sie nicht auf dem Radar haben, weil sie durch ihre Fachbrille schauen, ist ihnen offenbar nicht bewusst. Für sie ist es naheliegend, sich mit den sogenannten Wendeverlierern in Ostdeutschland auseinanderzusetzen, um dann dort eine Gruppenverbitterung auszumachen, mit der sie jüngere Wahlergebnisse deuten zu können glauben. Das ist viel zu kurz gesprungen und einfach nur intellektuell flach. (Dass in Sachsen-Anhalt ein männlicher Rentner im Durchschnitt 1.931,79 € Rente erhalten soll, halte ich übrigens für eine Ente. So steht es aber im Text auf Seite 192. Frauen sollen im gleichen Bundesland dagegen nur 649,67 € bekommen. Mich jedenfalls hätte nicht nur eine solche Differenz stutzig gemacht, sondern auch die Behauptung, dass man im benachbarten Niedersachsen als Mann weniger Rente erhält. Ich erwähne das hier nur, weil es zeigt, wie wenig die Autoren tatsächlich von den Problemen verstehen, die sie im betreffenden Abschnitt diskutieren.)
Insgesamt kann man aus diesem Buch eine Menge lernen. Und vermutlich sind Verbitterungen viel weiter verbreitet als man das gemeinhin annimmt. Insofern stößt dieser Text in eine Lücke auf dem Gebiet der Selbsthilfebücher. Für Betroffene scheint er mir eine Hilfe und Entscheidungshilfe zugleich zu sein. Denn man kann mit seiner Hilfe erkennen, ob man betroffen ist, was man tun kann und wo die Grenzen der Selbsthilfe liegen.
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