Ist unsere Demokratie noch zu retten?
Das System steckt in der Krise. Liegt der Ausweg in mehr direkter Demokratie? Oder ist das Volk zu "dumm", um in wesentlichen Fragen selbst zu entscheiden? Lässt es sich zu leicht manipulieren und geht rechten Populisten auf den Leim? Wenn Außenseiter bei Wahlen erfolgreich sind, heißt es oft, die Bürger hätten "falsch" abgestimmt. Aber wer entscheidet, was "richtig" ist? In Deutschland gibt es freie Wahlen für alle erst seit gut hundert Jahren. Doch reichen Abstimmungen über die Zusammensetzung eines Parlamentes aus, um ein demokratisches System zu schaffen und eine Oligarchie, also eine Herrschaft der Reichen, zu verhindern? Oder gibt es vielleicht noch weitere, ganz andere wichtige Voraussetzungen für eine Demokratie, die bislang nicht erfüllt sind - weder in Deutschland noch anderswo?
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Ein Blick zurück, ein Blick…
ws aus Markdorf am 05.11.2018
Bewertungsnummer: 2726470
Bewertet: Buch (Taschenbuch)
Ein Blick zurück, ein Blick ins 'Jetzt' und ein Blick in die Zukunft... Paul Schreyer begründet und belegt, wer die Fäden hinter den offiziell verlautbarten politischen Entscheidungen tatsächlich die Fäden zieht. Besser gesagt Regie führt, wer mit welchen (Druck-) Mitteln diese Entscheidungen manipulativ herbei geführt werden. Mit welchen als 'alternativlos' verkauften Schein-Argument, mit welchen rhetorischen Nebelschwaden die Öffentlichkeit ruhig gestellt wird. Der Autor beleuchtet, wiederum mittels des sehr ausführlichen Quellen- und Literaturverzeichnisses im Anhang (insgesamt 35 Seiten stark) auch die historischen Entwicklungen. Sei es die Situation, aus der heraus das Grundgesetz so wie es ist, verfasst wurde. Wer auch dabei im Hintergrund sehr aktiv mitgewirkt hat. Er geht auf das immer wieder auftauchende Schlagwort 'Volksabstimmung', sprich direkte Demokratie ein. Er weist überzeugend und vor allem auch überprüfbar nach, wo die Gründe für die Pegida-Bewegungen, der Erfolg für die AfDler zu suchen sind. Die hinter den Kulissen vollzogenen 'Marketing-Aktionen', der Begriff ist wortwörtlich zu nehmen, die Emmanuel Macron zum Präsidenten der Grande Nation, Sebastian Kurz zum Bundeskanzler der Republik Österreich hat werden lassen, analysiert und dokumentiert Paul Schreyer ebenso wie er die genau betrachtet dümmlichen Äusserungen eines Christian Lindner, die haltlosen Behauptungen einer Alice Weisel, eines Alexander Gauland, einer Beatrice von Storch und Konsorten hinterfragt, besser gesagt auseinander nimmt. Zitat Seite 97: "Wenn lautstark demonstriert wird, dann sind alle hellwach und alarmiert. Pegida-Demos und lärmende Aktionen vor Asylbewerberheimen schaffen es in jede Tagesschau. Auch der Zusammenhang zur eigenen Misere (der Pegida-Mitmacher und AfDler; Anmerkung WS) scheint klar: »Die Asylbewerber bekommen Geld und Hilfe, die man uns verweigert.« Dass weit mehr öffentliche Subventionen, Steuernachlässe und Rettungsmilliarden Jahr für Jahr in den Taschen von Banken und Konzernen versinken, verblasst da. Die geflüchteten Menschen sind sichtbar, der Finanzsektor ist es nicht." Eigentlich wären hier weitaus mehr Zitate angebracht. Alleine der Absatz hinsichtlich 'Geld und Eigentum' auf Seite 155 wäre es wert. Aber all diejenigen, die den Tatsachen entsprechende Informationen, Fakten und Denkanstösse suchen, werden die 18,00 € Investition nicht scheuen. Es ist zu hoffen, dass sich auch ein paar Polit-Akteure, die die Berliner Manege bevölkern, die 179 Seiten zu Gemüte führen. Zumal das Buch sehr gut lesbar und verständlich ist.
Wie ist es um unsere Demokratie bestellt?
Sikal am 04.07.2018
Bewertungsnummer: 1113979
Bewertet: Buch (Taschenbuch)
Paul Schreyer ist freier Journalist und Autor mehrerer Sachbücher. Mit diesem Buch „Die Angst der Eliten“ hinterfragt er die politischen Gegebenheiten, liefert Antworten auf Fragen, was „richtig“ und „falsch“ ist. Wer entscheidet das? Wie viel Vertrauen darf man in die BürgerInnen eines Landes haben? Wem darf man zutrauen, Entscheidungen für das „Volkswohl“ zu treffen? Und während des Lesens stellt man sich immer weitere Fragen – und mit etwas Nachdenken, kann man sich so manche Antwort selber geben …
Das Buch ist in 14 Kapitel strukturiert und gleich im ersten Kapitel „Reichtum regiert“ wird man zu Beginn mit der Aussage eines Juristen konfrontiert: „Wir müssen uns entscheiden: Wir können eine Demokratie haben oder konzentrierten Reichtum in den Händen weniger – aber nicht beides.“ Die darauf folgenden logischen Erklärungen des Autors erscheinen allesamt plausibel und können 1:1 angenommen werden. Warum und wieso sich Teile der Bevölkerung (die von der Regierung vernachlässigt werden oder sich zumindest so fühlen) anderen Gruppierungen zuwenden, ist verständlich. Die Wahrheit über den Populismus – dieser versucht Schreyer in einem Kapitel auf den Grund zu gehen, begründet Erfolge von Trump & Co.
In einem Kapitel wird über Hassbotschaften und Meinungsfreiheit philosophiert und auch hier bekommen wir interessante Hintergründe, warum dies von „ganz oben“ getrieben wird und der Hinweis, dass „Hate Speech“ mit Religionen, Sexualität, ethnischem Hintergrund in Verbindung gebracht wird. Doch Arme sowie die Unterschicht werden hier nicht erwähnt.
Schreyer bringt dermaßen viele Punkte hier unter, dass es den Rahmen einer Rezension sprengen würde, alle interessanten Themen anzusprechen. Immer wieder aktuell ist das Thema „Flüchtlinge“, welche Rolle die Medien an der Meinungsmache spielen und warum sich die Menschen weniger mit der Finanzlobby oder den Steuerflüchtlingen befassen als den Kriegen in Syrien und Afghanistan. Es wird analysiert woher die Angst der Eliten kommt und welche Auswirkungen dies für die Gesellschaft hat, wie sich die Parteiprogramme im Laufe der Zeit „anpassten“, was unter sozialer Gerechtigkeit verstanden wird und vieles mehr.
Der Autor schafft es mit einem fesselnden Schreibstil Seite um Seite verfliegen zu lassen. Er trifft viele Probleme auf den Punkt, hat Lösungsansätze parat und deckt die Machenschaften der Elite auf, auch die dynamischen Jungpolitiker (wie Sebastian Kurz) bekommen ihr Fett weg, hier zeigt Schreyer einen Blick hinter die Kulissen, wie von Strategen Programme publiziert werden, ohne Ideologie im Hintergrund.
„Es reicht nicht, bloß „gegen rechts“ oder „gegen links“ zu sein. Demokratie bedeutet vor allem eines: Bereitschaft zur Debatte.“
Ich denke, dem ist nichts hinzuzufügen – außer, dass ich dem Buch viele Leser wünsche, die Schreyers Aussagen als Denkanstoß sehen. Gerne vergebe ich 5 Sterne und eine Leseempfehlung.
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