Die große Puppe ist ein Sonntags-Spielzeug, viel zu schade für den Alltag, und ein Tretroller bleibt für Mädchen ein Wunschtraum. Anna Marie Birken erinnert sich an eine Kindheit ohne Kühlschrank und Fernseher, Waschmaschine und Telefon, Handy oder PC. Die Autorin schildert das Leben in den 50er Jahren ohne nostalgische Verklärung. Ein Waschtag bedeutet Schwerstarbeit für die Frauen, der Kuchen muss ohne elektrisches Rührgerät gelingen. Für Kinder ist es selbstverständlich, überall mit zu helfen, wo kleine Hände gebraucht werden. Trotz zahlreicher Pflichten bleibt viel Freiraum für Spiele im Wald oder im verbotenen Bunker. Die Kriegsfolgen sind noch allgegenwärtig, aber die meisten Erwachsenen sprechen nicht darüber. Die Autorin erzählt auch von verschwiegener Sexualität und von der Benachteiligung der Frau, die schon die Kinder-Erziehung prägt. Aber ein selbständiges ¿Schlüsselkind¿, das ohne Vater aufwächst, ist nicht immer so brav, wie es von Mädchen erwartet wird. Aus dem Blickwinkel eines scharf beobachtenden Kindes werden Ungerechtigkeit und Ungleichheit, aber auch Geborgenheit deutlich. Die Episoden aus dem Alltag lassen eine typische Nachkriegskindheit lebendig werden.
Kundinnen und Kunden meinen
4.5/5.0
Bewertung
aus Lichtenstein
5/5
23.11.2017
Buch (Taschenbuch)
Nachkriegskindheit
Dies ist ein bewegender, interessanter und auch teilweise lustiger Bericht über die Kindheit der kleinen Susanne in den Fünfzigern, kurz nach dem Zweiten Weltkrieg.
In unterhaltsamer Weise wird ihr Alltag beschrieben, den sie zusammen mit ihrer alleinerziehenden Mutter meistern muss, denn einen Vater gibt es, wie bei so vielen Kindern damals, leider nicht mehr.
Susanne berichtet über die Schule, die Freizeitaktivitäten und darüber, dass man damals schon früh selbständig werden musste, denn eine Kinderbetreuunug außerhalb der Schule gab es damals nocht nicht, wie auch kein eigenes Badezimmer, keine Fernheizung und keinen Fernseher und vieles mehr.
Trotzdem waren die Menschen nicht unbedingt unglücklicher als heute. Es ging wieder aufwärts, man hatte ein Ziel vor Augen und eine Perspektive. Der grausame Krieg war endlich vorbei, auch wenn die Erinnerung daran noch oft schmerzte.
Die Kinder konnten unbefangen draußen spielen und sich selbst beschäftigen, fanden immer Spielkameraden und merkten, dass es ihren Familien allmählich besser ging.
Toll ist auch die Idee mit den Rezepten als kleines Sahnehäubchen, die man sicher gern ausprobiert.
Raumzeitreisender
aus Ahaus
4/5
02.12.2017
Buch (Taschenbuch)
Eine Kindheit in der Nachkrieg…
Eine Kindheit in der Nachkriegszeit Bereits im ersten Kapitel wird deutlich, um welche Zeit es sich handelt. Bunker aus der Kriegszeit dienen den Kindern als Abenteuerspielplatz. In diesen stockdunklen Höhlen sind sie unter sich und können sich und anderen Mut beweisen. Susanne, im weiteren Verlauf einfach S. genannt, ist ein Schlüsselkind, da sie stets den Haustürschlüssel bei sich trägt und tagsüber alleine ist. Sie wächst, wie viele Kinder der Kriegsgeneration, ohne Vater auf. Mutter muss arbeiten und eine Kinderbetreuung gibt es nicht. Auf der Straße trifft man, im Gegensatz zur heutigen Zeit, noch Kinder an. Der Alltag ist nicht verplant. Dennoch müssen die Kinder im Haushalt helfen, in dem es noch keine elektrischen Maschinen gibt. Die Arbeit in der Waschküche ist Schwerstarbeit. Anne Marie Birken erzählt aus der Perspektive des Schlüsselkindes Susanne. Es handelt sich nicht um fiktive Geschichten, sondern Erinnerungen der Autorin fließen ein. Das Buch besteht aus kleinen Erzählungen, die themenbezogen den Alltag beschreiben. In dem Buch werden keine Sachverhalte aufgelistet, sondern der Zeitgeist der 1950er Jahre wird in kleinen unterhaltsamen Geschichten transparent. Die Leser können in diese Zeit wie in eine Romanwelt eintauchen. Die Beschreibungen machen deutlich, wie schnelllebig unsere Zeit geworden ist. Neben gesellschaftlichen Veränderungen ist es insbesondere der Wandel in der Technik, der das Leben verändert. Die Autorin öffnet ein Fenster in eine Zeit, die noch gar nicht so lange zurückliegt.
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