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Produktbild: Ein Leben für den Frieden
Band 233

Ein Leben für den Frieden Lesebuch aus Palästina

Aus der Reihe LP
2

16,99 €

inkl. gesetzl. MwSt.

Beschreibung

Produktdetails

Format

ePUB 3

Kopierschutz

Nein

Family Sharing

Ja

Text-to-Speech

Ja

Erscheinungsdatum

28.08.2017

Verlag

Lenos Verlag

Seitenzahl

301 (Printausgabe)

Dateigröße

1626 KB

Sprache

Deutsch

EAN

9783857879562

Beschreibung

Produktdetails

Format

ePUB 3

eBooks im ePUB 3-Format erlauben eine dynamische Anpassung des Inhalts an die jeweilige Display-Größe des Lesegeräts. Das Format eignet sich daher besonders für das Lesen auf mobilen Geräten, wie z.B. Ihrem tolino, Tablets oder Smartphones.

Kopierschutz

Nein

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Ja

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Barrierefreiheit

  • keine Information zur Barrierefreiheit bekannt

Erscheinungsdatum

28.08.2017

Verlag

Lenos Verlag

Seitenzahl

301 (Printausgabe)

Dateigröße

1626 KB

Sprache

Deutsch

EAN

9783857879562

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Friedensgeflüster oder…

Almut Scheller-Mahmoud aus Hamburg am 19.07.2024

Bewertungsnummer: 2872602

Bewertet: Buch (Taschenbuch)

Friedensgeflüster oder Schrei, wenn du kannst Dieses Buch ist immer noch aktuell, ein Aufruf zum Frieden ist heute dringlicher denn je. Die Autorin, Professorin an der Universität Bir Zeit, ist eine palästinensische christliche Friedens-„Arbeiterin“. Ihre Familie lebt seit Jahrhunderten im Land. Sie beschreibt ihren Alltag beginnend in den 70er-Jahren bis 2012. Frau Farhat-Naser wurde 1948 geboren und durfte durch Vermittlung der deutschen Schule Talitha Kumi nach Hamburg zum Studium ausreisen. Sie war das 1. Mädchen ihres Dorfes, das im Ausland studiert und mit dem Staatsexamen für das höhere Lehramt abschloss. Ihr Mann hatte in Amsterdam studiert. Beide arbeiten an der Universität von Bir Zeit. Eindringlich und lebendig schreibt sie über die palästinensische Landschaft, den Duft von Thymian, Oregano, Pfefferminz, Salbei und Zitronen und das kulturelle Symbol der Olivenbäume, das harte Leben der Frauen, aber auch das Zusammengehörigkeitsgefühl, welches durch geschickt von den Israelis angeworbene Kollaborateure untergraben werden soll. Demütigungen durch die Besatzungsmacht sind alltäglich: kafkaeske Bürokratie an den Checkpoints, Razzien und Zerstörungen von Häusern und Land. Diese Demütigungen breitet sie wie einen Fächer aus, der jedoch keine kühlende Luft mit sich bringt, sondern den Verlust an Würde, Angst und Gefühl der Erniedrigung und des Ausgeliefertseins aufzeigt. Was würden Sie tun: Wenn die „Staatsmacht“ Ihr Land konfisziert, Jahrhunderte alte Olivenbäume entwurzelt und zerstört, Ihnen den Zugang zu den Quellen verwehrt, (seit 1967 hat Israel die direkte Kontrolle über Nutzung und Verteilung des Wassers). Wenn das Land in 3 Zonen wie ein Flickenteppich aufgeteilt wird. Wenn Sie nicht vom Flughafen Tel Aviv ausreisen dürfen, sondern mühsam und zeitaufwendig über Jordanien reisen müssen. Wenn das sog. Niederlassungsrecht Ihnen Ihr Recht nimmt auf eigenem Grund und Boden zu leben, falls Sie. durch Arbeit oder Studium nicht durchgehend 7 Jahre lang dort lebten. Wenn es getrennte Straßen für Siedler und Einheimische gibt, die oft stundenlange Umwege einplanen oder über Stock und Stein holpern müssen, weil wieder mal ein fliegender Checkpoint die Durchfahrt verhindert. Wenn die israelische Sperrmauer Ihren Ort teilt, so dass einige Familien eingeschlossen sind und das Tor nur stundenweise geöffnet wird. Wenn Ihre Kinder oft stundenlang warten müssen, um zur Schule zu kommen und viele Kinder deshalb nicht mehr zur Schule gehen. Wenn Siedler Sie von Ihrem Land vertreiben….. Wenn selbst Kranke an den Checkpoints oft abgewiesen werden. Eine schildbürgerische Anekdote: die Autorin musste zu einer wichtigen Verabredung nach Jerusalem, alle entsprechenden Papiere lagen vor, aber der Körperdetektor meldete Alarm wegen ihres künstlichen Kniegelenks: ihr Knie bräuchte eine eigene Identitätskarte und eine spezielle Erlaubnis für Jerusalem. Frau Farhat-Naser setzt ihre Kraft ein, in Seminaren und Workshops Jugendlichen, Studenten und Frauen den Umgang mit Provokation, Wut, Angst und Ohnmacht zu vermitteln. Seit 1988 gibt es informelle Treffen von Frauen beider Seiten und Gründung von Frauenzentren in Ost/West-Jerusalem. Immer wieder die Erfahrung, wie schwierig es ist, die mentale Mauer zwischen zwei traumatisierten, von Neurosen geplagten Völker abzubauen: eines fand eine Heimstatt, das andere verlor sie. Die Israelis werden nicht gehasst, weil sie Juden sind, sondern Besatzer. Aber selbst in Jad Vashem wird die Geschichte der Palästinenser einfach ausgeblendet. Was ist Frieden? Die Akzeptanz von Unterdrückung und Besatzung? Es sind sehr persönliche Aufzeichnungen, es ist eben kein Sachbuch aus wissenschaftlicher Distanz. Und immer wieder hoffnungsdurchsetzt, denn die Hoffnung stirbt zuletzt. Es geht darum, auch die Mauern des Täter-Opfer-Mythos einzureißen. Interessant, dass diese Friedensfrau nie für den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels nominiert wurde, der 2024 an Anne Applebaum, bellizistisch denkend und mehr Waffenlieferungen fordernd, verliehen wird und 2022 dem Ukrainer Serhij Zhadan, für den Russen Barbaren, Horde, Unrat u.ä. sind. Vielleicht sollten Sie sich auch den Film „No other land“, der auf der Berlinale einen Preis erhielt, ansehen. Da sieht man live die alltäglichen Zerstörungen auf palästinensischem Land. Sumaya Farhat-Nasers Botschaft ist nur ein zartes Flüstern unter den Marktschreiern und lässt doch hoffen. Es gibt viele Initiativen auf beiden Seiten für Frieden und Miteinander im Heiligen Land. Edward Saids Worte nicht nur in Gottes, Allahs, Jahwes Ohren: wer hören will, der höret. Wir müssen den Holocaust anerkennen und verstehen, nicht um Israel einen Blankoscheck zu geben, uns anzutun, was sie uns antun, sondern um unsere Menschlichkeit zu bestätigen und zu bereichern. Nur so kann unser Leid anerkannt werden, und nur so erweisen wir uns der Freiheit, der Unabhängigkeit und des Friedens würdig. Das Buch findet einen würdigen Abschluss mit einem Essay von Ernest Goldberger.

Friedensgeflüster oder…

Almut Scheller-Mahmoud aus Hamburg am 19.07.2024
Bewertungsnummer: 2872602
Bewertet: Buch (Taschenbuch)

Friedensgeflüster oder Schrei, wenn du kannst Dieses Buch ist immer noch aktuell, ein Aufruf zum Frieden ist heute dringlicher denn je. Die Autorin, Professorin an der Universität Bir Zeit, ist eine palästinensische christliche Friedens-„Arbeiterin“. Ihre Familie lebt seit Jahrhunderten im Land. Sie beschreibt ihren Alltag beginnend in den 70er-Jahren bis 2012. Frau Farhat-Naser wurde 1948 geboren und durfte durch Vermittlung der deutschen Schule Talitha Kumi nach Hamburg zum Studium ausreisen. Sie war das 1. Mädchen ihres Dorfes, das im Ausland studiert und mit dem Staatsexamen für das höhere Lehramt abschloss. Ihr Mann hatte in Amsterdam studiert. Beide arbeiten an der Universität von Bir Zeit. Eindringlich und lebendig schreibt sie über die palästinensische Landschaft, den Duft von Thymian, Oregano, Pfefferminz, Salbei und Zitronen und das kulturelle Symbol der Olivenbäume, das harte Leben der Frauen, aber auch das Zusammengehörigkeitsgefühl, welches durch geschickt von den Israelis angeworbene Kollaborateure untergraben werden soll. Demütigungen durch die Besatzungsmacht sind alltäglich: kafkaeske Bürokratie an den Checkpoints, Razzien und Zerstörungen von Häusern und Land. Diese Demütigungen breitet sie wie einen Fächer aus, der jedoch keine kühlende Luft mit sich bringt, sondern den Verlust an Würde, Angst und Gefühl der Erniedrigung und des Ausgeliefertseins aufzeigt. Was würden Sie tun: Wenn die „Staatsmacht“ Ihr Land konfisziert, Jahrhunderte alte Olivenbäume entwurzelt und zerstört, Ihnen den Zugang zu den Quellen verwehrt, (seit 1967 hat Israel die direkte Kontrolle über Nutzung und Verteilung des Wassers). Wenn das Land in 3 Zonen wie ein Flickenteppich aufgeteilt wird. Wenn Sie nicht vom Flughafen Tel Aviv ausreisen dürfen, sondern mühsam und zeitaufwendig über Jordanien reisen müssen. Wenn das sog. Niederlassungsrecht Ihnen Ihr Recht nimmt auf eigenem Grund und Boden zu leben, falls Sie. durch Arbeit oder Studium nicht durchgehend 7 Jahre lang dort lebten. Wenn es getrennte Straßen für Siedler und Einheimische gibt, die oft stundenlange Umwege einplanen oder über Stock und Stein holpern müssen, weil wieder mal ein fliegender Checkpoint die Durchfahrt verhindert. Wenn die israelische Sperrmauer Ihren Ort teilt, so dass einige Familien eingeschlossen sind und das Tor nur stundenweise geöffnet wird. Wenn Ihre Kinder oft stundenlang warten müssen, um zur Schule zu kommen und viele Kinder deshalb nicht mehr zur Schule gehen. Wenn Siedler Sie von Ihrem Land vertreiben….. Wenn selbst Kranke an den Checkpoints oft abgewiesen werden. Eine schildbürgerische Anekdote: die Autorin musste zu einer wichtigen Verabredung nach Jerusalem, alle entsprechenden Papiere lagen vor, aber der Körperdetektor meldete Alarm wegen ihres künstlichen Kniegelenks: ihr Knie bräuchte eine eigene Identitätskarte und eine spezielle Erlaubnis für Jerusalem. Frau Farhat-Naser setzt ihre Kraft ein, in Seminaren und Workshops Jugendlichen, Studenten und Frauen den Umgang mit Provokation, Wut, Angst und Ohnmacht zu vermitteln. Seit 1988 gibt es informelle Treffen von Frauen beider Seiten und Gründung von Frauenzentren in Ost/West-Jerusalem. Immer wieder die Erfahrung, wie schwierig es ist, die mentale Mauer zwischen zwei traumatisierten, von Neurosen geplagten Völker abzubauen: eines fand eine Heimstatt, das andere verlor sie. Die Israelis werden nicht gehasst, weil sie Juden sind, sondern Besatzer. Aber selbst in Jad Vashem wird die Geschichte der Palästinenser einfach ausgeblendet. Was ist Frieden? Die Akzeptanz von Unterdrückung und Besatzung? Es sind sehr persönliche Aufzeichnungen, es ist eben kein Sachbuch aus wissenschaftlicher Distanz. Und immer wieder hoffnungsdurchsetzt, denn die Hoffnung stirbt zuletzt. Es geht darum, auch die Mauern des Täter-Opfer-Mythos einzureißen. Interessant, dass diese Friedensfrau nie für den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels nominiert wurde, der 2024 an Anne Applebaum, bellizistisch denkend und mehr Waffenlieferungen fordernd, verliehen wird und 2022 dem Ukrainer Serhij Zhadan, für den Russen Barbaren, Horde, Unrat u.ä. sind. Vielleicht sollten Sie sich auch den Film „No other land“, der auf der Berlinale einen Preis erhielt, ansehen. Da sieht man live die alltäglichen Zerstörungen auf palästinensischem Land. Sumaya Farhat-Nasers Botschaft ist nur ein zartes Flüstern unter den Marktschreiern und lässt doch hoffen. Es gibt viele Initiativen auf beiden Seiten für Frieden und Miteinander im Heiligen Land. Edward Saids Worte nicht nur in Gottes, Allahs, Jahwes Ohren: wer hören will, der höret. Wir müssen den Holocaust anerkennen und verstehen, nicht um Israel einen Blankoscheck zu geben, uns anzutun, was sie uns antun, sondern um unsere Menschlichkeit zu bestätigen und zu bereichern. Nur so kann unser Leid anerkannt werden, und nur so erweisen wir uns der Freiheit, der Unabhängigkeit und des Friedens würdig. Das Buch findet einen würdigen Abschluss mit einem Essay von Ernest Goldberger.

Friedensgeflüster oder: Schrei, wenn Du kannst.

Almut Scheller-Mahmoud aus 21109 Hamburg am 18.07.2024

Bewertungsnummer: 2247367

Bewertet: Buch (Taschenbuch)

Dieses 2017 erschienene Buch mit der Taschenbuchausgabe von 2022 hat nichts von seiner Aktualität eingebüßt, sondern ist heute dringlicher denn je: ein Aufruf zum Frieden. Die Autorin, Professorin für Ökologie und Botanik an der Universität Bir Zeit, ist eine palästinensische christliche Friedens-„Arbeiterin“. Viele mag es überraschen, dass es in Palästina Christen gibt, auch wenn sie nur eine Minderheit sind. Ihre Familie lebt seit Jahrhunderten im Land. Frau Farhat-Naser beschreibt in Ich-Form den Alltag der Palästinenser, beginnend mit den 70er-Jahrend und 2012 endend. Die Autorin wurde 1948, als Israel gegründet wurde, geboren und hatte das Glück an die deutsche Schule Talitha Kumi gehen und von dort durch Vermittlung deutscher Lehrkräfte nach Hamburg zum Studium ausreisen zu dürfen. Sie war das erste Mädchen ihres Dorfes, das im Ausland studiert und zudem mit erfolgreichem Staatsexamen für das höhere Lehramt abschloss. Sie heiratete Munîr, der in Amsterdam studiert hatte und Dozent für Biochemie am Bir Zeit College war. Beide arbeiten an der Universität von Bir Zeit, die von einer Tante Munîrs gegründet worden war. Alle Dozenten hatten im Ausland studiert und waren voller Tatendrang und mit Ideen, ihre Erfahrungen umzusetzen, zurückgekehrt. Eindringlich und lebendig schreibt sie über die palästinensische Landschaft, den Duft von Thymian, Oregano, Pfefferminz, Salbei und Zitronen und das kulturelle Symbol der Olivenbäume, das harte Leben der Frauen, aber auch das Zusammengehörigkeitsgefühl, welches wiederum durch geschickt von den Israelis angeworbene Kollaborateure untergraben werden soll. Demütigungen durch die Besatzungsmacht Israel sind alltäglich: langwierige Verfahren für eine Einreise/Ausreise-Genehmigung mit ihrer kafkaesken Bürokratie an den Checkpoints, die Razzien und Zerstörungen von Häusern und Land. Diese Demütigungen breitet sie wie einen Fächer aus, der jedoch keine kühlende Luft mit sich bringt, sondern den Verlust an Würde, Angst und Gefühl der Erniedrigung und des Ausgeliefertseins aufzeigt. Was würden Sie tun: Wenn die „Staatsmacht“ Ihr Land konfisziert, Jahrhunderte alte Olivenbäume entwurzelt und zerstört, Ihnen den Zugang zu den Quellen verwehrt, denn seit 1967 hat Israel die direkte Kontrolle über die Nutzung und Verteilung des Wassers (86% für die Israelis, die kümmerlichen Resttropfen für die Palästinenser und ihr Ackerland). Wenn das Land in drei Zonen aufgeteilt wie einen Flickenteppich, fast 80% vom Militär kontrolliert bzw. verwaltet wird. Wenn Sie zur Ausreise nicht den Flughafen von Tel Aviv benutzen dürfen, sondern mühsam und zeitaufwendig über Jordanien reisen müssen. Wenn das sog. Niederlassungsrecht Ihnen Ihr Recht nimmt auf eigenem Grund und Boden zu leben, wenn Sie z.B. durch Arbeit oder Studium nicht durchgehend sieben Jahre lang dort lebten. Wenn selbst Kranke an den Checkpoints oft abgewiesen werden. Sie beschreibt eine fast komische Anekdote: sie selbst musste zu einer wichtigen Verabredung nach Jerusalem, alle entsprechenden Papiere lagen vor, aber der Körperdetektor meldete Alarm wegen ihres künstlichen Kniegelenks. Sie durfte nicht passieren, denn ihr Knie bräuchte eine eigene Identitätskarte und eine spezielle Erlaubnis für Jerusalem. Schildbürger in Aktion? Wenn es getrennte Straßen für die Siedler und die Einheimischen gibt, die um von A nach B zu kommen, oft stundenlange Umwege einplanen oder über Stock und Stein holpern müssen, weil wieder mal ein fliegender Checkpoint die Durchfahrt verhindert. Wenn die israelische Sperrmauer Ihren Ort teilt, so dass einige Familien eingeschlossen sind und das Tor nur stundenweise geöffnet wird. Wenn Ihre Kinder oft stundenlang warten müssen, um zur Schule zu kommen und viele Kinder deshalb nicht mehr zur Schule gehen. Wenn Siedler Sie von Ihrem Land vertreiben….. Frau Farhat-Naser setzt ihre Kraft ein, in Seminaren und Workshops Jugendlichen, Studenten und Frauen den Umgang mit Provokation, Wut, Angst und Ohnmacht sowie der Selbsterziehung zum eigenen Schutz zu vermitteln. Seit 1988 erstes informelles Treffen von sechs palästinensischen und sechs israelischen Frauen, 1994 Gründung von zwei Frauenzentren in Ost- und West-Jerusalem. Immer wieder die Erfahrung, wie schwierig es ist, die Mauer von Angst und Misstrauen abzubauen. Es sind zwei traumatisierte, von Neurosen geplagte Völker: das eine Volk fand eine Heimstatt, das andere verlor sie. Jede nationale Identität basiert auf einem Mythos. Die Israelis werden nicht gehasst, weil sie Juden sind, sondern Besatzer. Und auch sie hatten ihre Terror-gruppen wie Irgun und Stern. Selbst in Jad Vashem wird die Geschichte der Palästinenser einfach ausgeblendet. Was ist Frieden? Die Akzeptanz von Unterdrückung und Besatzung? Die Aufzeichnungen sind sehr persönlich, es ist eben kein Sachbuch aus wissenschaftlicher Distanz. Und immer wieder hoffnungsdurchsetzt, denn die Hoffnung stirbt zuletzt. Es geht ihr darum, die Mauern einzureißen, auch die des Täter-Opfer-Mythos. Interessant, dass diese Friedensfrau nie für den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels „gehandelt“ wurde, der diesjährig der Historikerin Anne Applebaum, sehr bellizistisch eingestellt und immer mehr Waffenlieferungen fordernd, verliehen wurde und 2022 dem Ukrainer Serhij Zhadan, der Russen als Barbaren, Horde, Unrat und dergl. titulierte. Vielleicht sollten sich die Leserinnen und Leser auch den Film „No other land“, der auf der Berlinale den Dokumentarfilmpreis erhielt, ansehen. Da erlebt der Zuschauer die alltägliche Zerstörungskraft auf palästinensischem Land wie die Bulldozer Häuser einreißen und Olivenhaine zertrümmern. Sumaya Farhat-Nasers Botschaft geht unter in den marktschreierischen Topics, ist nur ein zartes Flüstern und lässt doch hoffen. Denn sie ist nicht allein, denn es gibt viele Initiativen für den Frieden und das Miteinander im Heiligen Land. Edward Saids Worte nicht nur in Gottes, Allahs, Jahwes Ohren: wer hören will, der höret. Wir müssen den Holocaust anerkennen und verstehen, nicht um Israel einen Blankoscheck zu geben, uns anzutun, was sie uns antun, sondern um unsere Menschlichkeit zu bestätigen und zu bereichern. Nur so kann unser Leid anerkannt werden, und nur so erweisen wir uns der Freiheit, der Unabhängigkeit und des Friedens würdig. PS. Das Buch findet einen würdigen Abschluss mit einem 34seitigen Essay von Ernest Goldberger.

Friedensgeflüster oder: Schrei, wenn Du kannst.

Almut Scheller-Mahmoud aus 21109 Hamburg am 18.07.2024
Bewertungsnummer: 2247367
Bewertet: Buch (Taschenbuch)

Dieses 2017 erschienene Buch mit der Taschenbuchausgabe von 2022 hat nichts von seiner Aktualität eingebüßt, sondern ist heute dringlicher denn je: ein Aufruf zum Frieden. Die Autorin, Professorin für Ökologie und Botanik an der Universität Bir Zeit, ist eine palästinensische christliche Friedens-„Arbeiterin“. Viele mag es überraschen, dass es in Palästina Christen gibt, auch wenn sie nur eine Minderheit sind. Ihre Familie lebt seit Jahrhunderten im Land. Frau Farhat-Naser beschreibt in Ich-Form den Alltag der Palästinenser, beginnend mit den 70er-Jahrend und 2012 endend. Die Autorin wurde 1948, als Israel gegründet wurde, geboren und hatte das Glück an die deutsche Schule Talitha Kumi gehen und von dort durch Vermittlung deutscher Lehrkräfte nach Hamburg zum Studium ausreisen zu dürfen. Sie war das erste Mädchen ihres Dorfes, das im Ausland studiert und zudem mit erfolgreichem Staatsexamen für das höhere Lehramt abschloss. Sie heiratete Munîr, der in Amsterdam studiert hatte und Dozent für Biochemie am Bir Zeit College war. Beide arbeiten an der Universität von Bir Zeit, die von einer Tante Munîrs gegründet worden war. Alle Dozenten hatten im Ausland studiert und waren voller Tatendrang und mit Ideen, ihre Erfahrungen umzusetzen, zurückgekehrt. Eindringlich und lebendig schreibt sie über die palästinensische Landschaft, den Duft von Thymian, Oregano, Pfefferminz, Salbei und Zitronen und das kulturelle Symbol der Olivenbäume, das harte Leben der Frauen, aber auch das Zusammengehörigkeitsgefühl, welches wiederum durch geschickt von den Israelis angeworbene Kollaborateure untergraben werden soll. Demütigungen durch die Besatzungsmacht Israel sind alltäglich: langwierige Verfahren für eine Einreise/Ausreise-Genehmigung mit ihrer kafkaesken Bürokratie an den Checkpoints, die Razzien und Zerstörungen von Häusern und Land. Diese Demütigungen breitet sie wie einen Fächer aus, der jedoch keine kühlende Luft mit sich bringt, sondern den Verlust an Würde, Angst und Gefühl der Erniedrigung und des Ausgeliefertseins aufzeigt. Was würden Sie tun: Wenn die „Staatsmacht“ Ihr Land konfisziert, Jahrhunderte alte Olivenbäume entwurzelt und zerstört, Ihnen den Zugang zu den Quellen verwehrt, denn seit 1967 hat Israel die direkte Kontrolle über die Nutzung und Verteilung des Wassers (86% für die Israelis, die kümmerlichen Resttropfen für die Palästinenser und ihr Ackerland). Wenn das Land in drei Zonen aufgeteilt wie einen Flickenteppich, fast 80% vom Militär kontrolliert bzw. verwaltet wird. Wenn Sie zur Ausreise nicht den Flughafen von Tel Aviv benutzen dürfen, sondern mühsam und zeitaufwendig über Jordanien reisen müssen. Wenn das sog. Niederlassungsrecht Ihnen Ihr Recht nimmt auf eigenem Grund und Boden zu leben, wenn Sie z.B. durch Arbeit oder Studium nicht durchgehend sieben Jahre lang dort lebten. Wenn selbst Kranke an den Checkpoints oft abgewiesen werden. Sie beschreibt eine fast komische Anekdote: sie selbst musste zu einer wichtigen Verabredung nach Jerusalem, alle entsprechenden Papiere lagen vor, aber der Körperdetektor meldete Alarm wegen ihres künstlichen Kniegelenks. Sie durfte nicht passieren, denn ihr Knie bräuchte eine eigene Identitätskarte und eine spezielle Erlaubnis für Jerusalem. Schildbürger in Aktion? Wenn es getrennte Straßen für die Siedler und die Einheimischen gibt, die um von A nach B zu kommen, oft stundenlange Umwege einplanen oder über Stock und Stein holpern müssen, weil wieder mal ein fliegender Checkpoint die Durchfahrt verhindert. Wenn die israelische Sperrmauer Ihren Ort teilt, so dass einige Familien eingeschlossen sind und das Tor nur stundenweise geöffnet wird. Wenn Ihre Kinder oft stundenlang warten müssen, um zur Schule zu kommen und viele Kinder deshalb nicht mehr zur Schule gehen. Wenn Siedler Sie von Ihrem Land vertreiben….. Frau Farhat-Naser setzt ihre Kraft ein, in Seminaren und Workshops Jugendlichen, Studenten und Frauen den Umgang mit Provokation, Wut, Angst und Ohnmacht sowie der Selbsterziehung zum eigenen Schutz zu vermitteln. Seit 1988 erstes informelles Treffen von sechs palästinensischen und sechs israelischen Frauen, 1994 Gründung von zwei Frauenzentren in Ost- und West-Jerusalem. Immer wieder die Erfahrung, wie schwierig es ist, die Mauer von Angst und Misstrauen abzubauen. Es sind zwei traumatisierte, von Neurosen geplagte Völker: das eine Volk fand eine Heimstatt, das andere verlor sie. Jede nationale Identität basiert auf einem Mythos. Die Israelis werden nicht gehasst, weil sie Juden sind, sondern Besatzer. Und auch sie hatten ihre Terror-gruppen wie Irgun und Stern. Selbst in Jad Vashem wird die Geschichte der Palästinenser einfach ausgeblendet. Was ist Frieden? Die Akzeptanz von Unterdrückung und Besatzung? Die Aufzeichnungen sind sehr persönlich, es ist eben kein Sachbuch aus wissenschaftlicher Distanz. Und immer wieder hoffnungsdurchsetzt, denn die Hoffnung stirbt zuletzt. Es geht ihr darum, die Mauern einzureißen, auch die des Täter-Opfer-Mythos. Interessant, dass diese Friedensfrau nie für den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels „gehandelt“ wurde, der diesjährig der Historikerin Anne Applebaum, sehr bellizistisch eingestellt und immer mehr Waffenlieferungen fordernd, verliehen wurde und 2022 dem Ukrainer Serhij Zhadan, der Russen als Barbaren, Horde, Unrat und dergl. titulierte. Vielleicht sollten sich die Leserinnen und Leser auch den Film „No other land“, der auf der Berlinale den Dokumentarfilmpreis erhielt, ansehen. Da erlebt der Zuschauer die alltägliche Zerstörungskraft auf palästinensischem Land wie die Bulldozer Häuser einreißen und Olivenhaine zertrümmern. Sumaya Farhat-Nasers Botschaft geht unter in den marktschreierischen Topics, ist nur ein zartes Flüstern und lässt doch hoffen. Denn sie ist nicht allein, denn es gibt viele Initiativen für den Frieden und das Miteinander im Heiligen Land. Edward Saids Worte nicht nur in Gottes, Allahs, Jahwes Ohren: wer hören will, der höret. Wir müssen den Holocaust anerkennen und verstehen, nicht um Israel einen Blankoscheck zu geben, uns anzutun, was sie uns antun, sondern um unsere Menschlichkeit zu bestätigen und zu bereichern. Nur so kann unser Leid anerkannt werden, und nur so erweisen wir uns der Freiheit, der Unabhängigkeit und des Friedens würdig. PS. Das Buch findet einen würdigen Abschluss mit einem 34seitigen Essay von Ernest Goldberger.

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