Produktbild: Vergissmeinnicht - Psychiatriepatienten und Anstaltsleben um 1900

Vergissmeinnicht - Psychiatriepatienten und Anstaltsleben um 1900 Aus Werken der Sammlung Prinzhorn

1

88,50 €

inkl. gesetzl. MwSt., Versandkostenfrei


Beschreibung

Produktdetails

Einband

Taschenbuch

Erscheinungsdatum

25.04.2018

Abbildungen

XIV, mit 354 Abbildungen in Farbe.

Verlag

Springer Berlin

Seitenzahl

378

Maße (L/B/H)

27,9/21/2,2 cm

Gewicht

1067 g

Auflage

1. Auflage 2018

Sprache

Deutsch

ISBN

978-3-662-55531-6

Beschreibung

Rezension

“... Dieses Buch ist eine großartige Fundgrube für die Alltagsgeschichte der Psychiatrie und für regional- und institutionsgeschichtliche Studien.” (Thomas R. Müller, in: soziale psychiatrie, Jg. 43, Heft 2, 2019)

“... Den Autorinnen gelingt es in außergewöhnlicher Weise, die unterschiedlichen Charaktere der psychisch kranken Künstlerinnen und Künstler mit den zum Teil nicht mehr vorstellbaren Zuständen in den psychiatrischen Anstalten zu vermitteln. Auf diese Weise wird die Kunst aus dem Elfenbeinturm herausgeholt und die Beschäftigung mit Psychiatriegeschichte zu einer erbaulichen Angelegenheit erhoben.” (Michael Konrad, in: Psychiatrische Praxis, Jg. 46, Heft 1-2, 2019)

“… Das Buch leistet so unverzichtbare Hilfestellungen zum Verständnis dieser einzigartigen Zeugnisse. Es ist nicht nur jenen zu empfehlen, die an der Kunst von Psychiatrieerfahrenen interessiert sind und die Kreativität als Behandlungsmethode und Verstehenszugang nutzen, sondern auch all denjenigen, die Psychiatriegeschichte verstehen und aus ihr lernen wollen. Vielleicht wird der Band ja eine »Bilderbibel« für psychiatrisch Tätige und andere Kunstinteressierte …” (Wolfram Voigtländer, in: Psychosoziale Umschau, Jg. 33, Heft 2, 2018)

Produktdetails

Einband

Taschenbuch

Erscheinungsdatum

25.04.2018

Abbildungen

XIV, mit 354 Abbildungen in Farbe.

Verlag

Springer Berlin

Seitenzahl

378

Maße (L/B/H)

27,9/21/2,2 cm

Gewicht

1067 g

Auflage

1. Auflage 2018

Sprache

Deutsch

ISBN

978-3-662-55531-6

Herstelleradresse

Springer-Verlag GmbH
Heidelberger Platz 3
14197 Berlin
Deutschland
Email: sdc-bookservice@springer.com
Url: www.springer.com
Telephone: +49 6221 3454301
Fax: +49 30 8214091

Kundinnen und Kunden meinen

1 Bewertungen

Informationen zu Bewertungen

Zur Abgabe einer Bewertung ist eine Anmeldung im Konto notwendig. Die Authentizität der Bewertungen wird von uns nicht überprüft. Wir behalten uns vor, Bewertungstexte, die unseren Richtlinien widersprechen, entsprechend zu kürzen oder zu löschen.

Die Bewertungen sind nach Format, Anzahl Sterne und Datum sortiert.

5 Sterne

(1)

4 Sterne

(0)

3 Sterne

(0)

2 Sterne

(0)

1 Sterne

(0)

weggesperrt!

S.A.W am 20.06.2018

Bewertungsnummer: 1112144

Bewertet: Buch (Taschenbuch)

Ingrid von Beyme und Sabine Hohnholz, stellvertretende Leiterin bzw. Archivarin der Sammlung Prinzhorn der Psychiatrischen Universitätsklinik Heidelberg, schlagen in diesem Band eine Brücke zwischen Psychiatriealltag und Kunst: Werke aus der Sammlung führen eindrucksvoll vor, wie Psychiatriepatienten ihre Situation, ihren Arzt und das Leben in der Anstalt um 1900 wahrgenommen haben. Ergänzt werden diese beklemmend-faszinierenden Zeichnungen um Texte, Dokumente und Fotos, die Einblick in die biografischen Hintergründe der PatientInnen und ihre Diagnosen und Therapien geben. Einweisung: Friedrich Fend, ein dichterisch und zeichnerisch begabter Fürsorgeempfänger (Arbeitsunfall) beklagt, dass man ihn aus finanziellen Absichten und ohne Einspruchsmöglichkeit in die Anstalt steckte, um die Gemeindekasse zu entlasten. Einen Sittlichkeitsdelikt an seiner Stieftochter sieht er nur als Vorwand an. Behandlungsmethoden: Um 1900 war die „Bettbehandlung“ üblich. Die Patienten hatten sich den ganzen Tag über im Bett aufzuhalten. Man glaubte, damit die Übererregung des Gehirns beruhigen zu können. Vollbäder unter 35-37 Grad und 10-12 Stunden Dauer sollten ebenfalls beruhigen. Beschäftigungs- und Arbeitstherapie wird bis heute angewandt. Alltag in der Anstalt: Der Alltag in der Klinik wurde oft nicht geschätzt: „Diese Therapie ist nichts als Freiheitsberaubung.“ „Keine Minute bleib ich mehr hier.“ Arztrezeptionen zwischen Erlöser und Antichrist: Die Patienten fühlten sich nicht immer gut behandelt und drückten dies oft drastisch aus: „Verflucht die Ärzte bei Himmel und Hölle“ „Bluthunde, Spitzbuben, Meuchelmörder, Hirnbrandige.“ Die Bild- und Schriftdokumentationen, die Lebensläufe und Selbstzeugnisse geben ein lebhaftes Bild des Leides der Patienten, der Hilflosigkeit der Ärzte, die sich hinter grandiosen Theorien und wirkungslosen Therapien verbarg. Die Ablehnung tiefenpsychologischer Thesen und lebensgeschichtlicher Hermeneutik hatte desaströse Folgen für die Patienten, dies wird beim Lesen dieses Buches klar (Prominentestes Beispiel aus dieser Zeit ist Vincent van Gogh, der sich nach einem Klinikaufenthalt das Leben nahm). Zum Nachwirken der Exklusion psychisch Kranker eine persönliche Erfahrung: Ich bin in den 1950er Jahren in Linz neben der Irrenanstalt in Niedernhart aufgewachsen, bis vor kurzem benannt nach Wagner-Jauregg, Nobelpreisträger 1927. Wir Kinder spielten auf der Wiese direkt vor der Anstaltsmauer, die etwas Unheimliches hatte, denn dahinter waren ja die Verrückten und die waren angeblich gefährlich. Ich büßte meine unbeabsichtigte Herkunft täglich auf dem Schulweg, wo mich die Schulfreunde mit der Bemerkung „He Irrer, du kommst doch aus Niederhart!“ aufzogen, was mich 20 Jahre lang in der Angst zurückließ, nur ja nie in dieser Anstalt zu landen. Vielleicht bin ich ja Psychologe geworden, um der Sache endlich auf die Spur zu kommen. Denn mit 15 hatte ich mit meiner Oberstufenklasse ein Theaterstück in der Klinik aufgeführt und die Irren taten erstaunlicherweise – gar nichts, saßen nur stumm da (Weil sie wahrscheinlich voll sediert waren). In meine Parallelklasse ging außerdem die Tochter des Nervenklinikdirektors Schnopfhagen, und die war ganz normal, um nicht zu sagen sehr nett. Die Diskrepanz zwischen allgemeinem Vorurteil und meiner persönlichen Erfahrung kam mir beim Lesen dieses Buches hoch. Schade, dass das biologistische Modell der Hirnentzündung im Verein mit der Ablehnung der Tiefenpsychologie eine adäquate Behandlung der Psychiatriepatienten bis zum Entstehen von Anti-Psychiatrie und Sozialpsychiatrie in den 1970er Jahren so lange behindert hat. Dr. Rüdiger Opelt, klinischer Psychologe, Autor von „Die Kinder des Tantalus. Ausstieg aus dem Kreislauf seelischer Verletzungen.“

weggesperrt!

S.A.W am 20.06.2018
Bewertungsnummer: 1112144
Bewertet: Buch (Taschenbuch)

Ingrid von Beyme und Sabine Hohnholz, stellvertretende Leiterin bzw. Archivarin der Sammlung Prinzhorn der Psychiatrischen Universitätsklinik Heidelberg, schlagen in diesem Band eine Brücke zwischen Psychiatriealltag und Kunst: Werke aus der Sammlung führen eindrucksvoll vor, wie Psychiatriepatienten ihre Situation, ihren Arzt und das Leben in der Anstalt um 1900 wahrgenommen haben. Ergänzt werden diese beklemmend-faszinierenden Zeichnungen um Texte, Dokumente und Fotos, die Einblick in die biografischen Hintergründe der PatientInnen und ihre Diagnosen und Therapien geben. Einweisung: Friedrich Fend, ein dichterisch und zeichnerisch begabter Fürsorgeempfänger (Arbeitsunfall) beklagt, dass man ihn aus finanziellen Absichten und ohne Einspruchsmöglichkeit in die Anstalt steckte, um die Gemeindekasse zu entlasten. Einen Sittlichkeitsdelikt an seiner Stieftochter sieht er nur als Vorwand an. Behandlungsmethoden: Um 1900 war die „Bettbehandlung“ üblich. Die Patienten hatten sich den ganzen Tag über im Bett aufzuhalten. Man glaubte, damit die Übererregung des Gehirns beruhigen zu können. Vollbäder unter 35-37 Grad und 10-12 Stunden Dauer sollten ebenfalls beruhigen. Beschäftigungs- und Arbeitstherapie wird bis heute angewandt. Alltag in der Anstalt: Der Alltag in der Klinik wurde oft nicht geschätzt: „Diese Therapie ist nichts als Freiheitsberaubung.“ „Keine Minute bleib ich mehr hier.“ Arztrezeptionen zwischen Erlöser und Antichrist: Die Patienten fühlten sich nicht immer gut behandelt und drückten dies oft drastisch aus: „Verflucht die Ärzte bei Himmel und Hölle“ „Bluthunde, Spitzbuben, Meuchelmörder, Hirnbrandige.“ Die Bild- und Schriftdokumentationen, die Lebensläufe und Selbstzeugnisse geben ein lebhaftes Bild des Leides der Patienten, der Hilflosigkeit der Ärzte, die sich hinter grandiosen Theorien und wirkungslosen Therapien verbarg. Die Ablehnung tiefenpsychologischer Thesen und lebensgeschichtlicher Hermeneutik hatte desaströse Folgen für die Patienten, dies wird beim Lesen dieses Buches klar (Prominentestes Beispiel aus dieser Zeit ist Vincent van Gogh, der sich nach einem Klinikaufenthalt das Leben nahm). Zum Nachwirken der Exklusion psychisch Kranker eine persönliche Erfahrung: Ich bin in den 1950er Jahren in Linz neben der Irrenanstalt in Niedernhart aufgewachsen, bis vor kurzem benannt nach Wagner-Jauregg, Nobelpreisträger 1927. Wir Kinder spielten auf der Wiese direkt vor der Anstaltsmauer, die etwas Unheimliches hatte, denn dahinter waren ja die Verrückten und die waren angeblich gefährlich. Ich büßte meine unbeabsichtigte Herkunft täglich auf dem Schulweg, wo mich die Schulfreunde mit der Bemerkung „He Irrer, du kommst doch aus Niederhart!“ aufzogen, was mich 20 Jahre lang in der Angst zurückließ, nur ja nie in dieser Anstalt zu landen. Vielleicht bin ich ja Psychologe geworden, um der Sache endlich auf die Spur zu kommen. Denn mit 15 hatte ich mit meiner Oberstufenklasse ein Theaterstück in der Klinik aufgeführt und die Irren taten erstaunlicherweise – gar nichts, saßen nur stumm da (Weil sie wahrscheinlich voll sediert waren). In meine Parallelklasse ging außerdem die Tochter des Nervenklinikdirektors Schnopfhagen, und die war ganz normal, um nicht zu sagen sehr nett. Die Diskrepanz zwischen allgemeinem Vorurteil und meiner persönlichen Erfahrung kam mir beim Lesen dieses Buches hoch. Schade, dass das biologistische Modell der Hirnentzündung im Verein mit der Ablehnung der Tiefenpsychologie eine adäquate Behandlung der Psychiatriepatienten bis zum Entstehen von Anti-Psychiatrie und Sozialpsychiatrie in den 1970er Jahren so lange behindert hat. Dr. Rüdiger Opelt, klinischer Psychologe, Autor von „Die Kinder des Tantalus. Ausstieg aus dem Kreislauf seelischer Verletzungen.“

Kundinnen und Kunden meinen

Vergissmeinnicht - Psychiatriepatienten und Anstaltsleben um 1900

von Ingrid Beyme, Sabine Hohnholz

0 Bewertungen filtern

Weitere Artikel finden Sie in

  • Produktbild: Vergissmeinnicht - Psychiatriepatienten und Anstaltsleben um 1900
  • Geleitwort.- 1 Anstaltsansichten: “Irrenhausschuppen“ und „Narrenhäuser“.- 2. Einweisung: "Wer naht noch zu so später Stunde?“.- 3. Behandlungsmethoden: “Wer hat so etwas erlaubt?“.- 4. Zelle und Anstaltsgarten – Blick nach Innen und Außen: "Ihr untergebener Gefangener!“.- 5. Alltag in der Anstalt: „jren ißt etc. Menchlich“.- 6. Ärzte, Pfleger, Mitpatienten und das Selbst im Porträt: "Personenconfrontationen“.- 7. Arztrezeptionen zwischen Erlöser und Antichrist: „Warum macht ihr Gelerte=Schafsköpf einen Verrückten nicht gesund ihr Arschlöcher“.- 8.  Erklärungen seelischer Nöte und Bewältigungsstrategien: „Herrn Dr. Printzhorn so sieht es in mir aus“.-9.(Aufbegehren mit) Ironie, Karikatur, Spott: „z. Zt. Narrenschindenau b. Heidelberg Irrenklinik“.- 10. Bitten und Beschwerden: „Bitte! Bitte! Bitte!...“.- Anhang: Liste der Anstalten und Privatpersonen, die Werke in die Heidelberger Bildersammlung gaben.- Liste historischer Diagnosen.- Personenverzeichnis