Demenz, Alter, Verlust ... mit ihrem Buch nimmt sich die Autorin Victoria Suffrage schwieriger Themen an. Dennoch besticht das Buch durch seine Leichtigkeit und einen tiefsinnigen Humor. Mit dem Witwer Paul und dem Altenpfleger Alex zeichnet sie liebevolle Figuren, authentisch und nah.
Klappentext:
"Melde gehorsamst, ich bin blöd, Herr Oberlajtnant." ... meint Paul, knapp an die achtzig, mit Sonnenschein im Herzen und manchmal auch im Kopf. Obwohl das Leben ein Arschloch ist. Muss ja weitergehen, irgendwie. Seine Frau Lissy ist gestorben, wartet auf ihn "nachm Regenbogen um sechs Uhr abends". Und die 43-jährige Tochter schreit. Fast immer. Besonders, wenn Nuschi nicht da ist, das Katzenviech.
Könnte er aushalten, gäbe es nicht die teuflische Nachbarin. Oder ist sie der siebenköpfige Drache? Wenigstens ist da Alex, sein Winnetou und Altenpfleger mit Hingabe und Humor.
Dann ist Nuschi weg und es bleiben nur noch zwei Tage, bis Alex für immer gehen will.
Paul und Alex machen sich auf. Mit einer Kühltasche. Eine Abschiedsreise nach Prag zur Moldau?
Unterwegs lernen sie einen Tschechen kennen, den falschen "Gott".
Wird es die letzte Reise sein? Weiß Vojtech die Antwort auf alle Fragen, und welches Geheimnis bedrückt Alex?
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Ein Roman fürs Herz
rewareni aus wien am 18.08.2018
Bewertungsnummer: 1126517
Bewertet: Buch (Taschenbuch)
Mit knapp 80 Jahren darf man schon ein wenig verwirrt sein und so weiß Paul Riemenschneider auch nicht immer so genau, welcher Tag gerade ist oder ob sein Altenpfleger Alex vorbei kommt. Aber was er weiß ist, dass ihm seine verstorbene Frau Lissy ständig fehlt und dass seine schwerstbehinderte 43 jährige Tochter Ela immer auf ihn zählen kann. Wenn ihre Katze Nuschi bei ihr ist, dann ist ,, das Kind´´ glücklich. Doch nicht jeder im Haus versteht es, wenn Ela wieder einmal schreit und brüllt und so bleibt es nicht aus, dass ihm die Hausverwaltung kündigen möchte.
Als Alex Nuschi eines Tages tot auffindet, fasst er einen besonderen Plan. Gemeinsam mit Paul fährt er nach Prag für eine letzte gemeinsame Reise. Diesen Wunsch konnte Paul seiner Lissy nie erfühlen, aber er weiß ….also nachm Regenbogen um sechs Uhr abends, werden sie sich eines Tages wieder sehen.
Der Roman von Victoria Suffrage ist eine zu Herzen gehende und gefühlvolle Geschichte. Wem da nicht beim Lesen immer wieder die Tränen kommen, dann weiß ich auch nicht, wieviel an Emotionen ein Roman haben muss. Der Protagonist Paul ist ein alter, liebenswürdiger und von Sorgen geplagter Mann. Sehr schön lässt die Autorin dabei den Leser an seinen Gedanken teilhaben.
,,Man kann mit einer dreckigen Brille lesen. Und mit dreckigen Ohren hören. Warum kann man mit einem dreckigen Gehirn nicht denken ?´´
Seine Apothken Umschau, sein Underberg und seine Vorliebe für Zitate aus dem Stück ,, Der brave Soldat Schwejk´´, sind seine Vorlieben, die ihm das Leben erträglich machen. Besonders emotional beschreibt dabei Victoria Suffrage die Ablehnung, das Unverständnis und die Haltherzigkeit seiner Mitbewohner, wenn seine behinderte Tochter in der Wohnung wieder einmal laut ist.
Die Autorin lässt in ihrem Roman viele gesellschaftskritische Themen miteinfließen und versucht dabei aber immer wieder eine ausgewogene Balance zwischen gut und böse, Hoffnung und Verzweiflung und vorallem echter und tiefer Liebe, bis über den Tod hinaus reicht, zu finden
Besonders nett sind die ,,Diaologe´´ die Paul mit seiner verstorbenen Frau im Gedanken führt und die ihm immer wieder Hoffnung und Mut macht.
Der Roman ist sehr traurig und mit dem Pfleger Alex bekommt die Geschichte immer wieder einen erfrischenden Lichtblick. Dass sich am Ende dann beide moralisch unterstützen, haben mir nochmals die Tränen in die Augen getrieben.
Eine zu Herzen gehende Sprache, die den Leser tief berührt zieht sich durch den ganzen Roman.
,, Die Gedanken in meinem Kopf sind wie große schwarze Löcher, die sich gegenseitig auffressen und mir den letzten Rest Leben aus den Knochen saugen´´.
…..also nachm Regenbogen um sechs Uhr abends´´ , 130 Seiten die von Demenz, Alter und Verlust erzählen und mit einem feinen Humor von Beginn an den Leser auf eine wunderschöne Liebesreise mit nimmt, wo Paul weiß, dass er seine Lissy dort eines Tages treffen wird.
ein berührendes Buch mit Themen, die uns alle betreffen könnten
MissSophi am 12.10.2017
Bewertungsnummer: 1054545
Bewertet: Buch (Taschenbuch)
Nein, es ist kein bequemes Buch - keines, welches man lesen kann, ohne sich selbst damit auseinander zu setzen. Aber: es ist ein lohnendes Buch - ein Buch, welches den Leser beschenkt. Beschenkt mit Gedanken über das Alt-werden und - sein. Dadurch lernen wir "Paul" kennen und lieben - er, der mit seinen 78 Jahren noch täglich mit seiner Frau Zwiesprache hält,die ihn leider schon verlassen hat, er, der noch eine schwerstbehinderte Tochter pflegen muss. Mit ihr lebt er in einem Mehrfamilienhaus und wird von allen anderen Parteien im Haus massivst angegriffen. Wäre da nicht "Alex" - der nette junge Mann vom Pfelgedienst, der nicht immer nur nach Vorschrift arbeitet.
Dieses Buch hat mich beim Lesen so beschäftigt, dass ich noch die Nacht brauchte, um es im Schlaf zu verarbeiten - Victoria Suffrage nimmt sich Themen, an, die lieber totgeschwiegen werden. Aber jeder von uns wird alt - .... eine Tatsache, der wir ins Auge blicken müssen. Wie sieht es dann mit der Selbstbestimmung aus? Wird man unser Leben in ein paar Sätzen zusammenfassen können und mehr waren wir nicht wert.
Dieses Buch braucht Leser. Aufmerksame Leser, die sich aus ihrer trügerischen Ruhe aufschrecken lassen und beginnen die Augen auf zu machen - Zusammenhänge zu sehen.
Mich hat die Art, wie Victoria Suffrage es schafft, neben all der Schwere auch den Humor nicht zu kurz kommen zu lassen, beeindruckt mich sehr - ich habe manchmal laut aufgelacht und Paul und alle richtig in mein Herz geschlossen.
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