Ein junges Künstlerpaar zieht von Berlin aufs Land. Ein Kind ist unterwegs – ungeplant. Die Ehe – unbedacht. Es ist 1973, das Dorf heißt Sorge und liegt in der Sperrzone der DDR im Harz. Editha ist Bildhauerin mit staatlichen Aufträgen, Thomas ist Schriftsteller und will nun »den« Roman über die Grenze schreiben. Hat nicht schon Honecker verkündet, in der Literatur gebe es keine Tabus mehr? Ein historischer Roman bietet sich an, denn der Harz »ist schon immer Grenze gewesen«, verstrickt zwischen religiösen und politischen Machtsphären, Germanen und Slawen, Mensch und Natur. Thomas kämpft noch mit dem Material, doch 1976 schon ist das »Tauwetter« vorbei. Die kleine Tochter Eli lernt sprechen in einer Welt, in der das Sagen und das Nicht-Sagen-Dürfen, das Wissen und das Wahrnehmen eine hohe Kunst sind. Thomas’ Spiele in imaginären Welten mit dem phantasiebegabten Kind sind höchst gefährlich. Als Thomas und Editha kurz vor der »Wende« von einer verdrängten Vergangenheit heimgesucht werden, flüchtet Eli in den Wald – und über mehr als eine Grenze.
Isabel Fargo Cole nähert sich der DDR-Realität von außen und taucht von dort in die schillernden Tiefen der Legenden und der Geschichte. ›Die grüne Grenze‹ ist ein sehr reales Märchen vom Leben an der Grenze und von ihrer Überwindung.
Kundinnen und Kunden meinen
3.0/5.0
Volker Jentsch
3/5
08.02.2018
Buch (Gebundene Ausgabe)
„Viele Steine, müde Beine,…
„Viele Steine, müde Beine, Aussicht keine – Heinrich Heine“ Ein Mann zwischen zwei Frauen. Drumherum die DDR: Ost-Berlin und das waldreiche Grenzgebiet am Fuße des Harzer Brocken. Der Mann heißt Thomas, viele Frauen langen nach ihm. Aber er ist beileibe kein normaler Frauenheld. Denn er hat es schwer mit sich selbst: ihm schwindelt, er leidet unter Atemnot, ihm wird schlecht, er ist verwirrt und verkrampft sich, ein hochgradig empfindlicher und ständig erregter Mann, oben wie unten. Editha, die Bildhauerin, die eher normale, zieht Thomas nach Elend in den Harz, dicht an die „grüne Grenze“. Dort kommt Tochter Eli zur Welt. Dort scheitert er an seinem zweiten Roman. Ab Seite 251 des Buchs beginnt es, konkreter zu werden. Die Geschichte wird von den Anfängen her aufgeblättert. Thomas ist ein deutsches jüdisches Kind, das von einem sowjetischen Soldaten am Ende des Krieges gefunden und aufgenommen, Jahre später an Zieheltern in Berlin weitergereicht wird. Thomas geht mit Lena, verfaßt seinen Erstlingsroman. Der soll sein Schritt ins Leben, ins Normale sein. Und in der Tat, er macht damit Karriere, aber verliert darüber Lena. Sie hat ein Geheimnis. Thomas hat auch mit Lena eine Tochter gezeugt. Sie heißt Vera und hat das Zeug, eine Malerin zu werden. Der Schluß absurd, angeklebt, entrückt: Eli geht über die Grenze, findet dort Kiisika (Vera?) mit Eda (Lena?); Wolfgang und Kuno, aus dem Nichts gekommene Grenzsoldaten, schießen eine Schwalbe und beenden damit, endlich! die Geschichte. So viele Geheimisse, so viele Unklarheiten. Die bestimmen auch die Schreibweise der Autorin. Sie ringt mit den Wörtern und Sätzen, möchte auf jeden Fall auch im Stil das Normale hinter sich lassen. Aufgedrehte Satzfiguren, angefangene, nicht zu Ende gebrachte Sätze, unlogische Verknüpfungen, erzwungene Widersprüche, Trivialitäten. Beispiel? „Im Sommer waren alle Sommer war überhaupt alles aufgehoben.“ So viel schiefes Pathos. Beispiel? „Draußen kam ein Wind auf, ein langes Einatmen, das seine flache Atmung löste. Er holte tief Luft und stieß sie aus und wartete, daß auch der Wald ausatmete. Lange war nur weitgespannte Stille. Beim nächsten Windzug war er schon ruhig. Er öffnete die Augen und erkannte erleichtert die Ordnung der Möbel. In den Erkerfenstern glommen die Wolken...“ Oder: „Thomas blieb zurück, es atmete um ihn herum.“ Oder: „Es war der Aufbruch, das Gefühl von: schon.“ Nichts für ungut. Es gibt auch zahlreiche gelungene, sehr zärtliche Bilder. Hier ist eins: „Er lief mit den Stiefeln durch den Laden, sie paßten. Und er war wieder bei sich. Er wollte keine Siebenmeilenstiefel, sondern welche für die kleinen Schritte. Schließlich lief von nun an seine Tochter mit.“ Und hier ein anderes, zu Weihnachten: „...packte den kalten klebrigen Stumpf einer Fichte, die Schnee und Wind ins Haus schleppte und mit den Ästen um sich schlug.“ Eine Geschichte, die um zwei Bücher kreist, das eine vollendet und das andere aufgegeben (stimmt das, Frau Cole?). Alles andere als spannend. Eine Sprache, die mir zu pathetisch und wenn sie kunstvoll sein soll, zu künstlich ist. Eine Umgebung, die mit den bekannten Ereignissen vorbeizieht, ohne neuerlichen Erkenntnisgewinn: Ulbrich, Dubcek, Honecker, Stalin, Havemann, Ungarn, natürlich auch Biermann, der kleine laute eitle, inzwischen so lächerliche; Passierscheine, Sperrgebiet, Sondergenehmigung, Überwachung, Schriftstellerkongreß. Die gesammelte Hoffnungslosigkeit der Andersdenkenden. Frau Cole, so scheint mir, hat mit diesem Buch eine Herzensangelegenheit aufgeschrieben. Deshalb tut mir weh, zu sagen, was ich nicht lassen kann: ich habe mich gequält, das Buch zu Ende zu lesen. Ich habe es geschafft, aber ich war erschöpft und gezeichnet; von der Langeweile, der Langatmigkeit und der Undurchsichtigkeit des Buches. 500 Seiten „Gezischel“, das war zu viel, 250 Seiten hätten gut und gerne ausgereicht. Ob das geholfen hätte?
Kurze Frage zu unserer Seite
Vielen Dank für Ihr Feedback
Wir nutzen Ihr Feedback, um unsere Produktseiten zu verbessern. Bitte haben Sie Verständnis, dass wir Ihnen keine Rückmeldung geben können. Falls Sie Kontakt mit uns aufnehmen möchten, können Sie sich aber gerne an unseren Kund*innenservice wenden.