Produktbild: Wo noch Licht brennt

Wo noch Licht brennt Roman

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Beschreibung

Produktdetails

Format

ePUB

Kopierschutz

Nein

Family Sharing

Ja

Text-to-Speech

Ja

Erscheinungsdatum

18.07.2017

Verlag

Haymon Verlag

Seitenzahl

344 (Printausgabe)

Dateigröße

8122 KB

Sprache

Deutsch

EAN

9783709938034

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ePUB

eBooks im ePUB-Format erlauben eine dynamische Anpassung des Inhalts an die jeweilige Display-Größe des Lesegeräts. Das Format eignet sich daher besonders für das Lesen auf mobilen Geräten, wie z.B. Ihrem tolino, Tablets oder Smartphones.

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  • keine Information zur Barrierefreiheit bekannt

Erscheinungsdatum

18.07.2017

Verlag

Haymon Verlag

Seitenzahl

344 (Printausgabe)

Dateigröße

8122 KB

Sprache

Deutsch

EAN

9783709938034

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  • Bewertung

    aus Hahnenbach

    5/5

    16.10.2017

    Buch (Gebundene Ausgabe)

    "Ach, so war das für Oma und Opa als sie aus der Türkei nach Deutschland kamen. Das habe ich ja gar nicht gewusst!"

    Spontan ins Auge fiel mir dieser Roman „Wo noch Licht brennt“ von Selim Özdogan, seines wunderschönen Covers wegen, das mich auf Anhieb an einen lichtdurchfluteten Garten Eden erinnerte. Noch immer liegt dieses Buch auf meinem Schreibtisch und ich ertappe mich dabei, wie ich öfters liebevoll mit der Hand über das Deckblatt streiche. Erzählt wird die Familiengeschichte einer türkischen Familie. Die deutsche Industrie brauchte billige Arbeitskräfte, was zu der Idee führte, Arbeitskräfte aus den unterschiedlichsten Ländern anzuwerben. Auch im Hinterland der Türkei. Was man nicht bedachte, es kamen keine Gastarbeiter die nach getaner Arbeit wieder zurück gingen, sondern Menschen, die der Armut ihrer Länder entfliehen wollten, für sich und ihre Kinder ein besseres Leben in diesem reichen Deutschland erhofften und in diesem Land eine neue Heimat finden wollten, bzw. fanden. Dieser Teil der Geschichte wird jedoch in den Vorgängerbänden erzählt. Immer wieder streut der Autor in dem vorliegenden Buch kurze Rückblicke ein, weshalb man beim Lesen sofort in diesem Roman ankommt, auch wenn man die vorherigen Romane nicht kennt Aber ich gestehe, ich wurde neugierig gemachte, wie alles anfing. Dieses Buch steigt ein, als die Protagonistin Gül, nachdem sie wieder einige Jahre bei ihrer Familie in der Türkei wohnte, zu ihrem Ehemann Fuat nach Deutschland zurückkehrt. Die Kinder sind inzwischen erwachsen, haben ihr eigenes Leben, ihre eigenen Familien. Fuat und Gül sind beide älter geworden und jeder lebte sein Leben getrennt von dem Ehepartner. Nun müssen sie sich wieder zusammenraufen. Der Leser steht nicht außerhalb und schaut der Handlung zu sondern dem Autor gelang es, uns in die Gedankenwelt von Gül mitzunehmen. Wir erleben die Geschehnisse aus Güls Sicht. Es ist, als seien es unsere Gedanken, unser Empfinden und unser Alltag, der sich vor unseren Augen ausbreitet. Bereits auf Seite 5 der Satz: „Schlaflosigkeit ist schlimmer als Sehnsucht“, setzte in meinem Kopf ganz eigene Überlegungen frei. Selim Özdogan drückt sich in einer wunderschönen Sprache, in vielfach blumigen Wortgebilden aus. Kratzt nicht nur an der Oberfläche. Seite 129: „Was Licht wohl wiegen mag“. Gül, eine einfache, aber beeindruckende Frau, aufgewachsen in der Tradition ihres dörflichen Lebens in der Türkei, muss den Spagat zwischen dem Althergebrachten und dem Leben in Deutschland hinbekommen. Ihr Deutsch blieb immer in den Kinderschuhen stecken. An Sprachkurse hat früher niemand einen Gedanken verschwendet und dann war es zu spät. Sie ist fest in ihrer türkischen Familie verwurzelt. Als Älteste war sie nach dem Tode ihrer Mutter für die jüngeren Geschwister verantwortlich und fühlt sich auch jetzt, in fortgeschrittenem Alter, noch immer in der Verantwortung und Pflicht. Doch auch in der Türkei blieb die Zeit nicht stehen und im Laufe des Romans wehren sich ihre Geschwister gegen die eingeforderte ewige Dankbarkeit. Sie ist in deren Augen nicht länger jemand, den man kritiklos achten muss. Bedingt durch Erbstreitigkeiten gibt es heftigste Auseinandersetzungen unter Gül und ihren Geschwistern, wie es deren Vater der Schmied, voraussagte. Sie entzweien sich, vermeiden sich zu begegnen. Ein schwerer Schlag für Gül. Doch zurück nach Deutschland. Als Fuat ins Krankenhaus kommt entdeckt Gül, dass ihr Ehemann während der Jahre ihrer Abwesenheit mit einer anderen Frau eine Beziehung einging, die noch immer besteht. Wie soll sie damit umgehen? Doch auch das gelingt ihr. Sie wird weiterhin das Leben mit ihrem Ehemann teilen, wenngleich sie nun anfängt und kleine Geheimnisse vor ihm hat. Von ihrem Fenster aus sieht sie die kleinen Dealer auf der Straße, wie sie ihren Stoff unter die Leute bringen. Lernt einen windigen türkischen Jungen kennen, der immer wieder mit dem dtsch. Gesetz in Konflikt kommt und Monate im Gefängnis verbringen muss. Hin- und hergerissen zwischen mütterlicher Fürsorge und einer gewissen Bewunderung, dass er trotzdem sein Leben auf die Reihe bekommt, lässt sie den Kontakt zu ihm nie abbrechen. Erzählt ihrem Ehemann gar etwas von einem Sohn einer ehemaligen Kollegin, als sie zu dessen prunkvoller Hochzeit eingeladen werden. Als Leser freut man sich, dass sie Fuat gegenüber nicht einmal ein schlechtes Gewissen bei ihren sich häufenden kleinen Lügen hat. Doch sie sieht auch den Verfall der Sitten. Seite 131, „..... das Klauen von Kopierpapier, Klopapier im Betrieb. Und keiner hat ein schlechtes Gewissen“. Einer der für mich bemerkenswertesten Sätze steht auf Seite 276: „ Die Kinder die wir bekommen, sind keine weißen Blätter. Sie sind bunt und wir müssen ihre Farbe nur erkennen.“ Oder auch auf Seite 317: „Die Menschen sind wie Regentropfen. Manche fallen in den Dreck, manche auf ein Rosenblatt“. Wir begleiten Güll durch ihre kleinen und größeren Sorgen des Lebens, der Fürsorglichkeit ihrer Kinder und Enkel, die sie kaum noch versteht. Im Ruhestand kaufen Gül und Fuat eine kleine Wohnung in der Türkei am Meer, wo sie nun die meisten Monate des Jahres verbringt. Sie hat im Alter eine Freundin gewonnen und endlich jemanden, der sie versteht und ihre Gedanken teilt. Gül kann loslassen und sein, wie sie ist. Ich glaube, dieses Buch wird sich seine Leser selbst suchen. Es werden interessierte Menschen sein, die wissen wollen wie sich türkischstämmige Bewohner dieses Landes mit der neuen Heimat in der Fremde arrangierten. Oder auch Nachkommen von eingewanderten Türken, die sich beim Lesen verwundert die Augen reiben und erstaunt ausrufen, „ach, so war das für Oma und Opa, als sie hier ankamen. Das habe ich ja gar nicht gewusst!“. Von mir bekommt dieses Buch eine absolute Leseempfehlung.

  • Bewertung

    5/5

    14.09.2017

    Buch (Gebundene Ausgabe)

    Sehnsucht ist überall

    Gülle hat Sehnsucht, egal ob Deutschland oder Türkei, die Sehnsucht bleibt genauso wie die Angst. Und dann sind da ja noch die Menschen ihrer Familie. Fuat bei dem sie eine Entdeckung macht und Ceyda und Ceren ihre Töchter deren Wege sie mitverfolgt, mal hautnah mal von weit weg. Ein Buch bei dem ich lange gebraucht habe um einen Zugang zu finden. Anfangs fiel es mir schwer, da ich zum einen den Schreibstil als ungewohnt empfunden habe und zum andern nicht sonderlich gereizt vom Inhalt war. Nachdem ich ein zweites Mal gestartet bin und ein Weilchen gelesen habe, hat sich das drastisch umgekehrt. Ich habe das Buch sehr schnell durchgelesen, mich an die Sätze gewöhnt und habe mich sehr angesprochen vom Inhalt gefühlt, auch da die Geschwindigkeit der Ereignisse im Lauf der Geschichte zugenommen hat. Ich war sehr berührt von dem Buch und habe unglaublich viel Gedankengut für mich mitnehmen können. Zum ersten Mal seit ich denken kann, habe ich damit begonnen in einem Buch zu markieren, weil mir einfach die Klebezettel ausgegangen wären, wenn ich jeden Satz beklebt hätte, den ich besonders gut fand. Besonders gut fand ich auch die stillen Formulierungen, die Toleranz förderten, das aber auf so eine angenehme Weise vermittelten das es nicht plump heraus viel aus der Handlung. Zusammenfassend muss ich sagen ein Buch das ich jedem ans Herz legen würde gerade wenn es um Toleranzbewusstsein und das Sinnieren über das Leben geht. PS: habe mir fest vorgenommen die vorherigen Teile auch noch durch zu schmökern.

  • Bewertung

    aus Wuppertal

    5/5

    30.08.2017

    Buch (Gebundene Ausgabe)

    Wo Glauben, Leben, Liebe und Zuversicht zuhause sind, da brennt Licht ...

    Selim Özdogan erzählt in dem Roman „Wo noch Licht brennt“ die Geschichte der Türkin Gül, beginnend in ihren mittleren Lebensjahren bis ins Alter. Die wichtigsten Ereignisse aus dem Leben der jüngeren Gül sind präsent, sodass Leser*innen zum Verständnis die ersten beiden Bände der Trilogie um Gül nicht kennen müssen. In diesem dritten Teil stellt sich Gül ihrem Mann Fuat und auch ihrer Tochter Ceyda zuliebe erneut dem Leben in Deutschland. Es ist der zweite Versuch, in der Fremde heimisch zu werden. Der erste scheiterte vor Jahren, Gül kehrte in die Türkei zurück. Doch Gül und Fuat haben sich entfremdet, Gül findet heraus, dass er eine Affäre mit einer deutschen Frau hatte. Sie behält das Wissen für sich, aus Trauer und Verzweiflung entstehen in ihr neue, kämpferische Gefühle – sie will bleiben. Zu dieser Entscheidung steht sie gegen alle inneren und äußeren Widerstände, und der Autor lässt die Leser*innen teilhaben am Fluss ihres Lebens – betrachtend, zurückschauend und ganz nah an Gül und ihrem Denken und Tun. Warum mich diese Geschichte so bewegt hat: Ich kenne wenige Bücher, in denen dem Inneren so viel Raum gegeben wird. So eine Ruhe und Kraft in der Sprache, kein hastiges Abhaken von Charakteren, keine aufgesetzte Dramaturgie. Was mir an der Erzählweise so gefällt, ist, dass die Jahre zwischen den Seiten einfach so vergehen, wie im Leben. Denn wenn man mit Abstand auf die Jahre zurückschaut, ist alles ein Fluss, hier ein Erzählfluss, eine Lebensbetrachtung in Gegenwartsform. Jahre werden übersprungen, aber das ist ja auch in der eigenen Erinnerung so, was bleibt, sind einzelne Inseln im Zeitenfluss. Immer wieder geht es um die wichtigen Fragen des Lebens, um die Bedeutung der Familie, immer wieder um Entscheidungen oder auch verpasste Chancen. Selbst wenn man wie ich mit Gottvertrauen nicht viel anzufangen weiß, erschließt sich Güls Stärke, die in einem festen Glauben verankert ist, wobei der Autor hier keine Vorgaben bezüglich der Religion macht. Für mich war Gül ganz klar eine tiefgläubige Muslima, nachdem sie noch in größter Not Gott dankte und nach Schuld für Krankheit und Tod suchte. Für mich trägt sie auch aus diesem Grund ein Kopftuch – aber das alles steht nirgendwo und kann auch völlig anders interpretiert werden. Eine weitere Besonderheit der Erzählweise ist das Fehlen jeglicher Zeitangaben. Nur aus dem Kontext lässt sich das jeweilige Jahr mehr oder weniger genau erschließen, wie beispielsweise aus dem Mauerfall, dem teuren Telefonieren von Telefonzellen ins Ausland, durch die Währung Deutsche Mark und Euro, durch die ersten Handys, durch das Internet. Gül kommt zuletzt im digitalen Zeitalter an und findet Gefallen an den Möglichkeiten der sozialen Medien. Meine Empfehlung: Dieses Buch ist keine leichte Kost, es erfordert Konzentration und die Bereitschaft, sich auf die besondere Erzählweise einzulassen. Beides lohnt sich, denn allein die Mischung aus Sachlichkeit und trotzdem emotionaler Sprache mit poetischen Bildern ist einzigartig und erzeugt eine besondere Stimmung. Für mich war es eine echte Entdeckung in diesem Jahr – unfassbar, dass ich Autor und Werk noch nicht kannte. Weil ich mehr über Güls Kindheit und Jugend in Anatolien, über Fuat und die familiären Entwicklungen erfahren möchte, werde ich im Anschluss Band 1 „Die Tochter des Schmieds“ und Band 2 „Heimstraße 32“ lesen.

  • Buecherrose

    5/5

    29.08.2017

    Buch (Gebundene Ausgabe)

    Diesen wundervoll geschriebenen Roman kann ich nur empfehlen!

    Kurze Zusammenfassung der Handlung: Dieser Roman erzählt die bewegende Geschichte der Hauptprotagonistin Gül, die von der Türkei nach Deutschland umzieht, um hier bei ihrem Mann leben zu können. Eine Geschichte voller Weltschmerz und Familien(un)glück mit einem wunderschönen lyrischen Schreibstil des Autors. "Es gibt zwei große Fehler, die man in seinem Leben machen kann: Der erste ist die Heimat zu verlassen, der zweite ist zurückzukehren." - Zitat aus Seite 230 Besonderheiten am Schreibstil des Autors: Oberflächlich möchte ich anmerken, dass es keine gewohnten Anführungszeichen, zur Kennzeichnung der wörtlichen Rede, gibt. Diese werden stattdessen mit einem Bindestrich getrennt, was für mich und den normalen Leser eine große Umstellung bedeutet. Zwar wären mir Anführungszeichen lieber gewesen, aber das war in erster Linie etwas, woran ich mich recht schnell gewöhnen konnte. Inhaltlich kann ich sagen, dass der Roman sehr gefühlvoll geschrieben ist. Nicht selten hatte ich ein trauerndes Gefühl und auch minutenlang nach dem Lesen der Seiten habe ich über Gül und ihre Geschichte nachgedacht. Gesamtbewertung: Das ist ein besonderer Roman, der mich durch seine Tiefgründigkeit überzeugen konnte. Gül ist eine Frau die selbst durch die vielen Rückschläge, die sie erleiden musste, immer nach vorne geschaut und weitergemacht hat. Sie hat wahrhaft kein einfaches Leben und trotzdem besitzt sie eine unglaubliche Charakterstärke. Wirklich beeindruckend und dafür beneide ich sie. Gegen Ende des Romans wusste ich, dass ich auch die zwei Vorbände lesen möchte, da mich der Schreibstil des Autors und die Hauptperson Gül so sehr überzeugen konnten. Auch gibt es viele andere bemerkenswerte und auch weniger erfreuliche Personen, dessen Lebenslagen wir kennenlernen dürfen. Auch diese haben mich begeistern können und trotz der vielen Protagonisten, sind die meisten mir ans Herz gewachsen. Mein Fazit: Diesen wundervoll geschriebenen Roman kann ich in seiner Einmaligkeit nur empfehlen! Anmerkung: Bei diesem Band handelt es sich um den dritten Teil einer Trilogie, die unabhängig zu den anderen Bänden gelesen werden kann.

  • Jenny Vogler

    5/5

    28.08.2017

    Buch (Gebundene Ausgabe)

    Die vielen Variationen einer traurigen Melodie

    „Es wird nicht leicht werden, doch die Wege am Horizont sehen immer steinig aus. Wenn man erst mal dort ist, findet sich immer etwas, das einem hilft, einen Fuß vor den anderen zu setzen.“ Inhalt Die Türkin Gül ist ihrem Mann erneut nach Deutschland gefolgt, nachdem sie bereits einmal dort war und wieder in die Türkei zurückkehrte. Eine Tochter lebt in der Heimat, die andere im ach so modernen Deutschland und versucht dort ihr Glück. Fuat, Güls Mann identifiziert sich nicht mit dem Land, für ihn geht es in erster Linie um die Möglichkeit Geld zu verdienen und seinen Lebensstandard zu erhöhen. Doch in Deutschland ist es für Türken nicht so leicht, dass Geld wird ihnen nicht hinterhergeworfen und sie müssen entweder schwer arbeiten oder sich ins kleinkriminelle Milieu flüchten. Die Ehe der beiden hat schon so manchen Sturm überlebt, auch wenn immer Gül diejenige ist, die zurücksteckt und ihrem Mann den Rücken stärkt, selbst wenn dieser es ihr nicht dankt. Erst als der Ruhestand naht, wird sich Gül bewusst, dass Deutschland keine wirkliche Alternative für ein zufriedenstellendes Leben im Alter ist und sie macht sich wieder auf die Reise in die Türkei, selbst wenn ihre Heimat nicht mehr das bietet, was sie ihr vor Jahren versprochen hat. In der Erinnerung sind es die Menschen, die ihr etwas bedeuten und denen sie nun gern wieder nahe sein möchte … Meinung Dieser Familienroman lässt das Herz seiner Leser höherschlagen, weil er so intensiv und eindringlich die Gefühlswelt seiner Protagonisten aufleben lässt. Stimmungen, Gedankengänge und Emotionen werden eingefangen, betrachtet und wieder losgelassen. Das Leben selbst scheint der Schreiber zu sein und man hat den Eindruck, sich in sämtliche Belange und Schicksalsschläge hineinversetzen zu können und ähnlich wie die Erzählerin aus dem tiefen Tal der Verzweiflung immer wieder nach oben an die Oberfläche gelangen zu können. Selim Özdogan schafft hier ein Band zwischen den Personen, welches mit Liebe geknüpft, mit Tränen beweint und mit Hoffnung erfüllt ist. Dabei schlägt er die leisen Töne an, die sich immer mit den Überlegungen seiner Protagonisten kreuzen und doch eine universelle Wucht haben. Das Besondere an diesem Buch sind die vielen philosophischen Betrachtungen, ein tief verankertes Glaubensbekenntnis und ein unerschütterliches Vertrauen in das Leben und die unermesslichen Prüfungen, die sich über alle Jahrzehnte erstrecken. Das vorherrschende Gefühl der Melancholie und Traurigkeit, lässt den Leser nicht los, es zieht ihn hinein in die unveränderlichen Ereignisse und Verfehlungen, die den Weg der handelnden Personen immer wieder kreuzen. Doch man möchte kein Mitleid empfinden, weil eine andere Botschaft im Raum steht. Gerade die Aussage, dass Leben so anzunehmen, wie es ist, nicht mit den Gegebenheiten zu hadern und auch im Angesicht der größten Prüfung aufrecht zu stehen, drängen sich dem Leser regelrecht auf. Fazit Ich vergebe 4,5 Lesesterne (aufgerundet 5) für diesen ausgewogenen, tiefsinnigen Familienroman, der sich nicht nur mit kulturellen Unterschieden und dem Gefühl der Heimatlosigkeit auseinandersetzt, sondern dessen Hauptaugenmerk auf der Akzeptanz beruht. Zu erkennen und zu verstehen, wie andere denken, fühlen und handeln und im gleichen Atemzug zu wissen, dass es niemals die eine richtige Lösung, die eine korrekte Entscheidung geben wird, dass ist es, was mir der Text vermitteln konnte. Ich spreche eine Leseempfehlung für all jene aus, die differenzierte Familiengeschichten mögen, die gerne über Verhaltensweise reflektieren und deren Herz am rechten Fleck sitzt. Ein wunderschönes Buch für alle, die die Fallstricke des Lebens kennen und in ihrer Ansicht bestärkt werden wollen, dass es Licht am Ende des Tunnels geben wird.

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