Die erfolgreiche Restaurantbesitzerin Whitney will expandieren. Da kommt es ihr gerade recht, dass ihre Mutter ihr ein altes Hotel am Atlantik vererbt. Vielleicht lässt es sich ja noch zu Geld machen? Doch ihre Sondierungsreise nach Roanoke Island stellt Whitney vor ungeahnte Schwierigkeiten: Sie muss sich nicht nur mit ihrem Stiefvater auseinandersetzen, der für sie lange ein Fremder war, sondern auch noch mit Mark, der in dem historischen Gebäude einen Surfshop betreibt und von ihren Plänen alles andere als begeistert ist. Außerdem hält das alte Gemäuer für Whitney die eine oder andere rätselhafte Entdeckung bereit.
Während sie die Schätze sichtet, die das Hotel birgt, beginnt für sie eine Reise zu ungeahnten Familiengeheimnissen …
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Neue Chancen im Leben...
Klaudia K. aus Emden am 08.10.2017
Bewertungsnummer: 1053646
Bewertet: Buch (Taschenbuch)
Der sehr unterhaltsame und lesenswerte Roman "Der Ruf des Wassers" von Lisa Wingate berichtet über eine Menschenrasse, genannt Melungeons.
Der Herzenswunsch von Whitney Monroe, einer jungen erfolgreichen Frau, ist es ein zweites Restaurant TAZZA 2 zu eröffnen, was ihr allerdings von Dritter Seite erschwert wird. In dieser für sie recht komplizierten Zeit erfährt sie, dass sich ihr alleine lebender Stiefvater bei einem Sturz verletzt hat und ihre Hilfe benötigt.
Ihr Stiefvater lebt in Outer Banks, North Caroline, und bewohnt dort zurückgezogen das historische Hotel "Excelsior", welches einst Whitneys Großmutter gehörte. In diesem Hotel verbrachte sie gerne ihre Sommerferien, als ihre geliebte Mutter noch lebte. Mit dem Tod der Mutter erbte Whitney zwar das Anwesen jedoch lebte und kümmerte sich der Stiefvater Clyde Franczyk um das Haus. Mit dem eigenwilligen Clyde versteht sich Whitney allerdings nicht besonders gut und versucht nun, so gut es geht, sich um ihn und seine beim Sturz zugezogene Verletzung zu kümmern.
Im Haus findet Whithney eine Reihe abgestellter Kartons, die noch von ihrer Großmutter stammen. Für sie völlig überraschend findet sie in ihnen wertvolle Objekte, die sie zu einem wohl gehüteten Familiengeheimnis leiten und schließlich sogar ihre eigene Identität in Frage stellen.
In diesen Kartons finden sich auch einige Briefe von Alice, einer Schwester ihrer Großmutter. Über ihre Briefe entwickeln sich auf dramatische Weise zwei Erzählstränge, die den Leser auf eine erstaunliche Reise von Alice und ihrem Begleiter Tom zu den Melungeons mit nimmt.
Das Leben der mir unbekannten Melungeons, die ein Mischvolk aus Europäern, Indianern und Afrikanern ist, entfaltet sich als herrliches Kopfkino vor dem geistigen Auge des Lesers. Ich habe diese Briefe regelrecht verschlungen; schenken sie so viele unfassbare Informationen über die damalige Zeit und die Lebensweise dieser faszinierenden und doch so unbekannten Rasse.
Die Inhalte vieler dieser Briefe fesseln auch Whitney und den mürrischen Clyde, der mit der Zeit immer umgänglicher zu ihr wird. Schließlich liebte er ihre Mutter und vermisst sie sehr. So fanden sich zwei Menschen, die im Schmerz um den verlorenen Menschen vereint sind.
Whitney möchte die Immobilie verkaufen und stößt dabei auf heftigen Widerstand in Mark, dem Besitzer des Surfshops im Erdgeschoss des Hotels "Excelsior". Er denkt gar nicht daran sein Geschäft aufzugeben und stellt sich Whitney in den Weg.
Lisa Wingate schuf für ihren Roman überzeugend authentische und lebendig modellierte Charaktere. Whitney, die ständig auf der Suche nach der eigenen Identität ist und sich nach dem frühen Tod ihres Vaters, schon als Kind traumatisiert, schließlich als junge Frau in die Arbeit stürzt, um den Schmerz zu bewältigen und die ganze Welt im Zuge ihrer Tätigkeit als Managerin bereisen kann. Mit dem Tod ihrer geliebten Mutter häufen sich die emotionalen Berge erneut, die es zu bewältigen gilt. Denise, ihre Cousine, ist ihr schon seit den Kindertagen Hoffnung, Wegweiser und eine Oase der Ruhe für sie gewesen. Der Stiefvater und schließlich Mark, der Ladenbesitzer im Excelsior, sind Personen, die ihr Leben zutiefst beeinflussen.
Die ruhige, tiefgründige Atmosphäre des Buches zielt in die Herzen seiner Leser. Wer sich auf ihn einlässt gewinnt allemal die Erkenntnis, dass man sich seinen Mitmenschen öffnen sollte und es stets das Beste ist, dem Leben immer wieder auf's Neue eine Chance zu geben. Wir leben im Hier und Jetzt und Gott segnet und wacht über uns zu jeder Zeit.
Ein Schlüsselsatz des Buches wird mir in diesem Zusammenhang stets im Gedächtnis bleiben: "Segen ist erst ein Segen wenn man andere daran teilhaben lässt"
Ich möchte den sehr ansprechenden, ruhigen Roman daher sehr gerne weiterempfehlen.
So bedanke ich mich recht herzlich beim Francke Verlag für die Publikation dieses gewinnbringenden und schönen Romans.
Das Leben ist ein Risiko
Bewertung aus Magdeburg am 09.04.2018
Bewertungsnummer: 1095856
Bewertet: Buch (Taschenbuch)
"Die erfolgreiche Restaurantbesitzerin Whitney will expandieren. Da kommt es ihr gerade recht, dass ihre Mutter ihr ein altes Hotel am Atlantik vererbt. Vielleicht lässt es sich ja noch zu Geld machen? Doch ihre Sondierungsreise nach Roanoke Island stellt Whitney vor ungeahnte Schwierigkeiten: Sie muss sich nicht nur mit ihrem Stiefvater auseinandersetzen, der für sie lange ein Fremder war, sondern auch noch mit Mark, der in dem historischen Gebäude einen Surfshop betreibt und von ihren Plänen alles andere als begeistert ist. Außerdem hält das alte Gemäuer für Whitney die eine oder andere rätselhafte Entdeckung bereit.
Während sie die Schätze sichtet, die das Hotel birgt, beginnt für sie eine Reise zu ungeahnten Familiengeheimnissen …" - soweit der Klappentext.
Das Cover zeigt eine auf einem Stein sitzende Frau am Meer, blau ist die vorherrschende Farbe. Die Haltung der jungen Frau empfinde ich als nachdenklich, vielleicht etwas verloren. Das Cover passt zum Inhalt.
Lisa Wingate ist Journalistin, Kolumnistin, Rednerin und die Autorin zahlreicher Bücher. Sie lebt mit ihrer Familie in Texas. (Quelle: Klappentext).
Im Nachhinein habe ich festgestellt, dass es sich bei diesem Roman um den letzten Teil einer Trilogie handelt. Die ersten beiden Bände habe ich nicht gelesen, was zum Verständnis dieses Buches nicht notwendig ist.
Die Autorin schreibt einen flüssigen, gut lesbaren und sehr dichten Stil. Die ersten Kapitel beschreiben eine Erfolgsfrau, die sich um nahezu jeden Preis durchsetzen will, obwohl sie kurz vor dem Ruin steht. Whitney ist auf den ersten Blick nicht sehr sympathisch. Während ihres Aufenthaltes in Manteo ändert sich dies, so richtig warm werde ich mit Whitney allerdings nicht.
Wie in einem Roman, in dem es um Familiengeheimnisse geht, nicht anders zu erwarten, gibt es zwei Erzählstränge: Whitney stößt bei ihrer Suche nach wertvollem Stücken Briefe von Alice, der Zwillingsschwester ihrer Großmutter, von deren Existenz sie nichts wusste. Alice war Mitarbeiterin des Federal Writers' Project, einer Arbeitsbeschaffungsmaßnahme während der 30iger und 40iger Jahre des 20. Jahrhunderts und berichtet in ihren Briefen an ihre Schwester über ihre Arbeit. Teilweise sind diese Briefe zerrissen, so dass sie erst mühsam zusammengesetzt werden müssen, Teile der Texte fehlen, dennoch ist dieser Teil für mich sehr viel interessanter als Whitneys Erfahrungen und Erlebnisse in Roanoke Island, wo einiges doch sehr vorhersehbar ist.
Alices Bericht über ihre Reise zu den Melungeons, die Geschichte der Verlorenen Kolonie, Glaube und Aberglaube sowie die Rassenkonflikte in den USA fand ich interessanter als die erwartbaren Missverständnisse.
Whitney gewinnt im Verlauf des Romans wichtige Erkenntnisse. Der ihr so verhasste Stiefvater trauert wie sie um ihre Mutter, die er genauso geliebt hat wie Whitney. Sie erkennt, dass Alices Weg, ihr Leben zu leben, riskanter war als der ihrer Großmutter, sie dadurch aber zu Hoffnung und Freude zurückgefunden hat. Am Schluss findet Whitney zu sich selbst.
Fazit: ein lesenswerter Roman.
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