Ein Notarzt, der nur vom Sterben schreibt – darf er das? Warum nicht? Viele „Retter“, Ärzte, Krankenschwestern und –pfleger, kurz Menschen, die regelmäßig mit dem Tod anderer Menschen konfrontiert sind, pflegen einen eigenen Umgang mit dem Thema „Tod und Sterben“. Während der Tod in der heutigen Gesellschaft häufig keinen Platz im Alltag finden darf, sind sie es gewohnt, offen darüber zu reden. Für „Unbeteiligte“ wirkt das oft befremdlich, möglicherweise gar respekt- oder pietätlos. Doch ist das so? Sind wir so? Diese Frage ist das Grundmotiv von „Mein Leben mit dem Tod“: Autobiographisch folgt dieses Buch dem Autor auf einer Reise durch seine Entwicklung, gewährt Einblick in seine Gefühlswelt und den stetigen Wandel seiner Einstellung zu Leben und Tod. Zwischen Analyse und eigener Verarbeitungsstrategie spricht Tom Werde die Einladung an den Leser aus, an seinem „Leben mit dem Tod“ teilzunehmen und dabei sich selbst und die eigenen Normen und Werte zu hinterfragen.
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Ein starkes Buch!
D.Lubimov aus Thüringen am 23.06.2017
Bewertungsnummer: 1028967
Bewertet: Buch (Taschenbuch)
Mein Leben mit dem Tod spricht ein Thema an, das in vielen Kulturen ein Tabu ist oder zumindest unerwünscht. Mit dem Tod und Sterben sind bei den Menschen ursprüngliche Ängste verbunden, die Endlichkeit des eigenen Daseins oder auch Schmerz des Verlustes, den die meisten Leser wohl kennen werden.
Als Notarzt begegnet der Autor dem Tod immer wieder. Den Satz Das könnte ich nicht! könnten sicherlich viele sagen, vielleicht auch Tom Werde selbst, wenn das nicht seine Arbeit wäre, begleitet vom Wunsch, die Menschenleben zu retten. Dass es nicht immer gelingt, zeigt dieses Buch. Zahlreiche Geschichten lassen keinen Zweifel, dass man so was nicht lange aushalten könnte, wenn man nicht darüber spräche. Insofern kann man Mein Leben mit dem Tod auch als eine Art Suche nach Gespräch mit anderen Leuten bezeichnen. Noch beim Lesen der ersten Kapitel erkennt man, dass es um ein Buch geht, dessen Autor seine Erlebnisse aufarbeiten bzw. verarbeiten möchte. Dass es kein Buch ist, mit dem man sich als Schriftsteller versuchen oder Geld verdienen möchte. Und das macht dieses Buch besonders ansprechend.
Auf den Seiten dieses Buches findet man viel Schmerz, vor allem in den Abschnitten über die Eltern des Autors. Nach einigen Kapiteln braucht mein eine Pause, um Luft zu holen, denn manchmal drückt es schon heftig auf die Psyche, besonders wenn man ähnliche Geschichten aus seinem eigenen Umkreis kennt, besonders wenn Ähnliches in der eigenen Familie passierte oder wenn man bedenkt, dass so etwas auch jedem von uns passieren könnte.
Ich war fasziniert von diesem Buch, von den Gefühlen, die nicht immer in Worte gefasst aber zwischen den Zeilen zu finden sind. Es lässt einen darüber nachdenken, was eigentlich unser Leben ist, wie abrupt es enden kann und dass man jeden Moment nutzen müsste, um seinen Lieben zu sagen, wie sehr man sie schätzt, sie liebt und sie braucht.
Auf dieser Welt wird niemand vergessen
Bewertung aus Hahnenbach am 20.06.2017
Bewertungsnummer: 1028221
Bewertet: Buch (Taschenbuch)
Wir alle wissen, dass wir uns vom Tage der Geburt an immer näher auf unseren Todestag zubewegen und trotzdem klammern wir gerne diese unumstößliche Tatsache aus, dass wir sterben müssen. Befindet man sich auf einer Geburtstagfeier, einem Jubiläum oder einem Klassentreffen, kommen die Gespräche nach geraumer Zeit unweigerlich zu den überwundenen oder anhaltenden Krankheiten und fast jeder trägt sie vor sich her, wie eine Trophäe. Doch den Tod, welcher uns unweigerlich in hoffentlich noch ferner, vielleicht aber auch in naher Zukunft ereilen wird klammern wir aus, als bestünde die Möglichkeit, diesem zu entrinnen. Doch niemand wird auf dieser Welt vergessen!
In diesem äußerlich unauffälligen Buch, Mein Leben mit dem Tod hält uns der Autor Tom Werde an der Hand und nimmt uns mit zu seinen Einsätzen im Alltag, an dem am Ende auch der Tod eines alten oder jungen Menschen, auch eines Kindes stehen kann. In diesem Buch kommt aber nicht nur der Feuerwehrmann und Notfallarzt zu Wort, hier schreibt ebenfalls der Mensch Tom Werde, den ein Einsatz auch an die Grenzen seiner psychischen Belastbarkeit bringen kann.
Wir lesen nichts von diesen heroischen TV-Ärzten, die im Vorübergehen mal schnell eine schwere und doch richtige Diagnose stellen, die dem Patienten in letzter Minute das Leben rettet, dem Herrgott in Weiß, dem Angehörige ehrfürchtig begegnen.
Stattdessen lässt uns der Autor an seinem anfänglichen Übereifer als junger Feuerwehrmann teilhaben, seiner ersten Leiche die man durch das ganze Haus bereits riechen konnte, (zum Glück erspart er dem Leser die intensive Beschreibung!) sowie seinen späteren alltäglichen Einsätzen als Notarzt. In mehreren kurzen Geschichten greift Tom Werde diese auf und erzählt sie laientauglich, ohne viele Fachausdrücke, die man nachschlagen müsste. Dank seiner guten und langjährigen Ausbildung kann er in vielen Fällen helfen, aber immer wieder kommt durch, dass seinem Können auch Grenzen gesetzt sind und er sich dessen immer wieder bewusst wird/ist. Auch, als die Krankheit den eigenen Vater trifft.
Wie anfangs schon geschrieben, hier meldet sich nicht nur ein Arzt zu Wort der im Noteinsatz funktioniert, sondern ein Mensch der auch Schmerz und Trauer mit seinen Mitmenschen empfindet. Das tut gut.
Von meiner Seite kommt eine klare Leseempfehlung vielleicht auch an Medizinstudenten, angehende Ärzte, damit diese immer schön mit den Füßen auf dem Boden bleiben.
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