Die Summe eines Jahres, der Querschnitt eines Lebens, das Abenteuer der Liebe.
Ein Jahr im Leben eines Wiener Schriftstellers, zwischen Drogen, Alkohol und Frauen. Ein Abenteuer, das Jonas und seine große Liebe Marie bis zum Südpol führen soll. Und ein dreizehnjähriger Junge, der leidenschaftlich Schach spielt, um seinem Alltag zu entfliehen. Dazu Nebenfiguren wie aus einem Tarantino-Film: Ein Anwalt der Hells Angels, ein WingTsun-Großmeister und eine Mörderin, die die Leichen ihrer Liebhaber mit einer Kettensäge zerlegt. Die wirkliche Welt trifft auf die Sehnsucht nach einem anderen Leben. Und Thomas Glavinic gelingt das große Kunststück, all das in einen mitreißenden Roman über die entscheidenden Fragen zu verwandeln: Wer will ich sein? Und habe ich den Mut, die richtigen Entscheidungen dafür zu treffen?
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Grellbunt-Extrem-Stakkato mit 230 kmh
enzoo aus wien am 25.05.2016
Bewertungsnummer: 953381
Bewertet: eBook (ePUB 3)
Da ist natürlich einmal Jonas, der den wir schon aus Glavinic' früheren Büchern kennen, der im "Größeren Wunder" so konkret wurde und den Mount Everest erstieg, dabei beinahe umgekommen wäre und endlich wieder mit seiner Marie zusammenkam. Diese will nun mit ihm gemeinsam an den Südpol gehen, gemeinsam, aber sonst allein, ohne Guide. Jonas ist noch immer ein Getriebener seiner selbst, sucht die ultimative Herausforderung, um sich ganz zu spüren und lässt sich daher von seinem gottgleichen Anwalt Tanaka bewußtlos an die entlegensten Stellen des Globus bringen, von denen er wieder zurück in die Zivilisation finden muss ("Ausgesetzt in der Wildnis", Buchversion), ehe es am Ende dieses einen Jahres, das diesen Handlungsstrang umfasst, wirklich Richtung Südpol geht, allein mit Marie.
Auch der nächste Handlungsstrang umfasst genau ein Jahr, konkret bildet das Jahr 2015 mit allen politischen Ereignissen wie den Attentaten in Paris oder der auf Europa zurollenden Flüchtlingswelle aus dem Nahen Osten den zeitlich-historischen Rahmen für die Erlebnisse der Schriftsteller-Existenz, die nicht nur auf Grund der gewählten Form der Ich-Erzählung für Thomas Glavinic gehalten werden kann, sondern weil sich viele der persönlichen Erlebnisse mit denen Glavinics in diesem Jahr decken, soweit man diese aus seinen Interviews und Facebook-Status-Meldungen kennt. Allerdings überfiel mich auch sofort die Hoffnung, dass der Glavinic, der sich hier beschreibt, ebenso wie der aus dem Buch "Das bin doch ich" wenig mit dem "echten" Herrn Glavinic zu tun hat, denn dieser hier ist ein von Drogen- und Alkoholexzessen getriebener gesellschaftlicher Borderliner, der nur durch die Existenz seines Kindes, das das ganze Buch hindurch etwas lieb- und namenlos einfach nur "das Kind" genannt wird, vor dem endgültigen Absturz gerettet wird. Somit muss man ihn eher für eine Spielvariante Glavinics mit der eigenen Existenz halten.
Der dritte Handlungsstrang beschreibt den Jahreskreis eines Dreizehnjährigen, der in den 1980er Jahren in prekären Verhältnissen in der "Weststeiermark" aufwächst, der seiner Tristesse aber durch engagiertes und erfolgreiches Schachspiel entflieht. Er ist wohl der - schriftstellerisch adaptierte - junge Glavinic aus dem sich die beiden anderen Protagonisten entwickelt haben könnten. Somit sind alle drei der gleiche und natürlich wieder auch nicht, Glavinic spielt hier gekonnt mit den Möglichkeiten und der Fantasie der LeserInnen.
Diese drei Handlungsstränge sind in typischer Glavinic-Manier miteinander verwoben, mit philosophischen Fragen, politischen Meinungen, detaillierten Beschreibungen des Exzesses und menschlicher Abgründe, Details, was Drogen mit und aus Menschen macht, Sehnsüchten und Ängsten. Da geht es schlicht um die menschliche Existenz, und alles daran Abstoßende führt, zumindest bei mir, zu Mitgefühl und Verständnis, wenn Glavinic darüber schreibt. Er ist ein großer Romantiker, der die Sehnsucht nach Liebe so hinter seinen dicht komprimierten Stakkato-Sätzen versteckt wie Jonas die seine hinter Extremerlebnissen.
Wie schon in "Das größere Wunder" wurde ich von Personal und Handlung, aber auch von Glavinic' Stil mitgerissen. Auch wenn manches hart an der Kitsch- und Banalitätsgrenze daherkommt, las ich das Buch mit großem Vergnügen, eben weil es sich so wohltuend von anderen anhebt. Es ist nicht unbedingt nötig, "Das größere Wunder" vorher gelesen zu haben, aber es schafft sicher besseres Verständnis, denn "Der Jonas-Komplex" ist zwar ein eigenständiger Roman, aber auch so etwas wie eine Fortsetzung des "Wunders" und gespickt mit Querverweisen darauf wie auch auf andere frühere Bücher des Autors. Ich freue mich auf das nächste Buch von Glavinic.
Meinung aus der Buchhandlung
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Ein Wahnsinnsbuch, komplett irre, beeindruckend und vom ersten bis zum letzten Satz schlicht großartig geschrieben. Möglicherweise Glavinic‘ bester Roman, aber das spielt keine Rolle.
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