Produktbild: Istanbul Istanbul

Istanbul Istanbul Roman

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Beschreibung

Produktdetails

Einband

Gebundene Ausgabe

Erscheinungsdatum

04.09.2017

Abbildungen

1 SW-Abb.

Verlag

btb

Seitenzahl

288

Maße (L/B/H)

22,1/13,9/3 cm

Gewicht

487 g

Farbe

Rost

Übersetzt von

Sabine Adatepe

Sprache

Deutsch

ISBN

978-3-442-75700-8

Beschreibung

Rezension

»In Deutschland ist seine anspruchsvolle, emphatische durch den überbordenden Bilderreigen für nordische Gemüter zuweilen verwirrende orientalische Literatur kaum bekannt, das sollte sich durch diesen Roman verändern.« ("Jochanan Shelliem, Hessischer Rundfunk, hr2 Kultur, Die Buchempfehlung")
»Istanbul Istanbul‘ ist ein schillerndes Buch. Abwechselnd düster und farbenfroh, oft beides zugleich. Geschrieben in einer Sprache, die den heimlichen Dichter hinter dem Romancier Sönmez erkennen lässt.« ("Constantin Hühn, Deutschlandfunk Kultur, Lesart")
»Unterhaltsam und abgründig zugleich. Doch bei allem Schrecklichen, das darin beschrieben wird, ist er doch vor allem eins: Eine Liebeserklärung an diese Stadt: ‚Istanbul, Istanbul‘.« ("Claudio Campagna, NDR Kultur")
»Dass nun erstmals einer seiner Romane auch auf Deutsch vorliegt, ist ein Gewinn – und war längst überfällig.« ("Gerrit Wustmann, Der Freitag")
»‘Istanbul Istanbul‘ ist brutal und poetisch und gibt den Häftlingen eine literarische Stimme.« ("Peter Twiehaus, ZDF-Morgenmagazin")
»Ein fundamentaler Roman, beeindruckend montiert und erzählt.« ("Ulrich Noller, WDR, Noller liest - Literatur grenzenlos")

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Gebundene Ausgabe

Erscheinungsdatum

04.09.2017

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1 SW-Abb.

Verlag

btb

Seitenzahl

288

Maße (L/B/H)

22,1/13,9/3 cm

Gewicht

487 g

Farbe

Rost

Übersetzt von

Sabine Adatepe

Sprache

Deutsch

ISBN

978-3-442-75700-8

Herstelleradresse

Btb
Neumarkter Str. 28
81673 München
DE

Email: produktsicherheit@penguinrandomhouse.de

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  • Bewertung

    aus Mainz

    4/5

    17.09.2017

    Buch (Gebundene Ausgabe)

    Istanbul, eine Gefängniszelle…

    Istanbul, eine Gefängniszelle irgendwo unter der Stadt. Der Student Demirtay, der Doktor, der Babier Kamo und Küheylan Dayi werden in der zwei mal ein Meter großen Zelle unfreiwillig Schicksalsgenossen. Sie warten, nicht auf die Freilassung, damit rechnet keiner von ihnen, sondern auf die Wärter, bis diese zum nächsten Mal die Zelle aufschließen, einen von ihnen rausholen und wieder foltern. Dann warten sie, bis der Zellengenosse schwer verletzt zurückgeschleift und wieder zu ihnen geworfen wird. Es ist kalt da unten, sie haben kein Licht und nur wenig zu essen. Sie erzählen sich nichts von ihrem Leben, was sie in die Zelle geführt hat, das wäre zu gefährlich, denn schon bei der nächsten Befragung könnte einer der Mithäftlinge etwas preisgeben. Also verbringen sie ihre Zeit mit dem Geschichtenerzählen, wie es seit Menschengedenken Tradition ist, um die Zeit des Wartens zu verkürzen. Burhan Sönmez hat seinen dritten Roman bereits 2015 im Original veröffentlicht. Auch wenn man dies weiß, kommt man nicht umhin die aktuelle politische Lage beim Lesen des Buchs mitzudenken. Die Grundkonstellation, dass Menschen wie Tiere zusammengepfercht unter der Erde sitzen, dass außer neuen Folterungen sie nichts aus den Zellen herausführt und dass ihr Schicksal ungewiss ist, für sie selbst und für ihre Familien draußen – man zweifelt heute nicht an der wahrheitsgemäßen Darstellung der Situation. Die vier Schicksalsgenossen und das Mädchen in der gegenüberliegenden Zelle machen das Beste aus der Gefangenschaft. Sie phantasieren sich nach draußen, nutzen ihre Erinnerung, um sich wenigstens zeitweise von den Schmerzen der Verletzungen und der Enge des Raumes wegzuträumen und diese zu vergessen. Daneben erzählen sie die Geschichten, die sie von den Vätern gehört haben und die schon Jahrtausende lang mündlich tradiert werden. Schnell ist man erinnert an Tausendundeine Nacht oder das Decamerone, die Figuren nehmen selbst Bezug darauf: „Die Leute im Dekameron hatten allerdings mehr Glück als wir. Durch die Flucht aus der Stadt entgingen sie dem Tod. Uns hat man auf den Grund der Stadt in die Finsternis gestoßen. (...) uns verfrachtete man gegen unseren Willen hierher. Schlimmer noch, während sie sich vom Tode entfernten, sind wir ihm näher gerückt.“ (S. 158) Tapfer ertragen sie ihr Schicksal, ihre Handlungsmöglichkeiten sind ohnehin begrenzt. Die einzige Abwechslung stellen die Folterungen durch die Wärter dar, die brutal und menschenverachtend sind, aber die vier Protagonisten nicht brechen können. Doch die Wärter haben noch eine andere, perfidere Idee, um an die Geheimnisse der Insassen zu kommen. Und diese nutzen sie. Der Roman ist eine Hommage an Istanbul, wo alles möglich ist, ebenso wie sich die gefangenen gedanklich überall hinbewegen können. Sie überkommen die Grenzen des Körperlichen, ignorieren den Schmerz und lösen sich dank ihres Geistes. Wie einst die Flaneure durch die europäischen Großstädte schickt Sönmez seine Insassen los, wie in der europäischen Tradition des Geschichtenerzählens im Decamerone oder auch bei den Canterbury Tales lässt er sie berichten – Burhan Sönmez schafft so die Verbindung zwischen Orient und Okzident genau da, wie die Grenze schon immer lag und wo beide aufeinandertreffen und verschmelzen: in Istanbul.

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