Nationalsozialistischer Märtyrerkult

Inhaltsverzeichnis

Inhalt
Dank 9
I. Einleitung 13
1. Nationalsozialismus als rituelle Praxis:
Zu den Forschungskontexten dieser Arbeit 18
2. Theoretische Überlegungen: Sakralisierte Politik der NS-Bewegung 35
3. Operationalisierung 50
3.1 Die Perspektive der Regionalstudie 54
3.2 Mythen und Sakralisierung 59
3.3 Nationalsozialistische Glaubenspraxis des Märtyrerkultes 61
3.4 Christliche Sakralinteraktionen 67
II. Nationalsozialismus im westfälischen Ruhrgebiet:
Zur Untersuchungsregion 73
1. Das Ruhrgebiet: Abgrenzungen und Einordnungen 73
2. Die NS-Bewegung im westfälischen Ruhrgebiet 82
2.1 Die NS-Bewegung im Gau Westfalen-Süd 89
2.2 Die NS-Bewegung im Gau Westfalen-Nord 93
2.3 Zur Entwicklung nach der NS-"Machtergreifung" 97
III. Märtyrermythen: Glaubenszeugnis, Kampfappell und Nostalgie 101
1. Nationalsozialistische Märtyrermythen 104
1.1 Heldische Straßenkämpfer der NS-Bewegung 105
1.2 Sondertypen: Erweiterte Integrationsfiguren 121
2. Mythische Konstruktionen des NS-Martyriums 130
3. Zwischen Reichsleitung und westfälischer Peripherie:
Zur Kanonisierung der "Blutopfer der Bewegung" 153
4. Märtyrermythen seit 1933: Zwischen Transformation und
nostalgischer Vergangenheitsvergegenwärtigung 163
5. NS-Märtyrer im Bild 188
Zwischenfazit: NS-Märtyrerfiguren 199
IV. Nationalsozialistische Glaubenspraxis des Märtyrerkultes 202
1. "Über Gräber vorwärts!": Zum Umgang mit Tod und Trauer bei
den Beisetzungsfeierlichkeiten 203
2. Sakrale Orte des NS-Märtyrerkultes 229
2.1 NS-Märtyrergräber als sakrale Orte 230
2.2 Sakralisierung der Tat-Orte der NS-Martyrien 240
2.3 Sakrale Orte des Ludwig Knickmann 250
3. Gedenkfeiern des NS-Märtyrerkultes 262
4. Der 9. November als "Tag der Gefallenen der Bewegung" 291
5. Märtyrergedenken als Veteranentreffen 313
Zwischenfazit: Nationalsozialistische Sakralsphäre 332
V. Sakralinteraktionen: Christliche Sakralisierung
im NS-Märtyrerkult 336
1. Sakralinteraktionen bei kirchlichen Beisetzungen 337
1.1 Kirchlich-institutionelle Normen und Richtlinien 339
1.2 Kirchliche Beisetzungen als rituelle Sakralinteraktionen 346
2. Christliche Sakralisierung der Toten: Die Inhalte 375
2.1 Kirchenlieder 375
2.2 Biblische Sakralisierungen 380
2.3 Handlungsspielräume der beteiligten Pfarrer in den Predigten 387
3. Christliche Sakralinteraktionen jenseits der Beisetzungen 414
3.1 Geistliche als Gedenkredner anlässlich des 9. November 414
3.2 Feldgottesdienste: Kirchlich-liturgische Heilsvergewisserung
der NS-Bewegung 425
3.3 Nationalsozialismus und Altkatholiken:
Ein Bottroper Sonderfall 442
4. Christliche Sakralinteraktionen durch NS-Funktionsträger 447
4.1 Ambige, sakralinteraktive Deutungen 449
4.2 Sakralinteraktive Symbolik 471
Zwischenfazit: Christliche Sakralinteraktionen zwischen Ambiguitätstoleranz und Symbiosen 482
VI. Fazit 487
NS-Märtyrerfiguren: Lebensläufe 495
Abkürzungsverzeichnis 507
Quellen und Literatur 509
Religion und Moderne Band 9

Nationalsozialistischer Märtyrerkult

Sakralisierte Politik und Christentum im westfälischen Ruhrgebiet (1929-1939)

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Nationalsozialistischer Märtyrerkult

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Beschreibung

Das Ruhrgebiet war für die Nationalsozialisten in den Jahren vor 1933 ein schwieriges Terrain. Um den zahlreichen Toten in den Auseinandersetzungen mit den Kommunisten scheinbar Sinn zu verleihen, wurden jene zu Märtyrern gemacht. Sarah Thieme zeigt eindrücklich auf, wie sich die regionale NS-Bewegung im Märtyrerkult als eigenständiger Glaubensanbieter positionierte und die Aktivisten mit Formen "sakralisierter Politik" ansprach. Zugleich belegt die Studie, dass die NS-Bewegung im Ruhrgebiet christlich geprägt blieb.

Religion und Moderne: Herausgegeben von Thomas Großbölting, Detlef Pollack, Barbara Stollberg- Rilinger und Ulrich Willems im Auftrag des Centrums für Religion und Moderne

»Sarah Thieme weist auf überzeugende Weise nach, dass die NS-Bewegung auf christliche Rituale, Akteure und Inhalte zurückgriff, um ihre eigenen Märtyrer zu propagieren und anschlussfähig an religiöse Milieus zu machen.« Jens Gründler, Westfälische Forschungen, 23.11.2020

Sarah Thieme, Dr. phil., ist als Postdoktorandin am Exzellenzcluster »Religion und Politik in den Kulturen der Vormoderne und der Moderne« an der Universität Münster tätig.

Details

Einband

Taschenbuch

Erscheinungsdatum

17.08.2017

Verlag

Campus

Seitenzahl

546

Maße (L/B/H)

21,3/13,9/3,5 cm

Beschreibung

Details

Einband

Taschenbuch

Erscheinungsdatum

17.08.2017

Verlag

Campus

Seitenzahl

546

Maße (L/B/H)

21,3/13,9/3,5 cm

Gewicht

678 g

Auflage

1

Sprache

Deutsch

ISBN

978-3-593-50808-5

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I.Einleitung

"Man kann den moralischen Wert einer Idee, einer Bewegung, messen an der Art, wie sie ihre Märtyrer ehrt, und die Anteilnahme von Fernstehenden ist der spre-chendste Beweis für die Resonanz, die diese Idee im Volke hat."
Mit diesem Satz leitete die nationalsozialistische National-Zeitung ihren Be-richt über die Beisetzung des verstorbenen SA-Mannes Wilhelm Sengotta aus Dortmund-Wickede im Februar 1932 ein. Der 21-jährige Schlosser hatte sich gemeinsam mit einigen Sturmkameraden auf dem Heimweg von seinem SA-Dienst befunden, als sie in einen kommunistischen Hinterhalt gerieten. Dabei sei Sengotta erschossen worden. Das vorangestellte Zitat verweist auf die hohe Bedeutung, die die lokale NS-Bewegung in Dortmund der von ihr praktizierten Märtyrerverehrung zusprach: Erst wenn diese, wie im Falle des verstorbenen Sengotta, gelang, wurde der hohe "moralische Wert" der eigenen Weltanschauung sichtbar, für die sich der Tote vermeintlich geopfert hatte. Die 'gelungene' Märtyrerverehrung umfasste in Wickede eine groß inszenierte Aufbahrung und Beisetzungsfeier unter Beteiligung eines evangelischen Geistlichen mit etwa 3.000 Teilnehmern. Überdies wurde der SA-Sturm 7/I/98 dem Namen des Verstorbenen geweiht. Außerdem wurde in den Jahren nach der sogenannten NS-"Machtergreifung" eine Dortmunder Straße nach ihm benannt, ein Gedenkstein am vermeintlichen Tatort errichtet und eingeweiht sowie jährlich wiederkehrende Gedenkfeiern an seinem Todestag gefeiert.
Diese nationalsozialistische Selbstbeschreibung ist Ausgangspunkt für die vorliegende Studie, die den nationalsozialistischen Märtyrerkult analy-siert. Unter einem Kult ist die "Gesamtheit religiöser Praxis im Umgang mit 'spirituellen' oder mit besonderen Zuschreibungen versehenen We-sen" sowie Verehrungshandlungen gegenüber Menschen mit "numinosen Qualitäten" zu verstehen. Wesentliche Bestandteile eines Kultes sind nach der Religionswissenschaftlerin Dorothea Baudy folgende: Mythenerzäh-lungen und -inszenierungen sowie alle Formen religiösen Verhaltens, ins-besondere Rituale, deren Ausübung häufig an heilige Stätten und heilige Zeiten gebunden ist. "Im Kultakt konstituieren sich die Teilnehmer als zusammengehörige, aber hierarchisch differenzierte Gemeinde." In ihren (auch sprachlichen) Handlungen entwerfen sie "die Vorstellungen, die sie sich vom Adressaten ihres Kultes [...] machen". Émile Durkheim hält pointiert fest, dass ein Kult aus Überzeugungen und Ritualen besteht. Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich folglich mit der posthumen mythischen Konstruktion von SA- und SS-Männern als "Märtyrer der Bewegung" und deren praktischer Verehrung durch kultische Handlungen sowie die eingesetzten Sakralisierungsstrategien durch die nationalsozialistische Bewegung in den Jahren 1929-1939.
Ziel der Untersuchung ist es, einen religionsgeschichtlichen Beitrag zur Charakterisierung regionaler NS-Bewegungen zu leisten. Gefragt wird nach der Erzeugung von spezifischem commitment , das heißt der besonde-ren Hingabe, der hohen Motivation und Begeisterungsfähigkeit ihrer Akti-visten. Spezifische Bedeutung wächst dem commitment der Akteure sozialer Bewegung zu, da jene "keine anderen Ressourcen [besitzen] um ihre Akteure langfristig an sich zu binden, und zu motivieren, als das zu tun, was die Individuen und Einzelgruppen in der Bewegung wünschen und wollen. Deren Engagement müssen sie über inneres commitment erlangen." Um den freiwilligen Einsatz ihrer Anhänger, der das entscheidende Kapitel sozialer Bewegungen darstellt, zu produzieren und zu erhalten, wird in der Handlungspraxis sozialer Bewegungen, laut Dieter Rucht und Friedhelm Neidhardt, commitment verlangt und bekräftigt. Zudem werden Motive und Interessen der Akteure eingebunden. Dementsprechend beschäftigt sich die vorliegende Arbeit mit Motivationen, kollektiven Identitätsstiftungsangeboten und der Integration der nationalsozialistischen Bewegungsmitglieder. Zentrale Ausgangsüberlegung ist dabei, dass sakrale Elemente
  • Nationalsozialistischer Märtyrerkult
  • Inhalt
    Dank 9
    I. Einleitung 13
    1. Nationalsozialismus als rituelle Praxis:
    Zu den Forschungskontexten dieser Arbeit 18
    2. Theoretische Überlegungen: Sakralisierte Politik der NS-Bewegung 35
    3. Operationalisierung 50
    3.1 Die Perspektive der Regionalstudie 54
    3.2 Mythen und Sakralisierung 59
    3.3 Nationalsozialistische Glaubenspraxis des Märtyrerkultes 61
    3.4 Christliche Sakralinteraktionen 67
    II. Nationalsozialismus im westfälischen Ruhrgebiet:
    Zur Untersuchungsregion 73
    1. Das Ruhrgebiet: Abgrenzungen und Einordnungen 73
    2. Die NS-Bewegung im westfälischen Ruhrgebiet 82
    2.1 Die NS-Bewegung im Gau Westfalen-Süd 89
    2.2 Die NS-Bewegung im Gau Westfalen-Nord 93
    2.3 Zur Entwicklung nach der NS-"Machtergreifung" 97
    III. Märtyrermythen: Glaubenszeugnis, Kampfappell und Nostalgie 101
    1. Nationalsozialistische Märtyrermythen 104
    1.1 Heldische Straßenkämpfer der NS-Bewegung 105
    1.2 Sondertypen: Erweiterte Integrationsfiguren 121
    2. Mythische Konstruktionen des NS-Martyriums 130
    3. Zwischen Reichsleitung und westfälischer Peripherie:
    Zur Kanonisierung der "Blutopfer der Bewegung" 153
    4. Märtyrermythen seit 1933: Zwischen Transformation und
    nostalgischer Vergangenheitsvergegenwärtigung 163
    5. NS-Märtyrer im Bild 188
    Zwischenfazit: NS-Märtyrerfiguren 199
    IV. Nationalsozialistische Glaubenspraxis des Märtyrerkultes 202
    1. "Über Gräber vorwärts!": Zum Umgang mit Tod und Trauer bei
    den Beisetzungsfeierlichkeiten 203
    2. Sakrale Orte des NS-Märtyrerkultes 229
    2.1 NS-Märtyrergräber als sakrale Orte 230
    2.2 Sakralisierung der Tat-Orte der NS-Martyrien 240
    2.3 Sakrale Orte des Ludwig Knickmann 250
    3. Gedenkfeiern des NS-Märtyrerkultes 262
    4. Der 9. November als "Tag der Gefallenen der Bewegung" 291
    5. Märtyrergedenken als Veteranentreffen 313
    Zwischenfazit: Nationalsozialistische Sakralsphäre 332
    V. Sakralinteraktionen: Christliche Sakralisierung
    im NS-Märtyrerkult 336
    1. Sakralinteraktionen bei kirchlichen Beisetzungen 337
    1.1 Kirchlich-institutionelle Normen und Richtlinien 339
    1.2 Kirchliche Beisetzungen als rituelle Sakralinteraktionen 346
    2. Christliche Sakralisierung der Toten: Die Inhalte 375
    2.1 Kirchenlieder 375
    2.2 Biblische Sakralisierungen 380
    2.3 Handlungsspielräume der beteiligten Pfarrer in den Predigten 387
    3. Christliche Sakralinteraktionen jenseits der Beisetzungen 414
    3.1 Geistliche als Gedenkredner anlässlich des 9. November 414
    3.2 Feldgottesdienste: Kirchlich-liturgische Heilsvergewisserung
    der NS-Bewegung 425
    3.3 Nationalsozialismus und Altkatholiken:
    Ein Bottroper Sonderfall 442
    4. Christliche Sakralinteraktionen durch NS-Funktionsträger 447
    4.1 Ambige, sakralinteraktive Deutungen 449
    4.2 Sakralinteraktive Symbolik 471
    Zwischenfazit: Christliche Sakralinteraktionen zwischen Ambiguitätstoleranz und Symbiosen 482
    VI. Fazit 487
    NS-Märtyrerfiguren: Lebensläufe 495
    Abkürzungsverzeichnis 507
    Quellen und Literatur 509