Karl-Artur Ekenstedt kommt als Hilfspfarrer nach Korsycka. Dort lernt er die im Pfarrhaus arbeitende Charlotte Löwensköld kennen. Die beiden jungen Leute verlieben sich. Jedoch hat diese Liebe keinen Bestand, da es die hinterhältige Thea Sundler ebenfalls auf Karl-Artur abgesehen. Weiterhin möchte der reiche Bergwerksbesitzer Schlagerström Charlotte heiraten…Eine Geschichte voller Missverständnisse und Intrigen. Übersetzung: Pauline Klaiber-Gottschau, Regie: Arno Haupt
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4.8/5.0
MarcoL
aus Füssen
5/5
11.04.2023
Buch (Gebundene Ausgabe)
Die Geschichte einer starken Frauenfigur im 19. Jahrhunder, eindrucksvoll erzählt.
Viele verbinden die Autorin „nur“ mit ihrem großen Erfolg Nils Holgerson. Aber mit diesem Roman stellte sie einmal mehr ihr schriftstellerisches Können unter Beweis (nebenbei erwähnt, erste Frau, welche den Nobelpreis für Literatur gewann, sehr zu recht). Allein Sprache und Erzählweise hat mich in ihren Bann geschlagen, und der tiefere Inhalt sowieso. Auch wenn es manchmal an Geplänkel, Schweigen, Missverständnissen nicht mangelte, und sich meiner Meinung nach so manches in die Länge ziehen mochte, so der Anschein, wurde mir die Lektüre nie langweilig.
Lagerlöf bediente sich wunderbarer Stilmittel, wie zum Beispiel einen feinen, hintergründigen Humor, strickte gefühlt tausende von Fäden, welche kreuz und quer gesponnen waren, und überzeugte von der starken Frauenfigur der Charlotte Löwensköld. Diese ging ihren Weg, mutig, mit Liebe und dem nötigen Schmunzeln.
Nur kurz zum Inhalt, denn ohne Spoiler wäre der gar nicht zu erzählen. Charlotte ist seit fünf Jahren mit Karl-Artur Ekenstedt verlobt. Eine recht lange Zeit, und Charlotte sehnt sich nach der Ehe, es geht ja letztendlich auch darum, versorgt zu sein. Aber es hakt … und ein anderer versucht bei ihr sein Glück. Doch sie schlägt aus, trotz verlockendem Wohlstand. Jetzt müsste doch Karl-Artur nun wirklich den letzten Schritt tun, sollte man meinen, aber er ist zu verbohrt, steigert sich in die Sache hinein, und keine Erklärungs- oder Versöhnungsversuche von Seiten Charlottes fruchten. Sie kämpft … und nimmt ihr Schicksal letztendlich selbst in die Hand.
Lagerlöf zeichnet starke Figuren (die Mitleid und Wut erzeugen), erzählt detailverliebt, und schafft es, die Gesellschaft (sehr misogyn) plastisch darzustellen. Die Kritik am „System“ ist nicht zu übersehen, und so ist der Roman ein Aufbäumen, ein Aufzeigen, eingepackt in das subtile Thema der Liebe, mit welchem sich gewiss viele Leser:Innen damals und heute identifizieren konnten und können.
Sehr gerne gebe ich eine Leseempfehlung.
YukBook
aus München
5/5
18.03.2023
eBook (ePUB)
Schon das erste Kapitel gibt…
Schon das erste Kapitel gibt einen Vorgeschmack darauf, was uns in diesem Roman erwartet, der vor 200 Jahren in der schwedischen Provinz Värmland spielt. Eine der zentralen Figuren, die Oberstin Beate Ekenstedt, wird aufs Genaueste charakterisiert: Ihre Erscheinung, ihr Charakter, ihr Ansehen und wer ihr wichtig ist, nämlich ihr Sohn Karl-Artur, der zu ihrem großen Bedauern Theologie studiert und Hilfspfarrer wird. Aus seiner Verlobten, der titelgebenden Charlotte, wurde ich manchmal nicht ganz schlau. Dass sie – üblich zu dieser Zeit – von Männern sozial und wirtschaftlich abhängig ist und ihre Existenz sichern muss, ist einleuchtend, doch ihr Charakter schwankt zwischen Selbstbewusstsein und Selbstaufgabe. Selma Lagerlöf versteht es, uns so nah an die Figuren heranzuführen, dass man sie in einem Moment noch verachtet, im nächsten schon wieder verständnisvoll trösten möchte. Auffällig ist, dass sie ständig damit beschäftigt sind, das Verhalten anderer zu analysieren und Schlüsse daraus zu ziehen – häufig leider die falschen, was zu Missverständnissen und Verwicklungen führt. Eine grandios beschriebene Szene, in der die Hochzeitsgäste von Karl-Arturs Schwester unter seinem Tanzverbot leiden und kaum stillsitzen können, zeigt, wie meisterhaft und humorvoll die Autorin erzählen kann. Wir werden mit vielen Arten von Liebe konfrontiert: Mutterliebe, selbstaufopfernde Liebe, Nächstenliebe, die Karl-Artur zwar predigt, selbst aber nicht praktiziert. Selma Lagerlöf schreckt nicht davor zurück, seinen scheinheiligen religiösen Übereifer ins Lächerliche zu ziehen. Auch an Intrigen, Verleumdungen und Rivalitäten zwischen Frauen mangelt es nicht. Der Zickenkrieg damals war in keinster Weise weniger grausam als heutzutage! Die im Manesse Verlag erschienene Neuausgabe mit Fadenheftung ist ein wahres Schmuckstück und wird diesem Klassiker bestens gerecht.
Buecherbriefe
5/5
16.12.2022
Buch (Gebundene Ausgabe)
Selma Lagerlöf dürfte vielen…
Selma Lagerlöf dürfte vielen Lesern in erster Linie durch ihren Kinderbuchklassiker Nils Holgersson bekannt sein. In den letzten Jahren erfuhr ihr Werk im deutschsprachigen Raum eine kleine Renaissance, die in Charlotte Löwensköld ihren vorläufigen Höhepunkt findet. Den Ausgangspunkt unserer Erzählung bildet der junge Karl-Artur Ekenstedt, ein hoffnungslos verzogener Zögling einer reichen und adligen Familie. Unter dem Einfluss eines religiös fanatischen Freundes entschließt er sich dazu, Theologie zu studieren und wird schließlich Hilfspfarrer einer kleinen Gemeinde. Während seiner Tätigkeit macht er die Bekanntschaft mit der titelgebenden Charlotte Löwensköld, und verlobt sich letztlich auch mit ihr. Im Laufe der Zeit kommt es immer wieder zu kleineren Konflikten zwischen beiden, da Karl-Artur sich strikt weigert, Karriere in der Kirche zu machen und stattdessen ein einfaches Leben anstrebt - mit der Folge, dass er sich eine Hochzeit schlichtweg nicht leisten kann. Zum Bruch kommt es, als der reiche Bergwerksbesitzer Schlagerström Charlotte einen Heiratsantrag macht. Zwar lehnt Charlotte diesen ab, doch zwischen ihr und ihrem Verlobten kommt es daraufhin infolge zahlreicher Missverständnisse zum Streit. Karl-Artur löst schließlich die Verlobung auf und verlobt sich mit der ersten Frau, der er auf der Straße begegnet. Aus Liebe zu ihm klärt Charlotte die Hintergründe ihrer Trennung nicht auf und wird Opfer von Hass und Abscheu seitens der Gemeinde. Kann sich Charlotte aus dieser Situation befreien? Selma Lagerlöf nimmt sich in Charlotte Löwensköld der Rolle der Frau im frühen 19. Jahrhundert an und zeigt auf, wie sehr die wirtschaftliche Existenz und soziale Rolle einer Frau von ihrem Mann abhängig war. Bedauerlich ist in meinen Augen insbesondere, dass Lagerlöf die Gelegenheit verpasst hat, mit Charlotte eine wirklich starke Frauenfigur zu etablieren. Charlotte wird durch das Verhalten ihres Verlobten Opfer von einem Phänomen, was wir heutzutage wohl am ehesten als Shitstorm bezeichnen würden. Obwohl sie selbst keine Fehler gemacht hat, trennt sich ihr Verlobter von ihr und stilisiert sich anschließend selbst zum Opfer. Seine Gemeinde liegt ihm zu Füßen und wendet sich empört gegen Charlotte. Jedoch denkt diese gar nicht daran, sich dagegen zu wehren, sondern lässt jede Schmach ungerührt über sich ergehen. Ihr Verhalten ist dabei gerade nicht die Konsequenz einer wirtschaftlichen oder sozialen Abhängigkeit. Das gerade dies nicht die Triebfeder ihres Verhaltens ist, zeigen beispielsweise ihre Szenen mit Schlagerström, in denen sie sich durch Witz, Unabhängigkeit und Selbst-Bewusstsein auszeichnet, obwohl gerade dies dort auf dem Spiel steht. Diese Szenen eignen sich jedoch nicht, um sie als starke Frau zu charakterisieren, bietet Schlagerström selbst als moderne Männerfigur wenig Angriffsfläche in dieser Hinsicht. Stattdessen bleibt es einem Mann, nämlich Karl-Artur selbst, überlassen, die ungerechte Rollenverteilung durch sein eigenes Betragen anzuprangern. Er stellt eine wohl in jeglicher Hinsicht unsympathische Figur dar. Bereits als kleiner Junge wird er von seiner Mutter verwöhnt und entwickelt sich zu einem jungen Mann, der gerne recht hat und seine Meinung allen anderen aufzwingen möchte. Dabei legt er eine Selbstgefälligkeit an den Tag, wie man sie nur selten erblickt. Kar-Artur ist eine Figur, für die die Redewendung „Wasser predigen und Wein trinken“ erfunden zu worden sein scheint: Er gefällt sich dabei in seiner Rolle als zweiter Christus, der selbst asketisch lebt und auf jegliche weltlichen Freuden verzichtet. Dass er dabei bis auf Worte nichts zu bieten hat und die anfallende Arbeit an andere abwälzt (etwa bei den zehn Waisenkindern) ist am Ende nur konsequent. Letztlich bleibt Charlotte in ihrer Beziehung zu Karl-Artur also immer in ihrer Opferrolle und übernimmt an keiner Stelle die Kontrolle. Stilistisch handelt es sich um einen hervorragend komponierten und erzählten Roman, der eindrucksvoll aufzeigt, dass der Nobelpreis mehr als nur verdient war. Bezeichnend für den Roman ist, dass jedes Kapitel für sich eine kleine Sinneinheit darstellt, die sich in jeglichen Aspekten deutlich von den anderen Kapiteln unterscheiden kann. Lagerlöf wechselt dabei munter Perspektive, Ton und Tempo, ohne dabei jemals den roten Faden zu verlieren. So erinnern einige Kapitel an eine Komödie (man denke nur an Löwenskölds Kutschfahrt mit Schlagerström), während andere Abschnitte eher einer Tragödie gleichen. Teilweise begleiten wir die Figuren dabei ganz nah, in anderen Abschnitten übernimmt hingegen ein allwissender Erzähler die Führung über das Geschehen. Fazit: Charlotte Löwensköld ist ein stilistisch starker Roman, der auch inhaltlich in weiten Teilen überzeugen kann. Leider trübt eine schwache Hauptfigur den ansonsten guten Gesamteindruck.
MaWiOr
aus Halle
5/5
24.10.2022
Buch (Gebundene Ausgabe)
Der Roman „Charlotte Löwensköl…
Der Roman „Charlotte Löwensköld“ der schwedischen Schriftstellerin und Nobelpreisträgerin (1909) Selma Lagerlöf (1858-1940) erschien 1925 und bildete den zweiten Teil der Löwensköld-Trilogie. Der erste Teil heißt „Der Ring des Generals“, während der abschließende Teil den Titel „Anna, das Mädchen aus „Dalarne“ trägt. Die Löwensköld-Trilogie gilt als das reifste Werk der Nobelpreisträgerin. Die Trilogie spielt im 18. und 19. Jahrhundert und vereint die mythische Sage von dem Fluch, der auf dem Ring des Generals Löwensköld liegt und der durch die Generationen in der gesamten Roman-Trilogie fortwirkt, mit den Lebensgeschichten von Charlotte Löwensköld und Anna Svärd, die zu den bewundernswertesten und modernsten Frauengestalten Selma Lagerlöfs zählen. „Charlotte Löwensköld“ spielt Anfang des 19. Jahrhunderts in der schwedischen Provinz Värmland. Die junge Charlotte ist seit fünf Jahren dem schwärmerischen Hilfspfarrer Karl-Artur Ekenstedt versprochen, der jedoch ein einfaches Leben als Nachfolger Christi führen will. Da hält der reiche und verwitwete Bergwerksbesitzer Schagerström um Charlottes Hand an. Obwohl Charlotte entrüstet ablehnt, kommt es zum Zerwürfnis mit Karl-Artur, der mit seiner fanatischen Frömmelei sich und seine Freunde ins Unglück stürzt. Aus Verbitterung heiratet er die Hausiererin Anna Svärd. Charlotte fühlt sich schuldig an sei-nem Schicksal, doch der narzisstische Karl-Artur hat ihre Liebe in den Schmutz gezogen. Schließlich wird Charlotte doch glücklich in der Ehe mit Schagerström, denn er bringt ihr Liebe und echte Gefühle entgegen. Mit Charlotte Löwensköld hat Lagerlöf eine starke Frauenfigur geschaffen. Der Roman ist jetzt in der beliebten Manesse-Bibliothek erschienen, ergänzt mit einem Nachwort der österreichischen Schriftstellerin Mareike Fallwickl.
Buecherbriefe
4/5
16.12.2022
Buch (Gebundene Ausgabe)
Portrait der Frau im 19. Jahrhundert
Selma Lagerlöf dürfte vielen Lesern in erster Linie durch ihren Kinderbuchklassiker Nils Holgersson bekannt sein. In den letzten Jahren erfuhr ihr Werk im deutschsprachigen Raum eine kleine Renaissance, die in Charlotte Löwensköld ihren vorläufigen Höhepunkt findet.
Ein antiquiertes Frauenbild
Den Ausgangspunkt unserer Erzählung bildet der junge Karl-Artur Ekenstedt, ein hoffnungslos verzogener Zögling einer reichen und adligen Familie. Unter dem Einfluss eines religiös fanatischen Freundes entschließt er sich dazu, Theologie zu studieren und wird schließlich Hilfspfarrer einer kleinen Gemeinde.
Während seiner Tätigkeit macht er die Bekanntschaft mit der titelgebenden Charlotte Löwensköld, und verlobt sich letztlich auch mit ihr. Im Laufe der Zeit kommt es immer wieder zu kleineren Konflikten zwischen beiden, da Karl-Artur sich strikt weigert, Karriere in der Kirche zu machen und stattdessen ein einfaches Leben anstrebt - mit der Folge, dass er sich eine Hochzeit schlichtweg nicht leisten kann.
Zum Bruch kommt es, als der reiche Bergwerksbesitzer Schlagerström Charlotte einen Heiratsantrag macht. Zwar lehnt Charlotte diesen ab, doch zwischen ihr und ihrem Verlobten kommt es daraufhin infolge zahlreicher Missverständnisse zum Streit.
Karl-Artur löst schließlich die Verlobung auf und verlobt sich mit der ersten Frau, der er auf der Straße begegnet. Aus Liebe zu ihm klärt Charlotte die Hintergründe ihrer Trennung nicht auf und wird Opfer von Hass und Abscheu seitens der Gemeinde. Kann sich Charlotte aus dieser Situation befreien?
Portrait der Frau im 19. Jahrhundert
Selma Lagerlöf nimmt sich in Charlotte Löwensköld der Rolle der Frau im frühen 19. Jahrhundert an und zeigt auf, wie sehr die wirtschaftliche Existenz und soziale Rolle einer Frau von ihrem Mann abhängig war.
Schwerpunktmäßig stellt Lagerlöf diese Zusammenhänge anhand der Beziehung zwischen Charlotte und ihrem (ehemaligen) Verlobten dar, wobei sie sich nicht auf diese beiden Figuren beschränkt, sondern zwischendurch auch kleinere Nebenfiguren zu Wort kommen lässt.
Schwache Hauptfigur
Bedauerlich ist in meinen Augen insbesondere, dass Lagerlöf die Gelegenheit verpasst hat, mit Charlotte eine wirklich starke Frauenfigur zu etablieren. Charlotte wird durch das Verhalten ihres Verlobten Opfer von einem Phänomen, was wir heutzutage wohl am ehesten als Shitstorm bezeichnen würden. Obwohl sie selbst keine Fehler gemacht hat, trennt sich ihr Verlobter von ihr und stilisiert sich anschließend selbst zum Opfer. Seine Gemeinde liegt ihm zu Füßen und wendet sich empört gegen Charlotte. Jedoch denkt diese gar nicht daran, sich dagegen zu wehren, sondern lässt jede Schmach ungerührt über sich ergehen.
Ihr Verhalten ist dabei gerade nicht die Konsequenz einer wirtschaftlichen oder sozialen Abhängigkeit. Das gerade dies nicht die Triebfeder ihres Verhaltens ist, zeigen beispielsweise ihre Szenen mit Schlagerström, in denen sie sich durch Witz, Unabhängigkeit und Selbst-Bewusstsein auszeichnet, obwohl gerade dies dort auf dem Spiel steht. Diese Szenen eignen sich jedoch nicht, um sie als starke Frau zu charakterisieren, bietet Schlagerström selbst als moderne Männerfigur wenig Angriffsfläche in dieser Hinsicht.
Der Mann schwächt sich selbst
Stattdessen bleibt es einem Mann, nämlich Karl-Artur selbst, überlassen, die ungerechte Rollenverteilung durch sein eigenes Betragen anzuprangern. Er stellt eine wohl in jeglicher Hinsicht unsympathische Figur dar. Bereits als kleiner Junge wird er von seiner Mutter verwöhnt und entwickelt sich zu einem jungen Mann, der gerne recht hat und seine Meinung allen anderen aufzwingen möchte. Dabei legt er eine Selbstgefälligkeit an den Tag, wie man sie nur selten erblickt. Kar-Artur ist eine Figur, für die die Redewendung „Wasser predigen und Wein trinken“ erfunden zu worden sein scheint: Er gefällt sich dabei in seiner Rolle als zweiter Christus, der selbst asketisch lebt und auf jegliche weltlichen Freuden verzichtet. Dass er dabei bis auf Worte nichts zu bieten hat und die anfallende Arbeit an andere abwälzt (etwa bei den zehn Waisenkindern) ist am Ende nur konsequent.
Letztlich bleibt Charlotte in ihrer Beziehung zu Karl-Artur also immer in ihrer Opferrolle und übernimmt an keiner Stelle die Kontrolle. Selbiges ließe sich auch über Karl Artur Mutter sagen, die den ganzen Roman über als starke Frauenfigur beschrieben wird, nur um am Ende dann … an dieser Stelle stoppe ich meine inhaltlichen Ausführungen, um nicht zu viel vom Ende des Romans vorwegzunehmen.
Summa summarum verpasst Lagerlöf es, eine starke Frauenfigur zu etablieren, wie sie die Literatur dringend nötig hätte. Andererseits kann ich natürlich nicht ausschließen, dass Lagerlöf genau darauf hinauswollte, jedenfalls konnte ich in dieser Hinsicht nichts herausfinden.
Starke Komposition
Stilistisch handelt es sich um einen hervorragend komponierten und erzählten Roman, der eindrucksvoll aufzeigt, dass der Nobelpreis mehr als nur verdient war.
Bezeichnend für den Roman ist, dass jedes Kapitel für sich eine kleine Sinneinheit darstellt, die sich in jeglichen Aspekten deutlich von den anderen Kapiteln unterscheiden kann. Lagerlöf wechselt dabei munter Perspektive, Ton und Tempo, ohne dabei jemals den roten Faden zu verlieren. So erinnern einige Kapitel an eine Komödie (man denke nur an Löwenskölds Kutschfahrt mit Schlagerström), während andere Abschnitte eher einer Tragödie gleichen. Teilweise begleiten wir die Figuren dabei ganz nah, in anderen Abschnitten übernimmt hingegen ein allwissender Erzähler die Führung über das Geschehen.
Unabhängig davon, was man als Leser favorisiert, muss man anerkennen, dass sich Lagerlöf auf jedem Gebiet souverän bewegt und zumindest keine Langeweile aufkommen lässt.
Was bleibt?
Charlotte Löwensköld hinterlässt bei mir gemischte Gefühle. Stilistisch handelt es sich um einen abwechslungsreichen Roman, der Lagerlöf klar als Meisterin ihrer Zunft auszeichnet. Inhaltlich ist der Genuss wohl davon abhängig, was man von diesem Roman erwartet. Auf der einen Seite gelingt es Lagerlöf die Rolle der Frau im 19. Jahrhundert plastisch darzustellen. Andererseits handelt es sich bei der titelgebenden Charlotte Löwensköld nicht um die starke Frauenfigur, die ich erwartet habe. Das macht die Lektüre nicht weniger lohnend, sollte aber auf jedem Fall im Hinterkopf behalten werden.
Fazit
Charlotte Löwensköld ist ein stilistisch starker Roman, der auch inhaltlich in weiten Teilen überzeugen kann. Leider trübt eine schwache Hauptfigur den ansonsten guten Gesamteindruck.
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