Der junge Peer Gynt versucht mit Lügengeschichten, der Realität zu entfliehen. Er verdrängt, dass sein Vater, der einst sehr angesehene Jon Gynt, Hof und Habe durch Misswirtschaft und zahlreiche Alkoholeskapaden verloren hat. Er lebt in einer Fantasiewelt, in der die heruntergekommene Behausung ist jedoch nach wie vor ein strahlender Palast. Auf der Suche nach Liebe und Abenteuer findet er sich bald in einer Welt von Trollen und Dämonen wieder. Er entführt Ingrid, die Braut eines anderen. Gleichzeitig verliebt er sich in die aus pietistischem Elternhaus stammende Solvejg, die ihn anfangs nicht erhört, sich ihm später jedoch anschließt. 'Peer Gynt' rast durch die Welt zwischen nicht er selbst sein zu wollen und nichts anderes als er selbst sein zu wollen, zwischen dem Begehren, zwischen seinem unbändigen Freiheitsdrang, und der Sehnsucht nach einem starken, unverwechselbaren Ich. AUTORENPORTRÄT Henrik Ibsen wurde 1828 in Skien in Norwegen geboren. Er war der älteste Sohn einer traditionsreichen, vornehmen norwegischen Familie. Seiner Vater war Kaufmann Knud Ibsen. Von 1844 bit 1850 absolvierte Henrik Ibsen eine Ausbildung als Apotheker, aber sein Hauptinteresse galt inzwischen bereits der Literatur. 1850 vollendete er sein erstes Stück, und im Jahr 1857 übernahm er die künstlerische Leitung des Norske Teatret in Kristiania. Später im Leben bekam Henrik Ibsen ein Dichterstipendium für eine Studienreise, und von 1864 bis 1891 lebte Henrik Ibsen abwechselnd in Dresden, München und Rom. Henrik Ibsen starb am 23. Mai 1906.
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20.05.2021
Buch (Taschenbuch)
Peer Gynt der nordische Faust?
Dieses weltberühmte dramatische Gedicht von Henrik Ibsen gehört zweifelsohne zu den wichtigsten Schöpfungen der Literaturgeschichte. Ibsen selbst ist vielleicht der herausragendste Dramatiker Norwegens. Nicht zuletzt auch deshalb, weil er die Werte seiner Zeit stets kritisch beäugelte, ja torpedierte.
Peer Gynt stellt jedoch eine Sonderposition dar. Mag sein, dass hintergründig Gesellschaftskritik getrieben wird, ist doch aber im Vordergrund Peer Gynt, der ein Lügner ist, wie es sich uns bereits im ersten Satz durch seine Mutter Ase offenbart: Peer, du schwindelst! Der Taugenichts ist unbeliebt und erinnert an Frischs Gantenbein: Wir sind nur unserer Erfahrungen, doch wir wollen unsere Geschichten sein. Gynt aber übernimmt keine Verantwortung, sein Leben besteht somit nur aus Flucht, die ihn aus dem ersten Akt hinter ihm die Horde der Dorfbewohner in die Berge führt, wo er gar die Tochter des Trollkönigs und bald darauf ihn selbst antrifft. Zwar behauptet Gynt, er sei ein Prinz, jedoch lässt er nicht zu, dass der Dovregreis ihm ans Auge will: Ich ritz dir ne Maser / Ins linke Auge, scheel siehst du dann; Doch was du siehst, mutet dich prächtig an. / Sodann will ichs rechte Licht dir ausschneiden -// Woraufhin Gynt ihn bloß fragt: Bist du trunken? Da flieht er erneut.
Nachdem er abermals Solvejg begegnet, die sich in Gynt verliebt hat, wohnt er dem Tode seiner Mutter bei. Ibsen setzt anschließend einen harten Bruch räumlich wie zeitlich. Denn der Held findet sich dreißig Jahre später auf einem Schiff an der Küste von Marokko wieder (4. Akt). Angeblich hat er es u.a. durch Sklavenhandel zu Geld gebracht. Dort verwickeln sich er und einige andere Europäer in ein politisches Gespräch, in dem Gynt Partei für das osmanische Reich ergreift, das im Zwist mit Griechenland liegt: diese Anti-Haltung bezeichnet er als das Gyntische Selbst: Das Gyntische Selbst was soll das sein? // Die Welt in meinem Schädelschrein, / durch die ich Ich bin, sonder Zweifel, / Kein andrer, wie Gott nicht der Teufel. Sie verbannen ihn vom Schiff, das selbst kurz darauf untergeht. Später trifft er auf eine orientalische Diebesgruppe, verliebt sich in Anitra, wird aber von ihr ausgeraubt und verlassen. Am Ende des Aktes findet er sich in Ägypten wieder, wo er Begriffenfeldt begegnet, dieser führt ihn in eine Irrenanstalt, wo Gynt dann zum König gekrönt wird: Es lebe hoch der Selbstheit Kaiser! Im letzten Akt kehrt er nach Norwegen zurück. Dort passiert er den Weg des Knopfgießers, der Gynt holen will, weil er nie er selbst gewesen: In meine Kelle sollst du. [...] Darin schmelzt man dich um. Gynt bittet um etwas Zeit, jemanden zu finden, der den gegenteiligen Beweis führt, kreuzt den Pfad von Dovregreis und dem Teufel (der Magre) gar. Am Ende findet er Solvejg und wird erlöst?
Gynts Suche nach sich selbst ist das philosophische Grundmotiv des Ibsenschen Dramas. Seine Reise ist eine nordische Odyssee und erinnert eben mehr an diesen Helden. Somit scheint mir Peer Gynt eher ein nordischer Odysseus zu sein. Ein brillantes und obskures Werk!
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