10 Geschichten aus 200 Jahren über die Begegnung von Liebenden,
ausgewählt und herausgegeben von Nicole Seifert
Jane Austen, Virginia Woolf, Katherine Mansfield,
Dorothy Parker, Alice Munro, Laurie Colwin, Bobbie Ann Mason,
Lorrie Moore, Zadie Smith, Karen Köhler
Zehn große Autorinnen über Heiratsanträge und Hochzeiten, über Verlobungszeit und Flitterwochen. Ein gemeinsamer Nenner ist: der Zweifel. Immer wieder müssen Frauen entscheiden, ob sie Ja oder Nein sagen. Will sie ihn wirklich? Ist sie schon bereit, vom alten Leben Abschied zu nehmen? Soll sie die Verlobung wieder lösen oder den Dingen ihren Lauf lassen? Ein Grat zwischen Angst und Zuversicht, der sich oft als äußerst schmal erweist. Immer wieder sind es die Freundinnen und Schwestern, die zurate gezogen werden und Einfluss auf die Entscheidung nehmen.
Die Erzählungen spannen einen Bogen durch 200 Jahre weiblicher Literaturgeschichte und vermitteln ein Bild davon, wie sich die Lebensumstände und Möglichkeiten der Frauen verändern: Auf die Versorgerehe folgt die Liebesheirat – die Zweifel aber bestehen fort, wenn auch in neuer Form. Das Ende bleibt hier und da offen, aber nicht nur die letzte Erzählung schließt mit dem klassischsten aller Happy Endings: dem Ja-Wort und der vergewisserten Liebe.
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Eine bunte Mischung toller Geschichten
Bewertung am 14.03.2017
Bewertungsnummer: 403497
Bewertet: Buch (Gebundene Ausgabe)
Wie ich zum diesem Buch gekommen bin, ist einmal mehr eine typische Monika Fuchs Geschichte. Ich erhalte regelmäßig den Newsletter des Verlags Nautilus. Und in dem letzten wurde dort die Anthologie Hochzeit? Hochzeit! aus dem Imprint Edition fünf vorgestellt. Ich fiel dabei über den Namen der Herausgeberin Nicole Seifert. Nicole Seifert kannte ich bisher als Übersetzerin aus dem Englischen, als ehemalige Lektorin des Rowohlt und des Berlin Verlags und als unter dem Pseudonym Anneke Mohn schreibende Autorin von unterhaltsamer Frauenliteratur. Dies allein hat mich neugierig auf das Buch gemacht.
Hochzeit? Hochzeit! ist ein schön gebundenes Buch, welches zum Glück nicht etwa in quietschigem Pink oder klassischem Weiß mit Goldaufdruck daher kommt, sondern in einem schönen Sandton mit Magenta-Schriftzug und weißen Einsprengseln, die wahrscheinlich Reis darstellen. Es ist eine Sammlung von Erzählungen von Heiratsanträgen, Fluchtversuchen und der großen Liebe. Nicole Seifert hat dort verschiedenste Autorinnen aus unterschiedlichen Epochen versammelt. Alle Geschichten eint, dass sie etwas mit dem Thema Hochzeit zu tun haben. In dem von ihr geschriebenem Vorwort erläutert sie, wie sich die Lebensumstände der Frauen und damit auch die Bedeutung der Ehe geändert haben. Doch nun zu den Autorinnen und ihren Geschichten.
- Jane Austen, Vom Wagnis sich zu binden
Jane Austen erzählt die Geschichte von 3 Schwestern, von denen eine einen Heiratsantrag erhalten hat. Wie soll sie sich entscheiden. Dies war meine erste Lektüre eines Textes von Jane Austen. Und ich war begeistert, wie gut sie sich lesen lässt und wie viel Humor sie enthält. Wenn ich es nicht besser gewusst hätte, wäre mir nicht aufgefallen, dass diese Geschichte bereits 1792 geschrieben wurde.
- Virginia Woolf, Phyllis und Rosamond
Auch dies ist wieder eine Geschichte von Schwestern, die 1906 von Virginia Woolf geschrieben wurde. Auch zu der Zeit hat eine Ehe oder die Ehelosigkeit noch eine ganz andere Bedeutung als heute. Ich habe mich als junge Frau einmal an Virginia Woolf versucht und bin grandios gescheitert. Nun habe ich festgestellt, dass ich inzwischen anscheinend reif genug geworden bin, so dass ich auch Texte von dieser Autorin gut lesen kann.
- Katherine Mansfield, Herr und Frau Taube
Katherine Mansfield wiederum habe ich bereits als junge Frau sehr geliebt. Diese 1921 geschriebene Geschichte handelt von einem jungen Mann, der einer jungen Frau einen Heiratsantrag macht.
- Dorothy Parker, Da wären wir
Dorothy Parker mit ihrer guten Beobachtungsgabe und ihrer spitzen Zunge liebe ich. So ist auch ihre Geschichte von 1931 über ein junges, frisch vermähltes Paar, welches ihre Hochzeitsreise in der Bahn beginnt, einfach groß.
- Alice Munro, Das Bettlermädchen
Diese Geschichte von Alice Munro ist die längste in dieser Sammlung. Es ist fast ein Kurzroman und erzählt die Geschichte einer jungen Frau, die Schwierigkeiten mit ihrer Herkunft hat und dies auch in ihre Beziehung trägt. Diese Geschichte der Nobelpreisträgerin von 2013 ist ursprünglich 1978 erschienen.
- Laurie Colwin, Eine Landhochzeit
Laurie Colwin sagte mir als Autorin bisher nichts, obwohl sie in den USA sehr bekannt ist. Leider sind ihre Bücher und Kolumnen bisher nur in Englisch erschienen. Ihre Geschichte aus 1984 erzählt die Geschichte eines Paares, die zur Hochzeit ihrer besten Freunde fahren. Diese Geschichte wurde übrigens von der Herausgeberin übersetzt.
- Bobbie Ann Mason, Kojoten
Auch diese Autorin war mir bisher noch nicht bekannt. Geboren in Amerika war ein großer Erfolg von ihr und wurde sogar verfilmt. Allerdings gibt es auch von dieser Autorin bisher nichts auf Deutsch. Ihre 1988 geschriebene Geschichte begleitet einen jungen Mann, der noch sich noch nicht sicher ist, ob seine derzeitige Freundin die Richtige für ihn ist.
- Zadie Smith, Das Mädchen mit den Ponyfransen
Zadie Smith ist eine der großen zeitgenössischen britischen Autorinnen, die ihren Durchbruch mit ihrem Roman Zähne zeigen hatte. Von ihr gibt es einiges auf Deutsch zu lesen. 2001 hat sie die Geschichte über Das Mädchen mit den Ponyfransen geschrieben, eine Geschichte über eine Frau, die sich überraschend in eine andere Frau verliebt. Und dies ist für sie ein Grund über das Thema Liebe zu philosophieren.
- Lorrie Moore, Danke, dass ich kommen durfte
Lorrie Moore war zwar bisher an mir vorbeigegangen, aber von ihr gibt es bereits einige Bücher auf Deutsch. Ihre Geschichte erzählt von einer unkonventionellen Hochzeit auf dem Land, zu dem eine Mutter und ihre halbwüchsige Tochter fahren. Diese Geschichte stammt aus 2014.
- Karen Köhler, Polarkreis
Diese Geschichte war meine absolute Lieblingsgeschichte. Sie erzählt von einer jungen Frau, die plötzlich Angst vor ihrer Liebe bekommt und einfach ins Blaue verschwindet. Aber durch Briefe und Karten hält sie Kontakt zu ihrem Liebsten. Karen Köhler ist mit ihrem Debüt einem Erzählungsband- Wir haben Raketen geangelt bekannt geworden. Die Geschichte stammt auch aus 2014.
Ich finde diese Sammlung wunderbar. Es sind tolle, aber gänzlich verschiedene Erzählungen zum Thema Liebe und Heirat. Alle Geschichten wurden von Frauen geschrieben, aber das ist auch kein Wunder, denn der Verlag Edition fünf verlegt schöne Bücher von klugen Frauen. Bücher, die zu schnell vom Markt verschwunden oder nie ins Deutsche übersetzt worden sind. Leseglück zum (Wieder-)Entdecken und Weitertragen. (zitiert von der Webseite des Verlags). Bis auf die letzte Geschichte sind alles Übersetzungen aus dem Englischen, aber dort sind ja auch gerade diese kurzen Erzählformen Zuhause. Für mich ist dieses Buch eine schöne Möglichkeit gewesen, neue Autorinnen kennenlernen zu dürfen. Es ist ein tolles Buch zum Verschenken oder um es sich selbst zu schenken. Und dazu muss keine Hochzeit im Raum stehen!
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