Ingeborg-Bachmann-Preisträgerin 2021 Es gibt Wörter, die wir nicht kennen. Deren Bedeutung wir aber erahnen. Als wären sie immer schon hier gewesen. Als hätten sie schon immer in uns gewohnt. Und manchmal wollen sie endlich ausgesprochen werden.
Als ihre Großmutter stirbt, diese eigenwillige Frau, die stets einen unpassenden Witz auf den Lippen hatte, beschließt Mona, ein letztes Mal in den Iran zu fliegen. Gemeinsam mit ihrer Mutter wagt sie die Reise in die trügerische Heimat. Der Rückflug in ihr Kölner Leben zwischen Coworking und Clubszene ist schon gebucht. Doch dann überredet sie ihr iranischer Langzeitliebhaber Ramin zu einem Abschiedstrip nach Bam, in jene Stadt, die fünf Jahre zuvor von einem Erdbeben komplett zerstört wurde. Und Monas Mutter schließt sich den beiden an. Die Fahrt wird für Mona zu einer Konfrontation mit ihrer eigenen Identität und ihrer Herkunft, über die so vieles im Ungewissen ist. Aber manchmal wird uns das Fremde zum heimlichen Vertrauten. Und über das, was uns vertraut schien, wissen wir so gut wie nichts.
Kundinnen und Kunden meinen
4.8/5.0
Manu
Book Circle Community
5/5
05.12.2023
Buch (Gebundene Ausgabe)
Häppchenweises Eintauchen in eine unbekannte Kultur
Die Idee, die Leserschaft anhand 16 Wörter auf eine kulturelle Reise zwischen Deutschland und dem Iran mitzunehmen, ist genial. Irgendwie zusammenhängend und doch irgendwie voneinander losgelöst lesen sich die einzelnen Kapitel flüssig und authentisch. Neben spannenden und überraschenden Einblicken in die persische Kultur, lässt einen die Autorin auch an der teils verklemmten, teils enthemmten Gedankenwelt der Hauptfigur teilhaben. Dies ist ihr inhaltlich wie auch sprachlich ausserordentlich präzise und lebendig gelungen.
Ich habe dieses zeitgemässe Buch sehr gerne gelesen und war vom Aufbau in 16 gut lesbare Kapitel äusserst angetan. Anstatt eines dramatischen Familienepos, bekam ich auf unaufgeregte Art die Realität wohl vieler tausend Menschen präsentiert und hatte ein faszinierendes Leseerlebnis, das mich auch nachdenklich zurücklässt.
Bewertung
aus Gmunden
5/5
04.09.2021
Buch (Gebundene Ausgabe)
!لطفا این کتاب را بخوانید
Nava Ebrahimi stellt uns sechzehnn Wörter vor für die es so eigentlich keine direkte Übersetzung gibt. Während man das Geschehen rund um die in Köln lebende Mona die persische Wurzeln hat verfolgt, lernt man wann, wo und wie diese Wörter zu Gebrauch kommen.
Ich persönlich kann mich an vielen Stellen des Buches mit Mona identifizieren da auch ich als Sohn persischer Migranten das Glück habe seit meiner Geburt zwei so unterschiedliche Kulturen kennenlernen zu dürfen.
Eine bemerkenswert gute Lektüre die nicht nur dafür sorgt, dass die linguistuscher Gehrinzellen wieder etwas reaktiviert werden sondern, das auch in den Backstagebereich des modernen Iran führt.
Juliane
aus Hofheim
5/5
22.02.2019
Buch (Gebundene Ausgabe)
Bittersüß und melancholisch
Ab und zu wage ich es aus meiner Genre-Komfortzone zu entwischen und suche mir ein Buch heraus, das meinen Horizont erweitern soll. Die Wahl ist dieses Mal auf „Sechzehn Wörter“ gefallen. Den Iran kenne ich nur aus den Nachrichten, gelesen habe ich noch nichts über oder aus dem Land. Es wurde also höchste Zeit!
Ich bin sehr froh, dass ich „Sechzehn Wörter“ gefunden habe. Der Roman ist sehr lesenswert. Der Beginn ist sehr leicht, Mona nimmt den Leser gut auf, erzählt von ihrer Großmutter, die ja auch der Grund ist, warum Mona aus Deutschland in den Iran fliegt. Die Großmutter ist herrlich unterhaltsam und witzig. Es ist wie eine Telenovela – ihre derben Sprüche, ihre traditionelle Denkweise und diese harte Ehrlichkeit. Sie spiegelt viele Iranerinnen der älteren Generation wider, da erkennt man im Laufe der Geschichte.
Im Bezug auf die Erwartungen an eine junge Frau, die Regeln und Vorgaben entsprach es meinen Vorstellungen. Gleichzeitig war es auch anders. Lustiger, hinterfragender, menschlicher. Die Verbindung zwischen den Frauen, die gegenseitige Hilfe. Und die Modernität der jüngeren Frauen.
Im Laufe des Romans lernte ich Mona näher kennen. Sie ist im Iran geboren, doch lebt in Deutschland. Sie vergleicht die Länder oft, sieht Parallelen und noch mehr die Unterschiede. Sie erklärt es anhand von Wörtern, die zu Szenen aus ihrem Leben führen. Der Ansatz war echt gut, denn es waren fast alles Wörter, die man in Deutschland nicht kennt oder nicht verwendet. Sie konnte die Wörter nicht einfach 1 zu 1 übersetzen, sondern sie zeigte es mit Momenten aus dem Leben.
Ich tauchte ein in die Welt von Mona. Die Zerrissenheit zwischen zwei Länder. Sie war nirgends heimisch und vereinte doch beide Länder in sich. Es ist kein Roman über ihre Entwicklung als Charakter. Es ist ihre Geschichte, die sie erzählt. Und obgleich der Großteil des Romans aus Momenten bestand, ist es eine fortlaufende Geschichte. Es ist viel über die Beziehungen von Mona. Zu Ramin, ihrem alten Geliebten und zu ihrer Mutter. Das irritierte mich zunächst, da ich ihr Verhältnis nicht einschätzen konnte. Zum Ende hin war ich sehr gerührt. Die Entwicklung dieser Beziehung ist bittersüß.
So durchlief ich verschiedene Phasen beim Lesen: Von Heiterkeit bis hin zu Melancholie. Dieser Roman bietet viele Einblicke. Ich lernte viel über den Iran und die Menschen dort. Doch gleichzeitig bin ich mir bewusst, dass ich hier Monas Geschichte las und bin mir sicher, dass es viele Menschen gibt, die den Iran anders kennen. Vielleicht härter, vielleicht verständnisvoller. Dieser Roman war ein Einstieg und ich bin begeistert. Ich hoffe, die Autorin schreibt nach diesem tollen Debut viele weitere Werke!
Fazit:
„Sechzehn Wörter“ bietet eine melancholische, witzige und bittersüße Geschichte. Völlig offen ging ich an die Geschichte heran und wurde so positiv überrascht. Nicht nur über den Iran als Land habe ich viel gelernt, auch über die dortige Kultur und die Gepflogenheiten. Der Schreibstil ist locker, der Roman lässt sich super leicht lesen. Während der Inhalt ebenso leicht beginnt, entwickelt sich hier eine tiefgründige und so berührende Geschichte.
Definitiv ein Lesetipp!
"Sechzehn Wörter" ist ein Roman, der mir die iranische Kultur ein klein wenig näher bringen konnte, In sechzehn Worten, die Monas leben prägen erhalten wir Einblicke in eine Welt, die mir fremd war und je mehr ich las nicht mehr unverständlich blieb, sondern beeindrucken konnte. Nach dem Tod der Großmutter setzt sich Mona mit ihren Wurzeln auseinander und dies geschieht zwar allmählich, wird aber von Seite zu Seite eindrücklicher. Gerade der Schreibstil konnte mich überzeugen, da die Worte fließen und mich mitnehmen konnte in eine sehr interessante Lebensgeschichte und eine Kultur, die mir irgendwann nicht mehr fremd erschien. Für mich war "Sechzehn Wörter" intensiv, da sich die Story hauptsächlich auf Mona konzentrieren konnte und natürlich auch auf Sitten und Gebräuche des besuchten Landes. Es ist ein Roman der nicht überfordert oder eigentümlich auf seine Leserschar wirkt, da es authentisch bleibt und mich dadurch besonders anrühren konnte. Hervorgehoben werden Familienbande, die auch zerbrechen können und dennoch bestehen bleiben, da Familie wertgeschätzt wird. Auch wenn man viele Meilen auseinander lebt bleibt man verbunden. Besonders herrlich sind die Rückblicke auf die Großmutter, die mir äußerst herzlich erschien und deren Lieblingswort "Kos" mir immer wieder ein Lächeln ins Gesicht zaubern konnte. Für mich war "Kos" bisher eine Insel in Griechenland und nun werde ich sicherlich grinsen müssen, sobald jemand "Kos" sagen wird, da ich nun auch eine andere Bedeutung kenne.
"Sechzehn Wörter" ist ein Roman mit dem ich mich gerne auseinandergesetzt habe, denn die mitunter naive analytische Suche nach Wahrheit und Erkenntnis konnten mich überzeugen. Mona steht zwischen zwei Kulturen und auch wenn ich dieser fremden Welt mitunter misstrauisch entgegenblicken konnte, war ich am Ende fasziniert und auch aufgeklärter was Begebenheiten und Traditionen betrifft. "Sechzehn Wörter" hat mich überzeugt und daher vergebe ich gerne eine Leseempfehlung. Die knapp 2000 Seiten waren fast schon zu zügig gelesen, denn mein Interesse an Land, Kultur und Tradition war geweckt und ich hätte hier und da gerne mehr Einblicke in Gepflogenheiten erhalten. Dennoch war die Story rund und ich finde nichts, was ich bemängeln müsste. Außergewöhnlich, warmherzig und interessant gestaltete sich jede Buchseite und nahm mich mit auf eine Suche nach Identität.
Kurze Frage zu unserer Seite
Vielen Dank für Ihr Feedback
Wir nutzen Ihr Feedback, um unsere Produktseiten zu verbessern. Bitte haben Sie Verständnis, dass wir Ihnen keine Rückmeldung geben können. Falls Sie Kontakt mit uns aufnehmen möchten, können Sie sich aber gerne an unseren Kund*innenservice wenden.