Donald Sullivan, von allen nur Sully genannt, führt ein bequemes Leben in der verschlafenen Kleinstadt North Bath. Obwohl er geschieden ist, sein kaputtes Knie ihm immer wieder Ärger macht und er seit Langem eine Affäre mit einer verheirateten Frau hat, ist er mit seinem Leben zufrieden. Schon immer hat er sich gründlich vor jeder Verantwortung gedrückt ob als Ehemann, als Vater oder als Untermieter seiner ehemaligen Highschool-Lehrerin. Jetzt holt ihn der Ernst des Lebens ein: Denn nicht nur sein Enkel, der aus einer zerstrittenen Familie flieht, braucht auf einmal seine Hilfe.
Mit leiser Ironie und viel Verständnis für die Verrücktheiten seiner kauzigen Figuren erzählt Richard Russo vom Amerika der kleinen Leute.
Ein grundzufriedener Mann ist die Neuausgabe eines Klassikers: Mit diesem Buch, das unter dem Originaltitel Nobodys Fool mit Paul Newman verfilmt worden ist, etablierte sich Richard Russo in der ersten Riege amerikanischer Romanciers. Jetzt liegt das Werk erstmals in vollständiger deutscher Übersetzung vor.
Ein faszinierender Roman voll schräger Typen. JOHN IRVING
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Das Feld der Kleinstadtgerechtigkeit
mimitatis_buecherkiste aus Krefeld am 10.05.2024
Bewertungsnummer: 2198090
Bewertet: Buch (Taschenbuch)
In der ruhigen Kleinstadt North Bath leben allerlei skurrile Personen, eine davon ist Donald Sullivan, von allen nur Sully genannt. Wenn er nicht gerade einer Gelegenheitsarbeit nachgeht, die im allgemeinen schwarz bezahlt wird, findet man ihn bei Hatties, während er seinen Kaffee trinkt, oder in der letzten Kneipe der Stadt an der Theke. Verantwortung ist ihm fremd, Glück ebenso und Pech sein zweiter Vorname. Als die Ehe seines Sohnes Peter zerbricht und dieser mit seinem Sohn Will bei Sullys Ex-Frau Vera Unterschlupf findet, nähern Vater und Sohn sich allmählich an.
Richard Russo hat mit dem vorliegenden Buch ein Bild von einem Amerika jenseits des Glamours gezeichnet. Eine heruntergekommene Kleinstadt, seit Jahrzehnten im Sterben begriffen, dazu ein Potpourri an Einwohnern jedes Alters und jeder Schicht, Freundschaften, Feindschaften und jede Menge spleeniger Charaktere ergeben mit der Suche nach dem großen Glück, dem manch einer der Bewohner nachjagt, eine Geschichte, die mich über 777 Seiten lang wunderbar unterhalten hat und doch kann ich nicht genug davon bekommen. Da ist Rub, der beste Freund von Sully und nicht die hellste Kerze auf der Torte, gelinde gesagt, der aber unermüdlich an dessen Seite steht und jede Arbeit verrichtet, die Sully besorgt, zufrieden damit, seinem Kumpel zu gefallen. Oder Carl, ein wohlhabender Bauunternehmer, der die miesesten Arbeiten an Sully delegiert, dessen Not er ausnutzt, der verheiratet ist mit der schönsten Frau der Stadt und trotzdem seinen Willi nicht im Hosenstall lassen kann. Der einbeinige Anwalt, starker Alkoholiker und kaum in der Lage, einen Rechtsstreit zu gewinnen, könnte das Bild abrunden, wenn es nicht noch viele andere Figuren gäbe, die ähnlich extravagant bis originell wären, allen voran Sully, der tragische Held. Sully hat viele gute Eigenschaften, aber zeigen kann er sie meistens nicht. Dennoch hat er, genauso wie die meisten Einwohner von North Bath, das Herz auf dem richtigen Fleck, denn wenn es darauf ankommt, kommt er zur Hilfe, allerdings nur, wenn er es vorher nicht vergisst.
Der großartige Schreibstil und das immense Talent von Richard Russo, der ein meisterhafter Geschichtenerzähler ist, machen das Buch zu einem Lesevergnügen der besonderen Art. Auf keiner einzigen Seite des Buches kam Langeweile auf, nie habe ich das Gefühl, eine Kürzung hätte der Story gutgetan. Im Gegenteil könnte ich weitere hundert Seiten lesen und bekäme trotzdem nicht genug. Mit einem feinen Humor und mit genügend Ironie gespickt, hält Russo der Gesellschaft einen Spiegel vor und lässt seine Figuren in Situationen schlittern, die alltäglich sind. Die Situationskomik lässt mich immer wieder auflachen, sogar wenn die Umstände eher tragisch, als lustig sind. Die Verzweiflung ist oft spürbar, wechselt sich ab mit Hoffnung und der Sehnsucht nach Glück. Am Ende bin ich traurig, dass die Reise zu Ende ist, aber auch glücklich, dass ich dabei sein durfte, und ganz besonders, dass es weitergeht mit North Bath und seinen Bewohnern, denn mit dem Folgewerk „Ein Mann der Tat“ geht es für mich dahin zurück. Ich kann es kaum erwarten und freue mich!
EIN GRUNDZUFRIEDENER MANN…
hamburger.lesemaus aus Bargfeld-Stegen am 06.03.2024
Bewertungsnummer: 2842455
Bewertet: Buch (Taschenbuch)
EIN GRUNDZUFRIEDENER MANN Richard Russo Donald Sullivan, von allen nur „Sully“ genannt, führt eigentlich ein ganz normales Leben in Bath, Upstate New York. Allerdings immer so ein bisschen am Rande der Legalität, denn er arbeitet schwarz und sollte sich dabei nicht erwischen lassen. Nicht nur, dass es strafbar wäre, sondern auch die halbe Pension, die er monatlich bezieht, müsste er wieder dem Staat zurückzahlen. Wenn das geschähe, hätte er direkt das nächste Problem, denn Sully hat kein Geld. Wenn er nicht gerade umsonst für jemanden arbeitet oder Freundschaftsdienste erweist, schließt er Pferdewetten ab, verspielt sein Geld am Pokertisch oder versäuft es in der Bar. Man könnte meinen, Sully hätte gerade eine richtige Pechsträhne, denn auch sein Auto ist völlig verrostet und springt nicht mehr an und zu allem Überfluss will der Sohn seiner Vermieterin ihn am liebsten die Wohnung kündigen. Ja, es läuft einfach gerade nicht gut - und das im buchstäblichen Sinne, denn nach dem Sturz von der Leiter aus 5 Meter Höhe ist auch sein Knie angeschwollen und seine langjährige Geliebte scheint ihm gerade den Laufpass zu geben. Es wird einfach nie langweilig mit Sully. Ich könnte euch jetzt auch noch etwas von eingeklemmten Registrierkassen, Schneefräsen und Dolly erzählen, aber lest das Buch doch einfach selber und dann wisst ihr, was ich meine … Russo ist ein Meister des Geschichtenerzählens. Liebevoll, minutiös und mit unglaublich viel Charme zeichnet der Autor seine individuellen Charaktere, beschreibt skurrile Situationen, ja ein ganzes Dorfleben, wo jeder jeden kennt, und lässt mich so als Leser an einem ganzen Leben eines grundzufriedenen Mannes teilhaben. Dabei sind die Dialoge zum Teil urkomisch, dass ich laut lachen musste. Als ich das Buch zurück in das Regal stellte, hatte ich das Gefühl, gerade aus Bath zurückgekehrt zu sein. Auch bei fast 800 Seiten habe ich mich nicht einmal gelangweilt, aber es muss gesagt werden, dass derjenige, der Spannung sucht, hier bei Russo falsch ist. Für mich war es eine gelungene Unterhaltung und ich habe den #dickenschinken in nur vier Tagen beendet, alleine das spricht für sich. Dieses Buch ist das erste von drei Bänden, wo der Autor uns in die New Yorker Vorstadt Bath schickt. Den zweiten Band „Ein Mann der Tat“ möchte ich unbedingt bald lesen, bevor der dritte Band „Von guten Eltern“ am 15. Mai hier im Dumontbuchverlag erscheint. Fazit: Ein Buch, das meinen Humor widerspiegelt! Sehr gute Unterhaltung und nach diesem dicken Buch sind die Muskeln wieder gestärkt! 4½ / 5
Meinung aus der Buchhandlung
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Richard Russo ist ein scharfsinniger Beobachter und erzählt psychologisch geschickt von den Ängsten, Sorgen, Nöten und Träumen seiner Charaktere.Seine schrägen Loser geben nie auf.
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