Gabriella braucht eine Auszeit und ist nach vielen Jahren in das Haus ihrer Familie zurückgekehrt. Mit Blick auf die toskanischen Hügel liegt sie in ihrem Bett und beschließt, es den ganzen Sommer nicht mehr zu verlassen. Wer sie sehen will, muss sich zu ihr legen. Und alle kommen, vom Schornsteinfeger bis zum Pfarrer. Sie reden auch über Gabriellas Mutter, die rätselhafte amerikanische Schauspielerin, die eines Tages für immer verschwand ...
Kundinnen und Kunden meinen
4.5/5.0
Bewertung
aus Wasserburg
5/5
05.06.2020
Buch (Taschenbuch)
Die Italienerin, die das ganze Dorf in Ihr Bett einlud
Für mich ist es mein erstes Buch von Gaby Hauptmann, doch es wird definitiv nicht das letzte gewesen sein! Aber ich beginne mal von vorne: Ich bin auf das Buch Aufmerksam geworden, weil der Cover sehr Interessant war, das Cover ist schön bunt und zeigt auch eine wunderschöne Aussicht, die zum Träumen einlädt ( auch spontan zum Kofferpacken und einfach-nach-Italien-verreisen!), "Die Italienerin, die das ganze Dorf in ihr Bett einlud". Ein Schelm, wer über diese Formulierung böses denkt ;) die Gedanken sind anderst Gott sei Dank. Gabriella braucht eine Auszeit: von ihrem Beruf und ihrer Beziehung. Der Tod ihres geliebten Vaters bringt sie dazu, von der hektischen und immer wachen Stadt New York in ihre Heimat Castello in die Toskana zu ziehen - oder auch zu flüchten. So weit, so gut - oder so "normal". Doch was ist schon normal? Auf der Beerdigung ihres Vaters merkt sie dann, dass sie tatsächlich eine Auszeit braucht und zwar vom Leben und all seinen Einflüssen. Ihr Vater war ihr einziger Haltepunkt und Fixpunkt, ihre Mutter verließ sie, als sie noch ein kleines Kind war und so bricht mit seinem Tod ein Stück ihrer Welt zusammen. Wie also soll es weiter gehen? Kann es überhaupt weiter gehen? Gabriella möchte eine Frage auf die Antworten haben, beschließt, sich ins Bett zu legen und dort nicht eher wieder herauszukommen, bis sie alles durchdacht und geklärt hat. Wer auch immer sie besuchen komme wolle, solle sie in ihrem Bett aufsuchen. Somit ist eine ziemlich ungewöhnliche Einladung ausgesprochen. Und - was mich zunächst verwundert hat - die Menschen haben die Einladung tatsächlich angenommen! Anfangs waren die Treffen etwas verunsichert und distanziert, die Neugierde der Leute hat überwogen, doch wo kann man offener reden und ohne irgendwelche Ängste, als in einem Bett - oder, wie in Gabriellas Fall - in ihrem eigenen Bett?! Als Leser erhält man auf diese eher ungewöhnliche Art und Weise zu trauern, einen tiefen Einblick in Gabriellas Leben, aber auch in das Leben ihres Vaters. Die Leute reden offen mit ihr und erzählen ihr viele Geschichten über ihren Vater, der ihr in einigen Dingen doch unbekannt war. So zeichnet sich nach und nach ein deutliches Bild von dem auch mir als Leserin unbekannten Verstorbenen ab - bis er irgendwann kein Unbekannter mehr ist. Und Gabriella ist eine sehr gute Zuhörerin. Die Menschen im Ort fassen immer mehr Vertrauen zu Gabriella und kommen auch mit ihren eigenen Problemen zu ihr. Die Rolle, die einst ihrem Vater zugestanden hatte, hat nun sie eingenommen, wenn auch auf unkonventionelle Art und Weise. Doch irgendwann ist es genug. Nach fast zwei Wochen verlässt sie ihr Bett. Es ist Zeit zu handeln, Fragen, die sich ihr stellen, zu beantworten und auch ein Geheimnis zu lüften, das sie seit ihrer Kindheit gequält hat: lebt ihre Mutter noch? Warum hat sie die Familie verlassen? War es die Schuld von Gabriella? Wie ihr lesen könnt, beinhaltet das Buch wirklich keine "leichte" Geschichte. Es geht um vielmehr: um den Tod, die Trauer Bewältigung auf eine interessante Art und Weise, darum, den wahren Menschen hinter der verstorbenen Person kennen und neu lieben zu lernen und auch die Vergangenheit zu bewältigen und eventuell diese einen Schritt in die Gegenwart wagen zu lassen. Gaby Hauptmann hat eine Geschichte niedergeschrieben, die ans Herz geht, zum Nachdenken anregt, aber die man auf keinen Fall wieder so leicht vergessen wird!
Marcs Bücherecke
4/5
15.04.2020
Buch (Taschenbuch)
Eine Frau im Bett - auf eine ganz neue Art und Weise
Gaby Hauptmann gehört schon seit vielen Jahren für mich zur Elite der Frauenliteratur, sind ihre Bücher doch immer gespickt mit einer großen Brise Situationskomik ohne zusehr in irgendwelche Klischees zu rutschen.
Ich würde lügen, wenn ich sage, dass die Bücher von Gaby Hauptmann nicht durchaus auch ein wenig vorhersehbar seien, aber hier finde ich: auf die Verpackung kommt es an.
Ihr Schreibstil ist locker aber nicht plump; ihre Charaktere sind zwar nicht das, was ich besonders vielschichtig nenne, aber sie sind irgendwie doch Eines - nämlich einfach herrlich menschlich. Mit Fehlern und Macken, die teilweise zwar sehr typisiert sind, aber mal Hand aufs Herz: Genau das macht einen Roman dieses Genres doch aus, oder?
Besonders gelungen finde, wie es Frau Hauptmann gekonnt gelungen ist, das "Lästern" über Gabriellas Angeohnheit, jeden in ihr Bett einzuladen einzufangen.
Die Geschichte ist auf den ersten Blick sehr seicht und dümpelt die ersten Kapitel auch sehr vor sich hin, weist gegen Ende aber einen Tiefgang auf, für den ich Gaby Hauptmann so mag.
Auch hier findet man sich plötztlich umringt von Aussagen, von denen man nicht weiß, welche man jetzt explizit glauben soll.
Wer meint es gut mit Gabriella? Diese Frage schoss mir ebenfalls regelmäßig durch den Kopf.
Fazit:
Bestimmt nicht der beste Roman, den es gibt. Dennoch perfekt geeignet, um einige schöne Stunde auf der Couch, der Terrasse oder im Bett zu verbringen.
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