Golden Boy

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Roman

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Beschreibung


Aravind Adigas dritter Roman erzählt von zwei jungen Brüdern auf der Suche nach sich selbst, vom Sport als Aufstiegschance und gnadenlosem Wettbewerb, von jungen Talenten und alten Talentsuchern, von Liebe und Ausbeutung, von Leidenschaft und Gewalt. Manjunath Kumar ist vierzehn. Er weiß, dass er ein guter Kricketspieler ist, vielleicht sogar so gut wie sein älterer Bruder Radha. Er weiß, warum er seinen dominanten und sportbesessenen Vater fürchtet, seinen brillanten Bruder bewundert und von der Welt amerikanischer Serien sowie interessanter wissenschaftlicher Fakten fasziniert ist. Aber es gibt vieles, das er noch nicht weiß - über sich selbst und die Welt um ihn herum …

Als er Radhas großen Rivalen kennenlernt, einen privilegierten Jungen voller Selbstvertrauen, beginnt sich für Manju alles auf den Kopf zu stellen und er muss Entscheidungen treffen, die seine Welt verändern. Suggestiv und sensibel, bissig und schwungvoll – ein neuer, eindrucksvoller Roman des indischen Bestsellerautors und Booker-Prize-Gewinners.


Aravind Adiga, geboren 1974 in Madras, wuchs zeitweise in Sydney, Australien, auf, studierte Englische Literatur an der Columbia University und am Magdalen College in Oxford. Er arbeitete als Korrespondent für die Zeitschrift Time und für die Financial Times. Er lebt in Mumbai, Indien. Sein erster Roman "Der weiße Tiger" gewann den Booker Prize und erschien in fast 40 Ländern.

Claudia Wenner lebt als Schriftstellerin, Publizistin und Übersetzerin in Frankfurt und Pondicherry. Sie übersetzte u. a. Werke von Virginia Woolf und gab eine Anthologie indischer Literatur heraus, "Die Geister Indiens" (2006).

Details

Einband

Gebundene Ausgabe

Erscheinungsdatum

19.09.2016

Verlag

C.H.Beck

Seitenzahl

335

Maße (L/B/H)

22,1/14,4/3,5 cm

Gewicht

578 g

Beschreibung

Details

Einband

Gebundene Ausgabe

Erscheinungsdatum

19.09.2016

Verlag

C.H.Beck

Seitenzahl

335

Maße (L/B/H)

22,1/14,4/3,5 cm

Gewicht

578 g

Auflage

1

Originaltitel

Selection Day

Übersetzer

Claudia Wenner

Sprache

Deutsch

ISBN

978-3-406-69803-3

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Im Leben gibt es nichts umsonst

Bewertung aus Hahnenbach am 03.11.2016

Bewertet: Buch (Gebundene Ausgabe)

Falls ich dieses Buch in einer bestimmten Schublade ablegen müsste, würde ich es in der Kategorie Entwicklungsroman einordnen. Die Brüder Manjunath und Radha leben in Mumbai (Indien) in äußerst ärmlichen Verhältnissen. Schon sehr früh erkannte deren Vater, dass beide großes Talent für den Nationalsport Cricket haben. Das macht ihn auf der einen Seite stolz und zeigt ihm auf der anderen Seite eine Möglichkeit, wie sie den Slums entkommen können Anfangs ist es nicht einfach, in diesem Roman anzukommen. Das liegt einerseits an den vielen fremden Namen, die man mitunter nur schwer zuordnen kann, auf der anderen Seite an den Eigenarten dieser fremden Kultur. Doch das Lesen lohnt sich! Ich glaube, für jemanden der bereits einen Bezug zu Indien hat, geht das Eintauchen in das Leben, den Alltag der Protagonisten problemloser und schneller. Aber ist es nicht gerade das, was ein Buch soll - den Leser auf eine andere Kultur neugierig machen, das Interesse am Unbekannten wecken und den Wunsch befeuern, sich mit dieser anderen Kultur, dieser unbekannten Lebensform zu beschäftigen, damit man die Welt etwas besser versteht? Nach dem Lesen von "Golden Boy" ist man um viele Gedanken und Erkenntnisse reicher. Doch zurück zu dem Roman. Die Mutter verließ die Familie, als die Kinder noch klein waren und so ist der Vater Mohan Kumar, sowohl für die Erziehung der beiden Jungen, als auch für den Unterhalt seiner kleinen Familie alleine verantwortlich. Der einzige Weg den Slums von Mumbai zu entkommen, sieht er in der Förderung des Talentes seiner Söhne für den Nationalsport Cricket. Seine Methoden sind eigenartig, um nicht zu sagen, dass diese den Leser zum Teil abstoßen. Aber letztlich führt dieser Drill beide Jungen zum Erfolg im Sport. Sie werden von Tommy Sir, einem Talentsucher, für Cricket entdeckt. Der Autor schreibt in einer sehr schönen, an einigen Stellen fast blumigen Sprache. Doch es finden sich auch Passagen voller Lebensweisheiten. Z. B. Seite 54: "Rache ist der Kapitalismus der Armen: die Art und Weise, wie sie die ursprüngliche Wunde bewahren, unmittelbare Genugtuung aufschieben, die erste Beleidigung mit neuen Beleidigungen mästen, Bosheit investieren und reinvestieren und auf den perfekten Augenblick warten, um zurückzuschlagen." Allein schon über diesen Satz lohnt es sich, intensiv nachzudenken. Mohan Kumar, präsentiert seinen Söhnen voller Stolz einen Vertrag auf einer Serviette des MIG-Club geschrieben und sagt, (S. 54/55) "Worte haben Zauberkraft, merkt euch dies: Worte haben Zauberkraft". Doch im Leben gibt es nichts umsonst. Das Training bestimmt den Tagesablauf von Manjuhta und Radha. Javed, Manjus Freund prophezeit ihm, er werde zum Sklaven des Cricket und der Geldgeber, die seine Ausbildung bezahlen. Aber es ist nicht nur der Sport, von dem Manju verwirrt ist, sondern auch seine sexuelle Orientierung. Wer ist er? Schwulsein gehört in Indien wohl zu dem Schlimmsten, was einem jungen Mann widerfahren kann und er ist sich nicht sicher, findet sich sein Platz in dieser ausgegrenzten Gruppe oder vielleicht doch nicht? Der Autor, Aravind Adiga, lässt auf S. 116 Mehta (dieser finanziert die Cricket-Ausbildung der Brüder, erhofft dabei für sich selbst das große Geld, sobald sich die sportlichen Erfolge einstellen) eine bemerkenswerte Aussage über Indien machen: "...Ach, Cricket. Ich sage immer, wir mussten die Engländer erst loswerden, um die Vorteile der englischen Zivilisation genießen zu können". Einige Zeilen weiter, ebenfalls auf S. 116 wird es richtig provokant, als Metha einem Amerikaner seine recht persönliche und sonderbare Version, weshalb Cricket von der Regierung Indiens per Gesetz vorgeschrieben wurde mitteilt: "...Wissen sie, wir sitzen auf einer Zeitbombe: Weil Mädchen im Mutterleib getötet werden, fehlen unserer Bevölkerung ungefähr zehn Millionen Frauen....... Ich prophezeie ihnen, dass junge indische Männer zunehmend geistesgestört werden, weil sie keine Frauen zum Heiraten finden, und nicht einmal welche, mit denen sie sich paaren können. ...Nur eines kann uns vor diesem geballten bösartigen Hindu-Testosteron schützen: Cricket......". Dies ist wohl eine der eigenwilligsten Interpretationen in Bezug auf die Beliebtheit dieses Sports, die man sich vorstellen kann. Wer sich erhoffte, einen Roman mit einem platten Happy end zu lesen, der wird enttäuscht sein. Liebe und Ausbeutung, Leidenschaft und Gewalt gehen Hand in Hand. Auch am Ende sind da sowohl Licht und Schatten zugleich. Mit dem Vater Mohan Kumar brechen beide Söhne. Doch dieser hat sein Ziel erreicht, seine beiden Jungen sind den Slums von Mumbai entronnen.

Im Leben gibt es nichts umsonst

Bewertung aus Hahnenbach am 03.11.2016
Bewertet: Buch (Gebundene Ausgabe)

Falls ich dieses Buch in einer bestimmten Schublade ablegen müsste, würde ich es in der Kategorie Entwicklungsroman einordnen. Die Brüder Manjunath und Radha leben in Mumbai (Indien) in äußerst ärmlichen Verhältnissen. Schon sehr früh erkannte deren Vater, dass beide großes Talent für den Nationalsport Cricket haben. Das macht ihn auf der einen Seite stolz und zeigt ihm auf der anderen Seite eine Möglichkeit, wie sie den Slums entkommen können Anfangs ist es nicht einfach, in diesem Roman anzukommen. Das liegt einerseits an den vielen fremden Namen, die man mitunter nur schwer zuordnen kann, auf der anderen Seite an den Eigenarten dieser fremden Kultur. Doch das Lesen lohnt sich! Ich glaube, für jemanden der bereits einen Bezug zu Indien hat, geht das Eintauchen in das Leben, den Alltag der Protagonisten problemloser und schneller. Aber ist es nicht gerade das, was ein Buch soll - den Leser auf eine andere Kultur neugierig machen, das Interesse am Unbekannten wecken und den Wunsch befeuern, sich mit dieser anderen Kultur, dieser unbekannten Lebensform zu beschäftigen, damit man die Welt etwas besser versteht? Nach dem Lesen von "Golden Boy" ist man um viele Gedanken und Erkenntnisse reicher. Doch zurück zu dem Roman. Die Mutter verließ die Familie, als die Kinder noch klein waren und so ist der Vater Mohan Kumar, sowohl für die Erziehung der beiden Jungen, als auch für den Unterhalt seiner kleinen Familie alleine verantwortlich. Der einzige Weg den Slums von Mumbai zu entkommen, sieht er in der Förderung des Talentes seiner Söhne für den Nationalsport Cricket. Seine Methoden sind eigenartig, um nicht zu sagen, dass diese den Leser zum Teil abstoßen. Aber letztlich führt dieser Drill beide Jungen zum Erfolg im Sport. Sie werden von Tommy Sir, einem Talentsucher, für Cricket entdeckt. Der Autor schreibt in einer sehr schönen, an einigen Stellen fast blumigen Sprache. Doch es finden sich auch Passagen voller Lebensweisheiten. Z. B. Seite 54: "Rache ist der Kapitalismus der Armen: die Art und Weise, wie sie die ursprüngliche Wunde bewahren, unmittelbare Genugtuung aufschieben, die erste Beleidigung mit neuen Beleidigungen mästen, Bosheit investieren und reinvestieren und auf den perfekten Augenblick warten, um zurückzuschlagen." Allein schon über diesen Satz lohnt es sich, intensiv nachzudenken. Mohan Kumar, präsentiert seinen Söhnen voller Stolz einen Vertrag auf einer Serviette des MIG-Club geschrieben und sagt, (S. 54/55) "Worte haben Zauberkraft, merkt euch dies: Worte haben Zauberkraft". Doch im Leben gibt es nichts umsonst. Das Training bestimmt den Tagesablauf von Manjuhta und Radha. Javed, Manjus Freund prophezeit ihm, er werde zum Sklaven des Cricket und der Geldgeber, die seine Ausbildung bezahlen. Aber es ist nicht nur der Sport, von dem Manju verwirrt ist, sondern auch seine sexuelle Orientierung. Wer ist er? Schwulsein gehört in Indien wohl zu dem Schlimmsten, was einem jungen Mann widerfahren kann und er ist sich nicht sicher, findet sich sein Platz in dieser ausgegrenzten Gruppe oder vielleicht doch nicht? Der Autor, Aravind Adiga, lässt auf S. 116 Mehta (dieser finanziert die Cricket-Ausbildung der Brüder, erhofft dabei für sich selbst das große Geld, sobald sich die sportlichen Erfolge einstellen) eine bemerkenswerte Aussage über Indien machen: "...Ach, Cricket. Ich sage immer, wir mussten die Engländer erst loswerden, um die Vorteile der englischen Zivilisation genießen zu können". Einige Zeilen weiter, ebenfalls auf S. 116 wird es richtig provokant, als Metha einem Amerikaner seine recht persönliche und sonderbare Version, weshalb Cricket von der Regierung Indiens per Gesetz vorgeschrieben wurde mitteilt: "...Wissen sie, wir sitzen auf einer Zeitbombe: Weil Mädchen im Mutterleib getötet werden, fehlen unserer Bevölkerung ungefähr zehn Millionen Frauen....... Ich prophezeie ihnen, dass junge indische Männer zunehmend geistesgestört werden, weil sie keine Frauen zum Heiraten finden, und nicht einmal welche, mit denen sie sich paaren können. ...Nur eines kann uns vor diesem geballten bösartigen Hindu-Testosteron schützen: Cricket......". Dies ist wohl eine der eigenwilligsten Interpretationen in Bezug auf die Beliebtheit dieses Sports, die man sich vorstellen kann. Wer sich erhoffte, einen Roman mit einem platten Happy end zu lesen, der wird enttäuscht sein. Liebe und Ausbeutung, Leidenschaft und Gewalt gehen Hand in Hand. Auch am Ende sind da sowohl Licht und Schatten zugleich. Mit dem Vater Mohan Kumar brechen beide Söhne. Doch dieser hat sein Ziel erreicht, seine beiden Jungen sind den Slums von Mumbai entronnen.

Ein unberechenbarer Roman über das Schicksal zweier Brüder und der Verlockung des schnellen Ruhms

louella2209 am 27.10.2016

Bewertet: Buch (Gebundene Ausgabe)

In seinem dritten Roman „Golden Boy“ erzählt der indische Autor Aravind Adiga die Geschichte zweier Brüder ihre Erfüllung in einem Sport zu finden, dessen Macher und Talentsucher sie gnadenlos ausbeuten. Der Vater von Manju und Radha Kumar ist ein Despot und treibt seine Söhne durch fragwürdige Erziehungsmethoden, Drill und Spott zu Höchstleistungen an.In den Augen des Vaters ist sein ältester Sohn Radhu auf den Weg zum besten Schlagmann in der Geschichte des indischen Crickets zu werden. Doch seine Träume zerplatzen jäh und das Leben übernimmt seine eigene Regie und entzieht dem Vater den Einfluß in die Karriere seiner Söhne, die ihre Jugend für die Mittelmäßigkeit opfern. Cricket bedeutet für die Familie, dem bereits verbotenen, aber immer noch gängigen Kastensystem Indiens und der allgegenwärtigen Armut Mumbais zu entgehen. Das Talent wird gefördert ohne die Begeisterung zum Sport zu hinterfragen. Cricket steht hier als Beispiel für die Maschinerie des Profisports und die Ausbeutung junger Menschen. Man muss die Regeln dieses Sports nicht unbedingt verstehen, um der Handlung folgen zu können. Der geschichtliche Hintergrund und die lange Tradition des Crickets ist informativ und gut in die Handlung verwoben. Die Darstellung von Mumbai und der indischen Lebensart ist visuell prägnant umschrieben. Es beschleicht einen das Gefühl, Indien mit allen Sinnen wahrnehmen zu können. Dennoch wird der Leser nicht von der gängigen Armutsromantik weichgespült. Der Autor zeigt Indien`s wahres Gesicht, fernab vom Bild das Tourismus und Medien suggerieren. Anfangs empfindet man die sperrige Komposition von Aravind Adiga noch mühsam. Diesen Roman muss man sich zunächst erarbeiten. Die Emotionen lassen sich schwer aufnehmen und eine pessimistische Grundstimmung durchläuft die gesamte Handlung, die sicherlich der Zwanghaftig – und Perspektivlosigkeit des Vaters geschuldet ist. Die Mutter verließ früh die Familie, die Hintergründe hierzu werden angeschnitten, aber nicht vollends geklärt. Man spürt deutlich die fehlende Liebe und Wärme für die beiden Jungs. Bis zuletzt gelingt es Manju und Radha nicht, sich aus den Fesseln, die der Vater ihnen anlegt, zu befreien und ihrer auferlegten Bürde zu entkommen. Die Brüder stehen für die rechtlose Mehrheit Indiens, die sich nur mit Müh und Not über Wasser halten können. Die zwischenmenschlichen Konflikte und die unterschiedliche Entwicklung von Manju und Radha bilden das Kernstück dieses Romans. Die beiden Charaktere werden vom Autor mit viel Intensität bedacht und mit Fortlauf der Geschichte wächst auch das Verständnis für die jungen Männer. Sie entdecken ihren Körper, das andere Geschlecht, ihre eigene Sexualität und kämpfen ständig mit den abstrusen Regeln des Vaters, der diese Entwicklung ständig unterdrückt. Man begleitet sie auf der Suche nach sich selbst und hofft bis zuletzt, das sich ihre Träume erfüllen. 4 Sterne für diesen zwar schwermütigen, aber dennoch unterhaltsamen Roman. Eine Empfehlung für alle, die sich das „wahre“ Gesicht Indiens vor Augen führen möchten.

Ein unberechenbarer Roman über das Schicksal zweier Brüder und der Verlockung des schnellen Ruhms

louella2209 am 27.10.2016
Bewertet: Buch (Gebundene Ausgabe)

In seinem dritten Roman „Golden Boy“ erzählt der indische Autor Aravind Adiga die Geschichte zweier Brüder ihre Erfüllung in einem Sport zu finden, dessen Macher und Talentsucher sie gnadenlos ausbeuten. Der Vater von Manju und Radha Kumar ist ein Despot und treibt seine Söhne durch fragwürdige Erziehungsmethoden, Drill und Spott zu Höchstleistungen an.In den Augen des Vaters ist sein ältester Sohn Radhu auf den Weg zum besten Schlagmann in der Geschichte des indischen Crickets zu werden. Doch seine Träume zerplatzen jäh und das Leben übernimmt seine eigene Regie und entzieht dem Vater den Einfluß in die Karriere seiner Söhne, die ihre Jugend für die Mittelmäßigkeit opfern. Cricket bedeutet für die Familie, dem bereits verbotenen, aber immer noch gängigen Kastensystem Indiens und der allgegenwärtigen Armut Mumbais zu entgehen. Das Talent wird gefördert ohne die Begeisterung zum Sport zu hinterfragen. Cricket steht hier als Beispiel für die Maschinerie des Profisports und die Ausbeutung junger Menschen. Man muss die Regeln dieses Sports nicht unbedingt verstehen, um der Handlung folgen zu können. Der geschichtliche Hintergrund und die lange Tradition des Crickets ist informativ und gut in die Handlung verwoben. Die Darstellung von Mumbai und der indischen Lebensart ist visuell prägnant umschrieben. Es beschleicht einen das Gefühl, Indien mit allen Sinnen wahrnehmen zu können. Dennoch wird der Leser nicht von der gängigen Armutsromantik weichgespült. Der Autor zeigt Indien`s wahres Gesicht, fernab vom Bild das Tourismus und Medien suggerieren. Anfangs empfindet man die sperrige Komposition von Aravind Adiga noch mühsam. Diesen Roman muss man sich zunächst erarbeiten. Die Emotionen lassen sich schwer aufnehmen und eine pessimistische Grundstimmung durchläuft die gesamte Handlung, die sicherlich der Zwanghaftig – und Perspektivlosigkeit des Vaters geschuldet ist. Die Mutter verließ früh die Familie, die Hintergründe hierzu werden angeschnitten, aber nicht vollends geklärt. Man spürt deutlich die fehlende Liebe und Wärme für die beiden Jungs. Bis zuletzt gelingt es Manju und Radha nicht, sich aus den Fesseln, die der Vater ihnen anlegt, zu befreien und ihrer auferlegten Bürde zu entkommen. Die Brüder stehen für die rechtlose Mehrheit Indiens, die sich nur mit Müh und Not über Wasser halten können. Die zwischenmenschlichen Konflikte und die unterschiedliche Entwicklung von Manju und Radha bilden das Kernstück dieses Romans. Die beiden Charaktere werden vom Autor mit viel Intensität bedacht und mit Fortlauf der Geschichte wächst auch das Verständnis für die jungen Männer. Sie entdecken ihren Körper, das andere Geschlecht, ihre eigene Sexualität und kämpfen ständig mit den abstrusen Regeln des Vaters, der diese Entwicklung ständig unterdrückt. Man begleitet sie auf der Suche nach sich selbst und hofft bis zuletzt, das sich ihre Träume erfüllen. 4 Sterne für diesen zwar schwermütigen, aber dennoch unterhaltsamen Roman. Eine Empfehlung für alle, die sich das „wahre“ Gesicht Indiens vor Augen führen möchten.

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