Der schönste Mann der UFA ermittelt wieder.Berlin im Herbst 1925: In der noblen Gesellschaft ist ein Dienstmädchen verschwunden. Ein alter Bekannter erzählt Carl von Bäumer, Starschauspieler der UFA, bei einem Galadinner davon – und schon am nächsten Tag ist er tot. Handelt es sich wirklich um Selbstmord? Carl glaubt nicht daran und forscht nach den Hintergründen. Gemeinsam mit Kommissar Paul Genzer taucht er tief ein in Berlins Gesellschaft der Zwanziger Jahre. Und plötzlich befinden sie sich in einem Verwirrspiel aus Rache, Diamantenschmuggel und jahrzehntealtem Hass.Ein Kriminalfall in der Welt der Goldenen Zwanziger.
Kundinnen und Kunden meinen
4.4/5.0
Elke Seifried
aus Gundelfingen
5/5
08.08.2017
Buch (Taschenbuch)
Ganz großartig, besser wäre kaum auszuhalten!
Joan Weng hat mich mit ihrem ersten Fall Feine Leute gekonnt ins Berlin der 1920er Jahre entführt und mich mit ihrem Roman Das Cafe unter den Linden regelrecht verzaubert. Ich habe mich deshalb sehr gefreut, als ich entdeckt habe, dass es inzwischen auch einen zweiten Fall für Carl und Paul gibt und ich wurde nicht enttäuscht.
Auch ein Starschauspieler der UFA muss beständig für Werbung sorgen und was bietet sich besser an als ein Galaabend für Kriegsblinde? Wohltätigkeit kommt immer gut an. Dort trifft er auf seinen alten Bekannten, das Fliegerass Max von Volkmann, dieses selbstgefällige Ekel. Von ihm erfährt er von einem verschwundenen Dienstmädchen in der noblen Gesellschaft. Äußerst seltsam daran ist, dass diese Lotti einer Esther, die vor Jahren spurlos verschwunden ist, so ähnlich sieht und die Viktor von Rossmann, Gerüchten zufolge, angestellt hat, weil es sich bei Esther um seine Jugendliebe gehandelt hat. Noch mysteriöser ist, dass ebendieses Fliegerass laut Paul am nächsten Tag Selbstmord begangen haben soll. Nie im Leben begeht ein solch selbstverliebter Mann, der zudem noch morgens Theaterkarten für den nächsten Tag bestellt hat und sowieso schon seit Wochen wusste, dass seine Exverlobte ein Verhältnis hatte, wegen der Nachricht, dass sie nun heiraten werde, Selbstmord. Paul, der auf Wunsch des Reichspräsidenten, dem Patenonkel des Toten, diskret mit den Todesumständen umgehen und das Andenken als Kriegsheld nicht gefährden soll, will sich nicht weiter mit dem Fall beschäftigen. Er lässt sich aber auf Zetern von Carl zu der Wette hinreißen, dass im Urlaub den Abwasch erledigen muss, wer Recht in der Frage Selbstmord, ja oder nein behält. Wer nun wissen will, wer sich, nach einigen weiteren Leichen, einem gestohlenen Rubin, aufgeschlitzten Katzen und kniffeligen Ermittlungen, die Schlacht mit der eingebrannten Bratkartoffelpfanne liefern wird, muss selber lesen.
Als Leser darf man die Ermittlungen der beiden begleiten. Da Carl großen Erfolg mit seiner Rolle als Comte Le Juste hat, kann er unter der Tarnung, für seine Rolle als Meisterdetektiv die Ermittlungsarbeit zu studieren, Polizeiuntersuchungen begleiten und auch selbst ohne misstrauische Fragen Nachforschungen betreiben. Der Fall an sich ist spannend und ich war von Anfang an am Rätseln, war es Mord oder Verzweiflung, die dem Fliegerass das Leben gekostet hat, wer könnte für Mord infrage kommen, außer meinem einzigen Verdächtigen und was haben verschwundenen Mädchen mit dem Ganzen zu tun? Weitere Tote, vermeintliche Selbstmorde und ein Diamantenraub halten die Spannung konstant hoch und wenn man dann glaubt, der Fall sei gelöst, hat die Autorin noch einmal eine gehörige Überraschung in petto, die bis zum Ende einen fesselnden Krimi beschert. Nebenbei bekommt man einen Einblick ins Alltagsleben der Protagonisten, der mehr als gelungen, authentisch und amüsant ist und mir daher super gut gefallen hat.
Der Sprachstil der Autorin liest sich einfach herrlich, locker leicht und man fliegt fast durch die Seiten. Man darf unheimlich viel schmunzeln, dafür sorgen viel witzigen Szenen wie z.B. Effis Geisterbeschwörung, schließlich muss man den spukenden Gnädigen doch bitten nicht im Dienstbotenbad umzugehen, weil das gehörte sich wirklich nicht., oder Tippfräulein Gretas Reaktion, die Pauls Kollege Alfred Kapp mit den Worten Die Hölle brach los, beschreibt. Richtig klasse sind auch die unzähligen schlagfertigen, spitzen Dialoge und Antworten, wie Ich muss leider gehen Ihr Zynismus kotzt mich ganz kolossal an. Ich hoffe aufrichtig wir sehen uns nie wieder!.
Hier ermitteln der schönste Mann der UFA Carl von Bäumer und Kommissar Paul Genzer. Die beiden sind ein herrliches Gespann, glücklicherweise hält sie der Unzuchtsparagraph nicht davon ab ein Paar zu sein. Carl ist ein dickköpfiger, hübscher junger Mann, der manchmal ganz schön trotzig sein kann. Trotzdem seine Sympathie natürlich nicht käuflich war, aß er für sein Leben gern sehr gern Nougat., sollte man vielleicht auch noch erwähnen. Paul Grenzer, ist der Ältere, Ruhigere und Gelassenere von beiden, schätzt Carls Unterstützung, aber ist auch immer wieder genervt von dessen Mordtheorien. Da kann schon einmal mit den Worten Natürlich spielst du auf der Leinwand einen recht passablen Detektiv, aber deshalb bist du eben noch lange kein Polizist. Ich halte mich ja auch nicht für einen Schauspieler, nur weil ich auf der letzten Weihnachtsfeier ein Krippenschaf dargestellt habe. kommen, verbunden mit der Ansage, das Ermitteln doch den Profis zu überlassen. Auch die Nebendarsteller sind originell und äußerst liebevoll erdacht und gezeichnet, bei Effi angefangen, die fest von ihren Worten Köchin, wach doch uff! Ick glob, ick hab ´nen Jeist jesehen! überzeugt ist, über den Drehorgelspieler mit seinem Äffchen Coco, dem Hüter der Sammelbüxe, der je nach Großzügigkeit des Spenders elegante Kratzfüße ausführte, Damen die Hand küsste oder aber angewidert mit dem Säbel drohte., bis hin zu Pauls Schwager Willi, den man am Ende der Geschichte endlich zu Weihnachten besuchen kann, ohne Magenkrämpfe zu bekommen.
Joan Weng nimmt den Leser mehr als gekonnt mit nach Berlin und in die Welt der Goldenen Zwanziger. Affären, Mesalliancen stehen an der Tagesordnung, man tanzt in Seidenstrümpfen Shimmy und Charlston, Zuhause wird der rotseidene, mit Hermelin besetzte Hausrock getragen, Salz und Pfeffer Mäntel sind der Renner und die Stiefel des Herrn werden gewichst. Es gibt ein Fräulein von der Vermittlung bei Telefongesprächen und die nicht ganz so noble Gesellschaft muss sich im wollenen Jumper mit Malzkaffee und Schrippen zum Frühstück begnügen. Immer wieder darf auch jemand in Dialekt zu Wort kommen, so kann man auf dem Wochenmarkt schon einmal den guten Rat Essen Se nur viel Zuckerzeugs so wir´s janz jewiss een Stammhalter. Die Jungen, die mengen´s süß. hören.
Alles in allem bin ich auch von Noble Gesellschaft regelrecht begeistert. Die Autorin hat mich mit liebenswerten, originellen und authentischen Darstellern gekonnt ins Berlin der 20er Jahre entführt und mit einem kniffeligen Fall von Anfang bis Ende spannend unterhalten.
abetterway
5/5
05.05.2017
Buch (Taschenbuch)
Noble Gesellschaft
Inhalt:
"Der schönste Mann der UFA ermittelt wieder. Berlin im Herbst 1925: In der noblen Gesellschaft ist ein Dienstmädchen verschwunden. Ein alter Bekannter erzählt Carl von Bäumer, Starschauspieler der UFA, bei einem Galadinner davon und schon am nächsten Tag ist er tot. Handelt es sich wirklich um Selbstmord? Carl glaubt nicht daran und forscht nach den Hintergründen. Gemeinsam mit Kommissar Paul Genzer taucht er tief ein in Berlins Gesellschaft der Zwanziger Jahre. Und plötzlich befinden sie sich in einem Verwirrspiel aus Rache, Diamantenschmuggel und jahrzehntealtem Hass. Ein Kriminalfall in der Welt der Goldenen Zwanziger."
Meinung:
Obwohl man das erste Buch nicht gelesen hat kommt man gut in das Buch hinein obwohl durch die Figuren es am Anfang ein wenig schwer fällt, allerdings ist der Spannungsaufbau so gut das man das Buch nicht zur Seite legen kann.
Ein wunderbarer Krimi mit dem Ambiente der 20er, wunderbar zum mitraten und das Buch hat einen ganz eigenen Charakter, welcher das Buch zu einer Besonderheit macht.
Fazit:
Wunderbares Buch. Ich werde das Buch weiterempfehlen.
Isaopera
5/5
02.03.2017
Buch (Taschenbuch)
Super Zeitzeugnis
"Noble Gesellschaft" ist der zweite Band einer Reihe um den Filmstar Carl von Bäumer, der in den einen oder anderen Kriminalfall hineingerät. Den ersten Teil muss man für die Lektüre dieses Buches definitiv nicht gelesen haben, es wird alles sehr deutlich, dennoch werde ich ihn nun noch lesen, weil ich Carl liebgewonnen habe.
Ich sage es direkt: Ich bin kein großer Krimi-Leser und für mich handelt es sich bei diesem Buch auch weniger um einen Krimi, sondern eher um einen spannenden Gesellschaftsroman. Der Kriminalfall selbst war zwar wirklich spannend und nicht vorhersehbar, aber für mich waren die größte Stärke des Buches die tollen atmosphärischen Beschreibungen und die teilweise unwirklich erscheinenden Figuren aus den 20er Jahren, die aber genau den Zeitgeist aufzeigen konnten.
Deutschland war zu jener Zeit erschüttert durch den 1. Weltkrieg und die Menschen schwankten häufig zwischen einer wilden Euphorie und Depression. Drogen, Alkohol und andere Vergnügungen waren salonfähig und die Gesellschaft war in vielem deutlich ungezwungener und freier als später in den 30er Jahren.
Ich finde, Joan Weng hat hier ausgezeichnete Recherche-Arbeit betrieben und ich fühlte mich wie in einer deutschen Version vom "großen Gatsby" (natürlich nicht von der Handlung her, aber von der Atmosphäre.
Bezüglich des Schreibstils möchte ich den großartigen Humor der Figuren, der häufig mit Ironie durchsetzt ist, hervorheben, der mich begeistert hat.
Wie gesagt, es ist definitiv ein klassischer Krimi, aber wer sich für die Zeitgeschichte interessiert und Spaß an guten Dialogen hat, wird von diesem Buch keineswegs enttäuscht sein! Ich hoffe auf einen dritten Band (und freue mich jetzt erstmal auf den ersten ;))
Bewertung
aus Winnenden
5/5
26.02.2017
Buch (Taschenbuch)
Ein wunderschöner Kriminalroman
Nachdem ich den ersten Fall um das Ermittlerdou von Bäumer/Genzer schon sehr mochte, habe ich mich auf den zweiten sehr gefreut. Und meine Erwartungen wurden nicht enttäuscht. Wer den ersten mochte, wird den zweiten lieben. Diesmal geht es um ein verschwundenes Dienstmädchen, das einem vor langer Zeit vermutlich ermordeten Mädchen stark ähnelt. Wie bei Weng üblich steht nicht die Ermittlungsarbeit sondern das Persönliche im Vordergrund. Das Leben der Menschen in der Weimarer Republik wird sehr eindringlich und vor allem mit sprachlichen Mitteln zum Ausdruck gebracht, man kann es mitfühlen und miterleben. Die Spannung entsteht mehr aus den menschlichen Konflikten, als aus einer Aneinanderreihung von Scheußlichkeiten und wird auf diese Weise durchgehend gehalten. Für Freunde von cozy crime ein absolutes Highlight mit köstlichen Charakterschilderungen und viel Berliner Lokalkolorit. Ich hoffe, ein dritter Band wird bald angekündigt.
PMelittaM
aus Köln
5/5
17.02.2017
Buch (Taschenbuch)
Unterhaltsamer Ausflug ins Berlin der 1920er Jahre
Berlin 1925: Gerade hatte Carl von Bäumer den Kriegshelden Max von Volkmann noch auf einer Wohltätigkeitsveranstaltung getroffen, jetzt soll der sich selbst umgebracht haben? Daran glaubt Carl keine Sekunde, von Volkmann ist ganz sicher ermordet worden. Carl lässt sich auf eine Wette mit Kommissar Paul Genzer ein und macht sich an die Ermittlungen. Gut, dass er die noble Gesellschaft gut kennt, schließlich ist er einer von ihnen, und außerdem noch ein gefeierter Filmstar, alle Türen stehen ihm also offen.
Nachdem ich den Vorgängerband gelesen hatte, habe ich mich schon sehr darauf gefreut, endlich wieder Carl und Paul zu treffen, nun endlich war es soweit, Band 2 ist erschienen und hat mich nicht enttäuscht.
Joan Wengs Roman hat mich sofort wieder gepackt und mich in das Berlin der 20er Jahre entführt, in dem ich nicht nur auf die titelgebende noble Gesellschaft, sondern auch auf die weniger oder gar nicht noble traf. Bunt gemischt und mannigfaltig ist das Personenensemble, manchmal auch verwirrend, bis man die einzelnen Namen zuordnen kann, dabei hilft aber das sehr nützliche Personenregister. Wer aufmerksam liest, kommt sowieso gut klar. Einige Charaktere kennt man sowieso bereits aus dem Vorgängerband, wer diesen gelesen hat, trifft eine Reihe alter Bekannter wieder.
Aufmerksam lesen, ist, wie schon beim Vorgänger, sowieso angesagt, will man nicht versteckte Hinweise oder Anspielungen übersehen. Besonders gelungen sind die vielen Perspektiven, durch die die Handlung und die Auflösung vorangetrieben werden, dem Leser wird so nach und nach das Puzzle enthüllt und man erhält verschiedene Blickwinkel auf die Personen und den Fall.
Mir gefällt Joan Wengs Erzählweise sehr gut, mit viel feinem Humor bringt sie ihre Charaktere, nicht nur die Protagonisten, immer wieder in schwierige, gar peinliche Situationen, die den Leser zum Schmunzeln bringen. Bevorzugtes Opfer ist Carl von Bäumer, der schönste Mann der UFA, der sich in seinem Eifer auch oft selbst in unmögliche Situationen bringt. Auch manche Meinung nimmt sie auf die Schippe, sei es, wenn Urte, Carls Schwester diesem Vorhaltungen macht, sei es, wenn Pauls Kollege oder gar sein Tippfräulein über diesen nachdenkt. Manche Szenen sind fast slapstickhaft angelegt herrlich!
Dass der Kriminalfall hinter den persönlichen Beziehungen und der Atmosphäre des 20er Jahre Berlins etwas zurücktritt, macht gar nichts, aufgelöst wird er dennoch nachvollziehbar und zufriedenstellend.
Was soll ich sagen, ich liebe den zweiten Band fast noch mehr als den ersten, er hat mich wieder glänzend unterhalten und ich habe ihn nur ungern aus der Hand gelegt. Ich hoffe sehr, dass ich noch viele weitere Bände mit Carl und Paul, Urte, Willi, Kapp und dem Berlin der 1920er Jahre lesen kann. Volle Punktzahl und eine uneingeschränkte Leseempfehlung man kann diesen Band übrigens auch gut lesen, ohne Band 1 zu kennen.
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