Menschen mit Trisomie 21 erschließen sich Dinge anders als Menschen ohne diese genetische Abweichung. Sie neigen verstärkt dazu, von Einzelheiten abzusehen. Sie sind deshalb auf geeignete Abstraktionen (Buchstaben, Gebärden, mathematische Symbole usw.) mehr angewiesen als andere Personen. Der anschauungsgebundene, kleinschrittige und Abstraktionen vermeidende Unterricht an Förderschulen trägt diesen neuropsychologischen Besonderheiten nur wenig Rechnung und wirkt eher kontraproduktiv. Gleiches gilt für die vorhandenen Lehr- und Lernmethoden, die solche Aufmerksamkeitsbesonderheiten bislang nur unzureichend berücksichtigen. Sie müssen überdacht werden, um weiter auszubauen, was bisher nur in Aufsehen erregenden Einzelfällen gelingt: normale Ausbildungsgänge für Menschen mit Trisomie 21 bis hin zum Universitätsabschluss. André Frank Zimpel fasst auf Basis einer groß angelegten Studie mit 1294 Teilnehmern zusammen, was heute als gesicherter Befund gelten kann und welche Konsequenzen unser Bildungssystem daraus zu ziehen hat.
Kundinnen und Kunden meinen
5.0/5.0
Bewertung
aus Mettmenstetten
5/5
25.01.2021
eBook (ePUB)
Was wir von Menschen mit Down-Syndrom lernen können
Im Buch von Prof. Zimpel werden die Ergebnisse einer grossangelegten Studie mit 1294 Teilnehmern zusammengefasst. Prof. Zimpel und sein Team von der Universität Hamburg veranschaulichen die Ergebnisse und zeigen unter anderem auf, wie der Lernerfolg von Menschen mit Trisomie 21 verbessert werden kann.
Im ersten Teil des Buches geht es um die Funktion von Gehirn und Intelligenz, um medizinische Grundlagen so wie unter anderem Aufmerksamkeit und Gedächtnis, Botenstoffe im Gehirn und um Neurodiversität.
Im zweiten Teil werden Hinweise zur Förderung von Menschen mit Trisomie 21 gegeben und es werden Ergebnisse aus Untersuchungen erklärt und auch Irrtümer aufgedeckt. Verständlich wird erklärt, wie diese Menschen lernen und was sie für ein Umfeld, was für Hilfsmittel benötigen um in diesem Lernen unterstützt zu werden.
Im letzten Teil wird über die Anerkennung und den Respekt vor Menschen mit Trisomie 21 geschrieben. Am Schluss steht: Jeder Mensch hat das Recht auf seine unvergleichliche Eigenart, das schliesst den Glauben an seine Entwicklungsfähigkeit nicht aus, sondern ein.
Ein wunderbares Buch für alle, welche mit Menschen mit Trisomie 21 zu tun haben Eltern und vor allem Pädagogen kann ich dieses Buch sehr empfehlen. Das Buch hilft, besser zu verstehen und somit auch besser zu fördern und damit die Chancen für Menschen mit Trisomie 21 an einer Teilhabe in unserer Gesellschaft zu verbessern. Es ist verständlich geschrieben, ergänzt mit Bildern, Diagrammen und anschaulichen Beispielen. Für mich als Mutter eines Sohnes mit Trisomie 21 ist das Buch eine grosse Inspiration und macht Mut.
Bewertung
aus Hamburg
5/5
30.10.2016
Buch (Gebundene Ausgabe)
Neubewertung von Menschen mit Trisomie 21 sowie weiterführend für alle Menschen mit einer sog. geistigen Beeinträchtigung.
Dieses Buch empfiehlt sich nicht nur für Eltern, Lehrerinnen und Lehrer oder Studierende, sondern richtet sich auch an jeden, der sich mit Menschen mit Trisomie 21 oder dem Thema einer "Geistigen Beeinträchtigung" befassen möchte. Prof. Dr. Zimpel und seine Co-Autorinnen und Autoren schreiben sehr verständlich und räumen so mit längst überfälligen Vorurteilen auf. Der Blick auf Menschen, die als geistig beeinträchtigt gelten, kann sich durch dieses Buch grundlegend verändern. Andre Zimpel erklärt, dass es kein beeinträchtigtes Denken geben kann, sondern dass Denken durch verschiedene Prozesse im Körper verschiedenen abläuft - für mich eine der grundlegenden Aussagen Zimpels. Es ist zu hoffen, dass dieses Verständnis dazu führt, dass Menschen nicht weiter als beeinträchtigt im Denken gelten, sondern dass ihre Stärken genauso erkannt werden, wie die aller anderer Menschen auch. Das Team um Andre Zimpel befasst sich mit verschiedenen Themen, die alle dazu führen, dass man Trisomie 21 neu bewerten muss.
lovelife
aus Maintal
5/5
09.09.2016
Buch (Gebundene Ausgabe)
Für mich, als Mutter eines…
Für mich, als Mutter eines Kindes mit Trisomie 21, hätte ich mir dieses Buch als Erstlektüre nach der Geburt meiner Tochter gewünscht. Dieses Buch gibt die Gewissheit, dass mein Kind „normal, nur etwas anders“ und sogar „etwas besonderes“ ist. In einem, dem Autor eigenem empathischen Schreibstil, werden die genetischen Besonderheiten des Syndroms und deren Auswirkungen auf das Denken und Handeln unserer Kinder erklärt. Jetzt, wo mein Kind schon älter ist, weiss ich das natürlich. Direkt nach der Geburt wäre diese Gewissheit Balsam für meine Seele gewesen. In diesem Buch vermittelt, was das 3. Chromosom auf dem 21. Gen im Körper verändert. Als bekannter Hirnforscher seines Zeichens, zeigt Herr Prof. Dr. Zimpel auf, was das an Veränderungen u.a. in der Wahrnehmung und Informationsverarbeitung unserer Kinder mit sich bringt. Der Autor begründet seine Darstellungen durch schon bekannte Studien, insbesondere aber durch seine, gerade erst abgeschlossene, 5 jährige Aufmerksamkeitsstudie über Menschen mit Trisomie21. Genauso intensiv wie die körperlichen und geistigen Auswirkungen des Syndroms, wird die Wirkung der „selbsterfüllenden Prophezeiung“ dargestellt. In vielen Erfahrungsberichten berichtet der Autor, wie sehr bestehende Voreingenommenheiten gegenüber unserer Kinder, deren Entwicklung negativ beeinflussen kann. Auch ich als Mutter habe mich im Laufe der Lektüre diesbezüglich öfters hinterfragt. Interessant fand ich auch die Ausführungen über die Macht der Sprache. Durch bestimmte Euphemismen oder klischeeartige Aussagen werden Menschen mit Trisomie21, aber auch andere Menschen mit Beeinträchtigungen, bereits im Vorfeld kategorisiert und erhalten somit oft keine faire Chancen richtig wahrgenommen zu werden. Wie ein roter Faden zieht sich die Aufforderung durch das Buch, Perspektivwechsel im Denken vorzunehmen, sich gefühlsmäßig und gedanklich in das Leben von Menschen mit Beeinträchtigungen zu versetzen. Fazit: Ein wertvolles, lesenswertes Buch! Dieses Buch offenbarte mir intensives Wissen und Hintergründe über die veränderte Aufmerksamkeitsspanne, Frustrationsverhalten und emotionale Verhalten von Menschen mit Trisomie21. Dadurch begegne ich meiner Tochter, mehr noch als bisher, auf Augenhöhe. Ich kann sie besser unterstützen und fördern. Genauso wichtig wie dieses Wissen finde ich jedoch die Tatsache, dass durch den leidenschaftlichen Schreibstil des Autors bei einigen Lesern ein positives Umdenken im Bezug auf die Wichtigkeit von „Neurodiversität“ stattfinden könnte!
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