Produktbild: Gedichte
Band 970

Gedichte

Aus der Reihe Bibliothek Suhrkamp

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Beschreibung

Produktdetails

Einband

Taschenbuch

Erscheinungsdatum

19.07.2016

Herausgeber

Thomas Bernhard

Verlag

Suhrkamp

Seitenzahl

93

Maße (L/B/H)

18,1/11,8/0,6 cm

Gewicht

112 g

Farbe

Anthrazit / Weiß

Auflage

1

Sprache

Deutsch

ISBN

978-3-518-24118-9

Beschreibung

Produktdetails

Einband

Taschenbuch

Erscheinungsdatum

19.07.2016

Herausgeber

Thomas Bernhard

Verlag

Suhrkamp

Seitenzahl

93

Maße (L/B/H)

18,1/11,8/0,6 cm

Gewicht

112 g

Farbe

Anthrazit / Weiß

Auflage

1

Sprache

Deutsch

ISBN

978-3-518-24118-9

Herstelleradresse

Suhrkamp Verlag
Torstraße 44
10119 Berlin
DE

Email: info@suhrkamp.de

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  • Während ich, Betrübte, schreibe

    An jeden Knochen meines Rückgrats stellt

    Du weißt nicht, wie das mühsam ist

    Über so hauchdünnen Schlaf

    Dieser Vogel verpfeift dich nie wieder!

    Ich habe dich in meinen Zorn getaucht!

    Du hast mich aus aller Freude geholt

    Wo treibt mein Elend sich herum?

    Meine Schwäche geht mit mir um

    Schildkröte, Schlange und goldenes Schwert!

    So eine kopflose Nacht!

    Der Südwind rührt sich im Wald

    Die Fremde aß des Gegengottes Haar

    Aus solchen Tagen wird wohl kein Leben

    Ich will das Brot mit den Irren teilen

    Auch der Mond müßte brechen in so einer Nacht

    Stern, geh jetzt heim, mir zittert schon die Hand

    Wenn du mich einläßt, bevor deine Hähne erwachen

    Verschüttet von schwarzen und roten Gebirgen

    Der Mond nimmt zu und heilt sich aus

    Ja, Herr, ich glaube an Doppelwisser!

    Was mir vom ganzen Denken blieb

    Hole von allen Gedächtnisstätten

    Vergiß dein Pfuschwerk, Schöpfer!

    Hol den Apfel aus der Schale

    Zwischen den vielen Stunden der Zeit

    Trotzdem der Himmel ein Bleisarg wird

    Verschriener Tod, für mich bist du so schön!

    Jag doch den Stern mir fort

    Die Schläfen füllen sich mit Föhn

    Nun hast du auch mein Unglück noch verlegt

    Hinter meiner Rippenfalle

    Herz, löse hier den Hausstand auf

    Was zeigst du mir dein Muttermal?

    Blutrache haust in dem gelobten Land

    Erlaube mir traurig zu sein

    In den Ohren Glockenglöppel

    Oft verliere ich mitten am Tage

    Ich bin lau und ausgespieen

    Wenn du mich heimsuchen willst

    Baum in der Sonne, ohne Nest und Blatt

    Auf allen Stufen meines Leibes haust

    Ein Viertel Schlaf, drei Viertel Angst

    Mit dem Schweiß, der auch aus Steinen bricht

    Mein Schatten kann über Wasser gehen

    Traurigkeit hat mir die Lichter vertauscht

    Ich habe deinen und meinen Schatten

    Nur des Schlafes wilder Nebenzweig

    So eine wildfremde Sonne!

    Mit leisem Gelächter

    Mein Augenlicht ist nichts mehr wert

    Du mit, für mich, verriegeltem Mund

    Wo ist mein Anteil, Herr, am Licht?

    Ganz erblinden will ich, lieber Herr

    Hast du meine Mutter erstickt?

    Es riecht nach Weltenuntergang

    Hinfällig starre ich ins Rad der Zeit

    Im Geruch der frühen Früchte

    Hilf mir, Sonne, denn ich bin fast blind!

    Ob hier schon jemand vor mir ging?

    Den Halbmond überm Herzen

    Wenn es die Amsel nicht war, war es die Agelaster

    Mir ist es oft, als ob die Erde sich

    Erde, wenn du zwei Lippen hättest

    Untertänig ziehn die Sterne

    Dieser Abend dumpf wie mein Gehirn

    Hilf meinem dumpfen Denken nach

    Diese Nacht war ein Wolf

    Sind das wohl Menschen? - Wie man das vergißt!

    Du hast die Landschaft zwischen uns verändert

    Das Zittern in meiner Handwurzel kommt

    Daß ich dem Mond mein Gemüt überließ

    Des Nachbars Perlhuhn schreit wie eine Uhr

    Drei Blicke von meinen Augen entfernt

    Mein Schlaf ist ins Wasser gegangen

    Ich will allen Kränkungen gut in die Augen schaun

    Zerschlage die Glocke in meinem Gehör

    Noch tanzt die verzauberte Zehe

    Ich will vom Leiden endlich alles wissen!

    Notiz von Thomas Bernhard