Das "Zeitalter des Menschen" begann erst richtig nach dem Ende der Eiszeit. Damals entstanden aus dem "homo sapiens" die "Menschen mit weißer Hautfarbe", die Vorfahren fast aller heute in Europa, Westasien und Nordafrika lebenden Menschen. Ihre Entwicklung wird mit einer Zusammenschau der Forschungsergebnisse der Archäologie, der Klimakunde, der Humangenetik, der Sprachwissenschaft und anderer Wissenschaften dargestellt, aber für jedermann verständlich, und zwar nicht, wie üblich, nach "Kulturen" oder Völkern getrennt, sondern in zeitlicher Reihenfolge, und damit vergleichbar.
Ein Geschichtsbuch, das es so noch nicht gab, und zugleich ein Musterbeispiel für ein gutes populärwissenschaftliches Sachbuch.
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Die Entstehung des Patriarchats
S.A.W am 05.01.2019
Bewertungsnummer: 1161317
Bewertet: Buch (Gebundene Ausgabe)
Der Autor gibt einen verständlichen Überblick über Europa vom Ende der Eiszeit bis Christi Geburt. Besonders die Entwicklung der Indogermanen wird deutlich:
Das Patriarchat entwickelte sich um 5000 v Chr in der Südrussischen Steppe. Durch eine Klimaänderung trockneten die fruchtbaren Lößböden aus, statt Ackerbau betrieben die Ur-Indogermanen daher Viehzucht (Rinder und Pferde). Dies war Sache der Männer und begründete somit deren Vorherrschaft in den Stämmen. Einige Herden wurden durch klimatische Zufälle größer als andere. Deren Besitzer stiegen zu Häuptlingen und schließlich zu Königen auf.
Die Männer, die die Herden bewachten, wurden zunehmend kriegerischer, da Viehherden sehr leicht von Feinden gestohlen werden konnten (Das war noch im 19, Jhdt so, die meisten US-Western erzählen von heldenhaften Cowboys, die räuberische Banditen verjagen). Es entstanden erste Kriege um die Herden, dadurch wurden die Häuptlinge immer mächtiger.
Die Trockenheit zwang die jungen Leute, nach Westen zu ziehen, um neues Weideland für ihre Herden zu finden. Dies war ein ähnlicher Prozess wie im Wilden Westen und er verläuft seit 6000 Jahren ähnlich. Die einfallenden Nomaden nehmen keine Rücksicht auf die schon vorhandene Bevölkerung, sind ihr waffentechnisch überlegen, unterwerfen sie und zwingen ihr die indogermanische Sprache auf. Überall, wo sich indogermanische Sprachen ausbreiten, gibt es eine indogermanische Krieger-Kaste als Oberschicht und eine unterjochte Urbevölkerung als Unterschicht. Dies funktioniert deswegen, weil die Unterschicht matrifokal und damit weniger kriegerisch oder völlig pazifistisch ist. Sobald die unterworfenen Frauen von Indogermanen geschwängert werden, fügen sie sich ihren Kindern zuliebe in ihr Schicksal, werden aber eben deshalb von den Herrenmenschen verachtet.
Um 3000 beherrschten die Indogermanen auch die Bandkeramiker in Mitteleuropa, blieben aber dort noch lange erstaunlich friedlich, ließen die matrifokale Gesellschaft der Bandkeramiker in einer Art Koexistenz am Leben.
Um 2000 hatten die Indogermanen die Donaukultur und des Rest des Balkans erobert. Noch im Jahr 500 v Chr gab es in Sparta eine Mehrheit aus pelasgischen Ureinwohnern, die wie Leibeigene für die Spartaner arbeiten mussten, damit die ihre Kriege führen konnten. In Attika machten die indigenen Sklaven ein Drittel der Bevölkerung aus – so viel zur hochgelobten griechischen Demokratie.
Zur selben Zeit eroberten indogermanische Hettiter Kleinasien und gründeten das erste „arische“ Großreich, das erst von der nächsten Indogermanische Welle um 1200 zerstört wurde. Dieselbe Welle kriegerischer „Seevölker“ fegte auch die Mykener hinweg, die den Minoern die Seeherrschaft im Mittelmeer abgenommen hatten.
Die Völkerwanderung des 12. Jhdts nahm ihren Ausgang im indogermanischen Ostmitteleuropa und setzte in einem Dominoeffekt viele Völker in Bewegung. Die Kelten blieben im Alpenvorland, die Germanen besetzten Skandinavien, die Italiker besetzten Latium und Umbrien, die Dorer Griechenland und die Thraker Kleinasien. Ab da hatten die Indogermanen im Mittelmeerraum das Sagen.
Der ungebremste Vormarsch der Kriegsnomaden beruhte auf dem Vorsprung in der Waffentechnik. Als erstes nutzten sie die Metallurgie der Donaukultur für das Schmieden von Kupferwaffen, später für Bronzewaffen. Da die Herstellung von Bronze einen europaweiten Handel mit Kupfer und Zinn nötig machte, erfanden die Indogermanen den von Pferden gezogenen Wagen, um die schweren Erze über weite Strecken transportieren zu können. Wenig später entdeckten sie, dass sie sich mit zweirädrigen Wagen in der Geschwindigkeit galoppierender Pferde fortbewegen konnten. Der Streitwagen wurde zur Elite-Waffe der Bronzezeit, mit der feindliche Heere überrollt werden konnten. Als alle Hochkulturen im Nahen Osten Streitwagen-Heere aufgestellt hatten, lernten die Steppenvölker auf den Pferden zu reiten und wurden damit noch beweglicher. Bis zum aufkommen der Panzer 1918 blieb die Kavallerie die beste Offensiv-Truppe.
Rüdiger Opelt, Autor von "Die Legionen des Varus"
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