"Winterhonig" erzählt von einer lebensgefährlichen Liebe in einer archaischen, grausamen Welt, die noch gar nicht so lang Geschichte ist. Inspiriert von den Erlebnissen ihrer eigenen Großmutter, lässt uns Daniela Ohms die Zeit des Zweiten Weltkriegs aus Sicht der Landbevölkerung erleben: Das harte, entbehrungsreiche Leben, das Mathilda als zehntes Kind eines Bauern führt; die Anstrengungen, die der junge Karl unternimmt, um seine Abstammung vor den Nazis geheim zu halten; die Liebe der beiden, die nicht sein darf, bringt sie Mathilda doch in große Gefahr; die Schrecken des Krieges, der drohende Tod durch Bomben oder Verrat. Und über allem die Hoffnung.
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Ein Stück Zeitgeschichte...
Bewertung am 19.05.2016
Bewertungsnummer: 952669
Bewertet: Buch (Gebundene Ausgabe)
Heute möchte ich ein ganz besonderes Buch vorstellen. Winterhonig von Daniela Ohms.
Ein Roman der auf autobiographischen Erlebnissen ihrer Großmutter beruht, was man in jeder Zeile merken kann. Man spürt förmlich, wie viel Herzblut die Autorin in dieses Buch gelegt hat. Im Nachwort erwähnt sie, dass ihre Oma sich gewünscht hat, dass sie ihre Lebensgeschichte nieder schreibt und mal ehrlich, wer kann seiner Oma schon einen Wunsch abschlagen.
Dabei beginnt das Buch mit dem wohl traurigsten Thema, das man sich nur vorstellen kann. Die Mutter der kleinen Mathilda stirbt und da in ihrer großen Familie Sentimentalitäten nicht wirklich viel Raum einnehmen, bleibt sie mit ihrer Trauer sehr allein. Einzig in ihrem älteren Bruder Joseph und dem Nachbarsjungen Karl findet sie ihre Vertrauenspersonen. Schon im zarten Alter von 10 beginnt sie für Karl Gefühle zu entwickeln, die sich im Laufe der Zeit immer mehr steigern und ganz offensichtlich auch auf Gegenseitigkeit beruhen, bis dieser von einen Tag auf den anderen verschwindet und sich bei der deutschen Wehrmacht meldet. Für Mathilda beginnt ein innerer Kampf, weil sie denkt, dass sie etwas falsch gemacht hat, dabei trägt Karl ein Geheimnis mir sich, das ihre Liebe zu etwas Verbotenem werden lässt.
Schon mit Beginn des Buches legt Daniela Ohms einen großen Spannungsbogen um Karls Geheimnis an. Immer wieder gibt es kleine Andeutungen, jedoch ist weder für Mathilda noch für den Leser das große Ganze begreifbar. Erst im letzen Drittel des Buches setzen sich alle Puzzleteile zusammen und im Nachhinein betrachtet, muss ich sagen, dass es der Autorin ausnahmslos gut gelungen ist um den Roten Faden der Geschichte, dieses Geheimnis mit Handlungen und unabsichtlichen Versprechern einiger ihrer Figuren (schlussendlich auch von Karl selbst) zu umweben. Wer jetzt aber denkt, dass danach die Luft draußen war, der irrt sich gewaltig. Nachdem nämlich Karls Geheimnis ans Licht gekommen ist und Mathilda sich nun entscheiden kann, beginnt die große Liebesgeschichte zwischen ihr und Karl nämlich erst tatsächlich und sie liest sich dann fast wie ein Märchen.
Die Figuren der Geschichte waren für mich ausnahmslos Unikate und sehr griffig. Besonders gefallen haben mir Leni, Veronika und auch Karl. Die beiden Letzten legten für mich sehr kämpferische Züge an den Tag, wobei sie aber trotzdem ihre menschliche Seite niemals verloren haben. Mathilda beruht auf Daniela Ohms Großmutter, die ihre Geschichte durch eine Figur erzählen und damit in der Handlung natürlich eine besondere Stellung einnehmen darf. Sehr interessant auch die historischen Figuren, wie die Brüder Boeselager, über die man in Eigenrecherche sehr viel finden und über die man staunen kann.
Die Rahmenhandlung des Buches ist die Zeit des Nationalsozialismus ab 1933 bis zu den Nachkriegsjahren bis 1949. In Romanen wo einer der beiden Weltkriege als Handlungsort dient, muss ein Autor/ eine Autorin ja besonders gut recherchieren, damit eine Authentizität gegeben ist. Daniela Ohms ist das in jedem Fall gelungen. Sie zeigt auf, wie der Krieg die Persönlichkeit der jungen Männer in der Wehrmacht verändert hat und wie sie auch noch Jahre nach dem Krieg mit ihrer Traumatisierung leben mussten. Gleichzeitig gibt sie auch einen Einblick, welche Konsequenzen der Krieg auf der Heimatfront hatte, wo Familien auf ein Lebenszeichen ihrer Söhne und Ehemänner warten mussten, in ständiger Ungewissenheit leben mussten und wie schlimm es war, wenn die gefürchteten Zeilen Gestorben für Führer, Volk und Vaterland überreicht wurden. Trotzdem hat Daniela Ohms es auch immer wieder geschafft kleine Hoffnungsfunken in ihre Handlung zu setzen, die dann besonders gestrahlt haben also auf jeden Fall auch Taschentücher bereit halten :-) Mehr als einmal musste ich Tränen zerdrücken
Der Schreibstil ist wirklich wunderschön, wobei er nichts beschönigt. Mit aller Härte beschreibt er das Leben der damaligen Zeit. Geglückt ist der Autorin auch die Verwebung der Zeitsprünge zwischen den Kriegsjahren und den Jahren davor. Sehr gekonnt platziert sie Rückblenden an passende Stellen und als besonderes Schmankerl wählt zusätzlich zu gegebenen Zeiten auch die Briefform, die ja in Büchern immer eine besondere Bedeutung haben, besonders während einer Kriegszeit.
Fazit: Ein Stück dunkler Zeitgeschichte wird lebendig, die nicht vergessen werden sollte. Gleichzeitig lässt Winterhonig seine Leser auch mit viel Hoffnung zurück. Absolute Leseempfehlung
Ein absolut wertvoller Roman, den jeder lesen sollte
Buechervorhersage aus Dortmund am 27.05.2025
Bewertungsnummer: 2501158
Bewertet: eBook (ePUB 3)
In Winterhonig begleiten wir die junge Mathilda in ihrem Leben während des zweiten Weltkriegs auf einem Bauernhof in Westfalen mit neun älteren Geschwistern. Das Leben ist hart und sehr eingeschränkt. Nachdem ein Mann nach dem Anderen als Soldat eingezogen wird, bleiben die Mädchen alleine mit dem Vater zurück und müssen harte Arbeit leisten, um die Familie und den Hof über Wasser zu halten. Mathilda verliebt sich in den älteren Nachbarsjungen Karl, doch ihre Liebe hat kaum eine Chance, da er versucht, seine wahre Identität und wahre Abstammung geheim zu halten. Im Laufe der Zeit nehmen die Krankheiten, Verletzungen und Verluste zu, außerdem werden die psychischen Belastungen sichtbar. Doch neben all dem Leid schwebt weiterhin die Hoffnung über allen, auf gute Botschaften, auf ein Wiedersehen mit den Liebsten, auf eine Beendigung des Krieges. Und in den schlimmsten Stunden hilft ein Löffel voller Winterhonig.
Die Geschichte startet sehr ruhig, doch nach und nach nimmt die Intensität der Themen stetig zu. Die Autorin hat sich sehr viel Mühe mit ihren Recherchen gegeben und das merkt man der Geschichte auch an. Selbst wenn sie selbst keine Berührungspunkte mit dem Krieg hatte, hat sie es geschafft, die Situation gleichzeitig authentisch, bedrückend, aber auch ein wenig hoffnungsvoll zu gestalten. Sie hat Schlüsselpersonen aus der deutschen Geschichte gekonnt in eine fiktive Welt platziert und gleichzeitig die Erfahrungen ihrer Großmutter als Rahmen gewählt. Auch wenn nicht alle Personen der Realität entsprechen, hat sich die Geschichte sehr real angefühlt. Ich habe mitgefiebert und gebangt, sowohl mit Mathilda als auch mit Karl, dessen Sicht wir direkt von der Front auch miterleben dürfen. Diese Perspektive finde ich sehr wichtig, um gerade jüngeren Generationen einen Einblick in den Kriegsalltag zu geben und zu zeigen, wie schlimm die damaligen Ereignisse tatsächlich waren. Anfangs wirkt die hohe Seitenzahl abschreckend, doch sobald ich einmal in der Geschichte versunken war, konnte ich nicht mehr aufhören.
Ein absolut wertvoller Roman, den jeder gelesen haben sollte.
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