»Auftreten statt austreten« – lautet der Appell von Rainer Maria Schießler. In einer Zeit, in der so viele Menschen wie nie die katholische Kirche verlassen, gelingt es dem bundesweit bekannten Münchner Stadtpfarrer, dass seine Gemeinde wächst und sich für den Gottesdienst begeistert. Sein Rezept heißt Klartext. Oft werden seine Predigten zu Ökumene und Zölibat beklatscht. Er pflegt eben einen ganz eigenen Stil: im Frühjahr segnet der leidenschaftliche Motorradfahrer in der Gemeinde die Maschinen der Väter und die Bobby-cars der Kleinsten, an Heiligabend lässt er einen DJ auflegen und schenkt Sekt aus – schließlich wird der Geburtstag Jesu gefeiert. Will die Kirche sprachfähig und glaubwürdig sein, dann braucht sie Temperamente wie Rainer Maria Schießler. Sein Buch steht unter dem Baldachin seiner Osterbotschaft von 2015 »Mut zur Veränderung« und benennt die heiklen Themen innerhalb der katholischen Kirche, die seiner Meinung nach zu einem Glaubwürdigkeitsverlust geführt haben.
Kundinnen und Kunden meinen
4.4/5.0
Bewertung
aus Hahnenbach
5/5
11.01.2018
Buch (Gebundene Ausgabe)
Auftreten statt austreten
Dieses Buch "Himmel, Herrgott, Sakrament" von Pastor Rainer M. Schießler ist für mich eines der besten (Sach)Bücher, das ich in den letzten Monaten, nein in den letzten Jahren, gelesen habe.
Er hat den Menschen etwas zu sagen, dieser Pastor, der sich weder verbiegen, noch in eine Schublade stecken lässt. Ich würde ihn als einen Freigeist bezeichnen, dem trotzdem sein Gott, seine Kirche und die Menschen so wichtig sind, dass er ihnen sein Leben widmet.
Gott sei Dank gibt es solche Priester, die nicht mit dem Strom schwimmen, weil sie ihre Karriere im Auge behalten wollen. "Auftreten statt austreten", fordert er seine Leser auf. Man kann nur hoffen, dass seine Parole von vielen Christen gehört wird. "Meine Kirche ist alt und unbeweglich geworden" (Seite 14), schreibt er und spricht damit vielen Gläubigen aus dem Herzen, die sich noch nicht von ihr verabschiedet haben, sich aber mit dem Altersstarrsinn der Kirche schwer tun. Die Grabenkämpfe in Rom sind Thema und eine Kirche die um sich selbst kreist, anstatt dort zu sein wo sie hin gehört, mitten in dem Alltag ihrer Mitglieder. Doch statt dessen verharrt die Kirche in ihrer Erstarrung.
Doch er schreibt nicht nur über die Kirche, sondern auch über seinen Lebensweg und wie er seiner Berufung zum Priester folgte. Als Kind war sein größter Wunsch Ministrand zu werden und prompt "gab er alles, bei seinem ersten Einsatz". Es folgten Aufs und Abs und über Umwege kam er am Ende doch ins Priesterseminar. Damals machte er den Taxischein, fuhr nachts die unterschiedlichsten Menschen in teure Hotels, an den Flughafen oder auch ins Bordell. Diese Nächte empfand Pastor Schießler als wichtigste Lehrzeit, die ihm mehr Einblicke in das Wesen seiner zukünftigen Schäfchen erbrachte, als er im Priesterseminar je über sie lernen konnte. Vielleicht entstand schon da sein Wunsch immer mit den Füßen auf dem Boden bei den einfachen Menschen zu bleiben und nicht die große Karriere da oben in der Kirche anzustreben, wo die Luft so dünn ist. Doch der Preis für seine Berufung ist hoch. Pastor Schießler schreibt von der Einsamkeit des Priesters und wie es ist, im Pfarrhaus kein Zuhause zu finden.
Seine Leitsätze lauten: "Was ich nicht bekämpfen kann, muss ich umarmen" (Seite 178), "Du musst die Leute mögen" oder auch "Predigt darf nicht wehtun". Wer Gottesdienste besucht hat es ganz sicher schon erlebt. Es werden Predigten gehalten die sind so langweilig, tun weh, dass die Menschen abschalten und nicht hinhören. Er provoziert und wundert sich manchmal selbst, dass man ihn vom Ordinariat aus gewähren lässt. Aber sein Erfolg gibt ihm recht. Während in anderen Kirchen über gähnende Leere geklagt wird, kann er sich über volle hl. Messen freuen. Rainer M. Schießler kommt bei den Gläubigen an, hat ihnen etwas zu sagen. Er geht dahin wo die Menschen sind. Deshalb nahm er mehrere Jahre während der Wies'n Urlaub und bediente im Festzelt. Ein Pastor der alltagstauglich ist.
Seiner Kirche hält er den Spiegel vor und hofft, dass sie erkennt und endlich die Konsequenzen daraus zieht, dass sie nicht mehr auf der Höhe der Zeit ist, sich nur im Schneckentempo bewegt. Nicht die Gläubigen verabschieden sich von ihrer Kirche, sondern die Kirche verabschiedet sich von den Gläubigen, stellt er dabei fest. "Jesus grenzt niemanden aus" (Seite 202). Weshalb auch Schwule und Lesben ihren Platz in der Kirche haben müssen.
"Sakramente musst du in dir spüren", steht auf Seite 194 zu lesen. Wie ich schon zu Anfang feststellte, Pastor Rainer M. Schießler hat den Menschen etwas zu sagen und zu geben. "Bist du bereit für Veränderungen?", fragt er sich auch selbst. Dieses Buch gibt so viele Denkanstöße und ist für mich deshalb eines der besten, das ich seit langer Zeit gelesen habe. Da klappt man nach der letzten Seite nicht einfach den Deckel zu und geht zur Tagesordnung über. Seine Ausführungen wirken nach und vielleicht bewegen sie auch etwas. Bleibt zu hoffen, dass sich viele Leser von seinen Worten berühren lassen.
Ich kann dieses Buch nur wärmsten empfehlen.
Bewertung
aus Vals
5/5
23.10.2017
Buch (Gebundene Ausgabe)
Ermutigend
Ich habe noch wenige Seiten des Buches gelesen, bin aber bereits jetzt begeistert. Seine lebendige Art zu schreiben, zu erzählen faszinieren mich. Leider gibt es viel zu wenige Priester in unserer Kirche von seinem Format.
Bewertung
4/5
20.03.2018
Buch (Gebundene Ausgabe)
Plädoyer für eine offene Kirche
Rainer M. Schießler zeigt in seinem sehr persönlichen Buch, dass Kirche auch anders geht, nämlich authentisch und an den Bedürfnissen der Gläubigen orientiert. Sein Motto "Auftreten statt austreten" hat mich wirklich beeindruckt, denn nur so kann sich etwas ändern.
Fazit: Ein interessanter Ansatz für eine moderne Kirche. Lesenswert.
Nicole
aus Nürnberg
3/5
08.01.2017
Buch (Gebundene Ausgabe)
Ein Leben als Pastor
Meine Meinung zum Buch:
Himmel, Herrgott, Sakrament
Auftreten statt austreten
Aufmerksamkeit und Erwartung:
Diesen Punkt findet ihr bei mir auf dem Original Post auf dem Blog.
Inhalt in meinen Worten:
Ein Leben hat viel Fassungsvermögen, der eine ist eher auf der einen Seite der andere auf der anderen Seite angegliedert und Rainer ist auf einer besonderen Seite. Er ist an Gottes Seite, zumindest sagt er das von sich selbst.
Wie es dazu kam, dass er Pfarrer wurde, was der Glaube ihm bedeutet, was er kritisch beleuchtet und was er sich wünscht, das möchte er in diesem Buch dem Leser nahe bringen.
Wie ich das Buch fand:
Ich fand leider nicht so ganz in das Buch.
Einerseits weil mir Rainer etwas zu sehr in den Zeiten herum springt, und kaum hat man sich mit der einen Situation angefreundet kommt schon wieder eine neue Situation, oder besser die wo vor ca 10 Seiten beschrieben wurde, kommt noch einmal zur Geltung mit einem anderen Fokus. Das fand ich dann etwas sehr anstrengend und hat mich nicht ganz erreichen können.
Als ich dann auch noch gelesen habe, das er sich wünscht, dass bevor Gotteshäuser abgerissen werden, das diese doch bitte mit Moscheen in Verbindung gebracht werden, denn es ist ja eh alles nur ein Gott. Das fand ich ziemlich heftig zu lesen, und hätte mir dann doch gewünscht, dass Rainer hier anders auftritt.
Denn ich widerspreche ihm hier sehr deutlich. Es gibt nur einen Gott. Aber es würde zu weit führen, das hier nun weiter auszuführen.
Ich kann aber schon nachvollziehen, warum Rainer so denkt und handelt.
Was ich dennoch interessant fand, wie ein Pfarrer, der ja ohne Ehefrau leben muss (Was ich immer noch nicht so ganz verstehe, warum das die Römische Katholische Kirche so handhabt) sich auch mal einsam fühlt, oder auch einfach mal sich Nähe wünscht und nicht alleine wohnen möchte.
Also in diesem Buch findet man eindeutig viel persönliches von diesem Pfarrer - auch wenn er mich nicht ganz erreichen konnte, kann ich mir vorstellen, dass es Menschen gibt, die es zu schätzen wissen, wenn Pfarrer nicht nur starr sind sondern auch mal so locker und flockig wie er er ist. Denn er liebt es auch noch Motorrad zu fahren und dabei die Freiheit zu fühlen.
Was ich andererseits sehr vermisste war wirklich der Glaube und der Hinweis auf Jesus, den genau deswegen griff ich auch zum Buch.
Fazit:
Dieses Buch war nun nicht ganz das was ich erwartet habe, dennoch hat es viele wertvolle Akzente, und es lohnt sich für den ein oder anderen auf jeden Fall.
Sterne:
Dem Buch kann ich leider nur drei Sterne geben - eben durch das ständige hin und her in der Zeit.
Bewertung
aus Schönenberg-Kübelberg
5/5
29.04.2019
eBook (ePUB)
lesenswertes Buch
Das Buch ist spannend vom Anfang bis zum Schluss; anfangs etwas gewöhnungsbedürftig, da der Autor in den Zeiten vor und zurückspringt. Pfr. Schiessler geht auf die Menschen zu; ihm ist es wichtig, die Botschaft Gottes den Menschen nahe zu bringen.
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