Die berührende Lebensgeschichte zweier Menschen, die nicht aufhören zu träumen und damit Berge versetzen. Als Pflegekind im Dorf der Kirschen aufgewachsen, versucht Annemie trotz mehrerer Schicksalsschläge ihre Existenz zu sichern. Als sie Jonathan, ihrem verloren geglaubten Freund, wiederbegegnet, scheint das private Glück zum Greifen nahe. Die beiden errichten ein Glashaus, um die Sehnsucht nach reifen Kirschen im März zu stillen. Für jede einzelne bietet ein Fabrikant zwei Goldmünzen. Jonathan und Annemie machen das Unmögliche möglich. Als jedoch ein großer Krieg ausbricht, scheint sich das Blatt wieder zu wenden. Eine Geschichte wie eine Metapher für den unerschütterlichen Glauben an das Gute.
Kundinnen und Kunden meinen
4.5/5.0
Herbert Mangl
aus Wien
5/5
22.01.2016
Buch (Gebundene Ausgabe)
Vor 100 Jahren und einem Sommer
Annemie ist das uneheliche Kind von Sophie. Um der Schande zu entgehen, gibt Sophie Annemie zu Pflegeeltern ins Dorf der Kirschen, das ein wenig abgelegen auf einem Hügel liegt. Sie wächst dort mit einem weiteren Pflegekind, Jonathan, auf. Beide verlassen als Jugendliche kurz nacheinander die Pflegeeltern und schlagen sich alleine durchs Leben. Nach einigen Jahren treffen sie zufällig wieder aufeinander und sofort ist die alte Zuneigung wieder da. Sie kehren zurück ins Dorf der Kirschen und in das alte Haus wo sie aufgewachsen sind. Dort ist jedoch nur mehr der Ziehvater am Leben. Die beiden bleiben zusammen, bewirtschaften Haus und Hof und betreuen den alt gewordenen Ziehvater bis zu seinem Tod. Ein Geschäftsmann kommt ins Dorf und bietet jedem, der ihm vor dem 15. März reife Kirschen bringt, 2 Goldstücke für jede Kirsche. Annemie wird diesen Gedanken Tag und Nacht nicht mehr los und sie findet einen Weg. Sie und Jonathan beginnen einen schier unmöglichen Versuch und jedermann erklärt die beiden für verrückt. Doch sie geben nicht auf.
Es ist dies ein Buch, für das man ein wenig Muße braucht und die richtige Stimmung. Es ist eines von jeden Büchern, das sich hervorragend zum Vorlesen eignen, weil es relativ klar strukturiert ist. Man muss sich nicht mit vielen Namen herumschlagen. Es gibt eigentlich im Wesentlichen nur Annemie und Jonathan die namentlich genannt werden. Alle anderen sind irgendwie nur erwähnt, um das Bild komplett zu machen. Der Ziehvater, die Ziehmutter werden niemals namentlich erwähnt, ebensowenig wie alle anderen vorkommenden Personen, die lediglich in ihrer Funktion beschrieben werden und so sehr eindeutig auf ihren Platz verwiesen werden. So wie früher Märchen erzählt wurden, in denen es ja auch nur für die Hauptpersonen Namen gab. Ansonsten ist die Geschichte eine ruhige, unaufgeregte Erzählung über ein nicht ganz einfaches Frauenleben Anfang des vorigen Jahrhunderts. Nicht unbedingt sehr realistisch dargestellt, aber eine sehr nette Erzählung. So gesehen, ist der Vergleich mit einem Märchen nicht einmal so unpassend, wenngleich das ein wenig zu hoch gegriffen wäre. Dennoch finden sich hier einige Ungereimtheiten und Absurditäten, die eindeutig ins Land der Fantasie gehören. Alles in allem ist Vor hundert Jahren und einem Sommer aber sehr lesenswert.
Sylvia Mangl
aus Wien
4/5
23.10.2015
Buch (Gebundene Ausgabe)
Vor hundert Jahren und einem Sommer
Annemie wird, nachdem sie eine kurze Zeitspanne mit ihrer Mutter ausserhalb ihres Heimatortes gelebt hat, zu Pflegeeltern im Dorf der Kirschen gebracht, und wächst nun, gemeinsam mit Jonathan dort auf. Zuerst verlässt Jonathan das Dorf der Kirschen und später auch Annemie. Sie zieht durchs Land, um ihren Lebensunterhalt zu verdienen und kehrt doch eines Tages wieder zurück und trifft auf Jonathan. Gemeinsam mit ihm geht sie zurück zum Ziehvater, der mittlerweile verwitwet ist und zu Dritt beginnen sie ein neues, angenehmes Leben. Eines Tages kommt ein reicher Kaufmann ins Dorf und verspricht, jedem 2 Goldstücke für jede Kirsche zu zahlen, die vor dem 15. März geerntet wird ein Ding der Unmöglichkeit. Durch Zufall kommt Jonathan an ein Buch über die Aufzucht von Kirschbäumen in Glashäusern und er schenkt es Annemie zum Geburtstag. Von Stund an ist Annemie besessen von dem Gedanken, im Winter Kirschen wachsen zu lassen. Die beiden wagen sich an dieses Abenteuer.
Es ist dies ein wunderschöne Geschichte, die natürlich vor einem realen Hintergrund wie dem Krieg spielt. Aber eben doch eine Geschichte. Dessen muss man sich immer gewärtig sein und deshalb muss man auch dem Autor ein gewisses Maß an dichterischer Freiheit zugestehen. So ist der Geldsegen grad im richtigen Augenblick zwar vergönnt, aber so wie beschrieben doch recht unwahrscheinlich und die Namensgebung von Annemies und Jonathans Tochter ein wenig albern. Ansonsten zeichnet sich diese Geschichte durch eine ganz eigene Sprache aus, die mich ein wenig an einen Heimatroman erinnert, allerdings ohne all den Kitsch. Die Eigenart zum Beispiel, nur ganz wenige Personen mit Namen zu nennen Annemie, Jonathan, Sophie und Basil. Alle übrigen sind namenlos und treten nur als der Ziehvater, die Ziehmutter, der Experimenteur oder der Limonadenverkäufer auf. In jedem Fall ungewöhnlich und lesenswert, keine Alltagskost. Hat mir sehr gut gefallen. Ebenso das Cover, das sehr liebevoll gestaltet wurde.
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