Kansas, 1870: Der Student Will Andrews kehrt Harvard den Rücken, um im Wilden Westen sein Glück zu finden. Er landet in Butcher's Crossing, einem Ort mitten im Nirgendwo. Dort wimmelt es von rastlosen Männern, Huren und zwielichtigen Gestalten. Auf der Suche nach Geld und Abenteuern schließt sich Andrews einer Gruppe von Büffeljägern an. Nach einer strapaziösen Reise gelangen sie ans Ziel und geraten, besessen vom Töten der Büffel, in einen Blutrausch. Bald holt der Winter sie ein. Erst im Frühjahr, halb wahnsinnig durch Hunger und Kälte, können sie heimkehren. Doch was sie erwartet, ist eine Welt, die sich genauso endgültig verändert hat wie sie selbst.
Kundinnen und Kunden meinen
4.8/5.0
Bewertung
5/5
17.09.2015
Hörbuch-Download (MP3)
unverblümtes Wild West
Hörbuch, 8 Stunden, 57 Minuten gesprochen von Johann von Bülow
Nachdem ich von John Williams Buch Stoner so begeistert war, habe ich mir diesen Western als Hörbuch zugelegt und bin wieder begeistert. Der Vorgänger ist allerdings ein Klasse besser, der hätte 7* verdient.
Dieses historische Buch in die Richtung moderner Wild West abzulegen, unverklärt, weit entfernt von einer Karl-May Beschreibung. Williams löst sich von den amerikanischen Mythen, weist dem Westernklischees den Rücken. Es geht nicht um große Ideale und Abenteuer, die Büffeljagd war ein Geschäft. Der Leser wird mit Entbehrung, harter Arbeit und dem Tötens konfrontiert, riecht förmlich beim Lesen die ungewaschen Männer, die Büffel, den Geruch von Blut. Männer und Tiere in der Wüste, die fast am Verdursten sind, Ochsen, deren Zungen mit dem letzten Wasser befeuchtet werden, damit ihre Zungen nicht anschwellen, eindrückliche Beschreibungen, die es dem Leser erscheinen lässt, als reite er mittendrin. Behutsam badete Miller das rauhe, gequollene Fleisch; Hand und Handgelenk steckten tief im Hals des Ochsen. Phantastisch, wie Williams die Herstellung von Patronen beschreibt, die die Männer erst kurz vor der Jagd in der Einöde herstellen, weil sie sonst verdorben wären.
Psychologisches, wie die Verhaltensweisen von Miller, der im Blutrausch einen Büffel nach dem anderen abknallt oder seine Handlungsweise, als die Truppe nach Butchers Crossing zurückkehrt, sind fein beobachtet und erzählerisch eindrücklich dargestellt.
Um 1870 finanziert Will Andrews, der Harward-Student aus Boston, Miller den Deal seines Lebens, eine Jagd auf die kostbaren Felle der Büffel in einem unbekannten Tal in den Rocky Mountains. Will sucht das große Abenteuer. Er wird es erhalten, den Ritt in die Hölle. Büffel sind zu der Zeit fast ausgestorben, für Felle wird viel Geld geboten. Miller behauptet, er wisse, wo sich immer noch große Herden aufhalten, völlig versteckt. Miller, ein knallharter Trapper alten Stils, geldgierig, abenteuerlustig, abgebrüht, dagegen Will Andrews, ein verweichtes Söhnchen, naturbegeistert und idealistisch, hochnaiv, ein Stoff, aus dem sich mehr als eine gute Geschichte entwickelt. Miller ist ein Mistkerl, aber auch er zeigt einen weichen Kern. Mit von der Partie ist sein Freund, der leicht verrückte Charley Hoge, den Miller einst vor dem Kältetod rettete, wobei er ihm allerdings die verfrorene und verfaulte Hand amputieren musste. Fred Schneider ist dabei, der beste Häuter. Er erklärt Will später, wie man Tiere ausweidet und das Fell sachgemäß abzieht. Innereien, die sich als schwierig gestalten, Gestank, Fliegenheere, der Leser ist mit allen Sinnen dabei. Nach acht Monaten kehren die Männer zurück: Meine Güte, ihr Männer verbreitet einen mächtigen Gestank, sagt der Rezeptionist im Hotel von Butchers Crossing. Ich möchte den Ausgang der Geschichte nicht verraten. Nur so viel, es wäre kein Williams, wenn dieser Roman kein Drama wäre.
Dieser Roman ist amerikanische Geschichte. Aber es ist mehr, denn Williams beschreibt eindrücklich Naturgewalten (die Wüste und Schneestürme), die Gier des Menschen und seine grausame Gewalt, seine Dummheit, sich selbst seine Lebensgrundlage durch Zerstörung zu entziehen. Williams beschreibt aber auch die Schnelligkeit der Märkte, den Zerfall von Siedlungen, wenn sie sich den Märkten nicht anpassen können. Schäbige Hotels, schmutzige Saloons, ein Stück von Wild West in seiner Reinform. Von den geschätzten 50 Millionen Büffeln, die es in Amerika einmal gegeben hat, waren um 1900 nur noch 500 Exemplare übrig. Fasziniert durch die Dramaturgie und die gewaltige Sprache wird der Leser mitgezogen in eine vergessene Welt, weit entfernt vom Kitsch des Malboroman.
tim
5/5
19.02.2025
Buch (Taschenbuch)
gewaltige Natur, dichte Erzählung
Ein fabelhafter Roman, den ich von der ersten bis zur letzten Seite in vollen Zügen genossen habe. Die Bildsprache von Williams ist unglaublich. Sie folgt nicht dem üblichen Strang einer Western-Geschichte sondern zeigt viel mehr das grosse Leid dieser Zeit, die oftmals so romantisiert wird.
Bewertung
5/5
15.11.2022
Buch (Taschenbuch)
In den letzten Tagen des Wilden Westens
Ja, meine Generation ist mit Winnetou aufgewachsen. Und nein, wir würden es heute nicht mehr lesen. Dafür gibt es John Williams Butcher's Crossing. Dieser Roman thematisiert alles, was heute auch aktuell ist: Der desaströse Umgang des Menschen mit der Natur und deren Ressourcen. Die Unerbittlichkeit der Natur mit denen, Unerfahrenheit und Selbstüberschätzung werden zum strafenden Bumerang. Die Story spielt um 1870: Der junge naive Will Andrewas aus grossbürgerlichem urbanen Umfeld hat gerade erst sein Studium abgeschlossen, und wähnt sich auf den Spuren Ralph Waldo Emersons, als er in Butcher's Crossing in der ersehnten Wildheit der Natur eintrifft, einen Treck finanziert, der Büffelfelle in grossser Zahl in den rauen Bergen der Rocky Mountains erjagen will. Zu viert machen sie sich auf, der erfahrene Jäger Miller, der die geheim gehaltenen Jagdgründe kennt, sein erfahrener Kutscher und Koch Charlie Hoge, der seinen Arm verloren hat, ein frommer Säufer, und Fred Schneider, der Häuter, der lebenslustig und egoistisch ist und als Einziger den Leader Miller zu hinterfragen traut. Nach einer mühsamen Fahrt über unwegsame Pässe und endlose Steppen treffen sie auf das ersehnte Paradies. In massloser Gier schlachten sie die Büffel ab, die Jagd wird beschrieben als blutiges Handwerk, getrieben von der Gier Millers, der vom Jagdfieber besessen ist. Doch dann bricht der Winter in unvorhergesehener Härte ein. Knapp, mit viel Zwist und noch mehr Glück überleben sie den Winter, machen sich auf die Rückreise. Doch auch hier widerfährt den Abenteurern ein harter Schicksalsschlag, und auch Butcher's Crossing treffen sie anders an, als sie erwartet hatten. Es sind grandiose Naturbeschreibungen, ambivalente Charaktere und eine von überraschenden Wendungen reiche spannende Handlung, die dieses Buch zu einem grossen und besonderen Lesevergnügen machen, und soviel sei verraten, es gibt kein Happy End! Das Buch ist weit weg von Western-Kitsch, es ist für mich wirklich grosse Literatur.
Bewertung
5/5
08.09.2022
Buch (Taschenbuch)
Unvergesslicher Western-Roman...
Unvergesslicher Western-Roman rund um die Büffeljagd bzw. das Abschlachten der Tiere, um Geschäfte zu machen. Bildgewaltig, brutal, aber gleichzeitig faszinierend.
Bewertung
aus Dietikon
5/5
19.01.2022
Buch (Taschenbuch)
Gewaltiger Roman
Eine Geschichte in gewaltiger, atmosphärischer Sprache. Ein Buch das man nicht so schnell vergisst. Absolut lesenswert.
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4/5
09.04.2024
Buch (Taschenbuch)
Wild Wild West
Ein Klassiker, so Wortgewaltig, dass man direkt in die sengende Hitze
von Butcher's Crossing versetzt wird.
Die Geschichte liest sich wie ein spannender Western und lässt einen
immer wieder den Atem stocken, da er aufzeigt wie brutal der Mensch
damals wie heute mit der Natur umgeht um seinen Nutzen darauß zu ziehen.
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4/5
12.11.2019
Buch (Taschenbuch)
John Williams zeigt uns das sinnlose...
John Williams zeigt uns das sinnlose Abschlachten der Büffel, selbst dann noch als die Felle keinen Cent mehr Wert waren. Er zeigt uns den kranken, von Gier und Trieb zerfressenen Menschen, der sich immer mehr selbstentfremdet, die Gesetze der Natur mißachtend.
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