Klang-Experimente

Inhaltsverzeichnis

Inhalt

Erkenntnisform Klang-Experiment 7

Sinnliche Erkenntnis 9

Die auditive Kultur der Naturwissenschaften 13

Kapitelübersicht 19

1 Mit den Ohren sehenDiagnostische Hörtechniken

um 1800 22

Auenbruggers Perkussion: Patientenkörper als Resonanzraum 24

Laënnecs Stethoskop: Die akustische Vermessung des Körpers 36

Geräusche und Schattenbilder 46

Medizinisches Medientheater auf dem Zauberberg 51

Resümee: Hörsysteme und geschulte Ohren 55

2 Das Unsichtbare hörbar machenDas Telefon als Instrument

der Elektrophysiologie 60

"Ruft man ihm zu: Zucke! so zuckt der Schenkel" 62

Das Telefon als Elektrometer und akustische Anzeige 65

"Telephonische Methode" und grafische Repräsentation 76

Mediatisierte Auskultationen 80

Resümee: Akustische Anzeigen im Labor 85

3 Das Ohr im FeldHörtechniken und Schallmessverfahren

im Ersten Weltkrieg 88

Hören an allen Fronten 90

Formen akustischer Aufklärung 93

Nach dem Krieg: Hörerfahrungen kommunizieren 100

Demobilisierung des Ohrs 106

Resümee: Klanglandschaften und funktionale Hörräume 112

4 Das Knacken des GeigerzählersAkustische Darstellung

im Dienst der Strahlenphysik 115

Frühe Verfahren zum Nachweis von Radioaktivität 116

Akustische Beobachtung mit dem Telefon 123

Ein "Trommelfeuer von akustischen Signalen" 128

Jenseits des Labors: Geigerzähler als Suchtechnologien 134

Resümee: Vom Klang des Labors zum Sound der Gefahr 139

5 Der Sound des Kalten KriegesSeismogramme,

Psychoakustik und das Atomteststoppabkommen 147

Das "Detection problem" oder: Wissenschaft macht Politik 149

Ein akustisches Display für den Weltfrieden 154

An der Heimatfront des Kalten Krieges 162

The method, not the man: Das zweite Team 166

Resümee: Die Politik des Geräuschs 174

Epistemische Klänge und wissenschaftliches Hören 179

Anmerkungen 187

Abbildungsnachweise 209

Literatur 211

Dank 229

Klang-Experimente

Die auditive Kultur der Naturwissenschaften 1761-1961

Buch (Taschenbuch)

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Klang-Experimente

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Beschreibung

Wissenschaftliche Forschung gilt gemeinhin als visuelles Unterfangen. In den exakten Wissenschaften wurde seit der Aufklärung jedoch auch das Gehör immer wieder als Erkenntnissinn mobilisiert. Axel Volmar rekonstruiert wesentliche Episoden auditiver Wissensproduktion, darunter die Erfindung des Stethoskops, Hörtechniken im Ersten Weltkrieg und die Geschichte des Geigerzählers als akustischem Messgerät, und leistet damit einen innovativen Beitrag zur Medien- und Sinnesgeschichte der Naturwissenschaften.

Axel Volmar ist Mellon Post-Doctoral Fellow am Department für Art History & Communication Studies der McGill University (Montreal).

Details

Einband

Taschenbuch

Erscheinungsdatum

10.09.2015

Verlag

Campus

Seitenzahl

230

Maße (L/B/H)

21,5/14,6/1,7 cm

Beschreibung

Details

Einband

Taschenbuch

Erscheinungsdatum

10.09.2015

Verlag

Campus

Seitenzahl

230

Maße (L/B/H)

21,5/14,6/1,7 cm

Gewicht

300 g

Auflage

1

Sprache

Deutsch

ISBN

978-3-593-50278-6

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Erkenntnisform Klang-Experiment
"Was ist Hören? Das Aufspüren eines Signals inmitten des Hintergrundrauschens."
Michel Serres
Im Jahr 1761 erschien im Verlagshaus Thomas Trattner die medizinische Abhandlung Inventum novum ex percussione thoracis humani ut signo abstrusos interni pectoris morbos detegendi. In diesem schmalen, kaum hundert Seiten umfassenden Bändchen beschreibt der Wiener Spitalsarzt Joseph Leopold Auenbrugger die von ihm entwickelte Methode der Perkussion, ein dia-gnostisches Verfahren zur Erkennung von Brustkrankheiten durch das Abklopfen des Oberkörpers. Die Vorrede beginnt mit den Worten:
"Ich lege dir, günstiger Leser, ein neues von mir erfundenes Zeichen vor zur Ent-deckung der Brustkrankheiten. Es besteht dies im Anschlagen an den menschli-chen Brustkorb, aus dessen verschiedenem Widerhall der Töne sich ein Urteil über den inneren Zustand dieser Höhle gewinnen läßt. Weder der Anreiz zur Schriftstellerei noch der Überschwang der Spekulationen, sondern die siebenjährige Beobachtung war der Grund, das über diesen Gegenstand Entdeckte einzuteilen, zu ordnen und herauszugeben. [...] Ich schrieb dasjenige nieder, was ich nach dem Zeugnis meiner Sinne unter Mühen und Anstrengungen immer wiederum in Erfahrung gebracht habe".
Die Perkussion wird bis heute praktiziert und gilt als ein entscheidender Schritt in der Entwicklung physikalischer Untersuchungsmethoden. Viktor Fossel, der 1912 für die von Karl Sudhoff herausgegebene Reihe "Klassiker der Medizin" eine Neuübersetzung aus dem Lateinischen unternahm, schreibt in seiner Einleitung sogar zuversichtlich, die Perkussion dürfe "die bedeutendste Leistung der Heilkunde des 18. Jahrhunderts genannt werden". Fossel stellt dabei insbesondere den "naturwissenschaftliche[n] Charakter" der Methode heraus und betont, diese sei "auf dem Boden der Erfahrung und Beobachtung ausgereift und erst dann ans Licht gekommen, nachdem die Versuche die Überprüfung bestanden, das Experiment bis zur Höhe des strikten Beweises gediehen war." Der emphatische Bezug zum naturwissenschaftlichen Experiment ist in diesem Fall insofern bemerkenswert, da die Verwissenschaftlichung der ärztlichen Diagnose mit einem Rückgriff auf das Ohr als beobachtendem Sinnesorgan einhergeht. Mit anderen Worten: Die Bestimmung von Krankheit wird bei Auenbrugger zur akustischen Experimentalsituation.
Mit der Perkussion kündigt sich Mitte des 18. Jahrhunderts ein spezifi-scher Erkenntnistyp an, der im Folgenden den Gegenstand dieser Studie bilden wird: Im Zuge der Verbreitung empirischer Methoden auf der epistemologischen Grundlage des wissenschaftlichen Versuchs entdecken die Naturwissenschaften das Gehör als Erkenntnisorgan. Auenbruggers "Zeichen" kann dabei modellhaft für ein breites Spektrum von Anordnungen und Praktiken stehen, die das Hören - zunehmend auch in Verbindung mit technischen Medien - zur Produktion und Interpretation experimentell erzeugter Daten nutzten. Annähernd zur gleichen Zeit wie Auenbrugger entwickelte etwa der englische Astronom James Bradley die sogenannte Auge-und-Ohr-Methode, um eine höhere Präzision bei der Messung von Sterndurchgängen zu erreichen. Mit der Erfindung des Ste-thoskops und der Auskultationsmethode durch den Pariser Arzt René Laënnec im Jahr 1816 entstand wiederum eine weitere und nicht minder revolutionäre diagnostische Hörtechnik im Bereich der Medizin. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts übernahmen Psychologen wie Wilhelm Wundt astronomische Experimentalanordnungen wie etwa die Auge-und-Ohr-Methode zur Durchführung von Reaktionsexperimenten, während in den Lebenswissenschaften das Telefon zur Beobachtung von Muskel- und Nervenströmen verwendet wurde. Diese Entwicklung setzte sich im 20. Jahrhundert fort. So entwarfen Experimentalpsychologen im Ersten Weltkrieg Apparate zur akustischen Lokalisation von Geschützen, Flugzeugen und Schiffen. Mit der Bioakustik bildete sich um die Analyse von Tierlauten ein ganzer Forschungsz
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  • Inhalt

    Erkenntnisform Klang-Experiment 7

    Sinnliche Erkenntnis 9

    Die auditive Kultur der Naturwissenschaften 13

    Kapitelübersicht 19

    1 Mit den Ohren sehenDiagnostische Hörtechniken

    um 1800 22

    Auenbruggers Perkussion: Patientenkörper als Resonanzraum 24

    Laënnecs Stethoskop: Die akustische Vermessung des Körpers 36

    Geräusche und Schattenbilder 46

    Medizinisches Medientheater auf dem Zauberberg 51

    Resümee: Hörsysteme und geschulte Ohren 55

    2 Das Unsichtbare hörbar machenDas Telefon als Instrument

    der Elektrophysiologie 60

    "Ruft man ihm zu: Zucke! so zuckt der Schenkel" 62

    Das Telefon als Elektrometer und akustische Anzeige 65

    "Telephonische Methode" und grafische Repräsentation 76

    Mediatisierte Auskultationen 80

    Resümee: Akustische Anzeigen im Labor 85

    3 Das Ohr im FeldHörtechniken und Schallmessverfahren

    im Ersten Weltkrieg 88

    Hören an allen Fronten 90

    Formen akustischer Aufklärung 93

    Nach dem Krieg: Hörerfahrungen kommunizieren 100

    Demobilisierung des Ohrs 106

    Resümee: Klanglandschaften und funktionale Hörräume 112

    4 Das Knacken des GeigerzählersAkustische Darstellung

    im Dienst der Strahlenphysik 115

    Frühe Verfahren zum Nachweis von Radioaktivität 116

    Akustische Beobachtung mit dem Telefon 123

    Ein "Trommelfeuer von akustischen Signalen" 128

    Jenseits des Labors: Geigerzähler als Suchtechnologien 134

    Resümee: Vom Klang des Labors zum Sound der Gefahr 139

    5 Der Sound des Kalten KriegesSeismogramme,

    Psychoakustik und das Atomteststoppabkommen 147

    Das "Detection problem" oder: Wissenschaft macht Politik 149

    Ein akustisches Display für den Weltfrieden 154

    An der Heimatfront des Kalten Krieges 162

    The method, not the man: Das zweite Team 166

    Resümee: Die Politik des Geräuschs 174

    Epistemische Klänge und wissenschaftliches Hören 179

    Anmerkungen 187

    Abbildungsnachweise 209

    Literatur 211

    Dank 229