Sechs Tage im Jahr 1992. Polizisten misshandeln einen schwarzen Bürger und Los Angeles explodiert. Plünderungen, überall brennt es; ein Bürgerkrieg mitten im Herzen der westlichen Welt. Was passiert, wenn die Polizei eine Stadt den Armeen der Gangs überlässt? Rechnungen werden beglichen, noch und noch. Davon erzählt dieser ungeheuerliche Roman. Am Anfang ein unmenschlicher Mord: Wir erleben ihn aus der Sicht des Opfers. Dann kommen andere zu Wort: skrupellose und weniger skrupellose Gangster, rassistische Polizisten, Krankenschwestern, Junkies, jugendliche Mitläufer. Und es entsteht das Bild einer Gesellschaft, in der der Stärkere den Schwächeren frisst und die sich im Ausnahmezustand gänzlich enthüllt.
Ein Roman wie ein Tarantino-Film, ein Gewaltexzess, ein Experiment, ein Buch ohne Vorbild.
Kundinnen und Kunden meinen
4.3/5.0
Bewertung
aus Bern
5/5
07.02.2016
eBook (ePUB)
Abgründe tun sich auf
Man kann es Doku-Thriller nennen, man bekommt beim Lesen das Gefühl, mitten ins Geschehen reingezogen zu werden. Man wird nach der Lektüre dieses Buches auch heutige Gewaltausbrüche in den USA besser verstehen und die Waffennarretei und den Hass, die Paranoia und die Wild West-Gewaltbereitschaft mancher vor allem junger Erwachsener. Eins der besten und härtesten Bücher, das ich in den letzten Jahren gelesen habe und ich mag durchaus auch Witziges von Tom Wolfe oder Janathan Franzen. Hier aber gehts in Abgründe menschlicher Instinte, um Bandenbildung, krankhafte Coolness und all dem und es könnte auch in anderen Erdteilen spielen, bei den Mafias dieser Welt, den Jakuzzas, den Warlords usw...
Bewertung
4/5
04.10.2017
Buch (Taschenbuch)
Ein ungewöhnliches, ungeheuerliches...
Ein ungewöhnliches, ungeheuerliches Buch. Das brennende Los Angeles von 1992 aus verschieden Perpektiven - hart, blutig, schnell. Eine Dokumentation der Gewalt.
Bewertung
4/5
19.08.2016
eBook (ePUB)
brutale Gegenwart
»Wenn ihr in so nem Viertel aufwachst wie ich, wo der Waffenladen Kugeln für fünfundzwanzig Cent das Stück verkauft, an alle mit üblen Plänen im Kopf und einem Vierteldollar in der Tasche, dann würdet ihr vielleicht genauso werden.«
1991 tobte in LA zwei Wochen lang der Ausnahmezustand. Wenn man sich die letzten Zeitungsartikel anschaut, sieht, wie weiße Polizisten Schwarze erschießen, so kann man sich vorstellen, dass sich genau dieses Szenarium demnächst wiederholt.
»Keine zwei Wochen nachdem Rodney King zusammengeschlagen wurde, im März 1991, wurde die fünfzehnjährige Latasha Harlins von einer koreanischen Ladenbesitzerin namens Soon Ja Du erschossen. Auch davon gab es ein Video. ... schoss Latasha in den Rücken, wurde wegen Totschlags zu fünf Jahren auf Bewährung verurteilt, ..., obwohl auf die Tat, der sie für schuldig befunden wurde, eine Höchststrafe von sechzehn Jahren Haft steht. Verständlicherweise wurde das in der schwarzen Bevölkerung als Fehlurteil gewertet, und die Leute wurden sehr wütend.«
Die Geschichte wird von diversen Icherzählern wiedergegeben. Jeder erzählt in der ihm eigenen Sprache. Gerade das macht die Geschichte lebendig. Es kommen ehrliche Bewohner des Viertels zu Wort, die zur Gewalt greifen, um ihr Eigentum zu beschützen, da die Polizei nicht mehr Herr der Lage wird. Geschäfte werden geplündert, Autos und Häuser werden angesteckt. Drogensüchtige drehen durch. Gangster nutzen das Chaos, um alte Rechnungen zu quittieren. Läden und Lagerräume werden ausgeräumt, Gangs bestehlen sich gegenseitig und es kommt zu einem offenen Krieg der Homeboys. Ein Polizist erzählt, ein Feuerwehrmann. Menschen, deren Aufgabe es ist zu helfen, werden sinnlos angegriffen. Die Bewohner in diesem Viertel sehnen sich nach Recht und Ordnung, fühlen sich verlassen von der Obrigkeit.
Gattis Ryan hat gute Kontakte in das Viertel, recherchierte die Ereignisse, interviewte Leute, die sich direkt im Geschehen aufhielten. Herausgekommen ist ein Roman in Form einer Reportage. Es ist aber weit mehr, denn es ist kein sachlicher Bericht. Jeder Protagonist berichtet ehrlich in seiner Wut, mit seinen Ängsten, aus Entsetzen, mit eiskalter Berechnung, mit seinem zugedröhnten Kopf. Ein Zustandsbericht zur Situation in amerikanischen Großstädten, zum Umgang mit er schwarzen Bevölkerung.
»Ich muss was beichten. Manchmal weiß ich nicht die ganze Zeit, was ich eigentlich tue. Manchmal tu ichs einfach. Impulsiv, sagt Clever immer. Ich lebe nach meinen Trieben, irgendwas platzt mir grad so ins Hirn, schon bewegen sich meine Muskeln, und ich tus, ehe ichs richtig merke. Das Ergebnis ist manchmal gut, manchmal scheiße. Hängt davon ab. Bereue ich was? Irgendwie schon. Aber nicht so richtig.«
Die Geschichte beginnt mit dem brutalen Tod des rechtschaffenen Tacobäckers Ernesto Cruz: Zur falschen Zeit am falschen Ort. Seine Schwester Payasa, eine Chola, ein weibliches Gangmitglied, plant Vergeltung. Ernesto stirbt vor dem Haus der Krankenschwester Gloria, die später aus dem Krankenhaus berichtet. Hier trifft sie auf den Feuerwehrmann Anthony, mit dem sie eine flirtende Verbindung hat, dessen schwerverletzen Kollegen sie betreut. Wir lernen Gangs kennen, die sich gegenseitig abziehen, sich gegenseitig vernichten wollen. Es fließt sehr viel Blut in diesem Roman, viele Menschen sterben, teilweise auf ekelhaft brutale Weise. Hier geht es Aber nicht ums Abschlachten oder Voyorismus, die Geschichte beschreibt glasklar die Wirklichkeit. Big Fates Latinogang rechnet mit den Homeboys einer anderen Gang ab. Kluge Gangster, belesen, die sich im Rechtssystem auskennen, genauso wie in der Kriminaltechnik. Sie nutzen das System aus, sagen grinsend nur das Wort Anwalt, sonst nichts. Sie verwischen Spuren, verunreinigen sie, legen falsche. Bis heute konnten einige der damals begannen Morde nicht aufgeklärt werden.
Spannend, krass, brutal, ein Buch über das reale Amerika. Was passiert, wenn man eine ganze Bevölkerungsschicht ohne Bildung und chancenlos ohne Zukunft heranzieht ... Rassismus an jeder Straßenecke zwischen allen Bevölkerungsgruppen. Eine Gesellschaft ohne Moral, das Gesetz der Straße gilt. Der asiatische Junge bringt dem Vater bei, dass in der Verfassung steht, jeder darf sein Eigentum beschützen. Eine Waffe darf man selbstverständlich besitzen. Was passiert, wenn der kleine Mann das wörtlich nimmt? Was passiert, wenn den Chancenlosen die Hutschnur platzt? Ein Ritt durch sechs Höllentage. Am Ende des Buchs atmet man auf, ist sich aber bewusst, jeden Tag kann diese Apokalypse fortgeführt werden.
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4/5
26.09.2023
Buch (Taschenbuch)
Sechs Tage im Jahr 1992. Polizisten...
Sechs Tage im Jahr 1992. Polizisten misshandeln einen schwarzen Bürger und Los Angeles explodiert. Sechs Tage Ausnahmezustand, Krawalle, Gangrivalitäten, über 50 Morde, schließlich Ausgangssperre und Militäreinsatz.
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