183 Tage schließt sich Ianina Ilitcheva von fast allen Interaktionen weg. Kein Kontakt mit Freunden und Bekannten. Keine Anrufe. Keine E-Mails. Keine Textnachrichten. Sie begibt sich in ein soziales Exil und zieht sich zurück in ihr Inneres, neugierig, an den äußersten Rand des Alleinseins zu gelangen. Sie hat einen genauen Fahrplan, Regeln, die sie einzuhalten hat, aber trotzdem kommt alles anders als erwartet.
333 Notizen, 183 Fotografien, Selbstporträts, Illustrationen, Gedichte und Tagebucheinträge
erzählen persönlich, ungebremst und ungeschönt von diesen Tagen des Rückzugs. Die
Stimme der Autorin ist laut und leise, traurig und überschwänglich, poetisch und sachlich, und sie erzählt mit einer unglaublichen Leichtigkeit und Sprachgewalt von den großen und kleinen Dingen des Lebens: „Meine größte Angst ist, dass mir eine Möwe auf den Kopf scheißt.“
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Ein Experiment, eine Erfahrung. Ein Kunstbuch, ein Gedankenbuch.
sanasa am 05.05.2021
Bewertungsnummer: 892403
Bewertet: Buch (Gebundene Ausgabe)
>> Vielleicht ist es das. Vielleicht kann man nur frei sein, indem man allein ist.
Allein ist man, wenn niemand da ist, der einen braucht. Wenn niemand einem etwas abverlangt. <<
INHALT & GEDANKEN: Ianina Ilitcheva stellt ihre soziale Interaktion für ein halbes Jahr ein bzw. reduziert sie drastisch. Dabei bezeichnet sie sich selbst als einen Menschen, dessen große Stärke das soziale Leben ist, dennoch setzt sie sich einer Selbstentziehung aus. 183 Tage dokumentiert Texte, Zeichnungen, Gedichte, Bilder, Gedanken, die während dieser Zeit entstanden sind.
Den Versuchsaufbau finde ich spanend. Alleine sein. Ich denke, dass es mir selbst wohl weniger schwer fallen würde als Ianina Ilitcheva, aber sicher auch nicht leicht. Der Mensch ist ein soziales Tier, er sucht Gesellschaft und er lebt von und mit ihr. Was wären wir ohne unsere Mitmenschen? Das ist etwas, das die Autorin herausfinden wollte, was aus ihr selbst herauskommt.
Nach dem Lesen einigen Regeln, die Ianina Ilitcheva sich selbst auferlegt hat, konnte ich mich gut in ihre Gedanken hineinfallen lassen, die Tage dahinstreichen lassen, im Schnelldurchlauf das Experiment und ihre Erfahrungen damit begleiten. Mir gefällt das künstlerische, die Zeichnungen und Bilder, die kleinen Zettelchen, die so abgedruckt sind wie sie entstanden sind, handschriftlich, knapp.
>> Es ist schwer. Es ist besonders schwer heute. Ich möchte jemanden anrufen. Ich möchte mit jemandem sprechen. Ich möchte in einem Armliegen. Vielleicht ein bisschen weinen. Vielleicht einfach nur schlafen. Nicht allein sein. <<
Ianina Ilitcheva muss während der 183 Tage zwei schwere Ereignisse durchstehen. Auch daran lässt sie den Leser teilhaben. Manchmal sehr detailliert, manchmal nur in knappen Worten wie nebenbei. Ich muss zugeben, mich hungerte nach mehr, mehr Details, mehr Informationen. Manchmal fühlte ich mich angefüttert und dann stehen gelassen.
Andererseits ist es ohnehin viel Persönliches, was sie offenlegt und das Aussparen macht auch seinen Reiz aus, weil es zum Nachdenken und Lückenfüllen anregt, beispielsweise darüber wie die Tage ohne Erwähnung wohl abliefen, denn nicht zu jedem Tag gibt es einen Eintrag, oder zu den kurzen Gedankengängen wie den mit dem ich meine Rezension eingeleitet habe:
>> Vielleicht kann man nur frei sein, indem man allein ist. <<
FAZIT: 183 Tage ist kein Buch zum schnell Durchlesen und wieder weglegen, sondern eines zum Betrachten, zum Verweilen und Gedankenmachen. Es ist Kunst. Und es ist Beschäftigung mit sich selbst.
(Zitate aus "183 Tage" von I. Ilitcheva)
Ich stelle mich der Stille
angeliques.leseecke aus Nübbel am 05.05.2021
Bewertungsnummer: 897542
Bewertet: Buch (Gebundene Ausgabe)
Zitat Seite 95:
"Freunde machen die Welt nicht kleiner, sondern größer, viel größer, unfassbar groß."
6 Monate = 26 Wochen = 183 Tage, solange möchte sich Ianina Ilitcheva einem selbstauferlegten Experiment aussetzen. Keinen geplanten Kontakt zur Außenwelt, keine Anrufe, keine Emails, kein Twitter oder andere soziale Netzwerke, es gibt aber Ausnahmen. Zwei geplante Reisen, unangekündigter Besuch und handgeschriebene Briefe sind erlaubt...
Ihre Erfahrungen mit dem Alleinsein stellt sie mit Skizzen, Zeichnungen, Post-its und Texten dar.
"183 Tage" von Ianina Ilitcheva ist ein kleines Kunstwerk. Der Aufbau des Buches gefällt ganz gut, die Post-ist, die Skizzen und die Fotos vervollständigen das Geschriebene sehr gut. Der Schreibstil der Autorin ist flüssig und sehr ansprechend. Aber man kann es nicht so in einem weg lesen, bei einigen Stellen habe ich inne gehalten und über das Geschrieben nachgedacht. Es werden die verschiedensten Gefühle in mir geweckt, sei es lachen oder traurig sein.
Mir haben ein bisschen die genaueren Einblicke in das Gefühlsleben der Autorin gefehlt.
Was hat sie den ganzen Tag so allein gemacht?
Woran hat sie gedacht?
Das Cover ist ein echter Hingucker, die blauen Gräser machen neugierig auf das Buch.
Fazit:
Ein künstlerisch wertvolles Buch mit schönen Fotos und gemalten Bildern.
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