Lucia Binar ist 83, und sie ist verärgert. Die Große Mohrengasse, in der sie seit langem lebt, soll aus Gründen der politischen Korrektheit in "Große Möhrengasse" umgetauft werden. Und die soziale Einrichtung, die sie versorgt, hat versagt: Ihr Essen wurde nicht geliefert. Der Telefondienst ist in ein Callcenter ausgelagert, dort rät ihr eine Mitarbeiterin, sich von Manner-Schnitten zu ernähren. Lucia ist empört. Sie will die Frau aufsuchen und zur Rede stellen. Dabei hilft ihr ausgerechnet Moritz, ein Student, der die "Anti-Rassismus-Initiative Große Möhrengasse" unterstützt. Mit viel Humor erzählt Vladimir Vertlib die Geschichte einer alten Dame, die entschlossen ist, ihre Würde zu bewahren.
Kundinnen und Kunden meinen
3.0/5.0
Sursulapitschi
Thalia Book Circle Community
3/5
20.04.2015
eBook (ePUB)
Originell, witzig und anstrengend
Ich weiß nicht so recht, was ich von diesem Buch halten soll, das ich da gerade gelesen habe.
Hier hat ein sicherlich genialer Autor mit viel Humor etwas verfasst, das man nicht greifen kann. Eine parabelhafte Sozialstudie? Eine philosophische Satire?
In der Mohrengasse in Wien lebt die 83jährige Lucia Binar, eine ehemalige Lehrerin, die feststellen muss, dass ihr Haus plötzlich von allerhand finsteren Gestalten bewohnt wird. Ihr Vermieter gewährt großzügig Obdachlosen, Asylanten, Flüchtlingen und Junkies Unterschlupf.
Gleichzeitig lernt man Alexander kennen, der aus Russland eingewandert ist und als Assistent eines undurchsichtigen Magiers arbeitet.
Während Lucia tapfer versucht, mit ihrer neuen Lebenssituation klar zu kommen, bandelt Alexander mit einer Callcenterangestellten an und erzählt uns viel und ausführlich über seine traurige russische Vergangenheit.
Lucia ist eine bewundernswerte alte Dame, die mit einigem Sarkasmus ihre Umgebung analysiert und in jeder Lebenslage ein passendes Gedicht rezitieren kann. Sie kommentiert alles weitschweifig, was anfangs sehr lustig ist, auf Dauer dann aber doch anstrengt.
Dieses Buch spielt mit ausufernden Beschreibungen, absurden Monologen und philosophischen Betrachtungen zu lächerlichen Themen. Hier philosophieren sogar Obdachlose in volltrunkenem Zustand. Das ist genial gemacht, aber für mich war es in Summe zu viel des Guten. Bisweilen muss man aufpassen, dass man die Handlung im Blick behält, was gelegentliche Schlenker in die ein oder andere Vergangenheit noch zusätzlich erschweren.
Am Ende bekommt die Geschichte sogar noch einen irrwitzig fantastischen Aspekt, der natürlich die Absurdität auf die Spitze treibt, mit dem ich aber auch nicht so furchtbar viel anfangen konnte.
Dieses Buch ist ganz sicher ein großer Genuss für ein sehr erlesenes Publikum. Ich fand es originell, witzig und anstrengend.
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