„Die Gesandten“ ist ein Klassiker der amerikanischen Literatur, ein Entwicklungsroman zwischen alter und neuer Welt: Chad Newsome soll nach Hause kommen. Doch als Lambert Strether ihn heimbringen will nach Massachusetts, ist Paris nicht der Sündenpfuhl, den die Amerikaner sich vorstellen, sondern die grandiose Stadt der Belle Époque. Und die zauberhafte Madame de Vionnet, deren Händen er Chad entreißen soll, hat den Durchschnittsamerikaner Chad in einen kultivierten Europäer verwandelt. Strether sieht sich zwischen Tradition und Moderne, zwischen der Macht der Gefühle und der übernommenen Pflicht. Und er muss sich die Frage stellen, ob er Chad nicht ins Unglück stürzt, wenn er seinen Auftrag tatsächlich ausführt. Michael Walter hat diesem Meisterwerk eine brillante Entsprechung gegeben.
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Weltliteratur
Bewertung aus Langenhennersdorf am 19.09.2018
Bewertungsnummer: 1133986
Bewertet: Buch (Gebundene Ausgabe)
"Die Gesandten" ist ein Schlüsselroman der großen amerikanischen Literatur zum Eingang des 20. Jahrhunderts. Wenn ein Schriftsteller einen Gesellschaftsroman schreibt, steckt immer etwas an eigener Lebenswirklichkeit mit darin. Henry James war selbst als Kind reicher Eltern aufgewachsen, die sich die Bildung Ihrer Kinder in der luxeriösen Variante der Beschäftigung von Privatlehrern leisten konnten. James arbeitete als Schriftsteller, reiste dabei auch nach Paris und verbrachte die zweite Hälte seines Lebens in England. Wenn Strether, der Gesandte in diesem Buch mit dem Auftrag nach Europa reist, den Sohn seiner Auftraggeberin zur Rückkehr nach Amerika zu bewegen und dafür die Aussicht bekam, die Auftraggeberin und Vertraute heiraten zu dürfen, zeigen sich Parallelen zum Leben von James. Die Grundidee des Buches ist schon in dem Roman von James "Der Amerikaner" angelegt. Das Thema hat ihn ganz offensichtlich sehr lange beschäftigt. Strether scheitert. Er erlebt ein kulturvolles Europa und einen äußerst kultivierten Chad, der sich nicht als Objekt seines Auftrages sondern als eine zentrale Figur des Kulturkreises in Paris erweist, zu der er durch die kulturelle Erziehung seiner Gönnerin wird. Der verwitwete 55jährige Strether erlebt in diesen Cirle aufgenommen den krassen Gegensatz der europäischen Kultur zum amerikanischen kulturarmen, auf wirtschaftlichen Erfolg ausgerichteten Lebens, so dass er sich zu dem Fin de siecle selbst so hingezogen fühlt, dass er seinen Auftrag nicht nur nicht erfüllt sondern Chad noch bestärkt in Europa zu bleiben. Damit scheitert Strether völlig, da er so auch die mögliche Ehe und einen sorgenfreien Lebensabend dem Glück von Chad opfert. Der Roman hat im eigentlichen Sinne keine Handlung sondern ist ein Geflecht von Gedanken, Anspielungen, Überlegungen, Mißverständnissen, ein ständiges Lavieren der Figuren und dabei ein psychologisches Meisterwerk, in dem Abstand der Figuren und Vertrautheit, emotionale Nähe und Enttäuschung, Zuwendung und Ablehnung permanent wechseln. Erzählt wird aus der Sicht Strethers, jedoch nicht auktorial. Der Stoff ist so faszinierend, dass P. Highsmith in "Der talentierte Mr. Ripley" unverblümt Bezüge zu diesem Roman hergestellt hat.
Erstmals in Deutschland veröffentlicht wurde der Roman bei Kiepenheuer und Witsch, sodann noch bei Ullstein, bevor die Ausgabe des Aufbauverlags 1973 erschien. Hier ist nun eine Neuübersetzung veröffentlicht, so dass man das Buch nicht mehr nur antiquarisch bekommen kann. Es ist jedoch, egal, für welche Ausgabe man sich entscheidet, immer eine kleine Investition, kein Buch, dass man für ein paar Cent erhalten kann. Allerdings lohnt es sich auf jeden Fall.
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