Lee Smolin sieht Zeit als die einzige fundamentale Größe des Universums. Alles andere, auch die vermeintlich unabänderlichen Gesetze, unterliegen seiner Auffassung nach der Veränderung in der Zeit. Newtons Gesetze werden vielleicht nicht immer so grundlegend bleiben, wie wir sie heute verstehen. Mit dieser revolutionären Auffassung stellt er die Zeit in den Mittelpunkt unseres Denkens über die Welt und erklärt, welche Auswirkungen das auf uns und auf unser Verständnis der Welt und des Universums hat.
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11.11.2021
Buch (Taschenbuch)
Im Universum der Zeit
Das Universum ... unendliche Weiten! Spätestens seit Einstein wissen wir, dass „Zeit“ in dieser Form tatsächlich nicht existiert, sondern zusammen mit dem Raum ein Kontinuum bildet. Aber auch schon die alten Philosophen waren überzeugt, dass „Zeit“ ein mundanes Konzept darstellt, lediglich eine Abstraktion höherer, göttlicher und allgegenwärtiger Prinzipien. Auch Wissenschaftler heute kommen darüber gern ins Schwärmen, und die Mathematik(er) sowieso. Trotz der Quantenmechanik scheint das Universum doch letztlich klar deterministisch zu sein, die Naturgesetze in Stein (oder Quantenschaum) gegossen. Die Widersprüche, die sich ergeben, wenn man Relativitätstheorie und Quantenmechanik verbinden will, lassen sich sicher mit der nächsten Revision der Theorien wegerklären. Alles ... FALSCH! So zumindest die steile These von Lee Smolin. Vorneweg zum Autor: Nein, keine Sorge, hier bekommen Sie keine Esoterik aufgetischt, auch keine Weltanschauung. Es geht lediglich um klare, kalte Wissenschaft. Ein bisschen Vorwissen bezüglich allgemeiner Relativitätstheorie, Quantenmechanik und mathematischen Begrifflichkeiten sollten Sie mitbringen, denn Smolin steigt gleich voll ein. Aber von Formelwüsten bleiben sie verschont, sodass auch Laien (wie ich) das Buch mit Gewinn lesen könne. Worum genau geht es also? Lee Smolin geißelt gleich am Anfang das, was er den modernen Mystizismus in der Wissenschaft nennt: Da die Theorien nicht so ganz zusammenpassen und es letztlich keine Erklärung gibt, warum die Naturgesetze so sind, wie sie sind, wird einfach ein Erklärungsgebäude drum herum geschustert, das zwar Sinn gibt, aber nicht falsifizierbar ist, wie die Multiversumstheorie. Das grundlegende Problem: Die geistigen Werkzeuge, die hervorragend dabei funktionieren, ein geschlossenes System (von der Schuhschachtel bis zum Supercluster) zu beschreiben, sind inhärent ungeeignet dafür, die Kosmologie als Ganzes zu beschreiben, da diese per strenger Definition eigentlich kein „Draußen“ zulässt. Also wird einfach gemogelt und ein „Draußen“ definiert, für das es weder Beweise gibt noch Beweise geben kann (da jedes andere Universum kausal komplett von unserem entkoppelt sein muss). Auch dass Naturgesetze immer da und unveränderlich sind, ist ja einerseits schon sachlich falsch (direkt nach dem Urknall MÜSSEN sie anders beschaffen gewesen sein), und tatsächlich ebenfalls nicht falsifizierbar (jedenfalls momentan). Letztlich gibt es keinen Grund anzunehmen, dass c und seine Freunde überall regieren. Smolin stellt als Alternative eine Evolutionstheorie des Universums auf, nach dem sich die Gesetze organisch entwickeln, hin zu lokalen Optima, die schwarze Löcher begünstigen, die wiederum neue Universen hervorbringen. Puh, alles sehr harter Stoff. Wenn Ihnen das jetzt vorkommt wie teilweise wahnwitziges Gewäsch, das auch von einem Irren auf einer Parkbank stammen könnte: Mir geht es genauso. Das Problem: Jede andere große Theorie oder Hypothese der Kosmologie (Superstrings, Brane, M-Bran, Multiversum nach der Kopenhagener Interpretation, Quantenschleifengravitation usw. usf.) ist MINDESTENS genauso wahnwitzig. Smolin kann sich durchaus auf prominente Unterstützung und Titanen der Physik wie Feynman und Dirac berufen, aber ob er letztlich Recht hat kann momentan noch niemand beurteilen. Auf jeden Fall ist die Kosmologie ein höchst spannendes Feld, und vielleicht (nur vielleicht) wird man ja noch zu unseren Lebzeiten darauf kommen, ob Smolin die großen Rätsel ansatzweise geknackt hat oder nicht. Ich wünsche es mir jedenfalls, denn sein Modell spricht mich deutlich mehr an als das deterministische, bei dem man sich vorkommt wie eine Fliege, gefangen in Bernstein. Ein Buchtipp von Konstantin Klaiber im Juli 2016
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