Diana ist eine von vielen Frauen, die ihr Zuhause in Osteuropa verlassen, um anstelle eines männlichen Ernährers für die Familie zu sorgen. Ihr Vater ist längst verschwunden, zurück bleiben ihr behinderter Sohn, die strenge Mutter und die verbitterte Schwester. Ihren ursprünglichen Traumberuf Regisseurin gibt sie bald auf und wird Teil jener illegalen Ausländer, die im "goldenen Westen" an Raststätten und in Rotlichtvierteln gefangen sind. Erst als sie in Wien Leo trifft, einen abergläubischen und schwerkranken Polizisten, der sie vor der Abschiebung aus Österreich rettet, scheint es, als könnte Diana ihr Schicksal nun endlich selbst in die Hand nehmen.
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Aufklärungsarbeit mit bedingter Intertextualität
Bewertung aus Bremen am 06.03.2021
Bewertungsnummer: 1170639
Bewertet: Buch (Gebundene Ausgabe)
Rabinowich führt in "Die Erdfresserin" ein leider typisches Schicksal illegaler Einwanderinnen vor: Ständig auf der Flucht vor Polizei und Grenzposten, Prostitution, um den Teil der Familie in der Heimat zu versorgen, der noch übrig ist - eine unbarmherzige Mutter, eine sich durch Vorwürfe auszeichnende Schwester und den eigenen, geistig zurückgebliebenen Sohn. Der Roman ist geprägt durch häufige Zeitsprünge. Erzählungen aus der Vergangenheit der Hauptprotagonistin Diana mischen sich mit dem Dialog mit einem Psychologen, der ihr in ein besseres Leben verhelfen soll. Dabei greift Rabinowich immer wieder auf die jüdische Golem-Sage zurück. Zunächst nur durch Anspielungen in Form eines Buches, das sie, in einem Ledereinband, in der Bibliothek ihres vermissten Vaters gefunden hat. Dann in konkreteren Textpassagen, in denen sie selbst einen Golem erschafft, der ihr nicht gehorchen möchte und dessen Existenz selbst aus erzählerisch-fiktionaler Sicht strittig ist. Essentielle Elemente der prager Golem-Sage fallen bei Rabinowich unter den Tisch. Der von ihr erschaffene Golem ist seinem äußeren Erscheinungsbild nach zwar ein Golem, sein Entstehungsritus und seine eigentliche Bestimmung werden jedoch nicht thematisiert. Womöglich war aber auch genau das von der Autorin beabsichtigt. Das, worum es ihr vermutlich eigentlich ging, nämlich LeserInnen das tragische Schicksal der Einwanderinnen vor Augen zu führen, in den Fokus des Geschehens zu rücken.
ein europäisches Schicksal
Ursula Schrott aus Vöcklabruck am 10.07.2013
Bewertungsnummer: 473579
Bewertet: Buch (Gebundene Ausgabe)
ein brisanter Text über Diana, eine illegale Einwanderin, die versucht, sich in Wien über Wasser zu halten, um für ihre Mutter, Schwester und vor allen Dingen für ihren kranken Sohn Geld in die Ukraine zu schicken. Der Text beinhaltet viele Gedanken und Stimmungen von Diana, und zeigt sie als Kämpferin, die nicht verlieren kann und darf. Diana flieht am Ende aus einer psychiatrischen Anstalt und macht sich, völlig verwirrt auf den Weg nach Hause. Es bleibt offen, ob sie dort ankommt, oder sich schließlich im Ende des Buches in den Weiten Osteuropas verliert....ein sehr erschütterndes Buch zum Thema Asyl, dessen Ende zwar sehr surreal, aber aus der Situation und der psychischen Not der Figur durchaus nachvollziehbar ist.
Julya Rabinowich dolmetscht in Therapiesitzungen mit AsylwerberInnen. Vieles von dem, das sie dabei zu hören bekommen hat, scheint in diesem Roman Spuren hinterlassen zu haben. Trotzdem ist er keine Sozialstudie, die das schwierige Leben einer illegal in Österreich arbeitenden Osteuropäerin schildert. Diana, die Frau, die im Mittelpunkt steht, ist eine Kämpferin, die von sich selbst behauptet, keinen Platz für Schwächen zu haben. Der Krieg, den sie führt, ist ein Krieg gegen die Armut und triste wirtschaftliche Situation in ihrem Herkunftsland, irgendwo in der postsowjetischen Provinz. Da dieser Krieg kein Asylgrund ist und auch alle anderen offiziell anerkannten Asylgründe bei ihr keine Anwendung finden, muß sie in der Illegalität arbeiten, in der Ausbeutung an der Tagesordnung steht. Wie vielen Immigrantinnen bleiben ihr die typischen weiblichen Erwerbsmöglichkeiten, Prostitution, Putzen und Pflegen. Doch Diana ist keine Frau, die demutsvoll und dankbar alles nimmt, was kriegen kann. Sie nützt eine winzig kleine Chance, um selbst zur Ausbeuterin zu werden und ihre Interessen skrupellos durchzusetzen. Doch gelingt ihr das nur für kurze Zeit, dann beginnt neuerlich der Abstieg. Gegen Ende nimmt der Roman surreale Züge an. Doch selbst auf dieser Ebene gibt es keine Hoffnung. Der Golem, diese jüdische Sagen- und Helfergestalt, wird am Ende zu Staub und Diana bleibt nur, immer wieder aufzustehen und weiterzugehen.
Rabinowich Julya ist eine hervorragende literarische Schriftstellerin. Ihre wortgewaltige Erzählung aus der sich einer illegalen Einwanderin ist fantastisch gelungen. Diane, die Hauptprotagonistin ist aus der Ukraine geflohen. Zuhause in der Ukraine warten ihre Mutter, ihre Schwester und ihr kranker Sohn auf Hilfe. Diane versucht als Schauspielerin in Wien Fuß zu fassen und landet schlussendlich auf der Straße.
Am Anfang eines jeden Kapitels, wird die Protagonistin interviewt und aus diesem Gespräch entwickelt sich eine Betrachtung auf Dianes Leben. Eine interessante Erzählweise, für die Autorin aber sehr naheliegend und deswegen ein wenig langweilig. Sie ist/war nämlich Simultandolmetscherin und hat bei etlichen Therapie-Sitzungen von Asylbewerberinnen, ähnliches Leid und Erfahrungen aus erster Hand gehört. Rabinowich besitzt eine wirklich hervorragende literarische Sprache und gehört gelesen. Allerdings ist das keine Literatur die man im Bett lesen sollte. Man muss sich schon sehr auf die Geschichte im Buch konzentrieren und sich auch nicht von unwesentlichen Dingen ablenken lassen. Inhaltlich zeigt sie die Missstände der heutigen Gesellschaft gekonnt auf. Einen geschichtlichen Höhepunkt gibt es so gut wie nicht. Jedenfalls wäre mir keiner aufgefallen. Das Ende war mir auch zu lahm. Da wäre mehr drin gewesen. Eindeutig bewiesen hat Rabinowich ja, dass sie es könnte. Deswegen auch nur enttäuschte 4 von 5 möglichen Sternen.
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