Der dänische König Christian VII. ist verrückt und muss nach außen dennoch seinen königlichen Pflichten nachkommen. In Wahrheit machen die Staatsgeschäfte andere und seine Ehe mit der englischen Prinzessin Caroline Mathilde ist eine Farce. Als er seinem Leibarzt Struensee empfiehlt, er solle sich der einsamen Königin annehmen, ahnt keiner, dass sich daraus eine tragische Leidenschaft entwickeln wird. Ein psychologisches Drama um Politik, Macht und Liebe.
Kundinnen und Kunden meinen
5.0/5.0
Edith Berger
aus Graz
5/5
23.05.2013
eBook (ePUB)
großartiges, fesselndes Lesevergnügen
In " Der Besuch des Leibarztes" erzählt Per Olov Enquist die Geschichte des Grafen Struensee, Arzt und Aufklärer aus Altona.
Dieser kommt zwei Jahrzehnte vor Ausbruch der französischen Revolution an den Hof des dänischen Königs Christian VII., eines kleinwüchsigen, kindlichen, kranken Königs, der mit der dreizehnjährigen englischen Prinzessin Caroline Mathilde verheiratet wurde.
...." Die Königin ist einsam, nehmen Sie sich ihrer an!" befiehlt der König seinem Leibarzt.
Politik, Macht und Ohnmacht, Leidenschaft, Tragödie.....dieses Buch ist perfekte Leseunterhaltung.
Kristiana Kuini
5/5
11.06.2012
Buch (Taschenbuch)
Fessend, melancholisch, voller Sinnlichkeit und Verstand!
Dem Autor ist ein Geniestreich mit dem Buch gelungen! Obwohl der erste Satz das vermeintliche Ende preiszugeben scheint, tut es der Handlung keinen Schaden. Die Zuspitzung am Ende will schier wahnsinnig machen.
Per Olov Enquist schreibt mit einer Klarheit und Schönheit, die selten ist, sodass sie einen in den Sog ziehen. Das Buch ist nicht nur schön, es ist bedeutend!
Das Buch brilliert mit seinem Glanz, seiner Melancholie, der Sinnlichkeit und der Tatsache, dass diese Geschichte ein historisches Ereignis als Inspiration hat. Hier sind die Linien zwischen Gut und Böse verschwommen.
Was bleibt ist die Fassungslosigkeit und die offenen Fragen, die sich für immer im Schatten der Vergangenheit verbergen.
Roland Freisitzer
aus Wien
5/5
25.05.2009
Buch (Taschenbuch)
Leben, lieben und sterben im Königreich Dänemark
In seinem gefeierten Roman Der Besuch des Leibarztes" erzählt Per Olov Enquist die Geschichte des deutschen Aufklärers Johann Friedrich Struensee (1737-1771), der sich als Leibarzt des psychisch labilen jungen Königs Christian VII anheuern ließ, der mit der Königin Caroline Mathilde eine Liebesbeziehung einging, der am Ende geköpft und gevierteilt wurde und der posthum damit die Aufklärung in Dänemark erst entzündet hat.
Per Olov Enquist hat genau recherchiert und seinen Roman auf beeindruckende Art und Weise komponiert. Kühl wird diese Geschichte erzählt, mittels Rückblenden, Vorgriffen, Collagen und variierten Wiederholungen schafft der allwissende Erzähler, der weniger erzählt sondern quasi wie einen Bericht erstattet ein großartiges Bild der beteiligten Personen und Dänemarks am Ende des 18. Jahrhunderts.
Faszinierend und gleichzeitig schockierend erlebt man den herbeigeführten psychischen Verfall des jungen Kronprinzen, der zum Zeitpunkt seiner Krönung keinen anderen Weg als die Flucht in Apathie sieht. Ausgestattet mit einer Königin, die er weder liebt noch vor der Hochzeit kannte, freut ihn nur das Theater und so fühlt er sich in seiner Rolle als König bald auch wie ein Schauspieler, dem nur noch der richtige Regisseur fehlt. Johann Friedrich Struensee übernimmt in seiner Eigenschaft als Leibarzt diese Rolle und beginnt, durch unzählige Dekrete (über sechshundert) die Aufklärung wild durchzupeitschen. Da Struensee einfach zu idealistisch unterwegs ist und auch in seiner Beziehung zur Königin nicht besonders sorgfältig im Verbergen von Beweisen ist, ist klar, dass da Feinde nicht weit sein können. Schon bald engt dieser Kreis der Feinde, allen voran Struensees Gegenspieler Guldberg, der auch Informator von Christians debilem Halbbruder ist, Struensee konsequent ein und beendet seine Tätigkeit mit einem Putsch.
Enquist meditiert vor der Kulisse Dänemarks unter anderem über die Frage, ob man um Gutes tun kann, ohne zu den Mitteln des Bösen zu greifen. Dass dieses Buch ein großes Buch geworden ist, verdankt es u.a. auch der Tatsache, dass Per Olov Enquist nie moralisiert, er unterlässt es durchgehend, Partei zu ergreifen. Dadurch entstand ein Roman in historischem Ambiente, der jedoch mit modernen (wenn auch historischen) und höchst lebendigen Figuren gespickt ist und einer packenden Handlung, die auf wohltuende Weise von schwülstiger Epik befreit ist.
Mit wuchtiger Symbolik und feinen Anspielungen auf den in diesem Kontext unvermeidlichen Hamlet, Bibelzitaten und einer glasklaren Prosa; schafft Per Olov Enquist mit Der Besuch des Leibarztes" ein wahres Meisterwerk der Literatur.
Absolute Empfehlung.
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