Ein belgischer Badeort mit Geschichte und Glanz: Hier kommen sie alle noch einmal zusammen, die im Deutschland der Nationalsozialisten keine Heimat mehr haben. Stefan Zweig, Joseph Roth, Irmgard Keun, Kisch und Toller, Koestler und Kesten, die verbotenen Dichter. Sonne, Meer, Getränke – es könnte ein Urlaub unter Freunden sein. Wenn sich die politische Lage nicht täglich zuspitzte, wenn sie nicht alle verfolgt würden, ihre Bücher nicht verboten wären, wenn sie nicht ihre Heimat verloren hätten. Es sind Dichter auf der Flucht, Schriftsteller im Exil. Volker Weidermann erzählt von ihrer Hoffnung, ihrer Liebe, ihrer Verzweiflung – und davon, wie ihr Leben weiterging.
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Kundinnen und Kunden meinen
4.6/5.0
Hamaru
aus Nürtingen
5/5
22.05.2024
Buch (Taschenbuch)
Ein kleiner, feiner Roman…
Ein kleiner, feiner Roman über das Zusammentreffen deutscher und österreichischer Autoren im Sommer 1936 in Ostende. Ein Sommer, indem man noch hoffte und doch wusste, dass es die Welt von gestern nicht mehr geben würde. Ein Buch über Freundschaft und Trennung, ein kleiner, feiner Roman.
Sandra von Siebenthal
aus Romanshorn
5/5
09.09.2021
Buch (Taschenbuch)
Freundschaft im Exil
Im Sommer 1936 zieht es Stefan Zweig nach Ostende. Er will arbeiten, in Ruhe, Ruhe haben von seiner Frau, mit der er schon lange nicht mehr glücklich ist, Ruhe haben von dem, was zu Hause abgeht politisch. Er schreibt an seine Sekretärin und Geliebte, Lotte Altmann nach London, sie solle mitsamt ihrer Schreibmaschine nach Ostende kommen. Sie würden da einfach leben. Es ist nicht das erste Mal, dass Stefan Zweig in Ostende ist, es ist ein sicherer Wert, er weiss, wer und was ihn da erwartet: Viele seiner Schriftstellerkollegen und Freunde, die wie er auf der Flucht sind vor einem Regime in einem Land, das das ihre nicht mehr sein kann, weil ihre Bücher da nicht mehr erscheinen dürfen: Joseph Roth, Irmgard Keun, Hermann Kesten, Ernst Toller, Egon Erwin Kisch.
«Jetzt sind sie Menschen auf der Flucht in einer Urlaubswelt.»
Besonders mit Joseph Roth verbindet Stefan Zweig eine enge Freundschaft – eigentlich mehr als das. Es ist eine grosse Bewunderung für dessen Schaffen, das er aber am Alkohol zugrunde gehen sieht; und Roth damit. Der jüngere Freund, dem Alkohol durchaus zugetan, steht finanziell und gesundheitlich immer am Abgrund, ist auf die Hilfe seines brüderlichen Freundes angewiesen, kann sie aber doch nicht ganz annehmen, da er sich für die Abhängigkeit schämt und sich nicht unterlegen zeigen will.
Roth trifft in Ostende auf Irmgard Keun, es ist der Beginn einer zweijährigen Beziehung, welche neben der grossen Liebe (Roth ist wohl Keuns grösste Liebe in ihrem Leben) aus Schreiben und Trinken besteht, die beiden sind in beidem sehr fleissig.
Volker Weidermann ist ein wunderbares Porträt der Schriftsteller auf der Flucht gelungen. Mit feinem Blick, zielsicherer Sprache und genügend Wissen, die Inhalte auf leichte Art zu erzählen malt er ein Bild einer Oase in der Zeit, welche einerseits die Wunden durchscheinen lässt, andererseits die Kompensationsstrategien der Einzelnen aufzeigt – und dies ohne moralinsaure Stimme, ohne abschätzigen Ton, ohne zu stark zu Psychologisieren.
Fazit
Ein grossartiges Buch über die Geschichte einiger Schriftsteller auf der Flucht, das mit viel Hintergrundwissen, Menschlichkeit und einem gut lesbaren Erzählfluss aufwartet. Eine ganz grosse Leseempfehlung.
Ursula Kutzer
aus Wien
5/5
05.09.2015
Buch (Taschenbuch)
Letzter Sommer vor dem Untergang
1936. Im belgischen Ostende versammeln sich noch einmal die Literaten jener Welt, die sehr bald dem Untergang geweiht sein wird, Roth, Kisch, Zweig.... Teilweise schon verboten, versuchen sie ein letztes Mal, den Sommer zu genießen. Sie befinden sich in einem Wartesaal, ohne genau zu wissen, in welche Richtung sie das Schicksal treiben wird. Sprachlich wunderschön erzählt Volker Weidermann von Vergangenem und der Gegenwart, von Heimatlosigkeit und Entwurzelung. Aktuell bis in unsere Gegenwart.
Bewertung
5/5
07.08.2015
Buch (Taschenbuch)
Ein letzter schöner Sommer vor dem Untergang
Volker Weidermann ist Feuilletonchef der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung. Einem weiten Leserkreis könnte sein Buch Das Buch der verbrannten Bücher (btb Verlag) bekannt sein.
Ist Ostende 1936, Sommer der Freundschaft ein Roman oder ein Sachbuch? Ich kann Ihnen diese Frage nicht wirklich beantworten. Was ich Ihnen aber sagen kann, ist, dass sich dieses Buch wie ein Roman lesen lässt. Volker Weidermann erzählt in diesem Buch von der Freundschaft der Autoren, die sich 1936 in Ostende in Belgien getroffen haben und noch einmal einen relativ schönen und friedlichen Sommer miteinander verbracht haben, bevor sie weiter vor den Nazis geflohen sind. Manche habe eine neue Heimat in einem anderen Land gefunden und sind auch dort wieder erfolgreich geworden, andere sind gestorben oder haben ihrem Leben selbst ein Ende gesetzt. Die Hauptpersonen dieses Buchs sind die beiden sehr unterschiedlichen österreichischen Autoren Stefan Zweig und Joseph Roth, die eine ungewöhnliche Freundschaft verbunden hat, und die einzige nichtjüdische Autorin in diesem Kreis in Ostende Irmgard Keun. Volker Weidermann blickt in diesem knappen Buch (157 Seiten) zurück auf das Leben dieser Autoren. Einen relativ großen Bereich nimmt der Rückblick auf den 1. Weltkrieg ein, der speziell Stefan Zweig und Joseph Roth geprägt hat. Den Abschluss des Buchs bildet ein Ausblick, wie das Leben der Autoren nach 1936 weitergegangen ist.
Es liest sich sehr gut und ist gleichzeitig sehr informativ. Wie unterschiedlich die von den Nazis vertriebenen Autoren doch waren. Stefan Zweig schreibt noch aus einer Welt, die es nicht mehr gibt. Sein Ideal ist nutzlos, unrealistisch, lächerlich und gefährlich. (Seite 27) Neben dem relativ unpolitischen Träumer Stefan Zweig sind andere Autoren weitaus kämpferischer wie z.B. Egon Erwin Kisch und Ernst Toller. Und so erfährt man auf wenigen Seiten sehr viel über einige unserer bekannten deutschen und österreichischen Autoren und auch über ihr Verhältnis zueinander. Gerade über die Familie Mann wird teilweise gespottet.
Ein wunderbar kleines Buch für Freunde von guter Literatur und Leser von 1913 von Florian Illies (Fischer Verlag) oder Alles, was ich bin von Anna Funder (Fischer Verlag)..
Odilie Pressberger
aus Regensburg (Donau EKZ)
4/5
12.08.2015
Buch (Taschenbuch)
Ein Sommer in einem belgischen Seebad, 1936.
In dem belgischen Seebad Ostende treffen im Sommer 1936 einige Emigranten aufeinander (Stefan Zweig, Joseph Roth, Irmgard Keun, Hermann Kesten, Egon Erwin Kisch, Arthur Koestler und noch einige andere). Das Augenmerk des Autors liegt auf Zweig und Roth. Indem wir mit dabei sind, am Strand, in Cafes, im Restaurant und den Hotels, bekommen wir eine beklemmende Ahnung von der Verzweiflung, dem Existenzkampf, den persönlichen Leiden. Und da wir wissen, wie die Geschichte ausgeht, bekommt dieser Sommer 1936 ein ganz besonderes Gewicht.
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