Thomas Bernhard und Gerhard Fritsch: Zwei der wichtigsten Autoren in Österreich seit den fünfziger Jahren. Die erstmals veröffentlichte Korrespondenz zwischen beiden umfasst knapp 50 Briefe, Karten und Ansichtskarten, die einen Einblick in die verdeckten Hintergründe der Produktion und Vermittlung von Literatur erlauben.
Kundinnen und Kunden meinen
5.0/5.0
Bewertung
aus Eschede
5/5
03.02.2021
Buch (Gebundene Ausgabe)
Manch neue Facette
Mit dem in diesem Buch erschlossenen Briefwechsel zwischen den Autoren Gerhard Fritsch und Thomas Bernhard erschließt sich (wieder einmal) eine neue Facette in Bernhards Biographie. Denn es dürfte v.a. für 'Bernhardisten' von Interesse sein, während der zweite Briefpartner heute wohl nur noch Experten ein Begriff sein dürfte.
Das war nicht immer so: Anfang der 50er Jahre war der 1924 geborene Fritsch schon eine gewisse Größe in der österreichischen Literatur-Szene, während der 7 Jahre jüngere Bernhard praktisch unbekannt war. Offenbar nahm deshalb Bernhard mit Fritsch Kontakt auf, und dies ist bezeichnend: "Ich gehe den Alleingang" behauptete Bernhard dreist in seinem ersten Brief an seinen späteren Verleger Unseld, und auch später gerierte er sich gern als Einzelgänger. Tatsächlich war Bernhard ein "versierter kulturpolitischer Fädenzieher" (Daniel Kehlmann). Obwohl alles andere als gesellig, suchte (und fand) Bernhard in den 50er und 60er Jahren Kontakte in der deutschsprachigen literarischen Szene, etwa zu Carl Zuckmayer, Wolfgang Kraus, Gerhard Lampersberg - und eben auch zu Gerhard Fritsch.
Verglichen aber mit dem geradezu monumentalen Briefwechsel mit Siegfried Unseld ist der mit Gerhard Fritsch recht schmal: Gerade einmal 48 Schreiben umfasst die Textsammlung in diesem Band, und der Begriff 'Schreiben' bezieht auch Postkarten mit ein. Der erste (erhaltene) Brief stammt von 1956; der letzte wurde kurz vor Fritschs Tod 1968 verfasst. "Besteht die Aussicht, durch meine Sachen zu Geld zu kommen?" schreibt Bernhard etwa 1961, und das ist bezeichnend. Tatsächlich gelingt es Fritsch, manches von Bernhard 'an den Mann zu bringen'; Fritsch ist in dieser Beziehung eindeutig der Gebende, Bernhard der Nehmende. Das relativiert sich erst, als Bernhard nach der Veröffentlichung von "Frost" (1963) allmählich etwas bekannter wird.
Manches in den Briefen wäre freilich schwer verständlich ohne die ausführlichen Anmerkungen der Herausgeber, die ähnlich umfangreich sind wie der Briefwechsel selber. Wenn man nicht eh wüsste, dass die Herausgeber Raimund Fellinger und Martin Huber zu den führenden Bernhard-Experten zählen, so würde das spätestens nach der Lektüre des Nachwortes klar werden, das die Briefe in den literaturhistorischen Kontext stellt.
Fazit: Für 'Bernhardisten' ein Muss!
Kurze Frage zu unserer Seite
Vielen Dank für Ihr Feedback
Wir nutzen Ihr Feedback, um unsere Produktseiten zu verbessern. Bitte haben Sie Verständnis, dass wir Ihnen keine Rückmeldung geben können. Falls Sie Kontakt mit uns aufnehmen möchten, können Sie sich aber gerne an unseren Kund*innenservice wenden.