Eine deutsch-jüdische FamiliengeschichteFrankfurter Westend, Anfang des 20. Jahrhunderts: Hier beginnt die Geschichte der Wertheims. Einer alteingesessenen Frankfurter Familie, die fest im liberalen deutsch-jüdischen Bürgertum verankert ist. Wohlhabend, gebildet und dem Leben zugewandt, durchleben die Familienmitglieder im Laufe der Zeit nicht nur innere sondern auch äußere Krisen: den Tod des Familienoberhauptes Moritz, den Ausbruch des ersten Weltkrieges ... Es sind schwierige Zeiten, doch die Familie hält fest zusammen. Als jedoch das "Dritte Reich" seinen Schatten über Deutschland wirft, werden auch die Wertheims Opfer des mörderischen Regimes und seiner Handlanger.-
Kundinnen und Kunden meinen
5.0/5.0
schmoekerstunde
5/5
08.09.2026
Buch (Taschenbuch)
Interessante Familiengeschichte
Diese Ausgabe ist eine Neuauflage vom November 2025.
Der Roman erzählt die Geschichte der jüdischen Familie Wertheim in Frankfurt und begleitet sie über mehrere Jahrzehnte – von einer scheinbar sicheren und unbeschwerten Zeit bis hin zur zunehmenden Bedrohung durch den Nationalsozialismus.
Besonders eindrucksvoll fand ich die Beschreibung des Frankfurter Westends und des Lebens dieser Familie. Die Straßen, Häuser und das gesellschaftliche Leben werden so lebendig geschildert, dass die vergangene Welt beim Lesen beinahe greifbar wird.
Mich hat sehr bewegt, wie sich diese vertraute Welt Stück für Stück verändert. Lange wollen die Menschen nicht glauben, dass ihre Heimat, in der sie sich zugehörig und sicher fühlten, ihnen plötzlich genommen werden könnte. Dieses langsame Begreifen und die Hilflosigkeit angesichts der zunehmenden Ausgrenzung haben mich sehr beschäftigt.
Ein ruhiger, atmosphärischer und zugleich schmerzlich berührender Familienroman über Heimat, Zugehörigkeit und Verlust.
Gerade in der heutigen Zeit lohnt es sich, diesen Roman gelesen zu haben
Lilliest
aus Frankfurt am Main
5/5
29.08.2022
Buch (Taschenbuch)
Straßen von gestern, die bis ins Heute reichen
Mich lockte der Klappentext und es hat sich gelohnt.
An manchen Stellen musste ich mich langsam vorantasten, aber ich wollte weiterlesen und die Geschichte weiter verfolgen.
Am Ende war ich so gefesselt, dass ich lange kein anderes Buch beginnen konnte zu lesen.
PS: Als Frankfurter wurde ich zusätzlich von den Beschreibungen unserer Stadt fasziniert.
Bewertung
5/5
29.01.2021
Buch (Taschenbuch)
Zeitgeschichte, Familiengeschichte,...
Zeitgeschichte, Familiengeschichte, Deutsche Geschichte. Das Leben einer jüdischen Familie in Frankfurt von 1903 bis 1945. Somit ist dem Leser klar, worauf es hinausläuft. Ein grandioser Roman!
Bewertung
5/5
16.03.2016
Buch (Taschenbuch)
Ein imposantes Zeitzeugnis und...
Ein imposantes Zeitzeugnis und eine Familiengeschichte , die den Buddenbrooks in nichts nachsteht. Lesenswert!
Bewertung
5/5
29.11.2013
Buch (Taschenbuch)
Ein beeindruckender und erschütternder deutscher Gesellschaftsroman
Ich habe mich 2012 sehr gefreut, dass der Schöffling & Co. Verlag das Buch von Silvia Tennenbaum Straßen von gestern wieder herausgebracht hat. Ursprünglich ist es bereits 1983 erschienen, und es gab 2006 eine Taschenbuchausgabe im Fischer Verlag, die leider nicht mehr lieferbar ist. Doch jetzt hat es der btb Verlag abermals als Taschenbuch herausgegeben
Silvia Tennenbaum wurde 1928 in Frankfurt geboren und ist mit ihrer Familie 1938 in die USA emigriert. Dort lebt sie auf Long Island, hält sich aber seit 1983 immer wieder auch einmal für einige Zeit in Frankfurt auf. Über die Familie ihrer Mutter ist sie mit Anne Frank verwandt. 2012 wurde mit dem Verein Frankfurt liest ein Buch in über 70 Veranstaltungen aus dem Buch Straßen von gestern gelesen. Teilweise stand die Autorin auch selber für Fragen zur Verfügung.
In ihrem Roman Straßen von gestern erzählt sie die Geschichte der jüdischen Familie Wertheim von 1903 bis 1945. Die Familie Wertheim ist eine fiktive jüdische Familie, die nichts mit der Berliner Familie Wertheim zu tun hat. Diese Frankfurter Familie ist wohlhabend, lebt im Westend, ist in Deutschland assimiliert und lebt ihre Religion überhaupt nicht aus. Sie fühlen sich als Deutsche, nicht als Juden. Die wichtigsten Hauptpersonen sind der 1883 geborene Eduard, genannt Edu, der die Geschäfte der Familie vom seinem Vater übernommen hat und bis zum Ende des Buches immer das anerkannte Oberhaupt der Familie ist. Die Kinder seines Bruder Nathan Emma (geb. 1900), die Zwillinge Ernst und Andreas (geb. 1902) und das Nesthäkchen Lene (geb 1903) nehmen den Großteil der Geschichte ein. Wichtig sind noch Edus Bruder Jacob (geb. 1878) und Edus Schwägerin Eva (geb, 1882). In dieser Familie gibt es Kunstsammler und Mäzene, Buchhändler, Kommunisten, Zionisten und Homosexuelle. Der Roman spiegelt die Gesellschaft dieser Zeit sehr genau wieder. Die Familie merkt selber, dass sich nach dem 1. Weltkrieg die Situation für die Juden wieder verschlechtert. Sie zieht daraus sehr unterschiedliche Schlüsse und nicht alle werden das dritte Reich überleben.
Ich denke Silvia Tennenbaum, die im gleichen Jahr geboren wurde wie ihre Hauptperson Lene, hat viel aus ihrer eigenen Lebensgeschichte in dieses Buch einfließen lassen. Sie erzählt die Geschichten an Hand von einigen wichtigen Jahren sehr genau, fast wie ein Bericht, ohne große Sentimentalität. Gerade das macht die Kraft dieses Romans aus. Es ist ein sehr detaillierter Gesellschaftsroman über Deutschland in dem Zeitraum Kaiserzeit, Weimarer Republik und Drittes Reich. Es ist ein vielschichtiges Buch, welches zeigt, wie aufregend, aber auch grausam diese Zeit war. Sie beschreibt sehr deutlich die Möglichkeiten, die es besonders für wohlhabende Menschen in der Zeit der Weimarer Republik gab. Es war eine Zeit des Aufbruchs. Doch leider kamen nicht alle mit dieser Wandlung zurecht.
Mich hat dieses Buch sehr beeindruckt. Es ist eine großartige und erschütternde Beschreibung dieser Zeit.
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