Orhan Pamuks Istanbul ist erfüllt von einer zauberhaften Melancholie des Niedergangs. Hier ist er aufgewachsen im Kreise seiner Großfamilie; hier ist noch heute sein Zuhause. Aus persönlichen Erinnerungen zeichnet der Nobelpreisträger
ein faszinierendes Portrait der Metropole am Bosporus: eine
Chronik seines Lebens und seiner Liebe zu Istanbul.
Feinsinnig liest Ulrich Noethen Pamuks Memoiren und taucht mit ihm ein in einen Kosmos zwischen Orient und Okzident, zwischen Vergangenheit und Zukunft. (Laufzeit: 12h 2min)
Kundinnen und Kunden meinen
4.2/5.0
Esther
aus Frankfurt am Main
5/5
21.07.2007
Buch (Gebundene Ausgabe)
Eine Hommage an Istanbul!
In diesem Buch verflechtet Pamuk seine Familiengeschichte mit der ereignisreichen Geschichte seiner Heimatstadt Istanbul. Das Buch ist nicht nur stilistisch brilliant geschrieben, sondern auch durch großartige Schwarz-Weiß-Fotografien als eine Stadtchronik ausgestaltet. Man kann eine Stadt nicht besser und schöner huldigen als Paumk es getan hat. Pamuk und Istanbul sind ein Herz und eine Seele - das ist nach dieser Lektüre jedenfalls gewiss!
Bewertung
aus Zürich
4/5
10.03.2021
Buch (Gebundene Ausgabe)
Hüzün - das Gefühl der süßen Melancholie in der Grosstadt Istanbul
Hierbei handelt es sich um einen Liebesroman an Istanbul von Orhan Pamuk, einem der wohl bekanntesten türkischen Schriftsteller, der auch vor einigen Jahren den Nobelpreis für Literatur bekam. Er nennt den vorliegenden Text seine Memoiren, in denen er sich seiner Kindheit, Jugend und jungen Mannesjahren erinnert, die er in Istanbul, wo er auch heute noch lebt, verbrachte. Mit zunehmendem Alter entdeckte er in seiner Jugend immer mehr Facetten der geschichtsreichen Stadt und deren Bewohner. Interessant ist, dass er vor allem Reisebeschreibungen von Schriftstellern und Malern aus Westeuropa herbeizieht, um die Vergangenheit der Stadt seiner Kindheit anhand von Quellen zu rekonstruieren, da ja bis zur Einführung des lateinischen Alphabets durch Atatürk quasi keine Bücher auf türkisch gedruckt wurden. Damit wird die Geschichte von Byzanz und Konstantinopel für ihn zum Mysterium, dass ihn völlig fasziniert. Er beschreibt das Istanbul seiner Kindheit als eine Stadt des Verfalls alter Kulturen, die durch die aufgezwungene Verwestlichung zusätzlich beschleunigt wurde. Die Stadt wird als Schmelztiegel verschiedener Kulturen vorgeführt. Interessant ist, wie diese Verschmelzung der Geschichte und der Kulturen die Bewohner der Stadt prägt.
Es ist keine Frage, das Buch ist grandios aufgebaut und geschrieben (und übersetzt). Der Text birgt einen Fundus an Informationen über die Stadt und Pamuks Familie und wird ergänzt durch viele schöne alte Fotografien. Für den Autor geht es aber um das Gefühl, welches die Bewohner inmitten der verfallenden Stadt prägt, und das ihn wahrscheinlich zum Schriftsteller gemacht hat: Hüzün. Es gibt kein Äquivalent für dieses Wort auf Deutsch. Am ehesten kann man es mit einer bestimmten Art von Melancholie übersetzen, welche durch Nostalgie, Verlust, Verfall und einer gewissen Orientierungslosigkeit im Leben geprägt ist. Für den Autor ist Hüzün das prägende Gefühl, welches das Denken und Handeln der Bevölkerung von Istanbul prägt, ein Verloren- und Geborgensein in einem ganz eigenen Universum des Wandels von der Antike in eine moderne Weltstadt.
Die Memoiren von Orhan Pamuk sind ein Buch voller Nostalgie und Melancholie, das dank des schriftstellerischen Könnens des Autors nicht in den verklärenden Kitsch abrutscht, sondern - wenigstens für mich - eine völlig neue Sicht auf Istanbul ermöglichen. Manchmal hat mich das Buch aber etwas gelangweilt, das es zwischendurch beinahe zu einem Lesebuch alter Schule wird, einem verstaubten Schmöker, der etwas langatmig geschrieben ist. Aber eben, das Buch ist von einem absoluten Könner geschrieben, und irgendwann hatte ich ich dann bei der Lektüre erahnt, was es mit diesem Hüzün auf sich hat, und warum der Text so daherkommen muss, wie er es tut.
Fazit: Sehr interessante Lektüre, wenn man dran bleibt.
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Asti
4/5
30.08.2010
Buch (Taschenbuch)
...
Einer der Klassiker des Literatur-Nobelpreisträgers, der es versteht, in seinem gekrönten Meisterwerk nicht nur die Geschichte seiner Familie, sein Heranwachsen, sondern auch alle Facetten "seines" Istanbuls darzustellen, die Entwicklung der Stadt, das Leben in dieser traumhaften Metropole am Bosporus. Pamuk nimmt den Leser mit in eine wunderbare Reise in sein ganz persönliches Istanbul.
Alfred Honegger
aus Lamboing
4/5
16.11.2009
Buch (Taschenbuch)
"Hüzün" - Melancholie - Tristesse
Von der ersten bis zur letzten Seite spürt man in diesem Buch den Hüzün, wie auch ich ihn manchmal spüre.
Orhan Pamuk geht mit sich selbst nicht zimperlich um. Einmal verflucht er die Stadt, um sie danach wieder zu lieben. Das Gleiche gilt für die Quartiere und die Gecekondus. Zugleich erweist er seinem geschätzten Istanbul die Referenz.
Das Buch ist eine Augenweide zum Lesen, dazu wird es noch durch die Schwarz-Weiss-Fotografien ergänzt.
Der einzige Mangel an diesem Buch ist, dass es nicht von Ingrid Iren aus dem türkischen übersetzt wurde!
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