Der Tanz von Avignon Ein Roman über den Maler Hans Holbein d. J.
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Produktdetails
Format
ePUB
Kopierschutz
Nein
Family Sharing
Ja
Text-to-Speech
Ja
Altersempfehlung
12 - 99 Jahr(e)
Erscheinungsdatum
27.06.2014
Verlag
Edition DigitalSeitenzahl
408 (Printausgabe)
Dateigröße
2030 KB
Sprache
Deutsch
EAN
9783863943097
LESEPROBE:
Holbein hämmert mit dem Klopfer gegen die Tür. Dumpf kommt das Echo aus dem Innern des Hauses. Nichts rührt sich. Noch einmal lässt er den Klopfer gegen die Tür fallen, dann schreit er: »Elisabeth!«
Zum ersten Mal nach langer Zeit ruft er wieder ihren Namen. Alles bleibt still.
Noch einmal:
»Elisabeth!«
Nichts rührt sich. Ist das wirklich sein Haus? Holbeins Augen wandern über die Fenster, die Tür, den Trittstein und die Hausmarke - sein Haus! Und doch lässt ihn niemand ein. Wenn er früher an die Tür klopfte, so öffnete sie sich ... Ist es nun nicht mehr sein Haus?
Nach langem Warten wird in den Fenstern des Obergeschosses ein schwaches Licht sichtbar, eigentlich nur ein Schimmer. Holbein sieht hinauf. Täuscht er sich? Da öffnet sich ein Fensterflügel, wenn auch nur einen Spalt breit, und eine Stimme fragt: »Hans, bist du es?«
Die Stimme klingt so leise, so heiser und spröde, dass er kaum die Worte verstehen kann.
»Ja, ich bin es!«
»Warte einen Augenblick, ich öffne sofort.«
Holbein nimmt seinen Reisesack auf und starrt auf die Tür. Sie öffnet sich nicht. Elisabeth müsste längst unten sein. Weshalb zögert sie so lange? Noch immer rührt sich nichts. Erst nachdem wieder eine Spanne Zeit vergangen ist, kann er schlurfende Schritte hören, die sich unglaublich langsam der Haustür nähern. Und nun wird der Eichenriegel zurückgeschoben. Als die obere Tür sich öffnet, weicht Holbein entsetzt zurück. Eine Fremde! Das Gesicht einer Greisin, von wirren Haaren eingerahmt, sieht ihn eindringlich an, mager, abgezehrt, nur Haut und Knochen, ein Gesicht, in dem allein die Augen leben. Holbein wagt nicht, in ihren Tiefen zu forschen. Der Reisesack fällt ihm aus der Hand. Achtlos lässt er ihn in einer Pfütze liegen. »Elisabeth?« Seine Stimme ist rau und zersprungen.
»Ja, Hans, ich bin es. Willst du hereinkommen? Überlege es dir, wir alle sind krank.
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