Eine leidenschaftliche Liebeserklärung an die afrikanische Welt
Afrika ist ein Kontinent voller Widersprüche, geprägt durch die reiche Vorstellungswelt seiner Menschen, ihre sozialen Regeln und Rituale, ihre Träume und Tabus, ihre Machtstrukturen und Glaubenssysteme. Diese Welt erscheint oft roh und gewalttätig, dann wieder zeitlos heiter und gelassen. Bartholomäus Grill hat sie uns mit diesem Buch erschlossen. Ein Standardwerk, das der Autor aktualisiert und um ein neues Kapitel über die atemberaubenden Entwicklungen der letzten Jahre erweitert hat.
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Endlich die Gelegenheit,…
ws aus Markdorf am 08.09.2019
Bewertungsnummer: 2727121
Bewertet: Buch (Paperback)
Endlich die Gelegenheit, ansatzweise ein realistische Vorstellung von Afrika zu bekommen! Das Buch von Bartholomäus Grill wurde erstmals zwar schon 2003 veröffentlicht. Aber es hat in den Jahren, die seitdem vergangen sind, nichts an Faszination verloren. Zumal sich die Verhältnisse auf dem Kontinent grossteils nach unserem west-europäischen Verständnis kaum verbessert haben. Um die Behauptung, das Buch ermöglicht ansatzweise eine 'realistische Vorstellung von Afrika' zu untermauern, erst ein paar Zahlen: die Nord-Süd-Ausdehnung von Afrika beträgt rund 8.000 Kilometer. Zum Vergleich: diese Distanz lässt sich in Europa vom nördlichsten Zipfel Norwegens bis zum südlichsten Ende in Spanien nimmt gerade mal 3.800 Kilometern in Anspruch. Von West nach Ost ist man in Afrika 7.440 km unterwegs, in Europa schafft man es gedanklich über 6.000 km vom westlichsten Zipfel Portugals bis an's Ural-Gebirge in Russland. Afrika umfasst 55 Staaten, Europa 47. Wobei in Afrika die Staatsgrenzen von den ehemaligen Kolonialmächten per Lineal gezogen wurden. Ohne Rücksicht auf Stämme, Ethnien, Sprachen, Kulturen, Sitten oder sonst einen Aspekt, der eine soziale Gemeinschaft zusammen hält. Apropos Stämme: in Europa muss man sehr weit in die Geschichte zurück gehen, um die ehemals 54 Stämme zusammen zu suchen. In Afrika werden 3.000 Stämme gezählt! Was Sprachen anbelangt: in Europa werden offiziell 24 Sprachen gezählt. Ohne Dialekte zu berücksichtigen. Afrika bietet ohne regionale Ausprägungen 1.980 (!!) verschiedene Sprachen. Als letzte Zahl: ganz Europa belegt etwa 10,5% der Festlandsmasse der Welt, Afrika etwa 3mal so viel: 30,3%. Was aber erfährt man von diesem Riesenkontinent in den Nachrichten, in Dokumentationssendungen etc.? Bürgerkriege, Kriege zwischen einzelnen Staaten, Situation und Fehlschläge der Entwicklungshilfe, Hungerkatastrophen, Krankheitsepidemien, Völkermorde, despotische Herrscher, Aktionen des IS, Flüchtlingsströme und Flüchtlingslager so gros wie eine Stadt, für uns West-Europäer unvorstellbare Kriminalitätsraten. Und so weiter und so fort. Insgesamt also nur Negatives. Eine Vorstellung oder gar eine nachvollziehbare Erklärung, wo die Gründe für diese Ereignisse liegen könnten, die bekommt man allerdings kaum. Bis gar nicht. Logischerweise fehlt dann auch meist der Erklärungsversuch, weswegen sich Hundertausende Afrikaner auf den lebensgefährlichen Weg nach Europa, in deren Augen ein goldenes Schlaraffenland, machen. Dass die Eroberung und Unterwerfung der Welt durch die europäischen Kolonialmächte, allen Voran Gross-Britannien, mit eine Hauptursache für die heutigen Fluchtbestrebungen der Afrikaner sind, wird sowieso geflissentlich übergangen. Bei der Unterwerfung Afrikas darf Frankreich, Portugal, Italien, das Deutsche Reich nicht vergessen werden. Genau hier setzt dieses hervorragend geschriebene Buch von B. Grill an. Dem mit vielen Preisen ausgezeichneten Journalisten gelingt es ausgezeichnet, das Verständnis für Afrika zu wecken. Im positiven Sinne durch seinen sehr schönen Schreibstil, mit dem er die Natur und die Naturwunder Afrikas bildhaft in Worte fasst. Was die negativen Zustände betrifft (Völkermorde, Diktatoren, Kleptokraten, überbordende Bürokratie, Korruption, rücksichtslose Ausbeutung der Bodenschätze durch westliche Konzerne, Elendsviertel, Kindersoldaten als Beispiele) gelingt ihm das ebenso bildhaft... Die Zeiten, die unvorstellbar grausamen Ereignisse, die die Kolonialherrscher nach Afrika brachten, all das beleuchtet Bartholomäus Grill ebenso. Wie deren Spätfolgen bis zum heutigen Tag. Entkolonialisierung hin oder her. Wer demnach mit den ein- bis höchstens zweiminütigen Tagesschau- oder heute-Meldungen, mit den etwas längeren Beiträgen im Weltspiegel oder anderen TV-Sendungen nicht mehr zufrieden ist, wer den gedanklich verhängten Sc
Ach, Afrika, ach, Afrika!
Bewertung aus Plauen am 19.09.2014
Bewertungsnummer: 855725
Bewertet: Buch (Paperback)
Afrika so voller Widersprüche: Armut und Reichtum, Verzweiflung und Lebensfreude. Hier berichtet ein Afrika-Korrespondent der Zeit über seine Sicht auf einen Kontinent, der verloren scheint und doch noch hofft: Afrika. Hier scheinen die höchste und die niederste menschliche Regung zugleich zutage zu treten: bunte Lebensfreude und tiefste Verzweiflung, die aber jederzeit ins Gegenteil umschlagen können. An jedem Ort kann dieser Stimmungsumschlag eintreten. Im neuen Südafrika herrscht trotz der neuen Zeit Trostlosigkeit und Furcht und im bürgerkriegsgeschüttelten Ruanda verlieren die Menschen inmitten von unaussprechlichen Grausamkeiten dennoch nicht ihren Lebensmut.
Afrika so hilflos. Trotz Milliarden Aufbauhilfen verhungern Menschen neben Menschen, die nicht wissen wohin mit all dem Geld. Entwicklungsprojekte sind bereits Ruinen, bevor der Beton richtig ausgehärtet ist. Es fehlt an Voraussetzungen: Bildung, Infrastruktur, Rechtsstaatlichkeit, kompetenten Beamten und auch an Interesse der Entwicklungshelfer, die sich gut eingerichtet haben.
Afrika so abergläubig. Der weiße Mann gilt als Fürsorger und wird dennoch betrogen. Die Tatsache AIDS wird dann doch lieber mit Voodoo ausgetrieben oder geleugnet, aber keine Vorsorge betrieben. Versorgung kann sich der einfache Afrikaner nicht leisten. Doch hier den Verantwortlichen Geld zur Verfügung zu stellen ist sinnlos, außer zur Füllung der Bankkonten korrupter Entscheidungsträger.
Afrika so entwicklungsresistent. Jedes Entwicklungsprojekt scheitert hier. Im Run auf Rohstoffe überbieten sich die Staaten, nur, um mit ihrer Entwicklungshilfe ihre eigene Versorgung sicher zu stellen.
Grill hat hier ein ernüchterndes Buch vorgelegt, in dem die Malaise der Afrikaner beschrieben wird. Und dennoch hoffen diese Menschen weiter.
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